In der Diskussion um die Nutzung der Frequenzen im UHF-Spektrum haben Telekom, Vodafone und Telefónica eine Studie vorgelegt, in der die Einsparungen für den Rund- und den Mobilfunk errechnet wurden. Der Mobilfunk könnte bei einer Migration von DVB-T2 auf IP-Netze Milliarden sparen.
Um den Frequenzbereich zwischen 470 und 694 MHz herrscht seit Jahren ein erbitterter Kampf. Zum einen funkt hier seit Jahrzehnten das terrestrische Fernsehen, inzwischen durch den Standard DVB-T2 digitalisiert. Zum anderen nutzt die Kultur- und Produktionsbranche (Programme making and special events, PMSE) UHF-Frequenzen fr Auffhrungen, Konzerte und weitere Veranstaltungen, fr die zum Beispiel drahtlose Mikrofone eingesetzt werden.
Das digitale Antennenfernsehen verliert an Reichweite, die TV-Nutzung wandert ins non-lineare ab. Nach Meinung der Mobilfunker sollten deshalb UHF-Frequenzen auch fr sie nutzbar sein.
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Der Mobilfunk, die Bundeswehr und die Behrden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS), wie etwa Polizei oder Feuerwehr, wollen aber ebenfalls UHF-Frequenzen nutzen, weil sie eine besonders hohe Reichweite aufweisen. Bis 2030 ist die Nutzung dieser Frequenzen international festgelegt. Ab 2031 werden die Karten neu gemischt. Eine von den Mobilfunkern in Auftrag gegebene Studie hat dazu analysiert, wer die Frequenzen am effizientesten nutzt.
Angesichts der Auftraggeber ist die Antwort wenig verwunderlich: Es ist der Mobilfunk. Laut der von WIK Consult erstellten Studie schwindet die Bedeutung des terrestrischen Fernsehens. Derzeit nutzen 2,3 Millionen Haushalte DVB-T2 stationr. Das entspricht 5,6 Prozent aller deutschen Haushalte. Die Privatprogramme sind ber DVB-T2 verschlsselt. Ihre Abonnentenzahl hat sich von 2020 bis Ende 2025 mehr als halbiert: Sie sank von einer Million auf 416.000 Abonnenten.
Mit 5G Broadcast soll der Rundfunk mobil werden. Dafr braucht es Frequenzen. Der Mobilfunk kritisiert, dass die Endgertehersteller keinerlei Plne htten, entsprechende Chipstze in Smartphones oder Tablets zu integrieren.
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Das passe zum allgemeinen Trend im TV-Bereich hin zu einer non-linearen Nutzung, wie Studienautor Prof. Dr. Bernd Srries bei der Prsentation der Studie in Berlin erklrte. „Zuschauerinnen und Zuschauer empfangen TV-Inhalte bereits heute berwiegend ber Netze, die auch das Streaming von Inhalten ermglichen“, ergnzt Jan-Hendrik Jochum, Leiter Frequenzregulierung bei der Deutschen Telekom.
Fr die terrestrische Verbreitung ihrer TV-Programme bezahlten ARD und ZDF laut Studie von 2021 bis 2024 290,2 Millionen Euro. Wrde die DVB-T2-Nutzung in IP-Netze migriert, knnten die ffentlich-Rechtlichen nach Berechnungen von WIK Consult ber zehn Jahre bis zu 369 Millionen Euro einsparen.
Auch der Mobilfunk knnte Kosten sparen: Wrde er UHF-Frequenzen nutzen knnen, entfiele laut Studie bis 2040 der Bau von bis zu 4454 Basisstationen. Damit knnten die Mobilfunker ber zehn Jahre bis zu 2,7 Milliarden Euro einsparen. Wrden dann auch die BOS die Mobilfunknetze nutzen, statt wie von ihnen gefordert ein eigenes Netz, ergebe sich ebenfalls ber zehn Jahre ein Einsparpotenzial von rund 7,3 Milliarden Euro, weil der Bau von rund 23.000 zustzliche Basistationen fr ein eigenes BOS-Netz wegfallen wrde.
