Mehrere Gesellschaften der Crowdfunding-Plattform Ecoligo haben Ende April und Ende Juli 2026 fällige Zahlungen an Anleger nicht geleistet. Das verheißt nichts Gutes.
Update [23.07.26]: Zahlungen zum 31. Juli ausgesetzt
Am 22. Juli 2026 teilte Ecoligo mit, dass die zum 31. Juli 2026 vorgesehenen Zins- und Tilgungszahlungen nicht wie geplant erfolgen. Erstmals betreffe dies einen Auszahlungstermin. Betroffen seien mehrere Emittentinnen. Bisherige Analysen hätten gezeigt, dass die aktuelle Situation nicht auf einzelne Projekte oder Länder zurückzuführen sei. Vielmehr hätten verschiedene Faktoren dazu beigetragen, dass die tatsächlichen Rückflüsse über einen längeren Zeitraum hinter den ursprünglichen Erwartungen zurückgeblieben seien. Im Internetforum Investmentcheck.community berichteten Anleger von Verzögerungen auch bei den Emittentinnen Ecoligo Projects Seven, Eight und Ten sowie bei der Anleihe EcoStart der Ecoligo Project Finance One GmbH.
Ecoligo hat sich auf die Finanzierung nachhaltiger Projekte im Ausland spezialisiert, vor allem auf Solaranlagen in Asien, Afrika und Lateinamerika. Schwarmanleger haben laut Ecoligo-Webseite 175 Projekte, die Energie erzeugen, über die Plattform vollständig finanziert. Die angestrebte Summe wurde bei diesen Crowdfundings also erreicht. Von den investierten 64 Millionen Euro seien 13 Prozent fristgerecht und vollständig zurückgezahlt worden. Nur 10 Prozent betreffe ein Zahlungsverzug, hieß es noch Anfang Mai. Auch wir hatten in unserer Auswertung 2025 bei Ecoligo bisher eher wenige Ausfälle verzeichnet.
Solaranlagen im Ausland finanziertViele Fundings waren ähnlich aufgebaut wie dieses Beispiel: Im Jahr 2022 konnten Anleger ab 100 Euro in das Nachrangdarlehen „McLeod Russel – Mwenge“ der Ecoligo Projects One UG (haftungsbeschränkt), Berlin, investieren. Sie sollten rund sechs Jahre lang bis zu 5,5 Prozent Zinsen pro Jahr erhalten. Die Nettoeinnahmen aus dem Nachrangdarlehen reichte Ecoligo Projects One als Kredit an eine Projektgesellschaft weiter, die den Bau einer Solaranlage in Mwenge, Uganda, für den Teeproduzenten McLeod Russel finanzierte. Ein Teil des Darlehensbetrags sollte während der Laufzeit getilgt werden. Nun fielen Ende April fällige Zahlungen von Ecoligo Projects One Anlegern zufolge aber aus.
Einzelne Endkunden als AuslöserDie Emittenten können ihre Verpflichtungen gegenüber den Anlegern nur erfüllen, wenn sie Mittel von den Projektgesellschaften erhalten. Diese wiederum sind darauf angewiesen, dass ihre Kunden den Strom wie vereinbart zahlen. Daran hakt es offenbar in einigen Fällen. Ecoligo teilte der Stiftung Warentest mit: „Die Stromzahlungen einzelner Endkunden in den Projektländern sind aus unterschiedlichen Gründen hinter den Erwartungen zurückgeblieben.“ Damit fehlten auch mehreren Projektgesellschaften und Emittenten die Mittel für fristgerechte Zins- und Tilgungszahlungen.
Angespannte finanzielle Situation„Die betroffenen Emittenten befinden sich derzeit in einer angespannten finanziellen Situation“, räumt Ecoligo in Fragen und Antworten zu den Verspätungen auf der Webseite ein. Wann und in welchem Umfang Zahlungen nachgeholt oder wiederaufgenommen werden könnten, sei noch unklar. Eine Insolvenz drohe aber nicht. Das liegt daran, dass Anleger bei nachrangigen Darlehen Ansprüche schon dann nicht mehr durchsetzen können, wenn durch die Zahlung eine Insolvenz drohen würde.
