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Weg mit Antennen-TV: Mobilfunker wollen UHF-Frequenzen

Дата публикации: 12-06-2026 06:46:00

In der Diskussion um die Nutzung der Frequenzen im UHF-Spektrum haben Telekom, Vodafone und Telefónica eine Studie vorgelegt, in der die Einsparungen für den Rund- und den Mobilfunk errechnet wurden. Der Mobilfunk könnte bei einer Migration von DVB-T2 auf IP-Netze Milliarden sparen.

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Um den Frequenz­bereich zwischen 470 und 694 MHz herrscht seit Jahren ein erbitterter Kampf. Zum einen funkt hier seit Jahrzehnten das terres­trische Fernsehen, inzwischen durch den Standard DVB-T2 digi­tali­siert. Zum anderen nutzt die Kultur- und Produk­tions­branche (Programme making and special events, PMSE) UHF-Frequenzen fr Auffh­rungen, Konzerte und weitere Veran­stal­tungen, fr die zum Beispiel drahtlose Mikrofone eingesetzt werden.

Das digitale Antennenfernsehen verliert an Reichweite, die TV-Nutzung wandert ins non-lineare ab. Nach Meinung der Mobilfunker sollten deshalb UHF-Frequenzen auch fr sie nutzbar sein. Das digitale Antennenfernsehen verliert an Reichweite, die TV-Nutzung wandert ins non-lineare ab. Nach Meinung der Mobilfunker sollten deshalb UHF-Frequenzen auch fr sie nutzbar sein.
Bild: teltarif.de
Der Mobilfunk, die Bundeswehr und die Behrden und Orga­nisa­tionen mit Sicher­heits­aufgaben (BOS), wie etwa Polizei oder Feuerwehr, wollen aber ebenfalls UHF-Frequenzen nutzen, weil sie eine besonders hohe Reichweite aufweisen. Bis 2030 ist die Nutzung dieser Frequenzen inter­national festgelegt. Ab 2031 werden die Karten neu gemischt. Eine von den Mobil­funkern in Auftrag gegebene Studie hat dazu analysiert, wer die Frequenzen am effi­zien­testen nutzt.

Abon­nenten­zahl in fnf Jahren mehr als halbiert

Angesichts der Auftrag­geber ist die Antwort wenig verwun­derlich: Es ist der Mobilfunk. Laut der von WIK Consult erstellten Studie schwindet die Bedeutung des terres­trischen Fernsehens. Derzeit nutzen 2,3 Millionen Haushalte DVB-T2 stationr. Das entspricht 5,6 Prozent aller deutschen Haushalte. Die Privat­programme sind ber DVB-T2 verschls­selt. Ihre Abon­nenten­zahl hat sich von 2020 bis Ende 2025 mehr als halbiert: Sie sank von einer Million auf 416.000 Abonnenten.

Mit 5G Broadcast soll der Rundfunk mobil werden. Dafr braucht es Frequenzen. Der Mobilfunk kritisiert, dass die Endgertehersteller keinerlei Plne htten, entsprechende Chipstze in Smartphones oder Tablets zu integrieren. Mit 5G Broadcast soll der Rundfunk mobil werden. Dafr braucht es Frequenzen. Der Mobilfunk kritisiert, dass die Endgertehersteller keinerlei Plne htten, entsprechende Chipstze in Smartphones oder Tablets zu integrieren.
Foto: Marc Hankmann
Das passe zum allgemeinen Trend im TV-Bereich hin zu einer non-linearen Nutzung, wie Studi­enautor Prof. Dr. Bernd Srries bei der Prsen­tation der Studie in Berlin erklrte. „Zuschaue­rinnen und Zuschauer empfangen TV-Inhalte bereits heute berwiegend ber Netze, die auch das Streaming von Inhalten ermglichen“, ergnzt Jan-Hendrik Jochum, Leiter Frequenz­regu­lierung bei der Deutschen Telekom.

Einspa­rungen in Milli­arden­hhe

Fr die terres­trische Verbreitung ihrer TV-Programme bezahlten ARD und ZDF laut Studie von 2021 bis 2024 290,2 Millionen Euro. Wrde die DVB-T2-Nutzung in IP-Netze migriert, knnten die ffentlich-Rechtlichen nach Berech­nungen von WIK Consult ber zehn Jahre bis zu 369 Millionen Euro einsparen.

