Wallerfangen bekommt ein neues Ärztehaus mit vielen verschiedenen Fachrichtungen. Mit dem Abriss des alten Rewe-Marktes beginnt nun die heiße Phase. Der Investor verrät, wann der Neubau fertig sein soll.
Wallerfangen · Wallerfangen bekommt ein neues Ärztehaus mit vielen verschiedenen Fachrichtungen. Mit dem Abriss des alten Rewe-Marktes beginnt nun die heiße Phase. Der Investor verrät, wann der Neubau fertig sein soll.
24.09.2026 , 16:01 Uhr
Für den Neubau des Gesundheitszentrums Villeroy und Galhau in Wallerfangen muss ein 100 Jahre altes Gebäude im Ortskern weichen. Zuletzt war darin ein Rewe-Markt angesiedelt, bevor es jahrelang leerstand.
Foto: Nils StraßelDer Baggerfahrer wartet nicht lange. Als Bürgermeister Horst Trenz das Signal zum Abriss gibt, steigt er in seine Maschine und setzt deren Arm in Bewegung. An der Spitze ist eine riesige Schere. Die dicken Stahlträger der freigelegten Dachkonstruktion des ehemaligen Rewe-Marktes zerbrechen wie Stöckchen unter der Kraft der hydraulischen Beißzange. Dann wechselt der Fahrer den Aufsatz. Statt Schere kommt nun ein massiver Greifarm zum Einsatz. Er schlägt gegen die alten Steinmauern, Betonbrocken lösen sich. Ein Wasserstrahl bindet den Staub, der über der Baustelle liegt. Kurz darauf gibt eine ganze Wand nach und stürzt zu Boden.
Der Abriss des über 100 Jahre alten Gebäudes im Wallerfanger Ortskern hat begonnen. An seiner Stelle soll das „Gesundheitszentrum Villeroy & Galhau entstehen“. Für die Gemeinde ist der Rückbau der nächste große Schritt auf dem Weg zu einer neuen medizinischen Anlaufstelle.
Nach Angaben von Bürgermeister Horst Trenz soll der Abriss durch das Bauunternehmen Gihl Bau bereits Mitte der kommenden Woche abgeschlossen sein. Im Anschluss soll der Neubau entstehen. Investor Carsten Schürfeld erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, das Gesundheitszentrum solle im kommenden Jahr vollständig umgesetzt werden. Zum Jahresbeginn 2028 könnten dort bereits dann die ersten Ärzte einziehen und die Behandlung von Patientinnen und Patienten aufnehmen.
Das Angebot, das in dem neuen Zentrum gebündelt werden soll, ist umfangreich. Geplant sind eine pneumologisch-kardiologische Praxis, eine allgemeinmedizinische Praxis mit Hausärzten, eine Neurologie- und eine Kinderarztpraxis. Hinzu kommen eine Physiotherapie, ein medizinisches Labor und ein Orthopädietechniker. Außerdem sollen die Bäckerei Welling mit Café und Außengastronomie sowie eine Apotheke in das Gebäude einziehen. Für die Besucher soll es zudem mehr Parkplätze geben als am bisherigen Standort, erklärt Schürfeld.
Für Bürgermeister Trenz ist das Projekt von großer Bedeutung. Wallerfangen habe „kurz vor einem Praxissterben“ gestanden, sagt er der SZ. Die bisherigen Arbeitsorte der Ärzte seien teilweise zu alt oder nicht ausreichend barrierefrei gewesen. Zudem verursachten sie sehr hohe Energiekosten. „Mehr als glücklich“ sei er deshalb darüber, dass die medizinische Versorgung der Gemeinde durch das private Projekt gesichert werden könne.
Der Blick vom Rathausvorplatz auf das ehemalige Villeroy-und-Boch-Magazin. Lange hatte es das Ortsbild der Gemeinde geprägt.
Foto: Nils StraßelBauherrin des Projekts ist die Cadelro III GmbH & Co. KG. Zu den Beteiligten gehören unter anderem die Wallerfanger Sophienstiftung und der Hauptinvestor Carsten Schürfeld. Der selbst als Arzt tätige Schürfeld hat im Jahr 2006 bereits das Gesundheitszentrum Vauban in Saarlouis mit demselben Berater- und Architektenteam aufgebaut. Nun will er seine Erfahrung in das Wallerfanger Projekt einbringen. „Wallerfangen ist für mich ein Herzensprojekt“, betont er im Gespräch mit unserer Redaktion.
Dass ein früherer Plan, das Gelände medizinisch zu entwickeln, vor einigen Jahren gescheitert war, habe ihn persönlich getroffen. Vorgesehen war damals, das Areal rund um den verlassenen Rewe-Markt zu einem Ärztehaus mit betreutem Wohnen umzubauen. Wegen der Corona-Pandemie sei dieses Vorhaben jedoch nicht umgesetzt worden. Als Mediziner, Mitglied des Kuratoriums der Sophienstiftung und Bürger, der selbst in Wallerfangen lebt, habe ihn das „sehr geschmerzt“, erzählt Schürfeld. Deshalb habe er sich entschlossen, selbst Geld und Fachwissen in das Projekt zu investieren und gemeinsam mit den Partnern ein neues Gesundheitszentrum zu entwickeln – ähnlich wie zuvor in Saarlouis.
Der Neubau bedeutet für Wallerfangen allerdings auch den Verlust eines Gebäudes, das über ein Jahrhundert lang zum Ortsbild gehörte. Das markante Haus war 1920 als Magazin und Warenlager für die Villeroy-und-Boch-Steingutfabrik errichtet worden. In unmittelbarer Nähe des Rathauses gelegen, war es im Ortskern stets präsent und prägte den Blick auf die Gemeinde.
Über die Jahrzehnte erfüllte das Gebäude unterschiedliche Funktionen. Viele ältere Wallerfanger kennen es laut Trenz vor allem unter dem Namen „Senffabrik“, weil dort zeitweise eine solche untergebracht war. In den vergangenen Jahren diente das Gebäude schließlich als ungewöhnlicher Standort für einen Rewe-Markt. Danach stand es längere Zeit leer.
Unter Denkmalschutz stand das ehemalige Magazin nicht. Wegen zahlreicher Umbauten im Laufe der Jahrzehnte sei diese Einstufung nicht erfolgt, erklärt Trenz. Deshalb konnte der Abriss nun ohne größere denkmalrechtliche Hürden beginnen. Das historische Gebäude muss dem Gesundheitszentrum weichen – ganz verschwinden soll seine Geschichte aber nicht.
„Wir haben die historischen Rundbogenfenster ausgebaut, um sie vor dem Bagger zu retten“, erzählt Trenz. Noch gibt es erste Überlegungen, wie die Fenster künftig eingesetzt werden könnten. Geplant ist, sie bei der Aufwertung des Rathausumfelds zu verwenden und mit Informationen zur Geschichte der Gemeinde zu versehen. Als Vorbild dient dabei möglicherweise die Gestaltung der Grenzblickfenster im Wallerfanger Ortsteil Leidingen. So könnten Teile des alten Gebäudes auch nach seinem Abriss im Ortsbild erhalten bleiben. (pte)