Einfluss anderer Projekte auf das eigeneWarum aber sind alle Projekte betroffen, bei denen im April eine Zahlung fällig war? Ein Grund ist die Konstruktion bei Ecoligo: Anleger investierten in ein konkretes Projekt wie Solaranlagen in Mwenge, Uganda. Das Geld stellten sie den Emittenten zur Verfügung, die es an die jeweilige Projektgesellschaft, bei Ecoligo oft Projektinhaber genannt, weiterleitete. Die Rückzahlungen an die Anlegerinnen und Anleger speisen sich aber aus Zuflüssen aller Projekte der jeweiligen Emittentin. Ecoligo erläutert daher, Anleger trügen „ein Portfoliorisiko“: Auch Projekte, in die Anleger nicht direkt investiert hätten, könnten sich positiv oder negativ auf ihr Investment auswirken. Das stehe auch in den Risikohinweisen der Investitions- beziehungsweise Vertragsdokumente.
Selbst sorgfältige Auswahl schützt nicht vor VerlustenWas das bedeutet, dürfte vielen Anlegern nicht bewusst gewesen sein: Selbst wer sein Investment sorgfältig auswählt und ein Projekt erwischt, das sich so gut wie erhofft entwickelt, ist nicht vor Verlusten gefeit, wenn andere Fundings des gleichen Emittenten schlecht laufen. Vor allem wer das erste oder eines der ersten Fundings eines Emittenten erwischt, investiert somit quasi im Blindflug und weiß nicht, welche Projekte sonst noch ins Portfolio des Emittenten kommen.
Restrukturierung bei Investments in VietnamIm Fall von Ecoligo gab es noch einen Umstand, der das Risiko erhöhte: Ab 2021 legte die Plattform Fundings auf, bei denen es weitere Geldgeber gab, die vor den Crowdanlegern zu bedienen sind. Der schwedische Investor Trine etwa hat Ecoligo Geld für Projekte in Vietnam zur Verfügung gestellt. In seinen Berichten zum dritten und vierten Quartal 2025 berichtet er auf seiner Webseite von wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Trine habe sich mit Ecoligo auf eine Restrukturierung geeinigt. Von November 2025 bis Ende Dezember 2026 müsse Ecoligo alle Mittel aus den Stromverkäufen, die nicht für den Betrieb und die Instandhaltung der Anlagen nötig sind, an Trine weitergeben. Die Restrukturierungsphase läuft demnach bis Dezember 2026. Erwartet werde, dass die Zahlungen etwa 60 Prozent der vereinbarten Beträge erreiche. Nicht geleistete Tilgungen würden zum offenen Kreditbetrag addiert, verzinst und später bedient.
Die Lage verheißt nichts GutesZumindest alle Emittenten und ihre Fundings mit Bezug zu Trine dürften damit noch über das Jahresende hinaus finanziell belastet sein. Es erscheint eher unwahrscheinlich, dass sie in den kommenden Monaten zahlen können. Daher verwundert die aktuelle Mitteilung von Ecoligo, es sei gar nicht absehbar, wann und in welchem Umfang Zahlungen wieder aufgenommen werden könnten. Erstaunlich ist auch, dass die Plattform nicht mitteilt, welche Emittenten und Projektgesellschaften betroffen sind. Früher hatte Ecoligo Problemfälle genannt, die etwa beendet werden mussten. Damit ist offen, ob es diesmal nicht noch mehr Problemfälle über Vietnam hinaus gibt, die noch nicht bekannt sind.
Anleger sollten Informationen zu Fundings sichernWie es für Anlegerinnen und Anleger weitergeht, ist völlig unsicher. Bei nachrangigen Geldanlageangeboten haben sie wenige Rechte. Es ist empfehlenswert, Informationen mindestens zu den eigenen Fundings zu sichern und sich mit anderen Ecoligo-Anlegenden auszutauschen. Gemeinsame Recherchen haben bei anderen Crowdfunding-Problemfällen hilfreiche Ergebnisse gebracht. Das gilt vor allem dann, wenn die Plattform selbst wenig konkret bleibt.
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