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Neusser Ehepaar lebt seit 1969 in derselben Wohnung: Ein Mietvertrag mit Eigentumsgefühl

Дата публикации: 21-08-2026 08:54:00




Die Loetzners zahlen in Neuss 6,74 Euro je Quadratmeter Miete und fühlen sich trotzdem fast wie Eigentümer. Ihr Rezept seit beinahe sechs Jahrzehnten heißt Genossenschaft. Ob es für den Enkel reicht?



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Neusser Ehepaar lebt seit 1969 in derselben Wohnung Ein Mietvertrag mit Eigentumsgefühl

Irmtraud und Manfred Loetzner leben seit dem Oktober 1969 in immer der gleichen Mietwohnung. Bei ihren Spielnachmittagen schauen sie in eine Umgebung, die richtig vornehm geworden sei.

Foto: Christoph Kleinau

Neuss · Die Loetzners zahlen in Neuss 6,74 Euro je Quadratmeter Miete und fühlen sich trotzdem fast wie Eigentümer. Ihr Rezept seit beinahe sechs Jahrzehnten heißt Genossenschaft. Ob es für den Enkel reicht?

Dem Traum vom Eigenheim hingen Irmtraud und Manfred Loetzner nach ihrer Heirat im Jahr 1960 nur kurz nach. Endgültig begraben wurde die Idee im Oktober 1969, denn da bekam die inzwischen auf vier Köpfe angewachsene Familie eine Drei-Zimmer-Wohnung der Gemeinnützigen Wohnungs-Genossenschaft (GWG). Und obwohl die Eheleute inzwischen 91 und 89 Jahre alt sind, haben sie keine Lust, ihren Vermieter nach einer altengerechten Wohnung zu fragen. „Wir haben es doch schön hier“, sagt Irmtraud Loetzner.

Wohnen als Genosse: Gerade in Zeiten enger Wohnungsmärkte ist das gefragt, weil erschwinglich. Das belegt auch die lange Liste an Vormerkungen. Dem Bestand von derzeit 3754 Wohnungen stehen mehr als 3000 Mietanfragen gegenüber, berichtet Unternehmenssprecher Thomas Schwarz. Und beim Neusser Bauverein, dem anderen großen Player im Neusser Wohnungsmarkt, sind die Verhältnisse vergleichbar. „Wir könnten mit den Reservierungswünschen den Bestand einmal durchtauschen“, sagt Schwarz. Aber das sei natürlich keine Option.

Beim Einzug im Herbst 1969 zahlten Loetzners eine Bruttomiete von 189 Mark und 65 Pfennigen. Ihre erste Wohnung an der Krefelder Straße, die die Frischvermählten nur über einen Freund bekommen hatten, war ihnen viel zu klein geworden. Nun kamen sie in paradiesische Verhältnisse: Die Wohnlage im Stadionviertel war innenstadtnah und trotzdem ruhig, rund um das Haus gab es große Rasenflächen, wo sich ihre Jungen austoben konnten, und in dem für sechs Mietparteien ausgelegten Haus mit Baujahr 1961 gab es viele Kinder. Das änderte sich später, als auch die eigenen Kinder erwachsen wurden, doch nun würden wieder Familien mit Kindern einziehen, sagt Irmtraud Loetzner. „Das finde ich prima.“

Zum neu gewonnenen Wohnluxus auf 76 Quadratmetern gehörte auch, dass die GWG mit Loetzners Einzug die Kohleöfen aussortierte und eine Gas-Etagenheizung einbaute. Nie mehr Kohlen schleppen! Und das war nicht die einzige Modernisierung im Laufe der Jahrzehnte. Vor 20 Jahren wurde das Bad neu gemacht, weil Loetzners die Wanne gegen eine Dusche tauschen wollten – und sich zur Hälfte an den Umbaukosten beteiligten. Deshalb fiel die Mieterhöhung danach moderat aus.

Der größte Modernisierungsschub aber war die energetische Sanierung, die im Jahr 2018 abgeschlossen wurde und auch die Verschönerung des Balkons einschloss. Monatelang lebten Loetzners wie auf einer Baustelle, wurden aber mit einem fast 50-prozentigen Mietnachlass für diese Leidenszeit entschädigt. „Und zum Dank gab es auch einen großen Blumenstrauß“, erinnert sich Irmtraud Loetzner. Ihrem Mann Manfred imponierte mehr, dass die Mieterhöhung, die angesichts der Investition in einer Höhe von fünf Euro pro Quadratmeter gerechtfertigt gewesen wäre, durch Beschluss der Vertreterversammlung auf 85 Cent je Quadratmeter reduziert wurde.

Dass Loetzners mehr als fünf Jahrzehnte in der gleichen Wohnung leben, zahlt sich für sie an jedem Monatsersten aus, wenn die Miete fällig wird. Weil die GWG viel Geld in ihre Wohnung investiert hat, ist sie im gerade aktualisierten Mietpreisspiegel von „Haus & Grund“ nicht mehr in der Altersgruppe der Baujahre 1960 bis 1974 einzugruppieren. „Man kann die Baualtersklasse durch Investitionen verjüngen“, erklärt Alexander Busch, Vorsitzender von „Haus & Grund“ den Mechanismus. Das hat die GWG getan und Loetzners Wohnung der Baualtersklasse 2000 bis 2009 in guter Wohnlage zugeordnet. „Die Spanne der ortsüblichen Vergleichsmiete reicht demnach von 9,93 bis 11,58 Euro je Quadratmeter“, sagt Thomas Schwarz, Loetzners zahlen 6,74 Euro je Quadratmeter, mithin 642,52 Euro im Monat (brutto). Und als Mitglied der Genossenschaft wird ihre Einlage in Höhe von 1500 Euro auch noch mit vier Prozent verzinst und der Betrag jährlich ausgezahlt.

Dabei fühlt sich das Paar gar nicht wie ein Mieter. „Ich sage immer: Das ist so, als wenn wir eine Eigentumswohnung hätten“, sagt Irmtraud Loetzner, die nicht einmal bei Reparaturen den Vermieter benachrichtigen muss, sondern sich gleich an einen mit der GWG kooperierenden Handwerker wenden darf. „Wir sind so gut versorgt, das kann man auch privat nicht besser erreichen“, fügt sie hinzu. Zumal es in fast 60 Jahren keine Streitereien im Haus gegeben habe.

Dass Loetzner gerne im Stadionviertel alt geworden sind, hat auch mit dem Quartier zu tun. Die City liegt so nahe, dass Manfred Loetzner, der im Personalamt der Stadt beschäftigt war, zum Mittagessen immer nach Hause kommen konnte. Man konnte in der Innenstadt einkaufen oder in den Geschäften an der Rheydter Straße – und Supermärkte gab und gibt es quasi vor der Haustür. Dass die GWG einen Teil der ehemaligen Spielwiesen am Haus überbaut hat, stört die Loetzners dabei überhaupt nicht. „All die weißen Häuser – richtig vornehm wirkt das“, sagt Irmtraud Loetzner.

Ihr Enkelsohn ist gerade auf Wohnungssuche. Und der Tipp der Oma war: „Meld dich mal bei der GWG.“ Jetzt hat er einen Besichtigungstermin.

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