In der Vergangenheit flog Werder häufig gegen vermeintliche Außenseiter aus dem DFB-Pokal. Das soll gegen Lüneburg am Samstag anders werden. Was Trainer Daniel Thioune plant.
In der Vergangenheit flog Werder häufig gegen vermeintliche Außenseiter aus dem DFB-Pokal. Das soll gegen Lüneburg am Samstag anders werden. Was Trainer Daniel Thioune plant.
Will das DFB-Pokalspiel gegen Lüneburg nicht auf die leichte Schulter nehmen: Werder-Trainer Daniel Thioune. Andreas Gumz
Jetzt wird es ernst: Nach einer teilweise etwas holprigen Vorbereitung startet der SV Werder Bremen am Samstag (15.30 Uhr) gegen den Lüneburger SK Hansa in die neue Pflichtspielsaison. Gespielt wird allerdings nicht beim Oberligisten, sondern vor großer Kulisse am Hamburger Millerntor (29.500 Zuschauer). Rund 20.000 Werder-Fans werden erwartet – was die Partie in der ersten Runde des DFB-Pokals beinahe zu einem Heimspiel für die Bremer macht. "Jetzt würde ich behaupten, die Vorbereitung hat sich erledigt. Bei mir ist die Vorfreude sehr groß", sagt Werder-Trainer Daniel Thioune.
Lüneburgs Trainer mit launiger AnsageDie Ausgangslage könnte dabei kaum eindeutiger sein: Werder ist der haushohe Favorit, der Gegner steht nach zwei Spieltagen mit einem Punkt auf Tabellenplatz neun. Für die Lüneburger ist das Pokalspiel dennoch der Höhepunkt der bisherigen Vereinsgeschichte. Der Club feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen und qualifizierte sich auf spektakuläre Weise für den Wettbewerb: Im Finale des Niedersachsenpokals lag Lüneburg gegen Bersenbrück bereits mit 0:3 zurück, setzte sich aber noch im Elfmeterschießen mit 10:9 durch.
Für den LSK ist es das vierte DFB-Pokalspiel der Vereinsgeschichte. 1992 gab es ein 0:3 gegen den Karlsruher SC, 2008 ein 0:5 gegen den VfB Stuttgart und 2017 ein 1:3 gegen den 1. FSV Mainz 05. "Meine Jungs werden sich beim Aufwärmen an diese imposante Kulisse gewöhnen müssen", sagt Lüneburgs Trainer Tarek Gibbah. Der 38-Jährige geht das Duell mit dem Bundesligisten dennoch mit Humor an.
Mit Blick auf die jüngsten Werder-Transfers von Ludovit Reis, Eren Dinkci und Niclas Füllkrug betonte Gibbah: "Ich habe beim Vorstand tatsächlich noch einmal nachgehorcht, ob wir den Transfermarkt vielleicht noch einmal sondieren müssen. Ich war schon etwas brüskiert, weil wir Reis, Dinkci und Füllkrug nicht auf dem Zettel hatten." Und er legte scherzhaft nach: "Wenn wir es ins Elfmeterschießen schaffen, kann ich besten Gewissens sagen, dass wir der Favorit sind!"
Werder hat schlechte Erfahrungen im DFB-PokalThioune nimmt den Außenseiter derweil sehr ernst. "Wir wollen keine Überraschungen", betont der Werder-Coach, der den Gegner mit seinem Trainerteam intensiv beobachtet hat. "Wir haben sie im Detail analysiert", sagt Thioune. Schließlich soll das vermeintliche "Spiel des Jahres" für den Außenseiter nicht auch für Werder zu einem Albtraum werden. "Das darf nicht passieren", stellt der Bremer Trainer klar.
Denn gerade im DFB-Pokal hat Werder in der ersten Runde durchaus schlechte Erfahrungen gesammelt. Kein anderer Bundesligist schied in der Auftaktrunde häufiger aus: 14-mal war bereits nach dem ersten Spiel Schluss. In den vergangenen fünf Jahren erwischte es Werder sogar gleich dreimal in Runde eins – jeweils gegen einen Zweit- oder Drittligisten. Zuletzt scheiterten die Bremer im Vorjahr bei Arminia Bielefeld mit 0:1.
Thioune will allerdings gar nicht erst darüber nachdenken, was passieren könnte, wenn der Favorit strauchelt. "Wir spielen als Bundesligist gegen einen Oberligisten. Das gibt mir die Zuversicht, dass wir damit umgehen können", sagt der 52-Jährige. Gleichzeitig weiß er, dass Geduld gefragt sein könnte: "Das kann vielleicht mal ein bisschen länger dauern." Für Werder zählt am Ende ohnehin nur das Weiterkommen. Wie dieses Ziel erreicht wird, sei zunächst zweitrangig: "Für mich ist wichtig, dass wir eine Runde weiterkommen, und alles andere, wie es dann stattgefunden hat, wäre mir dann auch erst mal egal."
Den zahlreichen Werder-Fans vor Ort möchte er dennoch gerne nicht nur ergebnistechnisch einen tollen Nachmittag schenken. "Ich weiß um unsere Verantwortung, 20.000 Bremer im Rücken zu haben, die werden uns schon ordentlich antreiben", sagt Thioune. "Da werden wir dann auch versuchen, maximal erfolgreich zu sein – im Ergebnis wie auch in der Performance."
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