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KI-Chips: Nvidia macht GPUs zur Kreditsicherheit – es geht um Milliarden

Дата публикации: 17-08-2026 09:14:52

Nvidia will KI-Chips zu einer eigenen Anlageklasse machen. Sechs große Wall-Street-Institute sollen dabei helfen. Eine ungewöhnliche Idee, die nicht ohne Risiken ist.

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Goldgrube oder neue Kreditblase?

Nvidias gefährliches Spiel mit Chips und Krediten


17.08.2026Lesedauer: 5 Min.

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Nvidia-CEO Jensen Huang: Der milliardenschwere Plan, GPUs als Sicherheiten für Kredite zu hinterlegen, könnte den KI-Boom weiter befeuern, birgt aber auch enorme Risiken. (Quelle: IMAGO/Tom Williams/imago)

Nvidia will KI-Chips zu einer eigenen Anlageklasse machen. Sechs große Wall-Street-Institute sollen dabei helfen. Eine ungewöhnliche Idee, die nicht ohne Risiken ist.

Mit dem Selbstbewusstsein des Platzhirsches kündigte Jensen Huang vergangene Woche Großes an. "Es ist wirklich das erste Mal in der Geschichte, dass Chips eine investierbare Anlageklasse werden", sagte der Chef des weltgrößten Chipherstellers Nvidia dem US-Wirtschaftssender CNBC.

Die Kapitalmärkte reagierten trotzdem skeptisch. Die Nvidia-Aktie ging direkt nach Huangs Ankündigung auf Talfahrt. Allerdings hatte sie seit Januar rund 16 Prozent zugelegt, mehr als der S&P 500 Index. Damit surft sie nicht mehr ganz oben auf der KI-Welle, hält sich aber solide in einem schwankenden, von immer wieder optimistischen wie skeptischen Phasen geprägten Umfeld.

KI-Chips als Anlageklasse? Das hat sich noch keiner getraut

Chips als Anlageklasse zu betrachten statt als Hardware, die an Wert verliert – darauf muss man erst einmal kommen. Genau das hat der US-Halbleiterkonzern vor: Mit sechs der besten Wall-Street-Adressen wie Blackrock oder Goldman Sachs will Nvidia 500 Milliarden US-Dollar einsammeln, um den Ausbau von KI-Infrastruktur zu beschleunigen.

Das gilt insbesondere für Unternehmen, die sich die anfallenden Investitionen in Chips, Rechenzentren, Stromversorgung womöglich nicht oder nicht im erforderlichen Maße leisten können. Nvidia bietet ihnen entsprechende Restwert-Garantien.

Die Vorteile, zumindest aus Sicht von Nvidia, sind: weiter stabile Nachfrage nach Chips, weniger Engpässe bei Rechenzentren, von denen viel mehr gebraucht werden, als derzeit vorhanden oder im Bau sind, und die mit Milliarden US-Dollar Kosten zu Buche schlagen. Und schließlich das positive Signal: KI hat eine Zukunft, der Boom geht weiter. Doch die große Frage ist: Kann der Plan aufgehen?

Antje Erhard

(Quelle: Rüdiger Jürgensen)
Zur Person

Antje Erhard arbeitet seit rund 20 Jahren als Journalistin und TV-Moderatorin. Ihr Weg führte sie von der Nachrichtenagentur dpa-AFX u. a. zum ZDF. Derzeit arbeitet sie für die ARD-Finanzredaktion in Frankfurt und berichtet täglich, was in der Welt der Börse und Wirtschaft passiert.

Investoren gesucht

Das Modell von Nvidia und den Banken zielt darauf ab, institutionelle Investoren zu gewinnen, die nach neuen Anlagemöglichkeiten mit möglichst attraktiven Renditen suchen und sie in KI-Zentren und Chips zu finden hoffen.

