Eine rassistische Verschwörungstheorie, verbreitet von Joe Rogan und Benny Johnson, macht USAID für den Aufstieg von Ella Langley verantwortlich. Totaler Unsinn.
Ella Langleys melancholische Country-Ballade „Choosin' Texas“ bricht Rekord um Rekord und thront seit Wochen an der Spitze nationaler wie internationaler Charts. Der ROLLING-STONE-Pick als Song des Sommers ist ein eingängiges Stück über Liebe, Verlust und den Lone Star State – doch manche auf der Rechten hören dabei ihre ganz eigene Melodie heraus: eine globale Verschwörung....
Der Beitrag Rechte behaupten: Rap ist tot – dank Elons USAID-Kürzungen erschien zuerst auf Rolling Stone.
Ella Langleys melancholische Country-Ballade „Choosin‘ Texas“ bricht Rekord um Rekord und thront seit Wochen an der Spitze nationaler wie internationaler Charts. Der ROLLING-STONE-Pick als Song des Sommers ist ein eingängiges Stück über Liebe, Verlust und den Lone Star State – doch manche auf der Rechten hören dabei ihre ganz eigene Melodie heraus: eine globale Verschwörung.
Nein, die Echokammern der Rechten behaupten nicht, Langley sei ein Nepo-Baby, ein Industry Plant oder treibe ihre Streams künstlich in die Höhe – das wäre zu naheliegend. Stattdessen haben einige der einflussreichsten Figuren der kulturellen Rechten in den vergangenen Wochen Verschwörungstheorien verbreitet, wonach Langleys Durchbruch nur deshalb möglich gewesen sei, weil Elon Musk und DOGE die U.S. Agency for International Development (USAID) – die US-amerikanische Behörde für internationale Entwicklungshilfe – ihrer Mittel beraubt hätten.
Die Theorie behauptet, USAID habe mit seinem jährlichen Budget von rund 40 Milliarden Dollar (vor Musks Eingriff) die amerikanische Rap-Industrie künstlich am Leben erhalten – zum Schaden anderer, angeblich „amerikanischerer“ Genres. Durch die Abwicklung von USAID habe DOGE den Weg freigemacht, damit „amerikanische“ Country-Künstler wieder die Charts anführen könnten – als wäre Rap nicht eine der zutiefst amerikanischen Kulturschöpfungen in der Geschichte dieses Landes.
Beweis? Keiner.Ihr Beweis? Nun ja, der Zeitpunkt der DOGE-Kürzungen fällt mit einem Aufschwung der Country-Musik in den Streaming-Charts zusammen. Vielleicht klingt das plausibel, wenn man die Augen fest genug zusammenkneift, die tatsächlichen Streaming-Daten ignoriert und dazu noch den gesunden Menschenverstand ausschaltet. Dazu kommt ein unübersehbares rassistisches Fundament, das das Ganze trägt.
Im Mai rief der rechtsextreme Social-Media-Poster und Hobbymusiker Steve Frassen seine Follower auf. „ACHTUNG STOLZE WEIßE: Alle, die Rap in den 1990ern und 2000ern gehasst haben, sind REHABILITIERT“, schrieb er. „Rap ist keine Musik. Es ist staatlicher DRECK, der von USAID finanziert wurde, um Middle America zu verdummen. Gönn euch eine Ehrenrunde, stolze Weiße, die nicht darauf hereingefallen sind!“
Binnen weniger Wochen landete die Behauptung im Podcast des chronisch leichtgläubigen Joe Rogan, der sie an seine Millionen Zuhörer weitergab. „Es gibt Leute, die glauben, dass Gangsta-Rap, als er in den 1980ern aufkam, […] von einer Fraktion, der Regierung, irgendeiner Fraktion, irgendwelchen Geheimdiensten popularisiert wurde, die mehr Kriminalität erzeugen wollten“, sagte Rogan – und verwies damit auf ältere, ebenfalls längst widerlegte Verschwörungserzählungen.
„Leute weisen darauf hin, dass gerade eine der seltenen Phasen ist, in der kein Rap in den Charts ist, und sie fragen: ‚Wie passt das mit der Abwicklung von USAID zusammen?‘ Hat USAID aktiv Rap-Musik gefördert? War das einer der Gründe, warum Rap-Musik so möglich war? Beliebt? Stimmt das? Das kann nicht stimmen“, fuhr er fort.
Rogan öffnet die SchleusenRogans Beschäftigung mit der Verschwörungstheorie, die bis dahin auf die extremeren Kloaken der sozialen Medien beschränkt geblieben war, trug sie direkt in die rechte Creator-Economy.
Podcaster Tim Pool teilte seinen Hörern Ende Juli mit: „Vielleicht war es USAID.“
„Rap-Musik ist zum ersten Mal seit 35 Jahren von den Billboard Top 40 verschwunden. Seltsam – ein paar Monate, also rund vier Monate nach der Schließung von USAID, verschwindet Rap aus den Billboard Hot 100. Interessant“, fügte er hinzu.
