Вход на сайт

Просмотр новости

Найдите то, что Вас интересует

Wie ein Berliner Sprachcafé Deutsche und Polen verbindet

Дата публикации: 17-06-2026 11:42:45

Vor genau 35 Jahren wurde der Vertrag über gute Nachbarschaft zwischen Polen und Deutschland unterzeichnet. In Pankow zeigt ein Sprachcafé, wie viel Arbeit daraus im Alltag wird.


Основное содержимое страницы с новостью.

Deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag Zusammen wächst man nicht auf Papier

Symbolbild: Die Fahne der Europäischen Union (l-r), die Nationalflagge von Deutschland und Polen wehen im Wind. (Quelle: dpa/Pleul)
Agata Koch, Leiterin des deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow, und die polnische Influencerin Olga Sosta unterhalten sich am 09.06.26 im Café (Quelle: rbb).

Apfelkuchen unter einer Glasglocke, Kaffee am Tresen, Bücher in langen Regalreihen: Agata Koch sitzt am Holztisch ihres Cafés in Pankow. Koch spricht Polnisch, wie fast immer. Seit 1990 lebt die 61-Jährige in Berlin. Sie kennt also beide Zeiten: das Deutschland kurz nach dem Mauerfall und das Berlin, in dem polnische Herkunft längst zum Alltag gehört - sichtbar und doch oft übersehen.

Vor 14 Jahren hat sie hier in der Pankower Schulzestraße einen Ort gebaut, der offiziell ein Sprachcafé ist und eigentlich ein Ort, an dem ausprobiert wird, was Deutschland und Polen vor 35 Jahren auf Papier versprochen haben: gute Nachbarschaft.

Agata Koch, Leiterin des deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow, am 09.06.26 (Quelle: rbb). Agata Koch, Leiterin des deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow, am 09.06.26 (Quelle: rbb).

Was im Vertrag stand - und was er wollte

Das klingt erstmal nach Staatsbesuch, Händedruck, gemeinsamer Erklärung. Bei Koch klingt es nach Grammatikfragen, Kaffee, Formularen, Kinderbüchern, Missverständnissen und Gesprächen, die manchmal auf Polnisch beginnen, auf Deutsch weitergehen und auf Englisch enden. Wer hierherkommt, ganz in die Nähe des S-Bahnhofs Wollankstraße, der sucht nicht nur Sprache. Viele suchen Anschluss.

Den Vertrag hatten der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Jan Krzysztof Bielecki am 17. Juni 1991 in Bonn unterschrieben. Er sollte genau dafür den Rahmen schaffen: Er regelte Grenzen, Minderheitenrechte, Kulturaustausch, Jugendbegegnungen und Polens Weg nach Europa [polen.diplo.de]. Nach den Verbrechen des Nationalsozialismus, nach Krieg, Vertreibung und jahrzehntelanger Blocktrennung war das ein historischer Schritt. Aber ein Vertrag kann Nähe nur ermöglichen. Herstellen muss sie jemand anders.

Agata Koch, Leiterin des deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow, und die polnische Influencerin Olga Sosta unterhalten sich am 09.06.26 im Café (Quelle: rbb) Agata Koch, Leiterin des deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow, und die polnische Influencerin Olga Sosta unterhalten sich am 09.06.26 im Café (Quelle: rbb)

»

In europäischer Verantwortung werden sie ihre Kräfte dafür einsetzen, den Wunsch ihrer beiden Völker nach dauerhafter Verständigung und Versöhnung in die Tat umzusetzen.

«

Auszug aus Artikel 1 des Vertrags zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen, 1991

"Die Zahlen wachsen"

In Pankow macht das Koch mit ihrem Team. Rund 13.000 Menschen kommen nach ihren Angaben jedes Jahr ins Sprachcafé. Manche besuchen Kurse, manche leihen kostenlos polnischsprachige Bücher aus, manche kommen wegen einer Veranstaltung, manche bleiben wegen der Menschen. "Die Zahlen wachsen", sagt Koch. "Daher ist es keine Frage, ob wir gebraucht werden oder nicht."

Heute leben bis zu 150.000 Menschen mit polnischen Wurzeln in Berlin. Sie stellen nach der türkischen die zweitgrößte Gemeinschaft aus einem anderen Herkunftsland.

Koch hat ihr Sprachcafé 2012 gegründet, anfangs ohne jeden Plan, wie sie erzählt. "Damals habe ich einige Personen eingeladen, die ich kannte. Ich war damals selbst neu in Pankow", sagt sie. Aus diesem losen Treffen wurde ein gemeinnütziger Verein, aus dem Verein ein Ort.

