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Kritik an Mobilfunkern: "Hätten sich das Geld sparen können"

Дата публикации: 13-06-2026 09:12:00

Vertreter aus Kultur und Medien halten nicht allzu viel von der Studie, die Telekom, Vodafone und Telefónica zur den UHF-Frequenzen präsentiert haben. Die Schlussfolgerungen zu Militär und Blaulichtbehörden seien nachvollziehbar. Die übrigen Argumente in der Studie seien teilweise falsch.

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Im Auftrag von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefnica hat WIK-Consult in einer Studie analysiert, wer die Frequenzen zwischen 470 und 694 MHz, dem sogenannten UHF-Band, am effi­zien­testen nutzen knnte bzw. welche volks­wirt­schaft­lichen Kosten durch die derzeitige Nutzung entstehen. Dabei kommen die aktuellen Nutzer des UHF-Bands schlecht weg, vor allem der Rundfunk. Eine Nutzung durch die Mobilfunker wre laut Studie hingegen volks­wirt­schaft­lich sinnvoller.

Vertreter der Rundfunk- und Kulturbranche kritisieren die aktuelle Studie im Auftrag dreier Mobilfunkunternehmen zur zuknftigen Nutzung von Frequenzen im UHF-Band. Vertreter der Rundfunk- und Kulturbranche kritisieren die aktuelle Studie im Auftrag dreier Mobilfunkunternehmen zur zuknftigen Nutzung von Frequenzen im UHF-Band.
Foto: Deutsche Telekom
Das digitale terres­trische Fernsehen (DVB-T2) leide unter einem Bedeu­tungs­verlust und wrde ARD und ZDF Einspa­rungen in drei­stel­liger Millio­nenhhe bringen, wenn es auf IP-Netze migriert wrde, heit es in der Studie. Knnte der Mobilfunk UHF-Frequenzen nutzen, knnte er hingegen die ber­tragungs­kapa­zitten in lndlichen Regionen um 33 Prozent erhhen. Weil zudem weniger Basi­stationen aufgebaut werden mssten, ergebe sich laut Studie ein Einspar­poten­zial von 2,7 Milliarden Euro.

Mit 5G Broadcast „auf dem richtigen Weg“

„Die Ergebnisse und Argumente der Mobil­funk­studie sind so erwartbar wie sie durch­sichtig und teilweise falsch sind und verfrht“, sagt Michael Moskob, Leiter Regulierung, Public Affairs & Unter­nehmens­kommu­nika­tion bei Media Broadcast, dem DVB-T2-Platt­form­betreiber. Erst die Welt­funk­konfe­renz 2031 wird sich mit dem UHF-Band beschf­tigen. Moskob warnt vor „den voll­mundigen Verspre­chungen des Mobilfunks“ zum Netzausbau im lndlichen Raum. Inzwischen habe die Politik verstanden, was davon zu halten sei.

Er wider­spricht auch der Behauptung, DVB-T2 verliere an Bedeutung. Moskob verweist stattdessen auf den ASTRA TV-Monitor des Satel­liten­betrei­bers SES, der eine steigende Tendenz fr DVB-T2 aufweist. Demzufolge empfangen 1,74 Millionen Haushalte in Deutschland ihr Fernsehen ber Antenne. 2024 waren es 1,68 Millionen. 18 Prozent der deutschen Haushalte wrden DVB-T2 stationr oder mobil nutzen.

Die Studie spricht von einem zunehmenden Bedeutungsverlust fr DVB-T2. Rundfunkvertreter sprechen hingegen von einer steigenden Nutzung. Die Studie spricht von einem zunehmenden Bedeutungsverlust fr DVB-T2. Rundfunkvertreter sprechen hingegen von einer steigenden Nutzung.
Foto: Image licensed by Ingram Image, Montage: teltarif.de
Darber hinaus sieht Moskob die Rund­funk­terrestrik angesichts der zunehmenden mobilen Nutzung mit dem Standard 5G Broadcast auf dem richtigen Weg. „Weltweite Projekte (Europa, Brasilien, ASEAN) belegen dies“, sagt Moskob. In der Studie wird hingegen bezweifelt, dass 5G Broadcast zum Tragen kommt. Keiner der fhrenden Mobil­ger­teher­steller habe Plne, entspre­chende Chipstze in seine Gerte einzubauen.