Während Langley den Spitzenplatz seit beeindruckenden 40 Wochen hält, ist das Genre keineswegs für denselben Zeitraum von den Charts „verschwunden“, wie manche Rechte behaupten. Am 31. Juli belegten Drake, Lil Baby und Young Miami allesamt Plätze in den Top 20 der Billboard Hot 100. Mac Miller, Ty Dolla $ign, Don Toliver, BabyChiefDoit und eine Reihe weiterer Künstler standen ebenfalls auf der Liste.
Pool, Pool und die Black Eyed PeasPool, der im Dauerzustand des verbitterten Hot-Topic-Teenagers der 2000er festzustecken scheint, legte nahe, dass die Black Eyed Peas irgendwie von staatlichen Eingriffen profitiert hätten. „Ich möchte, dass Sie an diese Oprah-Performance denken – die Black Eyed Peas sind dort – und es gibt eine große Menge, und auf der Kamera sieht es aus, als würde jeder diese Band lieben, und der Song läuft im Radio, und er wird in die Playlists aufgenommen, und Sie hören, was man Ihnen zu hören sagt“, klagte Pool – möglicherweise in Anspielung auf eine Oprah-Show-Auftaktparty aus dem Jahr 2009.
Clickbait-Fabrikant Benny Johnson behauptete am Donnerstag, „Libtards“ hätten keine Antwort auf Langley und seien über ihren Erfolg „am Boden“. Zur Klarstellung: Es gibt keine erkennbare Gegenbewegung gegen Langley oder ihre Musik, und sie hat sich öffentlich nie zu ihrer politischen Haltung geäußert.
Johnson beschrieb den Hit als Song über „Texas lieben“ – ein Beispiel dafür, wie viele dieser Creators zu echter kultureller Einordnung schlicht nicht in der Lage sind und stattdessen nur leicht umgemischte Versionen schablonenhafter Kulturkampf-Scharmützel für Klicks recyceln.
„Wir wurden unterdrückt und unsere Kultur wurde manipuliert und durch unsere eigenen Steuergelder und Geheimdienste einer Psycho-Op unterzogen, und Elon Musk hat das alles mit USAID beendet“, sagte Johnson. „Libs haben keine Antwort darauf. Also produziert ruhig noch einen Haufen Mumble-Rap-Müll, bitte, CIA, und erklärt uns, dass wir ihn mögen werden.“
Rassismus als SubtextEr betonte wiederholt, dass Langleys Song Rekorde gebrochen habe, die von Whitney Houston und Mariah Carey aufgestellt worden waren – zwei schwarzen Künstlerinnen –, und fügte hinzu, die „Queens der Popmusik“ seien gegen „echte amerikanische Kultur“ eingetauscht worden.
Country-Musik erlebt zweifellos einen Popularitätsboom, mit Künstlerinnen und Künstlern wie Kacey Musgraves, Morgan Wallen, Luke Combs und Stella Lefty, die allesamt große Hits landen. Wie ROLLING STONE bereits berichtete, bleiben R&B und Hip-Hop in der ersten Hälfte des Jahres 2026 in der Gesamtbetrachtung nach wie vor die stärkste Kraft im Streaming, auch wenn andere Genres an Fahrt gewinnen. Latin, K-Pop und andere fremdsprachige Künstler verzeichnen ebenfalls exponentielles Wachstum.
Der Rückgang von Rap und Hip-Hop in den Charts lässt sich zumindest teilweise auf eine umstrittene Regeländerung zurückführen, die „Billboard“ im Oktober des vergangenen Jahres vornahm. Das Magazin entschied, bezahlte Abonnement-Streams stärker zu gewichten als werbefinanzierte – und legte damit den Grundstein dafür, dass die Hot-100-Singles-Charts zum ersten Mal seit 1990 keinen einzigen Rap- oder Hip-Hop-Künstler in den Top 40 aufwiesen. Als Reaktion auf die Änderung stieg YouTube im Dezember aus seiner Datenpartnerschaft mit „Billboard“ aus und erklärte, die neue Richtlinie „spiegelt nicht wider, wie Fans heute mit Musik interagieren, und ignoriert das massive Engagement von Fans ohne Abonnement“. („Billboard“ und ROLLING STONE gehören demselben Unternehmen, Penske Media.)
Es liegt weitaus näher, dass die Chart-Probleme des Genres mehr mit diesen Faktoren und den üblichen Schwankungen in den Hörgewohnheiten zu tun haben als mit der Abwicklung einer Behörde, die sich vorrangig um Gesundheits- und Entwicklungshilfe im Ausland kümmerte. Doch die Rechten interessieren sich nicht für die Feinheiten von Streaming-Daten und Genreentwicklung. Sie sehen eine Gelegenheit, rassistische und nativistische Ressentiments auf dem Rücken einer jungen Künstlerin zu schüren, die nichts getan hat, um sich als neueste Kulturkampf-Obsession der Rechten zu positionieren – außer vielleicht einen Chart-Topper in dem Genre zu produzieren, das sie liebt.
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