Auch der Mobilfunk knnte Kosten sparen: Wrde er UHF-Frequenzen nutzen knnen, entfiele laut Studie bis 2040 der Bau von bis zu 4454 Basis­stationen. Damit knnten die Mobilfunker ber zehn Jahre bis zu 2,7 Milliarden Euro einsparen. Wrden dann auch die BOS die Mobil­funk­netze nutzen, statt wie von ihnen gefordert ein eigenes Netz, ergebe sich ebenfalls ber zehn Jahre ein Einspar­poten­zial von rund 7,3 Milliarden Euro, weil der Bau von rund 23.000 zustzliche Basi­stationen fr ein eigenes BOS-Netz wegfallen wrde. Mobilfunker wollen ab 2031 auch Frequenzen im UHF-Band nutzen knnen. Ihre Studie rechnet vor, dass mit solchen Frequenzen weniger Basistationen gebaut werden mssten. Mobilfunker wollen ab 2031 auch Frequenzen im UHF-Band nutzen knnen. Ihre Studie rechnet vor, dass mit solchen Frequenzen weniger Basistationen gebaut werden mssten.
Foto: picture alliance/dpa
Fr Nadine Wendrowski, Senior Regulatory Counsel bei Telefnica Deutschland, ist die Zuweisung der UHF-Frequenzen nach 2030 eine Stand­ortfrage fr Deutschland. „Zustzliche Frequenzen knnen Mobilfunk dort strken, wo digitale Anwendungen knftig besonders stark wachsen auf dem Land, in Gebuden und entlang von Verkehrs­wegen“, sagt Wendrowski. „Die UHF-Frequenzen knnen laut Studie bis zu 33 Prozent mehr Netz­kapa­zitt in lndliche Regionen bringen.“

Frei­fahrt­schein frs Militr?

Aber nicht nur Rund- und Mobilfunk, BOS und PMSE wollen UHF-Frequenzen nutzen, sondern auch das Militr. Das erhlt im Rahmen der Novelle des Tele­kommu­nika­tions­gesetzes (TKG) aus Sicht der Kritiker einen Frei­fahrt­schein. Der am Mittwoch vorge­stellte Kabi­netts­entwurf zum TKG erweitert die Optionen der Bundeswehr und ausln­discher Streit­krfte noch einmal. Dort heit es, dass die "Bundeswehr, statio­nierte Streit­krfte oder Behrden" im Einzelfall Frequenzen nutzen knnen, ohne dass sie ihnen zuvor zugewiesen wurden. Die Bundeswehr knnte also Frequenzen verwenden, die auch der Rundfunk oder eventuell ab 2031 auch der Mobilfunk nutzt.

Der Gesetzgeber will der Bundeswehr und auslndischen Streitkrften ermglichen, im Einzelfall Frequenzen zu nutzen, die bereits von anderen verwendet werden. Strungen sind vorprogrammiert, liegen aber im Ermessen des Militrs. Der Gesetzgeber will der Bundeswehr und auslndischen Streitkrften ermglichen, im Einzelfall Frequenzen zu nutzen, die bereits von anderen verwendet werden. Strungen sind vorprogrammiert, liegen aber im Ermessen des Militrs.
Foto: Image licensed by Ingram Image, Montage: teltarif.de
Mehr noch: Stand im TKG-Refe­renten­entwurf, dass durch diese Nutzung keine „erheblichen Nutzungs­beein­trch­tigungen“ auftreten drfen, ist im Kabi­netts­entwurf nur noch von „unver­hlt­nism­igen Nutzungs­beein­trch­tigungen“ die Rede. Was im Einzelfall unver­hlt­nismig ist, entscheidet die Bundeswehr bzw. das ausln­dische Militr. Die Mobilfunker gehen davon aus, dass mit dem Einzel- der Vertei­digungs­fall gemeint ist. Die Bundeswehr nutze ihren Aussagen zufolge bereits heute Frequenzen unterhalb von 470 MHz sowie Gerte, die maximal bis 512 MHz hoch­konfi­guriert werden knnen, sodass eine Nutzung fr mili­tri­sche Zwecke im unteren Bereich des UHF-Bands sinnvoll wre. Fr die Mobilfunker ist insbe­sondere das 600-MHz-Band interessant. Man strebe zudem eine Ko-Existenz aller bisherigen und zuknftigen Nutzer im UHF-Frequenz­bereich an.

Wesentlich kritischer sieht das die PMSE-Branche. "Wir sind darauf angewiesen, dass die national zugeteilten und inter­national fest­gelegten Kultur­frequenzen strungs­frei sind, bei jeder Auffhrung, bei jedem Konzert, bei jedem Festival", sagt Jochen Zenthfer, Sprecher der Initiative "SOS Save Our Spectrum", die sich fr den Erhalt der Funk­frequenzen fr Kultur und Medien einsetzt. Drahtlose Funk­mikro­fone und In-Ear-Systeme mssten laufend funk­tionieren. "Ein Konzert mit 5 Prozent Tonausfall ist undenkbar und wird ausln­dische Stars in andere europische Lnder reisen lassen", befrchtet Zenthfer, denn die Regelung im TKG sei ein deutsches Unikat. "Sonst gibt es keine solche Bevorzugung des Militrs in der EU."

Der Rundfunk will die UHF-Frequenzen fr 5G Broadcast nutzen. Doch hat das neue Handy­fern­sehen noch eine Chance, nachdem die ARD ausge­stiegen ist?

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