Nach ihrer Zinserhöhung im Juni hat die EZB die Zinsen nach ihrer heutigen Sitzung unverändert gelassen. Obwohl der Irankrieg die Preise treibt, wird mit der nächsten Erhöhung erst im September gerechnet.
Ruhige Hand: EZB-Präsidentin Christine Lagarde ließ das Zinsniveau im Euroraum im Juli unverändert und dürfte sich mit einer erneuten Erhöhung der Zinsen Zeit lassen
Foto: Yiannis Kourtoglou / REUTERSZinspause: Die Euro-Währungshüter um EZB-Chefin Christine Lagarde (70) haben bei ihrer geldpolitischen Sitzung an diesem Donnerstag das Zinsniveau unverändert belassen. Die Europäische Zentralbank hatte zuletzt im Juni die Zinsen um 25 Basispunkte erhöht, es war die erste Zinserhöhung seit fast drei Jahren.
Damit bleibt der für Banken und Sparer im Euroraum wichtige Einlagenzins bei 2,25 Prozent. Eine weitere Anhebung könnte es jedoch im September geben, wenn der Notenbank neue Prognosen zu Inflation und Konjunktur vorliegen. Die Risiken für die Teuerung sind nicht gebannt, solange der Iran-Krieg weiter schwelt und es keine dauerhafte Lösung für den Konflikt im Nahen Osten gibt.
Die vom Iran-Konflikt angetriebene Teuerung im Euroraum war zuletzt zwar auf 2,8 Prozent zurückgegangen, bleibt aber erhöht.
Der EZB-Rat ist weiter wachsam: "Die Unsicherheit ist nach wie vor hoch, und die Auswirkungen des Energieschocks auf die Inflation sind noch nicht vollständig zum Tragen gekommen." Man sei fest entschlossen, die Geldpolitik so auszurichten, dass sich die Teuerungsrate auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 Prozent stabilisiere.
Gespannt warten Anleger auf die Pressekonferenz Lagardes und mögliche Hinweise auf eine baldige Zinserhöhung. Berichte über Angriffe der mit dem Iran verbündeten jemenitischen Huthis auf Öltanker im Roten Meer und die verschärfte Lage im Iran-Krieg haben die Ölpreise jüngst auf den höchsten Stand seit Anfang Juni katapultiert. Die Notenbank sei in einer schwierigen Lage, meint Maximilian Wienke, Marktanalyst bei der Handelsplattform eToro: "Hält sich der Ölpreis dauerhaft über 90 Dollar je Barrel, könnte das Inflationsgespenst schneller zurückkehren, als vielen lieb ist."
Entscheidend werde sein, wie Lagarde den Ölpreisanstieg einordne. In der Vergangenheit betonte die 70-Jährige immer wieder, dass die EZB nicht auf jeden kurzfristigen Angebotsschock reagieren müsse. "Die Frage ist nun, ob sie den jüngsten Anstieg weiterhin als vorübergehendes Ereignis bewertet oder Anzeichen für dauerhaften Inflationsdruck sieht", so Wienke.
Keinesfalls wollen die Notenbanker im Frankfurter EZB-Turm es wieder so weit kommen lassen wie 2022, als Russlands Invasion in der Ukraine einen zunächst unterschätzten Inflationsschub auslöste. Jetzt droht wieder Gefahr: Denn die vom Iran-Krieg angeheizten hohen Energiekosten für Verbraucher und Unternehmen bergen das Risiko, dass sich Löhne und Preise gegenseitig hochschaukeln und so die Inflation weiter antreiben.
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