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„Mehrere Männer folgten mir“, berichtet Studentin Rahel – so erleben Anwohner in München die Wiesn

Дата публикации: 04-10-2026 12:16:00

Für die Anwohner rund um die Theresienwiese bedeutet das Oktoberfest jedes Jahr mehr als zwei Wochen Ausnahmezustand. FOCUS online hat sich erkundigt, was sie in dieser Zeit erleben.

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Für die Anwohner rund um die Theresienwiese bedeutet das Oktoberfest jedes Jahr mehr als zwei Wochen Ausnahmezustand. FOCUS online hat sich erkundigt, was sie in dieser Zeit erleben.

Rahel kennt das Oktoberfest in München mit seinen schönen Momenten ebenso wie die Schattenseiten des größten Volksfests der Welt. „Man erlebt alles“, sagt die 24-jährige Studentin. Sie geht selbst mit Freunden zum Feiern, kennt als Anwohnerin der Schwanthalerhöhe jedoch auch die Auswüchse der exzessiven Saufgelage.

Studentin auf dem Heimweg von Männern verfolgt

Im Gespräch mit FOCUS online wirkt Rahel zweigespalten. „Als Studentin genieße ich das auch bis zu einem gewissen Grad“, betont sie. Sie freut sich über das Leben, die gefüllten Cafés, Restaurants und Bars im Viertel. Die Wiesn sei für alle Geschäftstreibenden ein „willkommener Wirtschaftsboost“. Damit einher gingen allerdings auch kritische Momente. „Es gab mehrere Vorfälle, bei denen mir Männer gefolgt sind“, schildert die 24-Jährige.

Erst in diesem Jahr sei sie morgens von einer Feier nach Hause gegangen und habe eine unerwünschte Begleitung im Rücken gehabt. Zum Glück bereitete sich gerade ein Café auf die Öffnung vor. „Ich bin dort rein, und sie sind eingeschritten“, erzählt Rahel spürbar erleichtert.

„Wiesn ist schön – und ebenso, wenn Trubel wieder vorbei ist“

Rund um das Einkaufszentrum „Forum“ an der Schwanthalerhöhe würden Courage und Nachbarschaftshilfe großgeschrieben. So konnte sie einer brenzligen Situation entkommen. „Viele, vor allem die Touristen, kennen die Grenzen nicht“, sagt sie. Für sie sei das Oktoberfest eine Attraktion, während es für Münchner Teil des Stadtlebens sei.

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Ihr Fazit nach fast 16 Tagen Wiesn ist daher eindeutig: „Es ist schön, den Trubel für zwei Wochen zu haben. Aber es ist auch schön, wenn er vorbei ist.“ An der Schwanthalerhöhe müsse jeder seinen Umgang mit dem Ausnahmezustand im September finden. Ein Nachbar gehe deshalb immer zum Oktoberfest in den Urlaub, um das nicht miterleben zu müssen.

Hotels „unbezahlbar“: Wiesen legt andere Kultur-Events lahm

Es sind nicht nur die krassen Momente, die aufs Gemüt schlagen. In dem beschaulichen Viertel findet Ina plötzlich Drogenspritzen oder wacht nachts auf, wenn sich ein Rikschafahrer mit seinen Fahrgästen über den Preis streitet. Kein Wunder also, dass sich die Wiesnwochen für Ina „wie eine Ewigkeit“ anfühlen. Seit 13 Jahren wohnt sie hier, hat sich im Grunde daran gewöhnt.

Doch mit zunehmendem Alter und mit einer elfjährigen Tochter ändere sich die Wahrnehmung. „Jetzt würde ich am liebsten fliehen“, so die Mutter. Auch sie sei schon bis zur Haustür verfolgt worden – sogar tagsüber: „Das bleibt im Hinterkopf.“ Bei einem anderen Vorfall wollte ihr Partner einer Frau helfen, die betrunken auf der Straße lag. Plötzlich stürmte ein Mann aus einem angrenzenden Laden und sagte, er solle seine Freundin in Ruhe lassen. „Das ist krass, ein anderes Leben während der Wiesnzeit“, sagt Ina.