Begegnung zwischen den Klischees

Im Café zeigt sich schnell, dass "polnische Wurzeln" keine einfache Kategorie ist. Da ist Dorothea Stasińska, die vor fünf Jahren wegen der Liebe nach Berlin kam. Anfangs arbeitete sie als Putzfrau, jetzt will sie beruflich neu anfangen und hilft ehrenamtlich in der Verwaltung des Cafés mit. Da ist Magda Ibersza, seit zwölf Jahren in Berlin, ihr Weg führte sie von Danzig über Dublin nach Pankow. "Dieses Café ist sehr gemütlich und die Leute sind sehr offen. Man muss nicht Deutsch sprechen, man kann Englisch oder Polnisch sprechen", sagt sie.

»

Es gibt Deutsch und es gibt Polnisch und es gibt noch ganz viel dazwischen.

«

Agata Koch, Gründerin des Sprachcafés

Es sind solche Sätze, in denen der Vertrag von 1991 plötzlich sehr konkret wird. Nicht als Urkunde, sondern als Frage: Wer gehört dazu? In welcher Sprache? Mit welchem Akzent? Mit welchem Lebenslauf? Koch sagt, viele Menschen, die ins Café kommen, passten nicht in die einfache Ordnung von deutsch hier und polnisch dort. "Es gibt Deutsch und es gibt Polnisch und es gibt noch ganz viel dazwischen", sagt sie.

Dieses Dazwischen ist vielleicht der eigentliche Raum des Cafés. Hier sitzen Menschen, die übersetzen müssen - nicht nur Wörter, sondern Biografien. Manche sind neu in Berlin, andere seit Jahrzehnten da. Manche suchen einen Sprachkurs, andere eine Bibliothek, einen Jobkontakt, ein Gespräch, ein Stück Vertrautheit. Gute Nachbarschaft ist hier kein politischer Begriff. Sie beginnt damit, dass jemand die Tür öffnet und niemand fragt, ob man zuerst Deutsch sprechen kann.

Die polnische Influencerin Olga Sosta bei einem Besuch im deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow am 09.06.26 (Quelle: rbb). Nähe schaffen, durch Witze über deutsch-polnische Missverständnisse: Die polnische Influencerin Olga Sosta bei einem Besuch im Sprachcafé (Quelle: rbb).

Die Influencerin und der Haken

Olga Sosta hat ihr Fahrrad vor der Glastür angeschlossen und kommt mit roter Cap ins Café. Sie lächelt, redet schnell, ohne Umwege. Sosta arbeitet als Jobcoach für polnischsprachige Frauen in Berlin. Auf TikTok und Instagram macht sie Videos über deutsch-polnische Missverständnisse, über Arbeit, Behörden, Alltag. Ihre Methode: erst das Klischee, dann die Korrektur.

"Erstmal sage ich: Polen sind Diebe. Und dann sage ich, das ist gar nicht die Wahrheit. Das ist eine Hook", sagt sie. Was im Café vorsichtig verhandelt wird, muss bei ihr in wenigen Sekunden funktionieren. Aufmerksamkeit zuerst, Differenzierung danach.

Die polnische Influencerin Olga Sosta in einem ihrer TikTok-Videos, gezeigt bei einem Besuch im deutsch-polnischen Sprachcafé in Berlin-Pankow am 09.06.26 (Quelle: rbb). "Erstmal sage ich: Polen sind Diebe. Und dann sage ich, das ist gar nicht die Wahrheit": Sosta in einem ihrer TikTok-Videos (Quelle: rbb).

Erstmal kurz irritieren, um Aufmerksamkeit zu schaffen

Agata Koch sieht das skeptisch, erklärt sie. Ihr ist diese deutsch-polnische Zuspitzung zu grob. "Diese Perspektive Deutsch-Polnisch - das ist sehr extrem und nicht differenziert, wie die Wirklichkeit aussieht", sagt sie. Koch setzt auf Kurse, Begegnungen, den langen Weg. Sosta hält dagegen: Wer Menschen erreichen wolle, müsse sie erst einmal stoppen, um ihre Aufmerksamkeit zu bekommen. Ihr Publikum seien polnische Frauen, die beim Jobcenter sitzen, durch TikTok scrollen und schnelle Orientierung suchen.

Zwischen beiden geht es nicht um richtig oder falsch. Es geht um zwei Wege, dieselbe Wand zu bearbeiten: die alten Bilder im Kopf. Koch öffnet einen Raum, in dem sie leiser werden sollen. Sosta ruft sie laut aus, um sie anschließend zu zerlegen. Beides zeigt, wie hartnäckig sie sind.

