Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

"48 Stunden Neukölln": Kunstfestival im Berliner Späti

Дата публикации: 03-07-2026 15:22:59

Das Kunstfesitval "48 Stunden Neukölln" zeigt beispielhaft, wie Kunst und Mensch im Alltag zusammenkommen. Immer mehr Kulturinstitutionen folgen dem Prinzip und verlassen ihre Häuser. Das allein reicht aber noch nicht, um Barrieren abzubauen.


Основное содержимое страницы с новостью.

Kulturelle Teilhabe im Späti Festival "48 Stunden Neukölln" bringt Kunst direkt zu den Menschen

Besitzer Ozan Teke im Juli 2026 in seinem Späti "Rixdorfer Getränke" am Karl-Marx-Platz in Berlin Neukölln. (Quelle: rbb/Wiebke Keuneke)
Besitzer Ozan Teke im Juli 2026 in seinem Späti "Rixdorfer Getränke" am Karl-Marx-Platz in Berlin Neukölln. (Quelle: rbb/Wiebke Keuneke)
  • Kunstfestival "48 Stunden Neukölln" macht Kunst an ungewöhnlichen Orten wie Spätis zugänglich
  • Studien: Soziale Barrieren hindern viele Menschen, an Kunst zu partizipieren
  • Begegnungsprojekte wie Opernbus sind wichtig, um Hemmschwellen abzubauen
  • Aber auch Repertoire muss sich ändern und an Zielgruppen anpassen

Von Franziska Walser Wiebke Keuneke

Zwischen Getränkekisten und Chipstüten hängen großformatige Gemälde: Nackte Frauenkörper in blauer Öl- und Acrylfarbe. Wer den Rixdorfer Getränke-Späti am Karl-Marx Platz in Neukölln betritt, will vielleicht eigentlich nur eine Flasche Wasser oder ein Feierabend-Bier kaufen. Stattdessen bleiben manche stehen. Sie lesen den kleinen Begleittext neben dem Bild und kommen mit dem Späti-Besitzer ins Gespräch.

Genau das gefällt Ozan Teke. Der 34-Jährige betreibt den Späti und macht bereits zum zweiten Mal beim Festival "48 Stunden Neukölln" mit. Wenn Sanaa Goldie, die Künstlerin, gerade nicht da ist, übernehme er das Gespräch, sagt er. Er freue sich, wenn Kundinnen und Kunden die Bilder betrachteten und sich fragen: "Was soll das bedeuten? Wofür steht das?"

Besitzer Ozan Teke im Juli 2026 in seinem Späti "Rixdorfer Getränke" am Karl-Marx-Platz in Berlin Neukölln. (Quelle: rbb/Wiebke Keuneke) Besitzer Ozan Teke im Juli 2026 in seinem Späti "Rixdorfer Getränke" am Karl-Marx-Platz in Berlin Neukölln. (Quelle: rbb/Wiebke Keuneke)

Vom 3. bis 5. Juli verwandelt das Kunstfestival "48 Stunden Neukölln" den Berliner Bezirk wieder in eine große Ausstellungsfläche [48-stunden-neukoelln.de]. Mehr als 1.400 Künstlerinnen und Künstler zeigen ihre Arbeiten nicht nur in Galerien, sondern vor allem auch in Einkaufszentren, einer Fahrschule, Hinterhöfen, Dönerläden oder eben Spätis.

Kunst soll Menschen im Alltag überraschen

Die Bilder im Späti stammen von der Berliner Künstlerin Sanaa Goldie. Sie will, dass Kunst dort stattfindet, wo Menschen ohnehin unterwegs seien. Zwischen Zigarettenschachteln und Colaflaschen sei Kunst plötzlich Teil des Alltags. Genau das mache den Ort so spannend: Dort kämen eben nicht nur Menschen vorbei, die sich ohnehin für Kunst interessieren. Kunst könne mitten im Leben Fragen aufwerfen und zum Nachdenken anregen, so Goldie.

