Auf die vierte Insolvenz bei Galeria reagierten Händler und Lieferanten: Warenvolle Verkaufsflächen wurden abgeriegelt – auch bei Karstadt in Saarbrücken. Insolvenzverwalter Kebekus bereitet alle Beteiligten auf harte Einschnitte zum Erhalt vor.
Düsseldorf/Saarbrücken · Auf die vierte Insolvenz bei Galeria reagierten Händler und Lieferanten: Warenvolle Verkaufsflächen wurden abgeriegelt – auch bei Karstadt in Saarbrücken. Insolvenzverwalter Kebekus bereitet alle Beteiligten auf harte Einschnitte zum Erhalt vor.
18.10.2026 , 10:38 Uhr
Nach dem vierten Insolvenzantrag beim Warenhaus-Konzern Galeria wurden bei Karstadt in Saarbrücken zahlreiche Regale mit Flatterband abgeriegelt. (Archivaufnahmen)
Foto: knDie finanzielle Schieflage bei Galeria hatte zuletzt auch direkte Auswirkungen auf Kunden der Warenhaus-Kette. Nicht nur, dass dort erstandene Gutscheine nicht mehr eingelöst werden können, auch zahlreiche Verkaufsflächen waren plötzlich abgeschirmt. Obwohl Waren dort in den Regalen präsentiert wurden, standen sie nicht zum Verkauf. Ein ähnliches Bild zeigte sich am Standort Karstadt in Saarbrücken, der zum Konzern gehört.
Allmählich soll sich aber die Lage entspannen, zumindest was die abgesperrten Abteilungen betrifft. Wie Verbraucher berichten, seien betroffene Bereiche in den Häusern wieder freigegeben.
Auch im letzten noch bestehenden Galeria-Warenhaus im Saarland soll dies der Fall sein. Hier waren unter anderem Küchenutensilien wie Töpfe und hochwertige Messer zeitweise hinter weiß-rotem Flatterband verbannt. Ein schriftlicher Hinweis informierte darüber, dass es vorübergehend nicht möglich sei, die Waren anzubieten.
Branchenbeobachter verbanden diese Vorgehensweise mit dem laufenden Insolvenzverfahren. So wollten sich Produzenten und andere Handelspartner davor schützen, dass die von Galeria noch nicht bezahlten Lieferungen in die Insolvenzmasse geraten, schlussfolgerten Experten. Die Saarbrücker Zeitung fragte bei der Pressestelle der Konzernzentrale in Düsseldorf nach. Allerdings blieb eine Antwort dazu aus.
Zuvor hatte ein Unternehmenssprecher in einer schriftlichen Medienmeldung allgemein verlautbart: „Der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Frank Kebekus und sein Team haben umfassende Vereinbarungen mit Lieferanten, Finanzierungspartnern und anderen Beteiligten erzielt, damit Galeria für das wichtige Weihnachtsgeschäft operativ stabil aufgestellt ist.“ Ob diese Einigung auch die Freigabe des zwischenzeitlich gesperrten Angebots betrifft, dazu gab es auf Anfrage keine Auskunft.
Der vorläufige Insolvenzverwalter Kebekus verhandle des Weiteren mit dem größten Geldgeber: US-Investor Gordon Brothers. Er war dem Unternehmen im Sommer mit einem 160-Millionen-Euro-Kredit zur Seite gesprungen, als sich bereits Ebbe in den Kassen des einstigen Kaufhaus-Giganten abzeichnete. Hier ist Kebekus zuversichtlich, dass es noch an diesem Wochenende eine Einigung gibt, was die Sicherung des Warenbestands betrifft. Das sagte er dem ZDF in einem Interview.
Zudem sicherte er für die kommenden Wochen zu: „Wir können den treuen Kunden von Galeria sagen, sie können im Weihnachtsgeschäft da ohne Bedenken einkaufen.“ Eine Lösung für die zwischenzeitliche Misere bei den Gutscheinen erwarte er zusätzlich. Und auch danach geht er davon aus, dass Warenhäuser eine Zukunft haben, wie der Fernsehsender aus Mainz berichtet. Aber für den Fortbestand müsse es „harte Einschnitte“ geben. Darauf bereite der Insolvenzverwalter alle Beteiligten vor. Galeria kämpft seit Jahren mit Umsatzrückgängen insbesondere durch den Online-Handel. Außerdem belasten hohe Mieten, große Verkaufsflächen und Energiekosten die Bilanz des Unternehmens.
Galeria hatte am 2. Oktober einen neuen Insolvenzantrag gestellt. Das Amtsgericht in Düsseldorf bestellte daraufhin Kebekus als vorläufigen Insolvenzverwalter. Er war bereits zweimal bei ähnlichen Verfahren für den Konzern tätig. Es ist die vierte Pleite seit 2020. Zurzeit zählt das Unternehmen noch 83 Häuser in 70 Städten bundesweit. Rund 12.000 Menschen sind für Galeria tätig.
Galeria hat keine eigenen Immobilien. So ist auch Karstadt in Saarbrücken Mieter in der Innenstadt. Über die bisherigen Konditionen und Verhandlungen herrscht Stillschweigen. Nur in einem Fall gab die Pressestelle von sich aus eine Stellungnahme: Kurz vor dem Insolvenzantrag habe es eine Einigung für Braunschweig gegeben. Das Haus sei somit vorläufig gesichert.
Karstadt in Saarbrücken galt in den vergangenen Jahren als profitabel. Dazu habe das Geschäft mit Kunden aus dem benachbarten Frankreich maßgeblich beigetragen. Nichtsdestotrotz hängt das Warenhaus an der Saar unweigerlich mit der wirtschaftlichen Entwicklung im Gesamtkonzern zusammen. Die deutsche Warenhaus-Gesellschaft Karstadt verschmolz vor Jahren mit dem Konkurrenten Kaufhof zu Galeria. Seit 2024 sind die beiden alten Namen aus der Firmenbezeichnung offiziell verschwunden.