Die Crowdfunding-Plattform Rendity aus Österreich fällt mit vielen Problemfällen auf. Insgesamt stieg bei großen Betreibern der Anteil unplanmäßig verlaufender Fundings.
Die österreichische Crowdfunding-Plattform Rendity stellt den Betrieb ein. Die Internetseite soll mindestens bis Ende Mai noch erreichbar sein. Über sie verliehen Anleger Geld für Immobilienprojekte und sollten Zinsen und ihr Kapital zurückerhalten. Dabei handelte es sich um qualifizierte Nachrangdarlehen. Anlegerinnen und Anleger können dabei schon dann ihre Ansprüche nicht mehr durchsetzen, wenn durch die Zahlung eine Insolvenz droht. Im Insolvenzfall kommen sie erst dann an die Reihe, wenn erstrangige Gläubiger ihr Geld zurückerhalten haben.
Etliche Problemfälle bei Rendity und in der BrancheBei Rendity laufen viele Fundings nicht wie geplant, etwa wegen Insolvenzen oder Verzögerungen. In unserer Untersuchung der Zahlen aus dem Herbst 2024 galt das für gut 40 Prozent von 166 Fundings. Unter den Immobilien-Crowdfunding-Plattformen waren es nur bei Dagobertinvest mehr, nämlich gut die Hälfte.
Unsere Datenbasis bildeten dabei 2 760 Vermögensanlagen, darunter Nachrangdarlehen, für die 2015 bis 2022 bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht Dokumente zum Vertrieb über Crowdfunding eingereicht wurden. Bei den 17 größten Betreibergruppen insgesamt lief fast jedes dritte Funding nicht nach Plan. Aktuell gilt das für rund 35 Prozent dieser Fundings, bei Rendity sogar gut die Hälfte davon.
Zinsen später als vereinbart erhaltenAuch bei jüngeren Fundings, die nicht mehr Teil unserer Untersuchung sind, läuft nicht alles glatt. Das Nachrangdarlehen für die Gustav-Freytag-Straße 3 in Berlin (Foto) vermittelte Rendity im Jahr 2023. Anleger berichteten im Winter 2026, Zinsen einige Wochen verspätet erhalten zu haben.
Ansprüche durchsetzen? SchwierigBei vielen anderen Fundings warten Anleger viel länger auf ihr Geld, manchmal vergebens. Rendity räumte im Februar ein, es sei „nur in eingeschränktem Ausmaß gelungen, Darlehensnehmer zur Rückführung fälliger Beträge oder zur regelmäßigen Übermittlung von Informationen zu bewegen.“ Für Anleger könnte es nun noch schwerer werden, Ansprüche direkt durchzusetzen.
Wer stellt Verlustbescheinigung aus?Bei Nachrangdarlehen gibt es keine Depotbank, die einen endgültigen Ausfall bescheinigt, damit Anleger Verluste steuerlich geltend machen können. Rendity verwies an die unmittelbaren Schuldner beziehungsweise an den Masse- oder Insolvenzverwalter. Das könnte schwierig werden.
Anlegerklagen gehen weiterDie Interessensgemeinschaft Rendity Anleger sieht die Rolle der Plattform kritisch. Ihre Klagegemeinschaft will in Deutschland und Österreich weiter gegen Rendity vorgehen. Klagen hemmen ihr zufolge die Abwicklung. Sich der Klage anzuschließen, ist inzwischen nicht mehr möglich, Anleger müssen gegebenenfalls selbst rechtliche Schritte ergreifen. Rendity ist nicht die einzige Plattform, gegen die Anlegerinnen und Anleger vorgehen. So beschäftigte sich etwa das Kammergericht Berlin Anfang März 2026 mit der Klage einer Anlegerin gegen die Sicherheitstreuhänderin der ebenfalls auf Immobilien spezialisierten Plattform Bergfürst.
Tipp: Geld und Informationen rechtzeitig sichernÜberweisen Sie bis Ende Mai Geld von Ihrem Rendity-Verrechnungskonto auf Ihr Bankkonto. Laden Sie alle Unterlagen zu Ihren Investments herunter.
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