Thioune schwärmt von Füllkrugs Auftritt bei dessen Vorstellung. Der Trainer erklärt, welche Rolle der Rückkehrer künftig bei Werder einnehmen soll. Für andere Stürmer hat das Konsequenzen.
Thioune schwärmt von Füllkrugs Auftritt bei dessen Vorstellung. Der Trainer erklärt, welche Rolle der Rückkehrer künftig bei Werder einnehmen soll. Für andere Stürmer hat das Konsequenzen.
Niclas Füllkrug bei seiner Vorstellung. IMAGO
Persönlich kennengelernt hatte er ihn natürlich längst – bei ersten Anbahnungsgesprächen, beim konkreten fußballerischen Gedankenaustausch und schließlich auch während etwas Small Talk am Rande der Vertragsunterschrift. Werder Bremens Cheftrainer Daniel Thioune boten sich in den vergangenen Tagen und Wochen ausreichend Gelegenheiten, um sich ein Bild des Menschen Niclas Füllkrug zu machen. Am Mittwochabend hat er dieses Bild dann noch einmal verfeinert. Aus ganz anderer Perspektive. "Ich habe mir die Pressekonferenz von seiner Vorstellung angeschaut", berichtet Thioune, der dabei schnell folgenden Eindruck gewann: "Wow, der Junge hat Bock und Energie! Das war ja Selbstvertrauen ohne Ende. Man hätte es in Flaschen abfüllen und verkaufen können." Euphorische Trainersätze, die Füllkrugs launigen Auftritt gut umschreiben – und davon zeugen, dass sich Thioune mächtig auf die Zusammenarbeit mit dem Rückkehrer freut. Wie genau er mit dem international erfahrenen Stürmer plant, hat der Chefcoach kurz vor dem Pokalspiel gegen Lüneburg (Samstag, 15.30 Uhr, Millerntorstadion) verraten.
Dass Füllkrug ab sofort nicht nur Gesicht (und vermutlich auch der Wortführer) der Mannschaft, sondern sogar die Gallionsfigur des gesamten Vereins ist, darüber ist sich Thioune absolut bewusst. "Er nimmt Raum ein, und das ist auch seine Rollendefinition", erklärt der Trainer, für den der Transfer nicht bloß eine fußballerische Dimension hat. "Wir haben mit Fülle einen gefunden, der uns aus der vermeintlichen Lethargie, in der wir uns viele Monate lang bewegt haben, rausziehen will." Einen, der die Hierarchie, das Klima und das Binnenverhältnis in der Kabine allein durch seine Anwesenheit maßgeblich beeinflusst. "Wenn jemand schon so viel vom Planeten Fußball gesehen hat, dann hat alles, was er sagt, Hand und Fuß", hält Thioune fest. Mehr Macht kann ein Trainer einem Fußballer öffentlich kaum zusprechen. Woraus sich ableiten lässt, dass Niclas Füllkrug, der bei Werder künftig mit der legendären Rückennummer 10 aufläuft, im Sturmzentrum gesetzt sein dürfte. Auch wenn Thioune diese These noch nicht unterstreichen wollte.
"Wir haben noch nicht entschieden, welche Stürmer im Pokalspiel auf dem Platz stehen", sagt der 52-Jährige, dem alternativ zu Füllkrug auch Neuzugang Cedric Itten sowie Talent Salim Musah als Optionen für die zentrale Angriffsposition zur Verfügung stehen. Trotzdem wäre es eine ziemliche Überraschung, sollte Füllkrug gegen den Oberligisten nicht beginnen. Klar ist: Für die anderen Mittelstürmer hat sich durch die Verpflichtung des 33-Jährigen eine komplett neue Gemengelage ergeben. Leidtragender Nummer eins ist WM-Teilnehmer Itten, der noch bis vor wenigen Tagen zumindest eine Hand auf einem Stammplatz hatte. Kurios: Erst vor wenigen Wochen hatte Thioune öffentlich erklärt, dass Werder bei der damals noch laufenden Stürmersuche keinen Spieler mehr holen wolle, der ein ähnliches Profil wie Itten aufweist. Was nach einer guten Nachricht für den Schweizer Nationalspieler klang, hat sich in Luft aufgelöst. Denn jetzt ist in Niclas Füllkrug genau so jemand gekommen, der dank seiner Werder-Historie und fußballerischen Erfahrung zudem ein echtes Schwergewicht ist. Als sich die Möglichkeit bot, den Angreifer zu bekommen, sei die Planung neu bewertet worden, berichtet Thioune, der Itten das Vorgehen erklärt hat.
"Ich habe am Mittwoch mit Cedric über die Situation gesprochen", berichtet der Trainer. "Wir sind im Leistungssport. Ihm war klar, dass noch ein Stürmer kommt. Einen von dem Format hat er vielleicht nicht unbedingt erwartet, aber wir müssen das tun, was wir als das Beste für den Verein erachten." Itten habe professionell reagiert. "Cedric ist Profi und Teamplayer", sagt Thioune, der übrigens nicht ausschließt, perspektivisch mit zwei Mittelstürmern spielen zu lassen: "Vielleicht muss man auch mal über eine Systemänderung mit zwei wuchtigen Stürmern oder einer Dreierkette nachdenken. Das ist alles offen." Auch Salim Musah dürfte das gerne hören. Das Talent soll im Schatten von Niclas Füllkrug weiter reifen. "Salim muss es doch jetzt jeden Tag Spaß machen, neben so einem Spieler auf dem Platz zu stehen", sagt Thioune – und verspricht: "Salim Musah mit einer Winterjacke auf die Tribüne zu setzen, ist nicht meine Idee." Ungeachtet dessen hat der Coach auch mit Füllkrug Großes vor – er möchte ihn zurück in den Dunstkreis der Nationalmannschaft bringen. War Füllkrug dem Thema "DFB-Rückkehr" bei seiner Vorstellung am Mittwoch noch ausgewichen, erklärt sein neuer Trainer: "Meine Idee ist es schon, ihn wieder in eine solch gute Verfassung zu bringen, dass er in Zukunft auch wieder für andere Personen interessant sein könnte." Mit besten Grüßen an Jürgen Klopp.
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