35 Jahre: Wo steht die Nachbarschaft?

Während Koch und Sosta im Kleinen gegen alte Bilder arbeiten, wird im Großen wieder viel von Neubeginn gesprochen. Im Dezember 2025 trafen sich Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Polens Ministerpräsident Donald Tusk in Berlin zu den 17. Deutsch-Polnischen Regierungskonsultationen. Es ging um Sicherheit, Infrastruktur, die Unterstützung der Ukraine und eine engere Zusammenarbeit. Nach Jahren gereizter Töne klang das nach Aufbruch.

Doch gute Nachbarschaft bleibt störanfällig. Die deutschen Grenzkontrollen hatten in Polen schon zuvor zu Ärger geführt; Warschau reagierte im Sommer 2025 mit eigenen Kontrollen. Gleichzeitig gewann der rechtskonservative Karol Nawrocki knapp die polnische Präsidentschaftswahl - ein Rückschlag für Tusks proeuropäischen Kurs.

Im Sprachcafé in Pankow kommt diese große Lage nicht als Schlagzeile an, sondern als leiser Druck. Agata Koch spricht nicht zuerst über Regierungserklärungen. Sie spricht über schrumpfende Projektförderung, Anträge, Nachweise, Stellen, die schwerer zu finanzieren sind. "Stempel, Stempel, Stempel, Kopie, Kopie, Kopie, Beglaubigung, Beglaubigung, Beglaubigung", fasst sie das zusammen. So klingt europäische Verständigung, wenn sie durch Verwaltungsordner muss.

Das deutsch-polnische Sprachcafé in der Schulzestraße in Berlin-Pankow, am 09.06.26 (Quelle: rbb). Das deutsch-polnische Sprachcafé in der Schulzestraße in Berlin-Pankow, am 09.06.26 (Quelle: rbb).

"Es geht nicht um Festreden"

Zum 35. Jahrestag startet Koch ein neues Projekt. Es heißt "Geschichten, die erzählt werden möchten". Anfang Juli fährt eine Gruppe nach Lublin, Kochs Heimatstadt. Im Oktober kommen Menschen aus dem Lubliner Raum nach Pankow. Es gehe nicht um Festreden, sagt Koch. Es gehe darum, dass Menschen sich begegnen, Vorurteile abbauen, gemeinsam etwas machen.

Vielleicht ist das die unspektakulärste und genau deshalb glaubwürdigste Form deutsch-polnischer Nachbarschaft: nicht die große Erklärung, sondern die wiederholte Begegnung. Koch ist nach den 36 Jahren in Deutschland nicht nach Polen zurückgegangen. "Ich habe hier meine Familie, meine Kinder und mein Baby, mein Sprachcafé“, sagt sie. Berlin sei ihre Heimat. Eine zweite, aber keine kleinere.

Sendung: rbb24 Abendschau, 17.06.2026, 19:30 Uhr

Video: rbb24 Abendschau, 17.06.2026, Marcel Trocoli Castro

Mehr bei rbb|24
Illustration - Volksbad am Rosa-Luxemburg-Platz. (Quelle: Volksbühne Berlin)
Archivbild: Ein Mann blättert in einem Buch. (Quelle: imago-images/E. Jansen)
Klassik-Konzerte zum Freitarif: Nur Decken waren mitzubringen. (Quelle: rbb)
Das Filmstudio Babelsberg in Potsdam (Quelle: dpa/Schoening)
Blick auf das Theater in Brandenburg an der Havel. (Quelle: Picture Alliance/Jens Kalaene)
Klassik ohne Grenzen, Foto: Anastasiia Kalko

Схожие новости

#Наименование новостиТональностьИнформативностьДата публикации
1"Kulturzug" zwischen Berlin und Polen kehrt im Herbst zurück010.9909-06-2026
2Tourenstart auf deutscher Oder-Seite: Theaterschiff zeigt deutsch-polnische Schicksale am Ende des Weltkriegs016.507-07-2026
3В Минске заявили, что Польша ищет способы обострить отношения с Белоруссией0020-11-2021
4"48 Stunden Neukölln": Kunstfestival im Berliner Späti011.4803-07-2026
5Польша закрывает границу с Белоруссией на неопределенный срок0011-09-2025
6Глава МВД Польши подписал распоряжение об открытии границы с Белоруссией0023-09-2025
7СМИ: в Польше группу молодых людей избили за разговор на русском языке0011-02-2020
8В Польше сообщили о планах подписать соглашение о военном сотрудничестве с США 15 августа0008-08-2020
9Польша откроет границу с Белоруссией0023-09-2025
10Захарова заявила о праве России пойти на разрыв дипотношений с Польшей0030-04-2023

Классификация: Мнения. Схожих патентов: 0. Схожих новостей: 10. Тональность: 0. Информативность: 9.8. Источник: www.rbb24.de.