Schwellenmärkte gelten als beliebte Depotbeimischung. Dieses Jahr sind sie trotz Krise besser gelaufen als Industrieländer. Wir zeigen, worauf Anlegende achten sollten.
2025 war für Schwellenländer im Rückblick ein gutes Jahr: Die globalen Schwellenmärkte verbuchten ein Plus von 18,5 Prozent, der Weltindex MSCI World legte nur um 7,2 Prozent zu. Dass Schwellenmärkte besser laufen als die etablierten Börsen aus den USA, Europa oder Japan, ist nicht die Regel. Den letzten größeren Vorsprung gab es 2017 – da liefen Schwellenländer mehr als doppelt so gut wie die Industrienationen. Einen kleinen Vorteil verzeichneten China, Indien, Brasilien und Co außerdem 2020.
Tipp: Einen Überblick über verschiedene Fonds und ETF, die Schwellenländer beinhalten, bietet die Fondsdatenbank der Stiftung Warentest.
Die Folgen des Iran-KriegsAuch im laufenden Jahr liegen die Schwellenmärkte vorn. Allerdings sorgte der Iran-Krieg zunächst für einen abrupten Stimmungswechsel, wie die Fondsgesellschaft Raiffeisen Capital Management aus Österreich analysiert: „Besonders der massive Anstieg der Preise für Rohöl und Raffinerieprodukte belastet speziell die energieimportierenden Länder in Süd- und Südostasien, während sich Rohstoffproduzenten wie Brasilien vergleichsweise gut behaupteten“, sagt Karin Kunrath, CIO bei Raiffeisen. Nach einem Kursrückgang im März entwickelten sich die Aktienmärkte der Schwellenländer im April aber wieder sehr gut.
„Angesichts des größten Energieschocks seit den 1970ern und einer bereits seit rund sechs Wochen anhaltenden Blockade der Handelsströme durch die Straße von Hormus hätte man weitaus stärkere Kursverluste erwarten können“, sagt Karin Kunrath. Dass diese bislang ausgeblieben sind, liege an mehreren Faktoren. Zum einen profitierten etliche Schwellenländer als Energieexporteure von den höheren Ölpreisen. Zum anderen gebe es zumindest bislang noch erhebliche Reserven zum Abfedern der aktuellen Lieferengpässe.
Schwellenmärkte seit Jahresbeginn im PlusDer folgende Chart zeigt für wichtige Anlageklassen tagesaktuell die jeweiligen Schlusskurse vom Vortag. Trotz der Kurskorrektur infolge der Eskalation in Nahost stehen Schwellenländer mit rund 15 Prozent im Plus – dreimal so viel wie der MSCI World, der nur Industrieländeraktien enthält.
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Was die Fantasie der Anleger anfacht, sind beispielsweise die im Vergleich zu den Industrienationen höheren Wachstumsraten in den Schwellenländern. Nach Prognosen der Weltbank sollten die Volkswirtschaften der Länder mit hohem Einkommen im Jahr 2025 um 1,2 Prozent wachsen, die der Schwellen- und Entwicklungsländer um 3,8 Prozent. Aber Wirtschaftswachstum alleine bedeutet noch nicht, dass auch die Börsen gut laufen. In der Vergangenheit war das nicht immer der Fall.
Über einen Zeitraum von zehn Jahren liegen die Schwellenmärkte hinter dem Weltaktienindex (siehe Grafik). Auch auf Sicht von 20 Jahren sieht die Bilanz der Industrieländer besser aus. Das zeigt unser Langzeit-Check verschiedener Anlagemärkte (Aktien, Anleihen, Währungen, Gold, Bitcoin) in unserem Sonderheft ETF im Test.
