Wo ist es in Ottensen oder Blankenese so richtig nett? Eine Tour durch den Bezirk mit MOPO-Ressortleiter Julian König, der seine versteckten Perlen zeigt.
Hamburg
Sommer in Altona: Hier ist die Stadt für mich am schönstenJulian König, Ressortleiter Lokales, Lokalmatador und Hängematten-Liebhaber, ist in Altona aufgewachsen und kennt (fast) jede Ecke. Hier chillt er am Falkensteiner Ufer. Florian Quandt
Wo ist es in Ottensen oder Blankenese so richtig nett? Eine Tour durch den Bezirk mit MOPO-Ressortleiter Julian König, der seine versteckten Perlen zeigt.
Altonas schönste Straße ist etwa 600 Meter lang, führt am Jüdischen Friedhof vorbei und ist das Scharnier zwischen St. Pauli und Altona-Altstadt. Bis vor zwei Jahren wurde die Louise-Schroeder-Straße für mehrere Millionen Euro aufwendig umgebaut. Hier gibt es keine Villen wie in Blankenese und keine Altbauten wie in Ottensen, dafür Lavendel, Wilde Möhre und Färberkamille, auf der einen Seite kann man den Urlaub quasi in dem portugiesischen Feinkostlädchen Comércio Lagos einkaufen, auf der anderen ihn in der Lahmacun-Bäckerei Citir essen. Die Straße ist aber viel mehr: Sie ist ein Ausblick darauf, was Stadt alles kann!
Denn hier zeigt sich, dass Verkehr ohne Hupen und Stechen möglich ist. Radfahrer, Autofahrer und Fußgänger haben jeweils eine eigene Spur. Breit und abgetrennt. Umgeben von Blumenfeldern und Bäumen und Sträuchern. Die Fläche wurde entsiegelt, aufwendig begrünt und ist der ideale Ausgangspunkt für eine Tagestour durch den Bezirk, der insgesamt 14 Stadtteile umfasst, 275.000 Einwohner hat, 119 Spielplätze und früher zu großen Teilen zu Dänemark gehörte.
Altona lässt sich mit dem Fahrrad perfekt erkunden
Hier lässt es sich prima fahren: Die Louise-Schroeder-Straße verbindet St. Pauli und Altona-Altstadt. Florian Quandt
Der Bezirk lässt sich perfekt mit dem Fahrrad erkunden. Möglich beispielsweise über die Veloroute 1, die von der Louise-Schroeder-Straße bis in den äußersten Westen der Stadt nach Rissen führt. Zunächst geht es aber über die Ehrenbergstraße weiter nach Ottensen, das neben der Sternschanze (ja, die gehört auch zum Bezirk!) das Szeneviertel in Altona ist. Hier gibt es unzählige schöne kleinere Parkanlagen wie den an der Elbchaussee gelegenen Fischers Park oder den Kemal-Altun-Platz mit Bauspielplatz und Streetball-Court.
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Carlota Santos de Carvalho (55) steht vor der überdachten Terrasse ihres Lokals. Die Inhaberin des „Ribatejo“ (Bahrenfelder Straße 56) ist im Stadtteil bekannt. Nicht nur für die gute Küche ihres Lokals. Sie richtet jedes Jahr mit ihrem Team parallel zur „Altonale“ ein kleines Straßenfest mit Flohmarkt, Livemusik, Ständen und guter Laune aus. Es sei wichtig, den Menschen Straßenfeste zu bieten, findet sie. Jugendliche vom Handy wegbekommen, Leute zusammenbringen, eine gute Zeit miteinander verbringen. Als die Macher der „Altonale“ ihr Straßenfest nach und nach einstampften, sprang Carlota mit ihrem Team mit einer Miniatur-Ausgabe ein. „Viele Leute haben sich bei mir bedankt“, sagt sie.
„Viva la Bernie“: Altonas Kampf gegen Gentrifizierung
Der wohl bekannteste Hinterhof im Bezirk Altona: „Viva la Bernie“ in der Bernstorffstraße. Florian Quandt
Ottensen ist Ausgeh- und Wohnviertel, ein Ballungsraum für gutes Leben und teure Mieten. Der Stadtteil wurde erstmals im Jahr 1310 urkundlich erwähnt. Die Menschen lebten damals überwiegend von der Landwirtschaft und bauten auf ihren ausgedehnten Feldern Roggen, Buchweizen, Gerste und Weizen an. In vier Mühlen wurde das Korn gemahlen.