Das Ganze soll so funktionieren: Finanzinstitute vergeben Kredite für den Aufbau von KI-Rechenzentren. Die verbauten Chips von Nvidia dienen als Sicherheit – vergleichbar mit Immobilien bei Hypotheken. Die Forderungen werden an Investoren verkauft: an Versicherungen und Pensionsfonds. Nvidia übernimmt Restwert-Garantien von bis zu 25 Prozent der geplanten Investments. Damit sinkt das Kreditrisiko für die Banken. Die Kunden von Nvidia, die die Chips kaufen, erhalten wiederum bessere Zinskonditionen.

Kreativ in Nachfrage-Beschaffung

Nvidia ist schon lange kreativ, wenn es um die Nachfrage geht. Das Unternehmen beteiligt sich häufig an seinen Kunden – oder bürgt für Kredite. Ein Beispiel: Ende Juli steckte Nvidia fünf Milliarden US-Dollar in das Start-up Safe Superintelligence. Das will eine künstliche Superintelligenz entwickeln und bekommt von Nvidia dafür massiv Rechenleistung.

Nach Angaben des Finanzdienstleisters Bloomberg sind auf diese Art durch Nvidia Geschäfte von über 750 Milliarden US-Dollar entstanden. Allerdings stellt sich die Frage: In welchem Umfang finanziert Nvidia so indirekt die Nachfrage nach seinen eigenen Produkten mit?

Nähern wir uns dem Ganzen sachlich: Nvidia hat eine besondere Marktstellung und dominiert nach Angaben von Experten mit einem Anteil von rund 75 bis mehr als 80 Prozent den Markt für KI- und Rechenzentren-Chips. Doch die Konkurrenz, zumal aus Asien, schläft nicht. Und so geht Nvidia womöglich auch deswegen diesen Weg und "unterstützt" Kunden und Partner.

Wie gut sind die Auftraggeber von Nvidia?

Nvidia gibt diese Garantien, weil vor allem kleinere Unternehmen häufig zu wenig kreditwürdig sind, um sich an traditionellen Schulden- bzw. Kapitalmärkten Geld zu besorgen. Das wirft Fragen nach der Qualität der Aufträge dieser Firmen auf.

Wenn Nvidias Umsätze immer stärker von Fremdkapital eigentlich kapitalschwacher Firmen abhängen, ist die Chip-Nachfrage in Teilen kreditabhängig. Das ist ein wichtiger Punkt. Darüber hinaus nehmen neue Faktoren wie steigende Zinsen zusätzlichen Einfluss auf die Nachfrage, da die Zinsen die Kosten der Kredite bestimmen, die Unternehmen mit Nvidia im Rücken erhalten.

Was, wenn der Wert sinkt?

Was ist nun aber, wenn der Wert dieser "Anlageklasse" Chips sinkt, weil neuere schneller und besser sind – auch wenn Nvidia behauptet, seine Software verlängere die Lebensdauer dieser GPUs, wie die Chips auch genannt werden, sodass Mietrenditen hoch und Abschreibungen moderat bleiben würden?

Schon heute ist zu beobachten, dass ständig neue Modelle und Generationen auf den Markt kommen. Ein schneller Wertverlust ist möglich, wenn ein Wettbewerber signifikant auf- oder überholt. Ein Wertverfall würde ein hohes Abschreibungsrisiko für die beteiligten Unternehmen bedeuten. Doch Nvidia ist, wie gesagt, der Meinung, mit Software-Lösungen gegenhalten zu können.

Kennen wir das irgendwoher?

Für mich sind zwei Punkte entscheidend.

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Erstens: Kredite mit Chips abzusichern, erinnert an das Modell verbriefter Hypotheken in den USA nach der Jahrtausendwende. Kunden kauften damals Häuser mit Krediten, die sie sich nicht leisten konnten. Banken hatten diese Kredite als vermeintlich sicher weltweit an andere Institute verkauft. Doch die Immobilienpreise fielen, die Zinsen stiegen, viele Kredite fielen aus und ein komplexes Zusammenspiel nahm weltweit seinen Lauf und gipfelte in der Finanzkrise.

