Die Green Solutions Capital GmbH verspricht mit Anleihen in Medizintechnik hohe Renditen. Das Angebot wirft viele Fragen auf. Die Gruppe steht auf unserer Warnliste.
In der Werbung ist die Welt in Ordnung: Die Green Solutions Gruppe präsentiert sich in einer Broschüre unter der Marke „GSC Medical“ als bankenunabhängiger, erfahrener Spezialist für Sachwerte. Das Geld der Anleger fließe in „reale Werte, keine Spekulation“ – in greifbare Medizintechnik wie MRT-Systeme und Versorgungszentren, die die Broschüre der Gruppe aufgrund einer alternden Bevölkerung als „politisch, demografisch und technologisch“ gesicherten und „krisenfesten“ Markt bewirbt.
Weil Gesundheit „keine Ermessensentscheidung“ sei, verspreche dieser Bereich eine „Bodenhaftung“, die spekulativere Anlagen nicht erreichten; das Kapital fließe in Güter mit „nachgewiesener“ Substanz. Die Gruppe verschickt Werbung an Interessierte, die sich über die Website melden. „Exklusiv für Sie reserviert“ seien die Unterlagen, schreibt Geschäftsführerin Camelia Simion an einen Interessenten. Beigelegt waren ein Zeichnungsschein und die Anleihebedingungen für die GSC Medical Anleihe 2026 der Green Solutions Capital GmbH: 9,25 Prozent Zinsen jährlich, Mindestanlage 10 000 Euro, unbegrenzte Laufzeit, Gesamtvolumen bis zu vier Millionen Euro. Man möge unterschreiben und überweisen, wegen „Verzögerungen bei der Post“ gern auch per E-Mail zeichnen.
Geschäftsanschrift ohne eigenes BüroEmittentin der GSC Medical Anleihe ist die Green Solutions Capital GmbH, Tuchlauben 7a in Wien – eine Adresse, an der ein Business-Center Geschäftsanschriften ohne eigenes Büro vermietet. Ideal für Briefkastenfirmen. Auf Anfrage heißt es, dass eine Geschäftsadresse ohne physisch ansässigen Sitz vor Ort bei digitalen Geschäftsmodellen etabliert sei. Auf Rückfragen wird ergänzt, man arbeite vorwiegend im Homeoffice. Gegründet im August 2024, gehört die Gesellschaft zur Green Solutions Gruppe um die Green Solutions Wealth Creation GmbH (Frankfurt, 2022) und die Green Solutions Holding GmbH (Wien, 2024). Die Stiftung Warentest warnt seit dem Juli 2025 vor den Firmen der Gruppe, eine Anfrage blieb damals unbeantwortet.
Alleinige Geschäftsführerin aller Gesellschaften ist Camelia Simion. Die Gruppe wirbt mit „über 25 Jahren Erfahrung“ – dabei existiert die älteste Gesellschaft laut Registern erst seit November 2022. Simion erklärt die Angabe mit der „Summierung der jeweiligen Branchenerfahrung der beteiligten Mitarbeiter“. Auffällig dabei ist, dass Emittentin und Holding keine Mitarbeiter namentlich angeben und deren Geschäftsführerin Simion 1985 geboren wurde. Angaben zum beruflichen Hintergrund von Mitarbeitern könne sie „aus Gründen des Datenschutzes“ nicht mitteilen, teilt Simion mit. Auch zu ihrer Qualifikation äußerte sie sich nicht.
Werbung widerspricht WirklichkeitDie Werbung verspricht Investments in Medizintechnik. Der Zeichnungsschein beschreibt die Haupttätigkeit der Gesellschaft jedoch anders als die Broschüre: Der Fokus liege auf „Investitionen in Bestandsimmobilien“, die man einkaufen, optimieren und wieder veräußern wolle. Von Medizintechnik ist an dieser Stelle keine Rede. Auch die Broschüre wirft Fragen auf: GSC Medical investiere „ausschließlich in Medizintechnik-Projekte mit nachgewiesener Substanz und geprüfter Ertragsstärke“ – ausgewählt aus „~500“ Projekten, von denen „weniger als 10 %“ ins Portfolio kämen.
Jahresabschluss mit null AnlagevermögenAngesichts der Betonung von Sachwerten auffällig: Der Jahresabschluss zum 31. Dezember 2024 weist ein Anlagevermögen von 0,00 Euro aus; zum Stichtag habe „noch kein operativer Geschäftsbetrieb“ bestanden, da die Gesellschaft erst 2024 gegründet worden sei. Die „geprüfte Ertragsstärke“, so Simion, beziehe sich „auf bereits getätigte Investments“ – die jedoch die Bilanz nicht ausweisen. Inzwischen sei der Geschäftsbetrieb angelaufen. Laut Anhang soll „bereits ab dem Jahr 2027“ ein positives Ergebnis erzielt werden. Die zugrunde liegende Planungsrechnung legte sie trotz Bitte nicht vor. Auch wer die ausgewiesenen Darlehen über 261 260 Euro erhalten hat und zu welchen Konditionen, teilt sie nicht mit – aus Gründen des Geschäftsgeheimnisses und des Datenschutzes. Auch die Konzernmutter Green Solutions Holding GmbH wies im Abschluss 2024 ein negatives Eigenkapital aus (minus 12 341 Euro). Bei der Green Solutions Wealth Creation GmbH war das Eigenkapital 2023 vollständig aufgezehrt, 2024 weist sie 35 340 Euro aus. Die Green Solutions Capital GmbH bezeichnet sich auf ihrer Website als „verlässlicher Partner für substanzorientierte Investitionen“. Dem stehen zum Ende 2024 Verbindlichkeiten in Höhe von 306 401 Euro und ein negatives Eigenkapital von 38 098 Euro gegenüber, bei 12 035 Euro Bankguthaben. Im Anhang des Jahresabschlusses beschreibt die Gesellschaft ihr Geschäftsmodell: Sie finanziere sich „aus der Zinsdifferenz zwischen gegebenen Darlehen und erhaltenen Nachrangdarlehen bzw. auf lange Sicht gesehen Anleihen“.
