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„Es war das Gefühl, für niemanden mehr nützlich zu sein“: In der Rente verliert Lorenzo (68) den Halt

Дата публикации: 05-10-2026 16:33:00

Der Ruhestand brachte Lorenzo nicht die erhoffte Erleichterung. Anstelle von Freiheit erlebte der ehemalige Manager vor allem Leere und den Verlust seiner alten Rolle.

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Der Ruhestand brachte Lorenzo nicht die erhoffte Erleichterung. Anstelle von Freiheit erlebte der ehemalige Manager vor allem Leere und den Verlust seiner alten Rolle.

Für Lorenzo S. aus Mailand bedeutete der Eintritt in den Ruhestand eine große Umstellung. Wie das italienische Magazin „D La Repubblica“ berichtet, hatte der heute 68-Jährige jahrzehntelang als Unternehmensmanager gearbeitet, oft bis zu 13 Stunden täglich. Mit dem Eintritt in den Ruhestand verschwanden für ihn nicht nur der Beruf, sondern auch das Gefühl, gebraucht zu werden.

Lorenzo kämpft nach der Pension mit dem Verlust seiner Rolle

Er habe sich vierzig Jahre lang über seine Arbeit definiert, sagt Lorenzo. „Ich war derjenige, der Entscheidungen traf, Probleme löste und den andere um Rat fragten.“ Den Ruhestand habe er zunächst als Befreiung erwartet. Dann habe sich jedoch das Gegenteil eingestellt. „Doch nach wenigen Monaten merkte ich, dass die Tage endlos wirkten, wenn das Telefon stumm blieb und nicht mehr klingelte.“

Laut „La Repubblica“ belastete ihn vor allem der Verlust seiner Funktion im Alltag. Während seines Berufslebens habe er kaum Hobbys oder andere feste Interessen entwickelt. Mit der neuen freien Zeit sei deshalb nicht nur Ruhe, sondern auch Orientierungslosigkeit gekommen. „Es war nicht die Abwesenheit der Arbeit, die mir zu schaffen machte. Es war das Gefühl, für niemanden mehr nützlich zu sein.“

Im Gemeinschaftsgarten findet Lorenzo neue Aufgaben

Die Wende begann, als ein Freund ihn in einen urbanen Gemeinschaftsgarten mitnahm. Dort war seine frühere Position bedeutungslos. Entscheidend war nur, mitzuhelfen. Für Lorenzo, der es gewohnt war, zu führen, war das zunächst ungewohnt. Gerade darin lag aber offenbar die Veränderung: Er lernte, zuzuhören, mit anderen zusammenzuarbeiten und Erfahrung weiterzugeben, ohne daraus Autorität abzuleiten.

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Heute geht Lorenzo weiterhin regelmäßig in den Garten. Wie „D La Repubblica“ berichtet, werden dort auch Lebensmittel für Familien im Viertel angebaut und gemeinsame Aktionen organisiert. Für den ehemaligen Manager hat sich dadurch die Perspektive verändert. „Heute ist es mir nicht mehr wichtig, wichtig zu sein. Es reicht mir, mich nützlich zu fühlen.“

Der mann aus Italien erlebt den Ruhestand nicht als Neuanfang, sondern als Verlust. Ein Gemeinschaftsgarten verändert später seinen Blick auf das Leben. (Symbolbild)

Der mann aus Italien erlebt den Ruhestand nicht als Neuanfang, sondern als Verlust. Ein Gemeinschaftsgarten verändert später seinen Blick auf das Leben. (Symbolbild) Getty Images/ Rafa Fernandez Torres
Warum der Ruhestand zur Belastung werden kann

Lorenzo erlebte nach dem Berufsende eine Krise, wie sie auch aus der Psychologie und Altersforschung bekannt ist. Wie der „Merkur“ unter Berufung auf den Heidelberger Psychologen Hans-Werner Wahl berichtet, kommen die meisten Menschen zwar gut im Ruhestand an.

Eine relevante Minderheit erlebt den Übergang jedoch als tiefen Bruch, vor allem dann, wenn der eigene Wert über viele Jahre hinweg nahezu ausschließlich aus dem Beruf gezogen wurde. In solchen Fällen geht es nicht nur um freie Zeit, sondern auch um die Frage, wer man ohne die alte Funktion noch ist. „Permanente Trauer über die verlorene Berufsrolle ist verständlich, aber langfristig nicht sehr hilfreich“, sagt der Experte.

Er rät unter anderem, verschiedene Aktivitäten auszuprobieren. Wahl nennt unter anderem Ehrenämter in sozialen Einrichtungen, handwerkliche Projekte oder Gartenarbeit.

Auch die Deutsche Rentenversicherung weist darauf hin, dass der Wegfall von Arbeit und Kollegen den Alltag von einem Tag auf den anderen grundlegend verändern kann. Umso wichtiger sind demnach neue Rollen, Ziele und Aufgaben, die als sinnvoll erlebt werden.

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