Der Schwellenländer-Index MSCI Emerging Markets lag zuletzt vor dem MSCI World, trotz Korrektur im Juli. Wie kommt es, dass der Index plötzlich besser läuft als früher?
Schwellenländer wie China, Indien, Südkorea oder Mexiko haben sich stark gewandelt. Vor ein paar Jahren noch hatten Anleger bei dem Begriff eher Entwicklungsländer vor Augen. Ihre Börsen und Unternehmen hatten viele Jahre lang nur eine geringe Bedeutung auf den Kapitalmärkten der Welt. Inzwischen sitzen dort bedeutende Tech-Firmen – die die ganze Welt mit Halbleitern, Handys und anderen technologischen Errungenschaften versorgen. KI, künstliche Intelligenz, prägt längst auch die Schwellenmärkte.
Hohe Gewinne, aber auch enorme RisikenDer Schwellenländer-Index hat auf Jahressicht 29 Prozent Plus gemacht, der MSCI World 19 Prozent (Stand 29. Juli 2026). Das klingt gut, aber die jüngste Entwicklung zeigt auch die Risiken: Allein in Südkorea brachen die Kurse im Juli deutlich ein. Mitte Juni stand für Südkorea noch ein Jahresplus von sage und schreibe 249 Prozent zu Buche. Jetzt liegt der Markt zwar noch immer mit sagenhaften 112 Prozent im Plus – doch dazwischen gab es aus Sorge vor einer möglichen KI-Blase eine große Korrektur, unter anderem verursacht durch die Kursrückgänge von Samsung Electronics und SK Hynix. Die Aktien der beiden Tech-Konzerne hatten im Index MSCI Korea Ende Juni ein Gewicht von knapp 67 Prozent. Auch der Aktienkurs von TSMC, Taiwan Semiconductor, ging nach monatelangem steilen Anstieg zuletzt deutlich zurück.
Auf Zehnjahressicht liegen die Industrienationen vorn: Plus 12,8 Prozent pro Jahr ist die Bilanz des MSCI World, plus 8,7 Prozent die des MSCI Emerging Markets (Stand 29. Juli 2026).
Den Schwellenländerindex von MSCI gibt es seit 1988MSCI führte den MSCI Emerging Markets Index (kurz MSCI EM) 1988 ein, vor knapp 40 Jahren. Den Weltleitindex MSCI World gibt es seit Anfang 1970. Zu den anfänglich berücksichtigten Ländern im MSCI EM gehörten: Argentinien, Brasilien, Chile, Griechenland, Jordanien, Malaysia, Mexiko, Philippinen, Portugal, Thailand.
Griechenland wurde später den Industrieländern zugeordnet, flog dort infolge der Schuldenkrise 2013 raus, soll nach Angaben von MSCI allerdings 2027 erneut Industrieland werden. Portugal ist auch längst zu den Industrieländern aufgestiegen. Argentinien ist nach mehreren verschiedenen Ausfällen seit 1988 inzwischen in keinem wichtigen MSCI Index mehr vertreten.
Was ist ein Schwellenland?
Die Definition von Schwellenland ist unterschiedlich. Der Internationale Währungsfonds, die Weltbank oder die UN nutzen zum Beispiel das Bruttonationaleinkommen, um zu entscheiden, ob ein Land zu den Industrie- oder Schwellenländern zählt.
Indexanbieter schauen auch auf die Größe der lokalen Börsen und Aktien, das Handelsvolumen, die Handelsinfrastruktur, freien Kapitalverkehr für ausländische Investoren oder die Stabilität des freien Marktes.
Südkorea zum Beispiel ist rein volkswirtschaftlich betrachtet eine Industrienation. Aber ausländische Investitionen werden streng reguliert und die Währung Südkoreas, der Won, ist nicht vollständig frei konvertierbar. Deshalb führt MSCI Südkorea als Schwellenland, FTSE zählt es zu den Industrienationen.
Seit dem Start des MSCI Emerging Markets Index mit 10 Ländern kamen stetig weitere Länder hinzu, so dass der Index nun 24 Länder umfasst. Im Sommer 1989 war Brasilien die Top-Position im Index, mit einem Anteil von rund 36 Prozent. Zwei Jahrzehnte später, 2019, hieß das Schwergewicht China. Sein Gewicht betrug 33 Prozent. Südkorea lag mit 13 Prozent auf Platz 2, Taiwan mit 12 Prozent auf Platz 3. So sieht es heute aus:
Es gibt auch einen Index, der sowohl Industrie- als auch Schwellenländer umfasst. Es ist der MSCI All Country World Index, abgekürzt MSCI ACWI. Zu Beginn betrug der Anteil der Schwellenländer im MSCI ACWI nur gut 1 Prozent. Inzwischen ist der Anteil der Schwellenländer im Verhältnis zu den Industrienationen deutlich gewachsen: Mitte 2026 belief sich das Gewicht der Emerging Markets im ACWI gut 12 Prozent.
Auch die Branchenzusammensetzung in den Emerging Markets hat sich gewandelt. Früher waren es oft Finanzwerte, die einen größeren Anteil hatten. Ähnlich zur Entwicklung in den Industrienationen beobachtet man mittlerweile auch in den Schwellenländern den Aufstieg von Firmen, die durch die von KI angefachte Fantasie getrieben werden.
Wir haben die Top-Positionen heute mit denen vor 20 Jahren verglichen: Seinerzeit waren Öl- und Gasfirmen noch Schwergewichte, ebenfalls Mobilfunk. Allerdings war Elektronik aus Südkorea und Taiwan bereits damals prominent vertreten.
Top-10 Juni 2006 (Anteil am Index: 19,5 Prozent)
Inzwischen haben fast alle Werte unter den Top 10 etwas mit KI zu tun und sind – wie auch im MSCI World – überproportional gewachsen. Der Anteil der Top 10 am Gesamtindex hat sich von 20 auf zirka 40 Prozent verdoppelt.
Top-10 Juni 2026 (Anteil am Index: 40,2 Prozent)
Der Trend zu KI zeigt sich auch in der Länderallokation, Taiwan und Südkorea haben sich inzwischen vor China geschoben.
Wie Sie in Schwellenländer investierenSchwellenländer eignen sich als Ergänzung in ein gut gestreutes Depot. Wie Sie dort anlegen können, zeigen wir ausführlich im Beitrag Mit dem Tiger auf Renditejagd. Passende Fonds und ETF hält unser Fondsfinder für Sie bereit.
*korrigiert am 3. August 2026
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