Nicht von Bafin geprüftKeine Gesellschaft der Green Solutions Gruppe findet sich in der Unternehmensdatenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Ein von der Bafin gebilligter Prospekt ist dort ebenso wenig auffindbar wie ein hinterlegtes Wertpapier-Informationsblatt. Laut Zeichnungsschein unterliegt die Emittentin „keiner behördlichen Aufsicht“.
Die Gesellschaft beruft sich auf Ausnahmen der EU-Prospektverordnung: Wer ein Angebot an weniger als 150 Anleger je Mitgliedsstaat richtet, braucht kein gebilligtes Informationsblatt. Diese Ausnahme greift aber nur, wenn sich das Angebot an einen begrenzten, gezielt angesprochenen Kreis richtet – nicht, wenn es öffentlich zugänglich ist. Eine „Bewerbung der Anleihe im Internet“ habe es nicht gegeben, teilt Simion mit; öffentlich beworben würden nur Angebote „ab einem Anlagebetrag von EUR 200 000,00 an qualifizierte Anleger“. Der uns vorliegende Zeichnungsschein nennt dagegen 10 000 Euro Mindestanlage, richtet sich an Verbraucher und enthält die dafür vorgeschriebene Widerrufsbelehrung für den Fernabsatz. Und dem Interessenten, dessen Unterlagen der Stiftung Warentest vorliegen, wurden die Zeichnungsunterlagen zugänglich, nachdem er über die Website Kontakt aufgenommen hatte.
Wie viele Personen in Deutschland angeschrieben wurden – die für die Ausnahme entscheidende Zahl –, nennt Simion nicht. In einer zweiten Stellungnahme versichert sie, dass im Kontext der Anleihe weniger als 150 und „ausschließlich nicht-qualifizierte Anleger“, also Privatanleger, angeschrieben worden seien. Ob die Ausnahme greift, ließ sich nicht überprüfen; belegen müsste das die Gesellschaft.
Anleger sollen zudem per Unterschrift bestätigen, den „Prospekt“ samt Risikohinweisen „genau und vollständig gelesen“ zu haben – ein Dokument, das nach Darstellung der Gesellschaft gar nicht erstellt werden muss und das Anleger selbst anfordern müssten. Darin sieht sie keinen Widerspruch.
Widersprüche in Zeichnungsschein und AnleihebedingungenAnschreiben und Zeichnungsschein nennen zwei verschiedene Konten bei zwei Banken. Für die erste Zinszahlung finden sich drei Termine – besonders widersprüchlich: der in den Anleihebedingungen genannte 15. Mai 2025 liegt fast ein Jahr vor dem festgelegten Ausgabetag 1. Mai 2026. Auch zum ersten Kündigungstermin nennen Anleihebedingungen und Zeichnungsschein unterschiedliche Jahre. Für eine Kündigung verlangen die Bedingungen eine „Bescheinigung der Depotbank“, obwohl „die Verbriefung in Einzelurkunden“ per Post kommt und kein Depot existiert. Diesen Punkt räumt die Gesellschaft ein: Die Klausel beruhe „auf einem anwaltlichen Versehen“, die Zeichner würden informiert. Zu den übrigen Abweichungen teilt sie mit, sie könne „keine Widersprüche feststellen“, und bittet um genauere Angaben; zwei Konten seien nicht unüblich.
Die VorgeschichteLaut Handelsregister übernahm Simion im April 2022 die Geschäftsführung einer Baugesellschaft von einem Herrn, vor dessen Firma die Stiftung Warentest 2024 warnte. Anleger meldeten dort ausgebliebene Zinsen auf Nachrangdarlehen, der ehemalige Geschäftsführer war nicht mehr auffindbar. Simion erklärt, zwischen den Green-Solutions-Gesellschaften und diesem Herrn bestünden „keinerlei geschäftliche Beziehungen“, auch sie selbst unterhalte keine.
Hinweis zur Warnliste Geldanlage der Stiftung Warentest
Die Warnliste Geldanlage listet alle Unternehmen, Geldanlageangebote und Dienstleistungen der vergangenen zwei Jahre auf, die die Stiftung Warentest negativ bewertet hat. Sie lässt sich kostenlos durchsuchen. Die Warnliste umfasst mehrere Rubriken und wird in der Regel mindestens einmal im Monat aktualisiert. Wenn zwei Jahre vergangen sind, werden Einträge gelöscht, wenn in der Zwischenzeit nicht erneut negativ berichtet wurde. Einträge, die älter als zwei Jahre sind und ohne Folgeberichterstattung blieben, sind ab dann nicht mehr auf der aktuellen Warnliste zu finden.
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