ETF entwickeln sich oft anders als der entsprechende Index. Dafür gibt es mehrere Gründe. Einige davon überraschen selbst erfahrene Anleger.
Ein Pluspunkt von ETF ist ihre Einfachheit: Sie sollen die Entwicklung des abgebildeten Markts möglichst genau nachbilden. Bei einem Deutschland-ETF heißt das also: Klettert der Dax um zwei Prozent, steigt auch der Dax-ETF um zwei Prozent – und umgekehrt.
Doch wer genau hinschaut, stellt fest: Es gibt Abweichungen zwischen der Wertentwicklung des Index und der des ETF. Woran liegt das? Dafür gibt es mehrere Gründe.
Es sind nicht nur die KostenViele Anleger schauen bei der ETF-Auswahl vor allem auf die Kosten, denn: Je günstiger der ETF, desto näher entwickelt er sich zum Index, den er abbildet – so die Vorstellung. Aber nicht nur die Kosten spielen dabei eine Rolle. ETF unterscheiden sich auch in weiteren Punkten, die die Wertentwicklung beeinflussen. Manchmal entwickelt sich ein günstiger ETF aus anderen Gründen sogar schlechter als ein teurerer.
Fonds können Quellensteuer optimierenJeder Fonds muss in der Regel Quellensteuer auf Erträge aus Zinsen und Dividenden zahlen. Die Fondsgesellschaft kann durch die passende Wahl ihres Sitzes die Quellensteuern beeinflussen. Irische Fonds (deren Isin beginnt mit IE) nutzen beispielsweise das irisch-amerikanische Doppelbesteuerungsabkommen, um Quellensteuern zu senken.
Das ist auch für Anleger ein Vorteil, sofern viele US-Titel im Index stecken, wie beim beliebten MSCI World. Dort machen amerikanische Unternehmen einen besonders hohen Anteil aus. Ganz anders sieht es bei Swap-ETF aus, wo die Indexnachbildung über einen Tauschpartner gesichert wird. Dabei ist es der Swap-Partner, der die Quellensteuer optimieren will, und nicht die Fondsgesellschaft selbst.
Die Vergleichsindizes, die wir nutzen, sind sogenannte Total Return oder Perfomance-Indizes. Das heißt, sie werden ohne Steuerabzug berechnet. Insbesondere für Aktien-ETF bedeutet dies, dass ETF diese Indexrenditen nie erreichen werden, weil in vielen Ländern, in denen sie investieren, Quellensteuer fällig wird. Bei Renten-ETF gilt das weniger. Dort schaffen es einige ETF, ihren Total-Return-Vergleichsindex fast haargenau abzubilden. Nur der Kostenabstand bleibt.
Art der Index-Abbildung spielt eine RolleBei einem Swap-Fonds ist der Swap-Partner verantwortlich für die genaue Indexabbildung, denn im Fonds selbst liegen andere Werte als im nachgebildeten Index. Swap-ETF können Indizes sehr genau abbilden, weil der Swap-Partner genau die Indexrendite abzüglich Quellensteuer und Kostenquote verspricht.
Physisch replizierende ETF, die die Titel des Index selbst kaufen, haben es bei der Nachbildung der Indexentwicklung oft schwerer. Dies gilt insbesondere, wenn der Index viele Aktien, Länder oder Zeitzonen umfasst oder auf Wertpapiere aus exotischen Märkten setzt. Jede Indexänderung, sogar jede noch so kleine Dividendenzahlung, muss dann vom Fonds selbst passend umgesetzt werden – bei einem so breit gestreuten Index wie dem MSCI World macht das viel Arbeit.
Weil viele Anbieter inzwischen langjährige Erfahrung aufweisen und die ETF auch groß sind, können auch komplexere Indexkörbe abgebildet werden. Dennoch gibt es Indizes, bei denen der ETF-Anbieter entscheidet, nicht alle Aktien im Index zu halten. So könnte es mehr Sinn machen, einige kleinere Titel auszulassen, dafür anderen Aktien aus einem vergleichbaren Markt oder Sektor mehr Gewicht zu geben. Wenn der Korb der ETF-Aktien und der Index-Aktien nicht identisch ist, können sich dadurch Abweichungen ergeben. Diese sind aber nicht systematisch. Der ETF kann mal besser, mal schlechter als der Index abschneiden.
Höhere Rendite durch WertpapierleiheEinige ETF-Anbieter wollen die Rendite verbessern, indem sie Erträge durch Wertpapierleihen erzielen. Der Anbieter verleiht Aktien aus dem Portfolio für einen bestimmten Zeitraum an andere Investoren und erhält dafür eine Gebühr. Ein Teil der Erträge aus der Wertpapierleihe kommt dem Fonds zugute.
Da derjenige, der die Titel ausleiht, pleite gehen könnte, bevor er die Titel zurückgibt, müssen für solche Geschäfte Sicherheiten hinterlegt werden. Dabei gilt: Je schwerer ein Wertpapier zu beschaffen ist, desto höher können die Erträge ausfallen. Standard-Aktien, also „Blue Chips“, bringen weniger Leihertrag als beispielsweise ein chinesisches Tech-Unternehmen. Der iShares Core MSCI World Ucits ETF erzielte die letzten zwei Jahre Leiherträge in Höhe von 0,02 bzw. 0,03 Prozent jährlich.
Handelskosten können Performance schmälernIn jedem Fonds fallen Handelskosten an. Sie werden aber nicht bei der Indexberechnung berücksichtigt. Fonds können Wertpapiere in der Regel viel günstiger handeln als Privatanleger.
Wenn aber Fonds viel handeln, können die Handelskosten durchaus ins Gewicht fallen. Ein Standard-ETF auf den MSCI World wie ein iShares-ETF handelt viel weniger als beispielsweise ein iShares-ETF auf den MSCI World Momentum Index, der immer die trendstärksten Aktien kauft. Dadurch fallen bei ihm typischerweise höhere Handelskosten an, im Geschäftsjahr 2025 waren das 0,044 Prozent des Fondsvermögens. Das wiederum kann die Rendite schmälern, wenn auch in kleinem Maße.
Tipps für Anlegerinnen und AnlegerUnterschiede bei der Rendite können sich auch ergeben, wenn die Stichtage für die Berechnung andere sind. So kann es bei der Rendite-Berechnung auf Basis von Monatsdaten passieren, dass bei manchen ETF-Anbietern der Stichtag auf dem 31. des Monats liegt, bei anderen auf dem 30. des gleichen Monats. Bei kurzfristigen Vergleichen können unterschiedliche Stichtage zu Abweichungen führen. Auf längere Sicht relativiert sich das oft.
Wer ETF vergleicht, sollte nicht nur auf die Kosten schauen, sondern auf die Renditeabweichungen zu anderen ETF auf den gleichen Index, möglichst über fünf Jahre. Wichtig ist auch, eine passende Seite für den ETF-Vergleich zu wählen. Denn nur wenn Wertentwicklungen in Euro angezeigt und Ausschüttungen (rechnerisch) reinvestiert werden, sind Performances vergleichbar.
Fazit: Unterm Strich lassen sich die Abweichungen vor allem auf Kosten, Steuern und die Art der Nachbildung zurückführen. Andere Unterschiede, etwa bei der Aktienauswahl, können die Rendite zusätzlich beeinflussen. Anleger müssen darauf achten, dass die Daten einen Vergleich ermöglichen – sie müssen in der gleichen Währung dargestellt sein und Ausschüttungen berücksichtigen.
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