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Weniger Hürden für Open-Airs in Berlin? Mitte wagt einen neuen Ansatz

Дата публикации: 21-06-2026 13:55:07

Open Air Kultur hat an Bedeutung gewonnen. Doch für Veranstalter ist es in Berlin schwerer geworden, solche Events zu organisieren. Der Bezirk Mitte will es ihnen nun einfacher machen.


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Open-Air-Saison Wie Berlin mehr Freiluftveranstaltungen ermöglichen will

Anlässlich der Fete de la Musique 2025 tritt eine Band vor dem Schaufenster Theater in Berlin auf (Quelle: rbb)
Anlässlich der Fete de la Musique 2025 tritt eine Band vor dem Schaufenster Theater in Berlin auf (Quelle: rbb)
  • Bürokratie und komplizierte Anträge machen Veranstaltern Probleme
  • Berlin ist dichter geworden, Flächen fehlen, auch Lautstärke häufig ein Problem
  • Bezirk Mitte will nun Veranstaltungsflächen ausweisen, zum Teil ohne Genehmigungspflicht

Für Gerd Normann kommt die Fete de la Musique genau zur rechten Zeit. Denn im Sommer kann der Betreiber des kleinen Showfenster Theater in Reinickendorf ein bisschen Aufmerksamkeit gut gebrauchen. Aktuell merkt er, dass die Menschen weniger Geld ausgeben und im Sommer ihre Zeit lieber draußen verbringen. Er wird fünf Bands auf dem Vorplatz auftreten lassen und hofft, mit den Freiluftkonzerten die Menschen im Viertel zu versammeln. Schon im letzten Jahr hat das gut geklappt.

"Wenn das einfacher wäre, würde ich vielleicht hier einmal im Monat so eine Open-Air-Veranstaltung machen", sagt er. Doch ganz so einfach ist es nicht: gestiegene Kosten, fehlende geeignete Flächen und die schwierigen Genehmigungen machen es Veranstaltern von Open-Airs in Berlin schwer. Doch nun gibt es neue Vorstöße der Berliner Politik, um Kultur im Freien zu erleichtern.

Hoher bürokratischer Aufwand

Freiluftevents zu organisieren ist in den vergangenen Jahren schwieriger geworden. Allein die Produktionskosten seien laut Musicboard Berlin, den Veranstaltern der Fete de la Musique, seit der Pandemie durch Inflation und hohe Energiepreise um etwa 45 Prozent gestiegen. Hinzu kommen der bürokratische Aufwand und komplizierte Zuständigkeiten bei der Nutzung öffentlicher Flächen.

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Wenn das einfacher wäre, würde ich vielleicht hier einmal im Monat so eine Open-Air-Veranstaltung machen.

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Gerd Normann, Betreiber des Schaufenster Theaters

Gerd Normann hat selbst schon öfter Open-Air-Events organisiert und kennt die Probleme mit den Genehmigungen. "Wenn ich vorher wüsste, was ich alles machen muss, dann ginge das ja schneller", sagt er. Meistens erfahre er die Bedingungen und Auflagen aber erst, wenn er den Antrag gestellt habe. Die Anträge seien ohnehin nur schwer verständlich. "Das ist ein eigenes Deutsch, was die sprechen", sagt Normann.

Um eine Veranstaltung im öffentlichen Raum zu organisieren, braucht man mehrere Genehmigungen: eine für Lärmschutz, damit die Anwohner nicht übermäßig gestört werden. Zudem sind Sondernutzungsgenehmigungen für die Flächen nötig. Hier kommt es genau auf die Art der Fläche an: handelt es sich um eine Grünfläche, eine Straße; eine Hauptstraße oder Nebenstraße. Das alles hat Auswirkungen darauf, ob der Bezirk oder Senat zuständig ist und welche Auflagen man erfüllen muss.

Betreiber Gerd Normann steht mit einem Musiker vor dem Schaufenster Theater (Quelle: rbb) Betreiber Gerd Normann steht mit einem Musiker vor dem Schaufenster Theater (Quelle: rbb)

Größere Hürden bei Genehmigungen

Bei der Fete de la Musique hat Gerd Normann diese Probleme nicht, da das Musicboard Berlin als Veranstalter die Anträge für die Genehmigungen übernimmt. Aber auch die Profis vom Musicboard nehmen wahr, dass es in Berlin schwieriger geworden ist, an Genehmigungen zu kommen. "Wir merken auch, dass es in manchen Bezirken nicht mehr so leicht ist, wie es vielleicht früher einmal war", sagt Marie von der Heydt, Geschäftsführerin des Musicboard Berlin.

Berlin als Stadt sei dichter geworden, Anwohnerbeschwerden dadurch gestiegen. Die Bezirke würden darauf reagieren und genau schauen, was sie erlauben. Die Anträge für Sondernutzungen zum Beispiel seien relativ aufwendig, man müsse etwa Zeichnungen mit einreichen. "Es kann auch gut sein, dass das dann abgelehnt wird", sagt sie. Für Veranstalter – insbesondere ohne große Vorerfahrung – ist es schwierig, sich davon nicht abschrecken zu lassen.

Open-Air-Flächen in Clubs wichtiger

Kritik kommt auch von der Clubcommission. Für die Clubs mit Open-Air-Flächen sei vor allem der Lärmschutz häufig ein Problem, sagt Aziz Sarr, Inhaber des Maaya Clubs auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain und Mitglied der Clubcommission. Das gesamte RAW-Gelände gelte beispielsweise als eine Adresse. "Wir müssen uns die Sondergenehmigungen mit unseren Nachbarn teilen", sagt Sarr. Deswegen hätte jeder Club nur wenige Tage, an denen man richtig laut sein könne.