Die Kunstwerke unter dem Titel "Dans tes rêves" (zu deutsch: In deinen Träumen) hat sie extra für "48 Stunden Neukölln" gemalt. Die nackten Frauenfiguren auf der Leinwand wirken eingeengt, obwohl keine Begrenzung zu sehen ist. Das passe gut zu dem diesjährigen Festivalmotto "OUT/SIDE/IN", findet die Künstlerin, die lange am Neuköllner Richardplatz gelebt hat.

Künstlerin Sanaa Goldie und Besitzer Ozan Teke mit ihrem Gemälde im Späti "Rixdorfer Getränke" am Karl-Marx-Platz in Berlin Neukölln. (Quelle: rbb/Wiebke Keuneke) Künstlerin Sanaa Goldie und Besitzer Ozan Teke mit ihrem Gemälde im Späti "Rixdorfer Getränke" am Karl-Marx-Platz in Berlin Neukölln. (Quelle: rbb/Wiebke Keuneke)

Genau auf solche Nachbarschaftsbegegnungen setzt "48 Stunden Neukölln". Pressesprecherin Zoë Matt-Williams beschreibt das so: Kunst finde eben nicht nur im sogenannten White Cube [schlichter, weißer Ausstellungsraum - Anm.d.Red.] einer Galerie statt, sondern im ganzen Bezirk. Viele Menschen liefen dann plötzlich einer Ausstellung oder Installation über den Weg, obwohl sie nur auf dem Weg zum Einkaufen seien. Der Ort wird damit selbst zum Vermittlungsangebot.

Lenin-Büste aus der DDR als Teil der Ausstellung "Enthüllt" (Quelle: rbb/Mara Nolte)
Zitadelle Spandau Hier landen Berlins toxische Denkmäler

Lenin-Büste aus der DDR als Teil der Ausstellung "Enthüllt" (Quelle: rbb/Mara Nolte)

Eintrittspreise längst nicht einzige Hürde

Die aktuelle Studie "Kulturelle Teilhabe in Berlin 2025" des Instituts für Kulturelle Teilhabeforschung (IKTF) zeigt: Eintrittspreise bleiben zwar eine wichtige Barriere, mindestens genauso wichtig sind aber Hürden, die auf den ersten Blick kaum sichtbar sind. Viele Menschen fragen sich: Bin ich im Museum oder in der Oper überhaupt willkommen? Weiß ich, wie man sich dort verhält? Sind die Themen für mich relevant?

Thomas Renz vom IKTF beschreibt diese Unsicherheit mit einem ungewöhnlichen Vergleich. Er gehe regelmäßig ins Theater oder Museum, sei aber nur einmal in seinem Leben in einem Fußballstadion gewesen. Dort habe er plötzlich dieselben Fragen gehabt, die viele Menschen vor einem Opern- oder Theaterbesuch hätten: Wie teuer sind die Tickets? In welchen Block muss ich? Darf ich Getränke mitnehmen? Solche Unsicherheiten führten dazu, dass Menschen Angebote gar nicht erst wahrnähmen.

Die Berliner Studie zeigt außerdem, dass kulturelle Teilhabe nach wie vor stark auf die Innenstadt konzentriert ist. Viele Menschen wünschen sich wohnortnahe Angebote. Gute Besucherzahlen einzelner Häuser seien deshalb noch kein Beleg dafür, dass Kultur tatsächlich alle Bevölkerungsgruppen erreiche.

Oper fährt selbst in den Kiez

Wie Kulturhäuser auf diese Erkenntnisse reagieren, zeigt der Operndolmuş der Komischen Oper Berlin [komische-oper-berlin.de]. Seit der Spielzeit 2012 fährt ein Kleinbus mit Sängerinnen und Sängern sowie Musikerinnen und Musiker in Berliner Kieze, Schulen und Nachbarschaftszentren. Initiator Mustafa Akça erinnert sich an die einfache Ausgangsidee: "Wenn die Menschen nicht zur Oper kommen, fährt die Oper eben zu ihnen - dorthin, wo sie leben und arbeiten."

Die Vorstellungen dauern meist nur 30 bis 60 Minuten und werden häufig mehrsprachig gespielt. Anschließend bleibt Zeit für Gespräche. Das Publikum wird von Mustafa Akça aktiv eingeladen, doch auch einmal die Komische Oper zu besuchen. Dafür gibt es einen Ticketfonds mit kostenlosen Tickets.