Zudem geht der Wiesntrubel mit Einschnitten in anderen Bereichen einher. Als Mitorganisatorin des belarussischen Kulturfests „Minsk X Minga“ weiß Ina, dass eine Veranstaltung während der Wiesn nicht realisierbar sei, „weil die Hotels sind unbezahlbar sind“. Deshalb bleibe im Grunde nur die Woche nach dem Oktoberfest, um noch das gute Spätsommerwetter mitzunehmen. Weil es vielen Kulturveranstaltungen so gehe, sei die Standortsuche dann allerdings erschwert.

Anwohner sehen auch Verbesserung

Die langjährigen Anwohnerinnen Doris und Katharina sehen dagegen sogar eine Besserung. Vor 20 Jahren hätten an etlichen Plätzen im Viertel betrunkene Menschen gelegen und überall hingepinkelt. Doris findet: „Das funktioniert jetzt besser.“ Durch die Absperrung des Geländes gingen die Oktoberfestbesucher eher zur U-Bahn als in das Wohnviertel hinein.

Katharina erinnert sich noch, wie sie mit ihren Kleinkindern auf dem Laufrad während des Oktoberfests durch den Bavariapark ging und auf Betrunkene beim Sex stieß. Dagegen klingt ein Vorfall aus dem Vorjahr harmlos: Ein Betrunkener verirrte sich auf das Garagendach der Nachbarn, nässte sich ein. Die Nachbarn lotsten ihn irgendwie von dort herunter, kleideten den Mann neu ein und halfen ihm, zurück ins Hotel zu gelangen.

Genauso freut sie sich auf dem Arbeitsweg über den autofreien Bavariaring. Als Mutter von zwei Töchtern verunsichern sie allerdings die Berichte von sexuellen Übergriffen rund um das Gelände.

„Gäste halten sich an Nachtruhe“: Wirt positiv überrascht

Erstaunlich positive Erfahrungen hat dagegen Marco gemacht. Am ersten Wiesnmontag eröffnete der 26-Jährige mit seiner Mutter und seinem Stiefvater die „Why Not“-Bar an der Gollierstraße nach einem Umzug vom Goetheplatz. „Untertags ist das sehr entspannt“, sagt er. In den zwei Wochen habe sich noch niemand in der Bar übergeben, zudem hielten sich die Gäste an die Nachtruhe. „Das ist in München ein heikles Thema“, weiß er.

Als Neu-Anlieger an der Schwanthalerhöhe sei er deshalb besonders vorsichtig, um trotz der Öffnungszeiten von 11 bis 5 Uhr die Nachbarn nicht gegen sich aufzubringen. Manche Kollegen reduzieren sogar die Öffnungszeiten oder schließen während des Oktoberfests ganz. Bisher habe sich zumindest niemand beschwert.

Dabei hat Marco einkalkuliert, dass der ein oder andere Wiesnbesucher bei der Feier im „Why Not“ zu tief ins Glas schaut. Rund 20 Bier- und fünf Weingläser gingen in den ersten zwei Wochen zu Bruch, schätzt er. Doch das nimmt der Wirt gelassen. „Das sind Kollateralschäden. Man muss wissen, welches Risiko man eingeht“, sagt er.

Gespannt sei er nun auf das Finale am Sonntag, wenn womöglich noch viele Feierwütige auf dem Heimweg in seinem Laden vorbeischauen. Gut möglich, dass dann noch weitere Gläser zu Bruch gehen: „Das werden ein paar Scherben mehr – die bringen Glück.“

Wichtiger sei ihm, dass die Nachbarn trotzdem in Ruhe schlafen können. Denn die will er auch außerhalb als Gäste für das „Why Not“ gewinnen.

Oktoberfest 2026

Marco und seine Familie sind mit dem "Why Not" neu an der Schwanthalerhöhe. Niklas Golitschek

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