Die ARD-Anstalten müssen spätestens zum Ende des Jahres Radio- und TV-Programme einstellen. Doch was geschieht mit den DAB+- und DVB-T2--Kapazitäten dieser Programme? Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die wir aufzeigen.
Sptestens zum Jahresende kommt das terrestrische Aus fr zahlreiche Radiowellen und Fernsehsender der ARD. Grund ist eine Vorgabe aus dem Reformstaatsvertrag, wonach diese Programme entweder komplett eingestellt oder nur noch im Internet verbreitet werden drfen. Einige Radio-Programme wie Puls, BR24live oder BR Verkehr vom Bayerischen Rundfunk gibt es schon nicht mehr, andere stellen in den kommenden Wochen ihren Sendebetrieb ein. Die Fernsehsender folgen zum Jahresende. Doch was passiert mit den frei werdenden Kapazitten im Digitalradio DAB+ und im digital-terrestrischen Fernsehen DVB-T2?
Fernsehen: Weitere Dritte auf DVB-T2-Sendepltzen
Die ARD knnte ihre DVB-T2-Multiplexe neu ordnen
Bild: teltarif.de
Beim Fernsehen fallen die Spartensender ARD alpha, tagesschau24 und ONE weg. Damit werden je nach Region auch bis zu drei Sendepltze im digital-terrestrischen Fernsehen DVB-T2 HD frei. Sehr wahrscheinlich ist, dass die ARD die frei werdenden Sendepltze selbst neu belegt und mit weiteren Dritten Programmen fllt. Oft werden diese Programme bisher nur als sogenannte "Internet Link Services" (ILS) angeboten. Die Programme tauchen in der Senderliste auf, um sie zu sehen ist jedoch eine Verbindung mit dem Internet ntig.
Beispiel Rhein-Main-Gebiet: Hier sind das WDR Fernsehen und das MDR Fernsehen bisher im Sdhessen-Mux "HR HD" nur internetbasiert zu sehen. Knftig knnten beide Programme auch nativ ber Antenne verbreitet werden. Eine Internetverbindung wre also dann fr beide Dritten nicht mehr ntig.
Rein theoretisch knnten die ARD-Anstalten die frei werdenden Kapazitten auch an private Veranstalter untervermieten. Dann entstnde beispielsweise Platz fr das neue Programm "SAT.2" im Rahmen des kostenpflichtigen und verschlsselten Pakets von freenet TV. Das wre aber ein Novum. Bisher hat freenet TV nur eigene Multiplexe betrieben.
Generell: Keine finanzielle Einsparung auf DAB+Beim Radio ist die Sache nicht ganz so klar. Generell gilt: Da die ARD-Anstalten die Multiplexe auf DAB+ weiter in Gnze betreiben, ist es vllig egal, ob ein solches Bouquet mit sechs oder 16 Programmen belegt ist. Die Kosten bleiben gleich. Durch die Reduzierung der terrestrischen Programme ergibt sich zumindest, was die digital-terrestrische Verbreitung angeht, kein Einspareffekt. Genau genommen ist es absurd, dass beispielsweise ein Programm wie das "Mausradio" vom WDR sogar programmlich noch ausgebaut werden soll, also in der Produktion teurer wird, aber knftig nur noch webbasiert ausgestrahlt werden darf. Das treibt das eigentliche Ziel der Reform - eben Einsparungen - ad absurdum.
Mglichkeit 1: Besserer Klang und Fehlerschutz nach Reduzierung von Programmen
Was passiert mit frei werdenden ARD-Kapazitten auf DAB+?
Foto: NDR
Wenn Programme die DAB+-Multiplexe verlassen mssen, ergbe sich die Mglichkeit die Qualitt der verbleibenden Programme zu erhhen. Entweder durch eine Anhebung der Bitrate, was einen besseren Klang bedeuten wrde oder durch eine Verbesserung beim Fehlerschutz, was am Rande der Sendegebiete und in schwer zu versorgenden Empfangslagen wie Flusstlern die Stabilitt des Empfangs erhhen wrde. Letzteres hatte etwa der BR nach der Einstellung des Jugendprogramms "Puls" realisiert. Es ist - Stand heute - aber noch ungewiss, welche weiteren ARD-Anstalten zu diesem Mittel greifen werden.
Einige ARD-Anstalten wollen die frei werdenden Kapazitten mit Programmen anderer ARD-Anstalten neu belegen. Rechtlich ist das mglich, beziehungsweise genau genommen ist es eine Grauzone, da es hierfr keine entsprechende Regelung im Rundfunkstaatsvertrag gibt. Dieser schreibt zwar vor, wie viele Radiowellen eine ARD-Anstalt terrestrisch alleine oder in Kooperation mit anderen ausstrahlen darf, aber ein Passus darber, dass frei werdende Kapazitten mit Programmen anderer Anstalten belegt werden knnen, fehlt.
So hat der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) angekndigt, ab 12. Oktober 2026 die bisherige DAB+-Verbreitung seiner eigenen Welle MDR Klassik zu beenden und damit eine Vorgabe aus dem Reformstaatsvertrag zu erfllen. Auf dem Kanal wird knftig BR Klassik vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt und durch kuratierte Inhalte aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thringen ergnzt.
Auerhalb des eigentlichen Sendegebiets in Bayern strahlt auch der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) bereits BR Klassik auf DAB+ aus. Der rbb will zudem auch den Nachfolger von Cosmo weiter auf DAB+ in der Hauptstadt verbreiten, obwohl man sich selbst dann nicht mehr an diesem Projekt als Partner beteiligt oder vielmehr beteiligen darf.
Mglichkeit 3: Vermietung der Kapazitten an kommerzielle oder nicht-kommerzielle DrittanbieterEine weitere Mglichkeit besteht darin, die frei werdenden Kapazitten an Drittanbieter zu vermieten. Konkret laufen aktuell Gesprche zwischen der Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern und dem Norddeutschen Rundfunk (NDR), was mit den voraussichtlich drei frei werdenden DAB+-Pltzen in den Multiplexen geschieht. Denn der NDR muss die DAB+-Ausstrahlung der Programme NDR Schlager, NDR Blue und NDR Info Spezial beenden. Vorgesehen ist, zumindest ein Teil der Kapazitten fr ein oder mehrere kommerzielle, landesweite Programme zu vermieten.
Gemischte Multiplexe aus ffentlich-rechtlichen Programmen und privaten oder nicht-kommerzlellen Drittsendern gibt es bereits in Bayern, Rheinland-Pfalz, Berlin und Brandenburg. Die ARD-Anstalten knnen durch die Untervermietung der Kapazitten Einnahmen erwirtschaften und somit Geld sparen. Das ist immer noch besser als dass die Kapazitten nach der Reform ungenutzt leer stehen. Denn wie erwhnt: Komplett bezahlt werden mssen sie dennoch.
Auch interessant: Ein neues Angebot fr Schlagerfans hlt Einzug in die Audioplattform ARD Sounds.
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