Blinder Fleck PMSE?

ber den zweiten Nutzer im UHF-Band, die Kultur- und Produk­tions­branche (Programme making and special events, PMSE), erfhrt man in der Studie recht wenig. „Dass sich die Studie nur eine halbe Seite von 61 Seiten mit PMSE beschftigt (und dann auch nur die letzte halbe Seite der ganzen Studie!), zeigt ihren blinden Fleck: Der neben dem Rundfunk wichtigste Nutzer des Bandes wird fast verschwiegen“, kritisiert Jochen Zenthfer, Sprecher der Initiative „SOS  Save Our Spectrum“, die sich fr den Erhalt der UHF-Frequenzen fr Kultur und Medien einsetzt.

Immerhin wird in der Studie anerkannt, dass die PMSE-Branche auf die UHF-Frequenzen zwingend angewiesen ist. „Es gibt in der Tat keine Alter­nativen“, sagt Zenthfer. „Nur im Bereich zwischen 470 und 694 MHz gibt es eine europische Harmo­nisie­rung und damit einen Binnenmarkt allerdings fehlt schon diese Information in der Studie.“ Seiner Meinung nach htten sich Deutsche Telekom, Telefnica und Vodafone „das Geld fr diese Studie sparen knnen“. Sie zeige nichts Neues, sondern verschweigt vieles, bleibt ober­flch­lich und „wird daher rasch zu den Akten gelegt werden“, ist sich Zenthfer sicher.

Kritiker: „Blau­licht­orga­nisa­tionen brauchen kein eigenes Netz“

Dennoch kann der SOS-Sprecher der Studie auch etwas Gutes abgewinnen, nmlich zu den Schluss­folge­rungen in Bezug auf das Militr und die Behrden und Orga­nisa­tionen mit Sicher­heits­aufgaben (BOS): „Die Blau­licht­orga­nisa­tionen brauchen kein eigenes Netz, sie knnen ber den Mobilfunk im Bereich 700 MHz oder 800 MHz mitversorgt werden“, sagt Zenthfer.

"Granateinschlag 200 Meter voraus" statt "Atemlos durch die Nacht"? Die Kulturbranche befrchtet, dass der Funkverkehr von Soldaten zu Strungen bei Konzerten fhrt, wenn die Bundeswehr auch UHF-Frequenzen nutzen darf. "Granateinschlag 200 Meter voraus" statt "Atemlos durch die Nacht"? Die Kulturbranche befrchtet, dass der Funkverkehr von Soldaten zu Strungen bei Konzerten fhrt, wenn die Bundeswehr auch UHF-Frequenzen nutzen darf.
Bild: Erstellt mit Chat-GPT
Die Schtzungen der Studie von 9 Milliarden Euro fr den Aufbau eines eigenen BOS-Netzes schtzt er „nochmal erheblich hher“ ein. Fr umsetzbar hlt er es ohnehin nicht „mangels Technikern, mangels Chipstzen und mangels Platz fr Basis­stationen in Innen­stdten“. Deshalb habe „SOS  Save our Spectrum“ die „Frequenz­initia­tive 71“ gegrndet, die davon ausgeht, dass BOS frhestens 2071 ein eigenes Netz bentigen wrde. „Die Diskussion um ein eigen­beherrschtes BOS-Netz sollte nun endlich beendet werden“, fordert Zenthfer. „Sie stehen mit ihrem Ansatz auch alleine in Europa.“

Auch die Bundeswehr hat nach Zenthfers Ansicht nichts im UHF-Band verloren. „Wir wissen nicht, wann wie und wo die Soldaten funken“, erklrt er. „Sie werden auf ihren Marsch­routen zahlreiche Kultur­veran­stal­tungen, Konzerte, Filme und Festivals stren.“ Dass die WIK-Studie diese Bedrohung fr PMSE nicht thema­tisiert, zeige ihre einseitige Sicht, meint Zenthfer. Die werde auch dadurch deutlich, dass sie den Kata­stro­phen­schutz auen vor lasse. Fr eine politisch-regu­lato­rische Entschei­dung ber die Nutzung von Frequenz­bndern sei der Kata­stro­phen­schutz laut Zenthfer ein Haupt­argu­ment Stichwort Rundfunk als Warnkanal.

Die Regierung sucht in der Debatte um die zuknftige Nutzung des UHF-Bands einen Kompromiss, sodass alle Inter­essierten, Rundfunk, Mobilfunk, BOS und Militr, diese Frequenzen nutzen knnen. Experten warnen jedoch vor einem solchen Kompromiss.

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