Die Oscar-nominierte Soul-Diva Celeste ist für ihre gewaltige Stimme bekannt. Im Berliner Tempodrom steht der Abend zwischen Schmerz und Sehnsucht.
Konzert Celeste im Tempodrom Herzschmerz durch Stimmgewalt
Von Kai Salander
Als würde sie ein Lasso schwingen, lässt Celeste ihren Arm kreisen. Schon mit der ersten Nummer packt sie das Publikum. Zwei Keyboarder, Drummer, Bassist und Gitarrist bringen einen Discobeat, dazu zerrt und röhrt die Diva, erinnert an Soul-Queen Amy Winehouse.
Ihr Outfit liegt irgendwo zwischen Raumfahrt und Kiezkneipe: Auf dem Kopf wackelt eine verspiegelte Haube, dazu trägt sie nonchalant ein weißes Top, einen schwarzen Rock und ein Nietenarmband. Beim Singen steigt ihre Stimme bis zum Herzschmerz in die höchsten Töne, mal glasklar, dann wieder verletzlich.
Besuch von Bösewicht "Machine"
Plötzlich nimmt sie das Publikum mit in ein Tal der Finsternis. Auf der Bühne begrüßt sie, rein fiktiv, einen neuen Freund: "Machine", eine lyrische Figur aus ihrem Song "Could Be Machine". Der Nummer verpasst die Band einen Bösewicht-Sound, verzerrte E-Gitarren, gespenstische Akkorde über grollenden Basslinien.
Externer Inhalt
An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Youtube.
Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen
erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Jazz-Akkorde in jeder Faser
Bei der nächsten Nummer schwingt sie die Hüfte, als würde die 32-Jährige auf einem Rodeo reiten. "Hello, Hi!", ruft sie zweimal mit rauchiger Stimme, die Menge antwortet sofort. In einer kahlen Passage, einzig getragen von einem langsam wabernden Bass, beweist sie ihre volle Stimmgewalt und das ganze Tempodrom schwingt mit ihrem Organ.
Zwischendurch fragt sie unerwartet unsicher, ob alle ihre Lyrics gut hören können. Es sei immer so schön, in Deutschland zu spielen, sagt sie, das Publikum hier sei besonders respektvoll. Dann stützt sie sich lässig mit einer Hand auf den Mikrofonständer, geht in die Knie, fühlt die Jazz-Akkorde in jeder Faser. Ein Moment, der die Fans vor lauter Gefühl jubeln lässt.
Die meisten von ihnen sind zwischen 30 und 60, auffällig viele Paare, vielleicht auch, weil bei den Neo-Soul-Stücken immer eine Sinnlichkeit mitschwingt. Das Publikum steht wie angewurzelt vor der Bühne, lässt sich vom Wohlklang berieseln. Zwei Männer fachsimpeln über ihre eigenen Bandprojekte und den Querflöten-Unterricht in der Grundschule, feiern die Liveband: Handgemachte Musik sei einfach lebendiger als ein DJ-Set.
Winken im Walzertakt
Zur Nummer "Ideal Woman" erklärt sie, mit dem Song habe sie gelernt, sich selbst zu akzeptieren, einfach so, wie sie ist. Worte des Empowerments, die das Publikum mitten ins Herz trifft: lauter Jubel. Bei solchen Ansagen wirkt Celeste ganz nahbar, warmherzig — auch, als sie mit dem Publikum im Walzertakt von rechts nach links winkt und die Handy-Lichter angehen. Ein starkes Wir-Gefühl, das der Keyboarder schließlich mit überdeutlichen Klavierakkorden erdet.
Externer Inhalt
An dieser Stelle befindet sich ein von unserer Redaktion empfohlener Inhalt von Youtube.
Beim Laden des Inhalts werden Daten an den Anbieter und ggf. weitere Dritte übertragen. Nähere Informationen
erhalten Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.
Einen weiteren Song widmet sie einem Freund, der sich unterwegs verirrt habe, ja noch immer herumirre. Das E-Piano-Arpeggio drückt auf die Tränendrüse, Celeste singt aus vollem Schmerz: "People always change. It's just no good for me 'cause I just stay the same."
Auf der Bühne soll offenbar nichts von der alles vereinnahmenden Soul-Stimme ablenken. Das Bühnenbild, ein Minimal-Setup: Blaue und weiße Strahler beleuchten die Musiker, dahinter blicken die Fans ins Schwarze.
Rock-Nummer als Weckruf
Die Eskalation kommt plötzlich kurz vor Schluss. Bei der unveröffentlichten Live-Nummer "When Dreams Are Made Of Gold" wandelt sich der langsam trottende Soul zu Rock. Celeste singt, nein, sie schreit jetzt im blitzenden Strobolicht, eine Show kurz vor der Explosion, Lyrics wie Schwarzpulver, ein Blitzeinschlag auf der Bühne, dessen Energie sich in den Reihen entlädt.
Das Tempodrom erwacht aus der Trance. Headbangen in der ersten Reihe, einige reißen die Hände hoch, andere stehen noch immer still. Brauchen sie noch mehr Anschub? Ohne diesen Moment bliebe das Konzert wohl im reinen Wohlklang stecken. Die meisten Songs folgen einem ewig gleichen Muster: Celeste singt große Melodiebögen, steigt beherzt höher und höher, fällt wieder zurück, die Band trägt sie mit vorsichtig getupfter Gitarre und Klavierakkorden. So punktet die Show vor allem durch die große Stimme und die großen Emotionen dahinter.
Sendung: rbb24 Inforadio, 18.06.2026, 07:55 Uhr
Audio: rbb24 Inforadio, 18.06.2026, Kai Salander
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Konzertkritik zu PinkPantheress im Tempodrom | 0 | 7.84 | 03-06-2026 |
| 2 | Marillion in Berlin: Zuhören wie in der Oper | 0 | 13.11 | 15-07-2026 |
| 3 | Starke weibliche Stimmen in den Nordischen Botschaften - Ausstellung "The Sound of Courage" | 0 | 11.38 | 21-07-2026 |
| 4 | Konzertkritik: Cumbia-Band La Delio Valdez im Columbia-Theater | 0 | 15.99 | 21-07-2026 |
| 5 | Pulp in Berlin: Pure Energie statt Nostalgieveranstaltung | 0 | 10.36 | 26-06-2026 |
| 6 | Helene Fischer im Olympiastadion: Comeback mit "Herzbeben" | 0 | 10.39 | 14-06-2026 |
| 7 | Conchita Wurst im Renaissance Theater: Alltagsdiva mit Wahnsinnsstimme | 0 | 10.75 | 14-07-2026 |
| 8 | Sing dela Sing im Luftschloss Tempelhofer Feld | 0 | 7.77 | 07-07-2026 |
| 9 | Mumford & Sons in Berlin: Wem nicht das Herz aufgeht, hat vielleicht nie eins gehabt | 0 | 9.56 | 10-07-2026 |
| 10 | Zwischen Schweiß und Tränen: Bruno Mars im Olympiastadion Berlin | 0 | 6.66 | 27-06-2026 |