Frühes Aufstehen allein macht noch nicht gesund. Entscheidend ist eine verlässliche Kette aus Schlaf, Orientierung, Bewegung und guter Ernährung.
Frühes Aufstehen allein macht noch nicht gesund. Entscheidend ist eine verlässliche Kette aus Schlaf, Orientierung, Bewegung und guter Ernährung.
Der Dalai Lama steht gegen drei Uhr auf, meditiert, betet und geht anschließend spazieren. Barack Obama reservierte während seiner Präsidentschaft an vielen Morgen rund 45 Minuten für Kraft- oder Ausdauertraining. Winston Churchill blieb dagegen häufig lange im Bett – hatte dort aber längst Zeitungen, Briefe und Regierungsakten ausgebreitet.
Erfolgreiche Menschen haben offenbar nicht dieselbe Morgenroutine. Sie stehen weder alle um vier Uhr auf noch trinken sie denselben Smoothie. Was viele verbindet, ist etwas anderes: Sie beginnen den Tag mit einer Handlung, die zu ihrem Körper, ihrer Aufgabe und ihrem Leben passt – und die sie regelmäßig wiederholen können.
Dr. Roland Prondzinsky, Kardiologe und Experte für innere Medizin, fokussiert sich auf Psychokardiologie. Er ist Teil unseres EXPERTS Circle. Die Inhalte stellen seine persönliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.
Ich beginne den Tag unter anderem mit einem weitgehend gleichbleibenden Frühstück:
Je nach Jahreszeit ergänze ich einen Apfel, eine Orange, einen Pfirsich oder anderes verfügbares Obst.
Keiner dieser Bestandteile ist allein ein Wundermittel. In ihrer Kombination liefern sie jedoch
Hafer enthält β-Glucan, für das eine moderate LDL-senkende Wirkung nachgewiesen ist. Für Heidelbeeren gibt es günstige Hinweise auf einzelne Gefäß- und Stoffwechselparameter – aber keinen Beweis, dass eine tägliche Portion unmittelbar vor Herzinfarkt oder Schlaganfall schützt.
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Außerdem integriere ich in jeden Morgen eine bisschen Bewegung. Gesundheitsvorsätze scheitern häufig nicht an fehlendem Wissen, sondern daran, dass sie im Alltag keinen festen Platz finden. Die Zahnbürste kann deshalb zu einem besonders einfachen Auslöser werden. Sie gehört ohnehin zu jedem Morgen und eignet sich als Erinnerung: Danach folgt eine kleine Bewegung.
Das können zehn langsame Fersenhebungen im beidbeinigen Zehenstand und anschließend zehn Vorfußhebungen im Fersenstand sein. Dadurch werden Waden, Fußheber und die Kontrolle im Sprunggelenk angesprochen. Wer standsicher ist, kann die Bewegungen bereits während des Zähneputzens ausführen und sich mit einer Hand am Waschbecken abstützen.
Für Menschen mit Gangunsicherheit, Schwindel, Nervenschädigungen oder nach einer Gelenkoperation gilt das nicht uneingeschränkt. Sie sollten die Übungen getrennt vom Zähneputzen, auf trockenem Boden und mit sicherem Halt durchführen – gegebenenfalls nach Rücksprache mit Physiotherapie oder Arzt. Einbeinstand und geschlossene Augen gehören nicht in eine allgemeine Empfehlung für das Badezimmer.
Die direkte Kombination „Zähneputzen plus Fußtraining“ ist wissenschaftlich bislang kaum untersucht. Gut belegt ist jedoch, dass regelmäßige Gleichgewichts- und funktionelle Übungen dazu beitragen können, Stürze im Alter zu verhindern. Die Zahnbürste ist also nicht das Trainingsgerät, sondern der tägliche Erinnerungsanker.
Bei mir folgt am Morgen bevorzugt eine Runde im Grünen, angepasst an das, was körperlich gerade möglich ist. Manchmal beginnt Bewegung aber viel kleiner: mit Mobilisationsübungen, dem Aufstehen vom Stuhl, einigen Wandliegestützen oder wenigen Schritten.
Was der Körper auch im Alter noch leisten kann, zeigt Charles Eugster eindrucksvoll. Er begann Mitte 80 mit gezieltem Krafttraining und später mit Sprinttraining. Mit 96 Jahren lief er die 100 Meter in 23,50 Sekunden. Das beweist nicht, dass jeder Mensch im hohen Alter zum Sprinter werden kann. Eugster war schon vorher lange sportlich aktiv und besaß außergewöhnlich gute Voraussetzungen. Sein Beispiel zeigt aber: Auch ein alter Körper bleibt grundsätzlich trainierbar.
Entscheidend ist eine Bewegung, die zur eigenen Gesundheit und Beweglichkeit passt und auch am nächsten Morgen wieder möglich ist.
Auf diesen bereite ich mich bereits am Abend vor. Ich versuche, ungefähr zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und genügend Schlaf zu bekommen. Denn Schlaf ist keine unproduktive Unterbrechung des Tages. Er ist Regenerationszeit:
Wer morgens um vier Uhr aufsteht, aber erst gegen Mitternacht eingeschlafen ist, zeigt möglicherweise Disziplin – schützt damit jedoch nicht automatisch sein Herz. Frühes Aufstehen ist kein Gesundheitswert an sich und darf nicht durch chronischen Schlafmangel erkauft werden.
Zu meinem Abendritual gehört auch der Blick in den Kalender:
Damit beginnt der nächste Tag nicht als unübersichtliche Wand von Verpflichtungen. Die Aufgaben haben bereits ihren Platz gefunden und müssen nachts nicht immer wieder im Kopf sortiert werden.
Eine kleine experimentelle Studie deutet darauf hin, dass das schriftliche Festhalten bevorstehender Aufgaben sogar das Einschlafen erleichtern kann. Das ist noch keine gesicherte Therapie gegen Schlafstörungen, der Mechanismus erscheint jedoch plausibel: Was notiert und eingeordnet ist, muss gedanklich nicht ständig festgehalten werden.
Allerdings darf die Kalenderkontrolle nicht zu einem letzten hektischen Arbeitseinsatz werden. Ein kurzer Überblick und ein oder zwei Prioritäten genügen. Das Abendritual soll Orientierung schaffen – keinen neuen Leistungsdruck.
Und es beantwortet noch eine andere Frage: nicht nur „Was muss ich morgen erledigen?“, sondern auch „Wofür möchte ich morgen aufstehen?“
Gewohnheiten entstehen selten innerhalb der häufig versprochenen 21 Tage. Eine systematische Übersicht spricht eher von zwei bis fünf Monaten – mit großen Unterschieden zwischen Menschen und Verhaltensweisen. Hilfreich sind kleine, selbst gewählte Handlungen, ein stabiler Kontext und ein wiederkehrender Auslöser.
Meine Morgenroutine beruht deshalb nicht auf einer einzelnen spektakulären Übung. Sie bildet eine zusammenhängende Kette: abends den kommenden Tag ordnen, rechtzeitig zur Ruhe kommen, ausreichend schlafen, morgens mit einer kleinen Bewegung beginnen, ins Freie gehen und den Körper verlässlich versorgen.
Wir müssen dafür weder um drei Uhr aufstehen noch 1000 Liegestütze bewältigen. Gesundheit entsteht aus kleinen Entscheidungen, die gut genug sind, um sie morgen zu wiederholen.
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