Mobilfunker wollen ab 2031 auch Frequenzen im UHF-Band nutzen knnen. Ihre Studie rechnet vor, dass mit solchen Frequenzen weniger Basistationen gebaut werden mssten.
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Fr Nadine Wendrowski, Senior Regulatory Counsel bei Telefnica Deutschland, ist die Zuweisung der UHF-Frequenzen nach 2030 eine Standortfrage fr Deutschland. „Zustzliche Frequenzen knnen Mobilfunk dort strken, wo digitale Anwendungen knftig besonders stark wachsen auf dem Land, in Gebuden und entlang von Verkehrswegen“, sagt Wendrowski. „Die UHF-Frequenzen knnen laut Studie bis zu 33 Prozent mehr Netzkapazitt in lndliche Regionen bringen.“
Aber nicht nur Rund- und Mobilfunk, BOS und PMSE wollen UHF-Frequenzen nutzen, sondern auch das Militr. Das erhlt im Rahmen der Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) aus Sicht der Kritiker einen Freifahrtschein. Der am Mittwoch vorgestellte Kabinettsentwurf zum TKG erweitert die Optionen der Bundeswehr und auslndischer Streitkrfte noch einmal. Dort heit es, dass die "Bundeswehr, stationierte Streitkrfte oder Behrden" im Einzelfall Frequenzen nutzen knnen, ohne dass sie ihnen zuvor zugewiesen wurden. Die Bundeswehr knnte also Frequenzen verwenden, die auch der Rundfunk oder eventuell ab 2031 auch der Mobilfunk nutzt.
Der Gesetzgeber will der Bundeswehr und auslndischen Streitkrften ermglichen, im Einzelfall Frequenzen zu nutzen, die bereits von anderen verwendet werden. Strungen sind vorprogrammiert, liegen aber im Ermessen des Militrs.
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Mehr noch: Stand im TKG-Referentenentwurf, dass durch diese Nutzung keine „erheblichen Nutzungsbeeintrchtigungen“ auftreten drfen, ist im Kabinettsentwurf nur noch von „unverhltnismigen Nutzungsbeeintrchtigungen“ die Rede. Was im Einzelfall unverhltnismig ist, entscheidet die Bundeswehr bzw. das auslndische Militr. Die Mobilfunker gehen davon aus, dass mit dem Einzel- der Verteidigungsfall gemeint ist. Die Bundeswehr nutze ihren Aussagen zufolge bereits heute Frequenzen unterhalb von 470 MHz sowie Gerte, die maximal bis 512 MHz hochkonfiguriert werden knnen, sodass eine Nutzung fr militrische Zwecke im unteren Bereich des UHF-Bands sinnvoll wre. Fr die Mobilfunker ist insbesondere das 600-MHz-Band interessant. Man strebe zudem eine Ko-Existenz aller bisherigen und zuknftigen Nutzer im UHF-Frequenzbereich an.
Wesentlich kritischer sieht das die PMSE-Branche. "Wir sind darauf angewiesen, dass die national zugeteilten und international festgelegten Kulturfrequenzen strungsfrei sind, bei jeder Auffhrung, bei jedem Konzert, bei jedem Festival", sagt Jochen Zenthfer, Sprecher der Initiative "SOS Save Our Spectrum", die sich fr den Erhalt der Funkfrequenzen fr Kultur und Medien einsetzt. Drahtlose Funkmikrofone und In-Ear-Systeme mssten laufend funktionieren. "Ein Konzert mit 5 Prozent Tonausfall ist undenkbar und wird auslndische Stars in andere europische Lnder reisen lassen", befrchtet Zenthfer, denn die Regelung im TKG sei ein deutsches Unikat. "Sonst gibt es keine solche Bevorzugung des Militrs in der EU."
Der Rundfunk will die UHF-Frequenzen fr 5G Broadcast nutzen. Doch hat das neue Handyfernsehen noch eine Chance, nachdem die ARD ausgestiegen ist?
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