Für ihn ist das misslich. Denn das Ausgehverhalten habe sich geändert, sagt Sarr. Viele Leute wollen explizit draußen und oft auch tagsüber feiern. Dem gegenüber stehen die Interessen einiger Anwohner, denen es zu laut ist.

Die Clubcommission setzt sich auch für Kollektive ein, die Raves im öffentlichen Raum veranstalten. Und dafür gebe es viel zu wenige offizielle ausgewiesene Orte, an denen das möglich sei, sagt Aziz Sarr. Das führe dazu, dass vieles illegal ablaufe - zum Leid der Behörden und auch der Clubs, deren Ruf damit angekratzt wird.

Aziz Sarr, Inhaber des Maaya Clubs (Quelle: rbb) Aziz Sarr, Inhaber des Maaya Clubs (Quelle: rbb)

Senatsverwaltung räumt Problem ein

Auf Anfrage räumt die Senatsverwaltung für Kultur ein, dass die Probleme rund um die Genehmigungen und die geeigneten Flächen seit Jahren bekannt sind. Man fördere deshalb bereits Maßnahmen und betreibe "einen engen Austausch mit relevanten Stakeholdern, um Hürden abzubauen, Standards anzugleichen sowie Flächen zu entwickeln."

Das scheint angesichts der Kritik aber bislang noch nicht den Durchbruch gebracht zu haben. Auch Förderprogramme wie "Draussenstadt", das in der Pandemie Freiluftveranstaltungen ermöglicht hat, sind inzwischen ausgelaufen.

Die Senatsverwaltung für Kultur verweist aber auch auf neue Ansätze, etwa das Projekt "Raumsonde" – eine kostenlose Online-Plattform für Menschen, die Events organisieren wollen. Im Antragsassistenten kann man seit April einfach herausfinden, welche Genehmigungen im spezifischen Fall nötig sind, in dem man dort die relevanten Daten eingibt.

Mitte plant erleichterte Genehmigungen für Open-Air-Feste

Der Bezirk Mitte hat nun ein Konzept ausgearbeitet, das es einfacher machen soll, kleine Feste im Freien zu veranstalten. Vorgesehen ist, dass Orte ausgewiesen werden, an denen diese prinzipiell möglich sind. 33 Orte kommen laut Bezirksamt dafür in Frage. Wenn dort kleine Feste ohne Musik ausgetragen werden sollen, müssen Veranstalter dies dem Amt künftig nur noch mitteilen, brauchen aber keine Genehmigung mehr – so der Plan. Aber auch Veranstaltungen mit Musik sollen möglich sein, hierfür sind weiterhin Genehmigungen nötig. Dafür wurden die Orte in vier Kategorien eingeteilt.

In Kategorie 1 sind Orte aufgeführt, an denen keine Musik möglich ist, etwa am Antonplatz oder im Bellermanngarten. In Kategorie 2 sollen Musikdarbietungen maximal für zwei Stunden möglich sein, etwa in der Koloniestraße oder am Lynarplatz. In der Kategorie 3 sollen bis zu acht Stunden Musik möglich sein – zum Beispiel am Arkonaplatz oder im Sprengelpark. Nur ein Ort – das Neue Ufer hinter der Heinrich von Stephan Schule - scheint dem Amt bislang für Kategorie 4 geeignet: Hier sollen Musikevents tagsüber und nachts ermöglicht werden.

Bei der Einteilung hat sich das Amt an der Entfernung zu Wohngebäuden orientiert. Je weiter weg sich die Orte von Wohnbebauung befinden, desto länger soll an den Orten Musik ermöglicht werden.

Auf einem Schild am Parkeingang des Treptower Parks steht "the space is ours" im Rahmen einer Protestaktion der Clubcomission Berlin. (Quelle: rbb24 Abendschau)
Protestaktion für das Raven unter freiem Himmel

Auf einem Schild am Parkeingang des Treptower Parks steht "the space is ours" im Rahmen einer Protestaktion der Clubcomission Berlin. (Quelle: rbb24 Abendschau)

Mehr Begegnung durch Kiezfeste

Ziel des Konzeptes sei es, dass Nachbarn mehr draußen miteinander feiern – möglichst niedrigschwellig mit wenig Aufwand. "Die Leute sollen nicht mehr gezwungen sein, von sich aus Karten malen zu müssen und Stände einzuzeichnen, um eine Genehmigung zu bekommen", erklärt sie. Stattdessen wolle das Amt selbst geeignete Orte ausweisen. Es gehe auch darum, Leute auf die Idee zu bringen, Kiezfeste zu veranstalten. "Das ist eine veränderte Haltung, wir sagen: Wir freuen uns, wenn du was machst!", erläutert Remlinger.

Die Bezirksbürgermeisterin erhofft sich dadurch auch den Effekt, dass sich Nachbarn besser kennenlernen und Menschen weniger einsam seien. Sie sehe ein großes Potenzial, den öffentlichen Raum positiv zu beleben. "So kann auch Fremdenfeindlichkeit entgegengewirkt werden", sagt Remlinger. Jetzt müsse das Konzept allerdings zunächst geprüft und klagefest gemacht werden.

Sendung: rbb24 Abendschau, 20.06.2026, 19:30
Video: rbb24 Abendschau, 20.06.2026, Anja Herr

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