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Rund 12,8 Millionen Barrel täglich: Während Irans Hormus-Kontrolle schwindet, erholen sich Ölexporte

Дата публикации: 01-10-2026 05:04:00

Die Ölexporte aus dem Nahen Osten erholen sich. Das entlastet den Ölmarkt, schwächt aber Irans Druckmittel – und erhöht neue Risiken.

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Mehr Tanker passieren wieder die Straße von Hormus, Saudi-Arabien reaktiviert Ausweichrouten. Das entspannt den Ölmarkt – könnte den Konflikt mit Iran aber gefährlicher machen.

Die Ölexporte aus dem Nahen Osten kommen überraschend schnell zurück. Trotz Krieg, Drohnenangriffen und der Blockade iranischer Häfen verschiffen Saudi-Arabien, Irak, die Vereinigten Arabischen Emirate und andere Produzenten wieder deutlich mehr Rohöl.

Das entlastet – zeitversetzt – Verbraucher und Unternehmen, weil ein wichtiger Preistreiber am Ölmarkt an Wirkung verliert. Was für den Weltmarkt eine gute Nachricht ist, schwächt zugleich Irans bisherigen Hebel über die Straße von Hormus – und könnte Teheran dazu bewegen, auf andere Mittel der Eskalation zu setzen.

Tanker finden wieder ihren Weg – Ölexporte kommen deutlich zurück

Wie deutlich sich die Ölexporte inzwischen erholt haben, zeigt der Vergleich mit dem August. Nach Daten des Analysehauses Kpler stiegen die Rohölexporte wichtiger Produzenten im Nahen Osten im September auf rund 12,8 Millionen Barrel täglich.

Das sind etwa vier Millionen Barrel mehr als im August, als die Lieferungen demnach nur bei rund 8,8 Millionen Barrel pro Tag lagen. Damit haben die Exporte innerhalb eines Monats um fast die Hälfte zugelegt.

Vom Vorkriegsniveau ist die Region allerdings noch ein gutes Stück entfernt: Im Februar exportierten Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Irak, Oman, Katar, Kuwait und Iran zusammen rund 18,8 Millionen Barrel täglich. Im September fehlen also weiterhin etwa sechs Millionen Barrel pro Tag.

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Dennoch ist die Richtung eindeutig: Die Lieferungen haben sich von ihrem Einbruch deutlich erholt und liegen so hoch wie seit Kriegsbeginn nicht mehr.

US-Marine drängt Angriffe besser zurück

Ein Grund für die Erholung sind zusätzliche Exportwege. Saudi-Arabien nimmt seine beschädigte Ost-West-Pipeline schrittweise wieder in Betrieb, die Rohöl quer über die Arabische Halbinsel an das Rote Meer transportiert. Die Vereinigten Arabischen Emirate können einen Teil ihrer Förderung zudem über Fujairah am Golf von Oman verschiffen.

Auch die Transporte durch die Straße von Hormus laufen inzwischen effizienter. Öl wird teils an Terminals innerhalb der Meerenge verladen und anschließend vor der Küste Omans auf andere Tanker umgepumpt. Dadurch lassen sich gefährdete Strecken verkürzen und die Lieferungen flexibler organisieren.

Gleichzeitig gelingt es der US-Marine besser, Tanker durch die gefährdete Region zu bringen oder Angriffe zu umgehen. Die USA haben ihren militärischen Schutz für den Schiffsverkehr inzwischen systematisiert.

Nach Recherchen der Financial Times erhalten Tanker auf einer Route nahe Oman zu bestimmten Zeiten Luftschutz. Zugleich räumt die US-Marine Minen aus wichtigen Fahrrinnen und sichert Transitkorridore mit Kriegsschiffen, Flugzeugen und unbemannten Systemen. Dadurch können wieder mehr Tanker die Straße von Hormus passieren – obwohl die militärische Bedrohung weiterhin hoch ist.

Hinzu kommt, dass die Angriffe zuletzt nachgelassen haben. Die britische Schifffahrtsbehörde UKMTO meldete Ende September über 72 Stunden hinweg keine bestätigten Angriffe oder größeren Störungen in der Straße von Hormus.

Iran verliert seinen wichtigsten Hebel

Für Teheran entwickelt sich die Lage genau andersherum. Seit der erneuten US-Blockade iranischer Häfen im Juli kann Iran nach Angaben des Wall Street Journal praktisch kein neu verladenes Rohöl mehr durch Hormus ausführen. Kpler schätzt zudem, dass die bereits außerhalb der Blockade gelagerten iranischen Ölmengen bei unverändertem Tempo im Oktober weitgehend verkauft sein könnten.

Damit verliert Iran nicht nur Exporterlöse. Es schwindet auch die Möglichkeit, mit Störungen in der Straße von Hormus Druck auf andere Staaten auszuüben.

Sanam Vakil, Direktorin des Nahost-Programms beim Londoner Thinktank Chatham House, sieht darin ein strategisches Problem für Teheran. Je besser es den Golfstaaten gelingt, ihre Ölexporte trotz iranischer Angriffe aufrechtzuerhalten, desto weniger wirksam wird die Drohung, den Verkehr durch die Straße von Hormus zu stören.

Das könne Iran zu einer riskanteren Strategie verleiten, warnt Vakil gegenüber dem Wall Street Journal. Es könne eine „explosivere Dynamik“ entstehen, in der Teheran selbst eine größere Eskalation provozieren müsse, um aus seiner schwierigen Lage herauszukommen.

Genau darin liegt die Gefahr. Wenn wirtschaftlicher Druck über die Meerenge weniger wirksam wird, könnte Teheran versuchen, andere Ziele ins Visier zu nehmen. Häfen, Pipelines und Raffinerien bleiben verwundbar. Auch die Route durch das Rote Meer ist wegen der vom Iran unterstützten Huthi-Miliz riskant.

Für Verbraucher sinkt der Preisdruck – vorerst

Die höhere Ölmenge auf dem Weltmarkt nimmt zunächst Druck von den Preisen. Das kann sich mit Verzögerung auch bei Benzin, Diesel, Transportkosten und damit bei der Inflation bemerkbar machen.

Entwarnung wäre dennoch verfrüht. Hamad Hussain, Senior Economist bei Capital Economics, verweist darauf, dass der Ölmarkt trotz der höheren Exporte anfällig bleibt. Bereits neue Angriffe auf Tanker, Häfen, Pipelines oder Raffinerien könnten das zusätzliche Angebot wieder verknappen und die Preise rasch nach oben treiben.

Solange der Konflikt nicht klar beendet ist, überwiegen deshalb aus seiner Sicht die Aufwärtsrisiken für den Ölpreis. Die derzeitige Erholung der Lieferungen dämpft zwar den Preisdruck, beseitigt aber nicht die geopolitische Risikoprämie, die Händler für mögliche neue Ausfälle einpreisen.

Die Lage ist und bleibt also paradox: Der Ölmarkt gewinnt an Stabilität, während Iran an Einfluss verliert. Genau das könnte Teheran aber dazu drängen, den Druck an anderer Stelle zu erhöhen. Für Verbraucher ist das vorerst eine Entlastung, für die Region steigt damit aber die Eskalationsgefahr.

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