Nach mehr als einem Jahrzehnt ziehe man eine positive Bilanz, sagt Akça. Immer wieder bekomme das Team Rückmeldungen von Menschen, die den Operndolmuş kennengelernt hätten und später tatsächlich Vorstellungen in der Komischen Oper besuchten.

Nicht nur andere Orte, auch andere Geschichten

Für Mustafa Akça reicht es allerdings nicht, Oper einfach aus dem Opernhaus herauszuholen. Wer Menschen erreichen will, müsse sich auch fragen, ob sie sich in den Geschichten auf der Bühne wiederfinden. Deshalb setzt der Operndolmuş nicht nur auf klassische Werke, sondern entwickelt auch neue Stücke. Ab September steht beispielsweise "Fatma & Fatoş" auf dem Programm. Erzählt wird die Geschichte der ersten Gastarbeiterinnen in Deutschland.

Auch das gehört für Akça zu kultureller Teilhabe: Kultur soll nicht nur zugänglich sein, sondern das Repertoire eines Hauses muss an die Lebensrealität der Menschen anknüpfen, die es erreichen möchte.

Nicht die eine Lösung

Lange hätten Kulturinstitutionen gehofft, mit einzelnen Outreach-Projekten dauerhaft neues Publikum für ihr reguläres Programm zu gewinnen. Diese Vorstellung habe sich so nicht bestätigt, erklärt Thomas Renz vom Institut für kulturelle Teilhabeforschung.

Stattdessen plädiert der Kulturforscher für ein Umdenken: Kulturinstitutionen müssten sich von der Idee verabschieden, möglichst alle Menschen mit einem einzigen Kernangebot erreichen zu wollen. Unterschiedliche Zielgruppen bräuchten unterschiedliche Formate.

Das bedeute dauerhaft: mehr Produktionen und auch neue Berufsfelder. Angesichts der knappen Ressourcen im Kulturbetrieb heißt das unter Umständen aber auch eine Umverteilung von Geldern. Festival im Späti oder eine mobile Oper aus dem Kleinbus sind deshalb kein Appetithappen für das klassische Kulturprogramm, sondern ein eigenständiges Kulturangebot.

Sendung: radio3 vom rbb, 03.07.2026, 16:40 Uhr
Audio: radio3 vom rbb, 03.07.2026, Wiebke Keuneke

Mehr bei rbb|24
Illustration - Volksbad am Rosa-Luxemburg-Platz. (Quelle: Volksbühne Berlin)
Archivbild: Ein Mann blättert in einem Buch. (Quelle: imago-images/E. Jansen)
Klassik-Konzerte zum Freitarif: Nur Decken waren mitzubringen. (Quelle: rbb)
Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam (Quelle: dpa/Schoening)
Blick auf das Theater in Brandenburg an der Havel. (Quelle: Picture Alliance/Jens Kalaene)
Klassik ohne Grenzen, Foto: Anastasiia Kalko

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1Kulturfördergesetz: Berliner Kulturschaffende wollen politische Eingriffe in die Kunst verhindern010.3413-06-2026
2Weniger Hürden für Open-Airs in Berlin? Mitte wagt einen neuen Ansatz09.8421-06-2026
3Berlin Circus Festival: Absurdes Zirkustheater mit unsicherer Zukunft015.5907-08-2026
4Dieses Wochenende in Berlin: Kreuzberg-Festival, Vinyls und Wineparty2625-06-2026
5Neues Bündnis „Berlin ist Kultur“: Welche Wahl hat die Kultur?0511-06-2026
6Atelierhaus Prenzlauer Promenade: Streit um Mietverträge und Genossenschaft06.5709-07-2026
7"Openart Lausitz Biennale": 67 Arbeiten an elf Orten013.631-07-2026
8Christopher Street Day in Berlin mit Demokratiefest gestartet08.425-07-2026
9Berlin am Wochenende: Fashion Week für alle, Kiez-Konzerte und Pflanzen-Sale0502-07-2026
10Berliner Kulturpolitik: Mut allein reicht nicht0512-06-2026

Классификация: Культура. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 11.48. Источник: www.rbb24.de.