Ottensen war aber nicht nur ein Bauern-, sondern auch ein Handwerkerdorf: Es gab viele Schneider, Schuster und Weber. Noch heute zeugen die zahlreichen Handwerkshinterhöfe im Stadtteil von dieser Geschichte. Der wohl bekannteste ist heute der Künstlerhof „Viva la Bernie“ einen Stadtteil weiter in der Bernstorffstraße 117 in Altona-Altstadt. Der ist seit Jahren von der Schließung bedroht und wird im Kampf gegen Gentrifizierung von verschiedenen Prominenten unterstützt, darunter Star-Regisseur Fatih Akin, der in Ottensen lebt, und Oke Göttlich, der Präsident des FC St. Pauli. Aktuell gibt es ein Ultimatum des Besitzers an die Künstlergemeinschaft, eine Finanzierungslücke zu schließen.
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Altona – das ist der Elbstrand in Övelgönne, der sich – mit kleinen Unterbrechungen – bis Wedel zieht. Fischmarkt, Rote Flora, Jenischpark. Altona ist auch das Treppenviertel in Blankenese, das allein schon einen Ausflug wert ist, sowie der Volkspark mit dem Dahliengarten (Stadionstraße 10) und das Freibad Marienhöhe in Sülldorf. Hier kann man gut einfach nur draußen sein, den Hafenkränen zuhören oder ungewöhnliche Statuen entdecken. An der Hafenkante, vor der Kneipe Schellfischposten, in der die NDR-Sendung „Inas Nacht“ aufgezeichnet wird, steht beispielsweise eine Eichenholzstatue von Popeye, dem Seemann (Carsten-Rehder-Straße 62). Sie wurde vom mittlerweile verstorbenen Bildhauer Erich Gerer geschaffen. Eine Viertelstunde Fußweg sind es von hier bis zu den „Hamburger Stadtmusikanten“, einem Bronze-Mahnmal in der Fußgängerzone der Neuen Großen Bergstraße, die an das Leid von Tierversuchen erinnert. Auf Höhe der Elbchaussee 195a finden Interessierte schließlich die berühmten Ringelnatz-Ameisen.
In Blankenese gibt es einen Römischen Garten
Der Römische Garten in Blankenese ist gut erhalten und wunderschön. imageBROKER/HolgerxWeitzel
Wer der Elbchaussee, die nicht auf der Veloroute 1 liegt, lange genug folgt, landet unweigerlich in Blankenese und Rissen. Etwas versteckt liegt der Römische Garten oberhalb des Falkensteiner Ufers. Man kann unten am Elbstrand flanieren, über das Wrack der „Uwe“ staunen, deren Hinterteil hier seit 1976 aus dem Schlick ragt – und bekommt eher zufällig mit, dass oben am Elbhang ein wunderschöner Garten wartet. Ein Schild weist den Weg zum Treppenaufgang.
Das Kleinod gehörte früher zum privaten Anwesen der Bankiersfamilie Warburg. Vor hundert Jahren kam hier die Hamburger Oberschicht zusammen, Kapellen spielten und die Warburg-Sprösslinge und ihre Freunde luden zu Open-Air-Theateraufführungen. Das Amphitheater ist noch immer erkennbar! 1951 schenkte die jüdische Bankiersfamilie, die während der NS-Zeit emigrieren musste, den Römischen Garten der Stadt Hamburg.
Der Klövensteen in Rissen ist wunderschönWer es ein bisschen schattiger mag, verbringt den restlichen Tag im Klövensteen, dem größten Naherholungsgebiet des Bezirkes, 580 Hektar Wald. Wer sich gegen die Empfehlung einer Radtour entschieden hat, kommt auch ideal mit der S-Bahn (20 Gehminuten ab dem Bahnhof Rissen) oder dem Auto hin. Der Klövensteen ist so groß, dass die Stadtgrenzen nicht ausreichen und er bis nach Schleswig-Holstein ragt. Er ist aber auch einfach so schön, dass er gar nicht groß genug sein kann. Wald, Waldspielplatz, Waldschänke – alles vorhanden. Man kann Tiere wie Waschbären bestaunen und auf Ponys reiten.
Und wer noch genug Energie hat, fährt mit dem Rad den Weg zur Louise-Schroeder-Straße wieder zurück. Ne knappe Stunde dauert das. Belohnt wird man mit dem Elbpanorama und (wenn man Glück hat) einem Sagres aus dem Comércio Lagos. Der schließt allerdings um 20 Uhr.
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