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„Die“ Schwellenländer gibt es eigentlich nicht – nicht mehr. Bis in die Nullerjahre hinein waren die Schwellenmärkte stark korreliert, heute sei das nicht mehr so, stellt die niederländische Fondsgesellschaft Robeco fest. Joshua Crabb, Head of Asia-Pacific Equities bei Robeco, erläutert: „Früher gingen die Anleger davon aus, dass sich diese Märkte relativ parallel entwickelten. Bei hoher globaler Risikobereitschaft floss Geld hinein, bei sinkender Risikobereitschaft floss Geld ab.“ Mittlerweile sehe das anders aus. Die Länder seien politisch unabhängiger und auch nicht mehr an denselben Globalisierungszyklus gebunden. Durch den Handel innerhalb Asiens sowie mit Märkten wie Lateinamerika und Afrika nehme die Abhängigkeit von den US-amerikanischen und westlichen Märkten ab.
IT als WachstumsmotorDie zunehmende Unabhängigkeit zeigt sich Robeco zufolge auch an der wachsenden Mittelschicht – mehr als zwei Milliarden Menschen –, die als interner Wachstumsmotor fungiere. Ein weiteres Argument, das für eine Geldanlage in Schwellenländern spreche, sei die digitale Transformation. Joshua Crabb nennt Südkorea und Taiwan als wichtige Akteure in der globalen IT-Lieferkette. Und er hebt ihre hohe Innovationsfähigkeit hervor: „Schwellenländer können einen Technologiesprung vollziehen und schneller modernste Technologien einführen als Industrienationen“, sagt Crabb.
Auch die Risiken im Blick behaltenWer in Schwellenländer investieren will, sollte die Risiken nicht außer acht lassen. Die Börsen der Schwellenländer sind schwankungsanfälliger als die der Industrienationen. Zu den wirtschaftlichen Risiken kommen häufig auch politische Unwägbarkeiten. In turbulenten Börsenphasen zum Beispiel kann es zu höheren Verlusten kommen als in den etablierten Märkten. Vor allem die Investition in einzelne Länder ist riskant.
Weltweit in Schwellenländer investierenDer globale Index MSCI Emerging Markets fasst die verschiedenen Schwellenländer der Welt zusammen. Mit einem Anteil von 25,5 Prozent macht China den Löwenanteil des Indexes aus. Taiwan kommt auf 22,5 Prozent, gefolgt von Südkorea mit 15,5 Prozent und Indien mit 12,6 Prozent. Erst an fünfter Stelle rangiert Brasilien mit einem Anteil von 5 Prozent. Außer asiatischen und lateinamerikanischen sind auch osteuropäische Schwellenländer im globalen Emerging-Markets-Index gelistet.
Asien, Osteuropa und Lateinamerika im VergleichWie unterschiedlich sich die verschiedenen Regionen entwickeln, zeigt ein Blick auf die Zahlen der unterschiedlichen Regionen. Der Absturz der Kurve des MSCI EM Eastern Europe im Frühjahr 2022 war Folge des russischen Angriffs auf die Ukraine.
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Die Indizes im einzelnen:
Schwellenländerfonds passen als Beimischung in ein gut aufgestelltes Depot. Wer möglichst breit investieren möchte, kauft einen globalen Emerging-Markets-Fonds. Es gibt mehrere Möglichkeiten.
Tipp. Gleich, für welche Variante Sie sich entscheiden: Beimischungen sollten nicht mehr als 30 Prozent des Aktienanteils ausmachen. Je spezieller die Beimischung, desto kleiner sollte sie sein. Sie können in Schwellenländern auch nachhaltig anlegen. Passende Fonds zu allen Varianten finden Sie in unserem Fondsfinder.
Das Tiger-Pantoffel-PortfolioAuch für Anlegerinnen und Anleger mit einem Pantoffel-Portfolio kommen Schwellenländer infrage. Wir haben extra für sie den „Tiger-Pantoffel“ entwickelt. Der sogenannte kleine Tiger sieht im Renditebaustein einen ETF auf einen Weltindex vor, der Industrie- und Schwellenländer kombiniert. Beim großen Tiger-Pantoffel bestücken Sie Ihren Renditebaustein zu 80 Prozent mit einem klassischen Welt-ETF, der nur Industrieländer listet, und zu 20 Prozent mit einem eigenen ETF auf Schwellenländer. Mehr dazu finden Sie im Beitrag Anlegen mit Kick - Zehn Beimischungen im Test.
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