Vertreter aus Kultur und Medien halten nicht allzu viel von der Studie, die Telekom, Vodafone und Telefónica zur den UHF-Frequenzen präsentiert haben. Die Schlussfolgerungen zu Militär und Blaulichtbehörden seien nachvollziehbar. Die übrigen Argumente in der Studie seien teilweise falsch.
Im Auftrag von Deutscher Telekom, Vodafone und Telefnica hat WIK-Consult in einer Studie analysiert, wer die Frequenzen zwischen 470 und 694 MHz, dem sogenannten UHF-Band, am effizientesten nutzen knnte bzw. welche volkswirtschaftlichen Kosten durch die derzeitige Nutzung entstehen. Dabei kommen die aktuellen Nutzer des UHF-Bands schlecht weg, vor allem der Rundfunk. Eine Nutzung durch die Mobilfunker wre laut Studie hingegen volkswirtschaftlich sinnvoller.
Vertreter der Rundfunk- und Kulturbranche kritisieren die aktuelle Studie im Auftrag dreier Mobilfunkunternehmen zur zuknftigen Nutzung von Frequenzen im UHF-Band.
Foto: Deutsche Telekom
Das digitale terrestrische Fernsehen (DVB-T2) leide unter einem Bedeutungsverlust und wrde ARD und ZDF Einsparungen in dreistelliger Millionenhhe bringen, wenn es auf IP-Netze migriert wrde, heit es in der Studie. Knnte der Mobilfunk UHF-Frequenzen nutzen, knnte er hingegen die bertragungskapazitten in lndlichen Regionen um 33 Prozent erhhen. Weil zudem weniger Basistationen aufgebaut werden mssten, ergebe sich laut Studie ein Einsparpotenzial von 2,7 Milliarden Euro.
„Die Ergebnisse und Argumente der Mobilfunkstudie sind so erwartbar wie sie durchsichtig und teilweise falsch sind und verfrht“, sagt Michael Moskob, Leiter Regulierung, Public Affairs & Unternehmenskommunikation bei Media Broadcast, dem DVB-T2-Plattformbetreiber. Erst die Weltfunkkonferenz 2031 wird sich mit dem UHF-Band beschftigen. Moskob warnt vor „den vollmundigen Versprechungen des Mobilfunks“ zum Netzausbau im lndlichen Raum. Inzwischen habe die Politik verstanden, was davon zu halten sei.
Er widerspricht auch der Behauptung, DVB-T2 verliere an Bedeutung. Moskob verweist stattdessen auf den ASTRA TV-Monitor des Satellitenbetreibers SES, der eine steigende Tendenz fr DVB-T2 aufweist. Demzufolge empfangen 1,74 Millionen Haushalte in Deutschland ihr Fernsehen ber Antenne. 2024 waren es 1,68 Millionen. 18 Prozent der deutschen Haushalte wrden DVB-T2 stationr oder mobil nutzen.
Die Studie spricht von einem zunehmenden Bedeutungsverlust fr DVB-T2. Rundfunkvertreter sprechen hingegen von einer steigenden Nutzung.
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Darber hinaus sieht Moskob die Rundfunkterrestrik angesichts der zunehmenden mobilen Nutzung mit dem Standard 5G Broadcast auf dem richtigen Weg. „Weltweite Projekte (Europa, Brasilien, ASEAN) belegen dies“, sagt Moskob. In der Studie wird hingegen bezweifelt, dass 5G Broadcast zum Tragen kommt. Keiner der fhrenden Mobilgertehersteller habe Plne, entsprechende Chipstze in seine Gerte einzubauen.
ber den zweiten Nutzer im UHF-Band, die Kultur- und Produktionsbranche (Programme making and special events, PMSE), erfhrt man in der Studie recht wenig. „Dass sich die Studie nur eine halbe Seite von 61 Seiten mit PMSE beschftigt (und dann auch nur die letzte halbe Seite der ganzen Studie!), zeigt ihren blinden Fleck: Der neben dem Rundfunk wichtigste Nutzer des Bandes wird fast verschwiegen“, kritisiert Jochen Zenthfer, Sprecher der Initiative „SOS Save Our Spectrum“, die sich fr den Erhalt der UHF-Frequenzen fr Kultur und Medien einsetzt.
Immerhin wird in der Studie anerkannt, dass die PMSE-Branche auf die UHF-Frequenzen zwingend angewiesen ist. „Es gibt in der Tat keine Alternativen“, sagt Zenthfer. „Nur im Bereich zwischen 470 und 694 MHz gibt es eine europische Harmonisierung und damit einen Binnenmarkt allerdings fehlt schon diese Information in der Studie.“ Seiner Meinung nach htten sich Deutsche Telekom, Telefnica und Vodafone „das Geld fr diese Studie sparen knnen“. Sie zeige nichts Neues, sondern verschweigt vieles, bleibt oberflchlich und „wird daher rasch zu den Akten gelegt werden“, ist sich Zenthfer sicher.
Kritiker: „Blaulichtorganisationen brauchen kein eigenes Netz“Dennoch kann der SOS-Sprecher der Studie auch etwas Gutes abgewinnen, nmlich zu den Schlussfolgerungen in Bezug auf das Militr und die Behrden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS): „Die Blaulichtorganisationen brauchen kein eigenes Netz, sie knnen ber den Mobilfunk im Bereich 700 MHz oder 800 MHz mitversorgt werden“, sagt Zenthfer.
"Granateinschlag 200 Meter voraus" statt "Atemlos durch die Nacht"? Die Kulturbranche befrchtet, dass der Funkverkehr von Soldaten zu Strungen bei Konzerten fhrt, wenn die Bundeswehr auch UHF-Frequenzen nutzen darf.
Bild: Erstellt mit Chat-GPT
Die Schtzungen der Studie von 9 Milliarden Euro fr den Aufbau eines eigenen BOS-Netzes schtzt er „nochmal erheblich hher“ ein. Fr umsetzbar hlt er es ohnehin nicht „mangels Technikern, mangels Chipstzen und mangels Platz fr Basisstationen in Innenstdten“. Deshalb habe „SOS Save our Spectrum“ die „Frequenzinitiative 71“ gegrndet, die davon ausgeht, dass BOS frhestens 2071 ein eigenes Netz bentigen wrde. „Die Diskussion um ein eigenbeherrschtes BOS-Netz sollte nun endlich beendet werden“, fordert Zenthfer. „Sie stehen mit ihrem Ansatz auch alleine in Europa.“
Auch die Bundeswehr hat nach Zenthfers Ansicht nichts im UHF-Band verloren. „Wir wissen nicht, wann wie und wo die Soldaten funken“, erklrt er. „Sie werden auf ihren Marschrouten zahlreiche Kulturveranstaltungen, Konzerte, Filme und Festivals stren.“ Dass die WIK-Studie diese Bedrohung fr PMSE nicht thematisiert, zeige ihre einseitige Sicht, meint Zenthfer. Die werde auch dadurch deutlich, dass sie den Katastrophenschutz auen vor lasse. Fr eine politisch-regulatorische Entscheidung ber die Nutzung von Frequenzbndern sei der Katastrophenschutz laut Zenthfer ein Hauptargument Stichwort Rundfunk als Warnkanal.
Die Regierung sucht in der Debatte um die zuknftige Nutzung des UHF-Bands einen Kompromiss, sodass alle Interessierten, Rundfunk, Mobilfunk, BOS und Militr, diese Frequenzen nutzen knnen. Experten warnen jedoch vor einem solchen Kompromiss.
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