Nun ist das nicht gleichzusetzen mit Nvidia: Damals war der Bankensektor in der Breite betroffen, hier geht es um andere Dimensionen, um Restwert-Garantien und Beteiligungen. Nvidia selbst ist liquide und wenig verschuldet.

Die Konkurrenz schläft nicht

Zweitens: China hat bereits mehrfach KI-Modelle und Chips vorgestellt, die mit US-amerikanischen vergleichbar sein sollen, aber einen Bruchteil der Kosten verursachen. Das hat die Börsen einige Male auf Talfahrt geschickt und Sorgen bei Investoren und Privatanlegern ausgelöst. Stand jetzt mag es noch so sein, dass zwischen den beiden KI-Nationen eine Lücke zugunsten der USA klafft.

Nvidia hat vor allem bei Hochleistungschips einen Gesamtvorsprung aus Fertigung, Software, Speicher und Ökosystem. Außerdem halten gegenseitige Export-Beschränkungen der beiden Länder USA und China die Spanne hoch, auch wenn es in letzter Zeit auf beiden Seiten Lockerungen und Ausnahmen gab.

Doch was ist, wenn China den Markt mit gleichwertigen, aber günstigeren Chips flutet? Wenn Chips ein Vermögenswert und eine Sicherheit sein sollen, wie viel sind sie dann noch wert? Das kann man derzeit schwer voraussagen. Wertminderung ist nach meiner Einschätzung aber ein Risiko. Zugleich drohen dann Zahlungsausfälle der Unternehmen, denen Nvidia Garantien geboten hat und die damit als Absatzkurbel fungieren.

Zukunftsmusik – die aber passieren kann

Das ist alles derzeit Zukunftsdenken. Die USA beschränken Exporte bestimmter Hochleistungschips nach China weiterhin stark und prüfen zugleich weitere Beschränkungen für chinesische Komponenten. Noch ist die Nachfrage allerdings weltweit hoch. Nvidias Marktanteil sowieso.

Einige Probleme des Marktes werden mit den über Chips abgesicherten Krediten ohnehin nicht gelöst: die Verfügbarkeit von Strom zum Beispiel, auch die Macht lokaler und regionaler Akteure. Einige Bundesstaaten in den USA begrenzen bereits den Bau von KI-Rechenzentren oder machen Auflagen zu Strom- und Wasserversorgung.

Risiken für Anleger

Sollten die geschilderten Risiken tatsächlich eintreten, könnten sich für Anleger leicht neue Probleme ergeben. Über Standardprodukte wie ETFs oder spezielle Themen-ETFs haben viele Kleinanleger massiv in KI und Technologie investiert. Schon mit einem simplen Basis-Investment in den S&P 500 oder MSCI World halten sie automatisch erhebliche Positionen in Nvidia sowie anderen großen Technologie- und KI-Unternehmen. Steigt deren Börsenwert stärker als der Gesamtmarkt, wächst auch ihr Index-Gewicht.

Die Bewertung der Nvidia-Aktie ist zudem nicht mehr banal. Sie fußt darauf, dass das Unternehmen stetes Wachstum generiert, und zwar überdurchschnittlich. Wenn am Markt schon geringe Zweifel daran aufkommen oder sich das neue Finanzierungsmodell als unrealistisch erweist, ist mit Kurskorrekturen zu rechnen. Da Nvidia in vielen ETFs vertreten ist, entsteht im Falle von Kursverlusten der Aktie ein Klumpenrisiko.

Am 26. August wissen wir womöglich mehr. Dann wird Nvidia Quartalsbilanz ziehen. Vielleicht wird dann mehr bekannt über Verträge, Start und Details der Idee, einen schnell alternden Technologie-Gegenstand zur Grundlage einer kreditfinanzierten Anlageklasse zu machen. Ob es Grund gibt, die Goldschaufeln wirklich auszupacken, lässt sich dann vielleicht besser beurteilen.

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