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Zeitumstellung abschaffen? Schlafforscher plädiert für dauerhafte Normalzeit

Дата публикации: 25-10-2026 01:00:08

Am 25. Oktober drehen wir die Uhr zurück auf Winterzeit. Viele würden dieses Hin und Her am liebsten ganz abschaffen, andere fordern eine kürzere Sommerzeit.

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An diesem Wochenende war es wieder soweit: Zeitumstellung! Damit endet auch für viele Menschen im Südwesten ihre "Lieblingszeit". Das klingt auch in der Fußgängerzone in Baden-Baden durch: Eine Passantin sagt: "Prinzipiell bin ich ja mehr für die Sommerzeit", ein anderer pflichtet ihr bei: "Also wir im Norden haben mehr tatsächlich von der Sommerzeit, ich würde lieber die längere Sommerzeit nehmen." Psychologisch verständlich: Wer will schon eine Zeit, die nach nasskalt und grau klingt? 

Schlafforscher: "Sommerzeit bringt keinen Vorteil" 

Schlafforscher Albrecht Vorster sieht das anders. Er hat lange in Tübingen gearbeitet, heute ist er am Universitätsklinikum Gießen und Marburg. Zur Sommerzeit sagt er: "Es gibt keinen wirtschaftlichen oder sozioökonomischen Vorteil der Zeitumstellung. Der, der einen Vorteil der Zeitumstellung hat, außer dass er die langen Abende genießt im Sommer, der soll sich gerne bei mir melden."

Die Idee aus zuletzt den Achtzigern, mit Sommerzeit Energie zu sparen, lässt sich nicht überzeugend belegen. Dafür bringe, so Vorster, die Zeitumstellung viel Aufwand und Reibungsverluste mit sich, bei Fahrplänen, in Laboren, überall dort, wo präzise Zeiten wichtig sind. 

Schlafforscher Albrecht Vorster kritisiert die Zeitumstellung als aufwändig und gesundheitlich belastend, ohne nachweisbaren wirtschaftlichen Nutzen

Schlafforscher Albrecht Vorster kritisiert die Zeitumstellung als aufwändig und gesundheitlich belastend, ohne nachweisbaren wirtschaftlichen Nutzen IMAGO epd-bild/Steffen Schellhorn

Auch einige Menschen in Baden-Baden würden die Zeitumstellung am liebsten lassen, besonders aufgrund der körperlichen Effekte, erzählt eine Frau: "Das ist für den Körper und vor allem für die Kinder wirklich eine Tortur."

Unsere innere Uhr läuft mit der Sonne

Aus Sicht des Schlafs liegt das an einem einfachen Punkt: Unsere innere Uhr richtet sich nach dem Sonnenaufgang, nicht nach der Uhr. Mit Winterzeit - also Normalzeit - liegt der Sonnenaufgang auf der Uhr näher an unseren üblichen Aufstehzeiten als bei einer dauerhaft nach vorn geschobenen Sommerzeit. Und genau das spüren viele jetzt im Herbst: Vor der Rückstellung ist es morgens schon wieder eher Nacht als Morgen, "und dann haben wir wieder Probleme aufzustehen", sagt Vorster.

Für den Schlafrhythmus ist das unpraktisch - der Körper braucht Licht, um in Schwung zu kommen. Und im Übrigen auch, um abends gut einzuschlafen. Im Sommer kann man gut sehen, wie stark wir auf die Sonne reagieren.

"Dass die Menschen in Dresden zum Beispiel etwa eine halbe Stunde früher aufstehen als die Menschen in Köln, liegt einfach an der Sonne", berichtet Vorster. Im Osten geht die Sonne etwas früher auf, Menschen stehen früher auf. Unsere Biologie folgt dem Licht, egal, was auf der Uhr steht.

Frau mit Wecker, unausgeschlafen. Unsere innere Uhr folgt der Sonne - Winterzeit passt besser zu unserem natürlichen Schlaf- und Aufstehrhythmus.

Unsere innere Uhr folgt der Sonne - Winterzeit passt besser zu unserem natürlichen Schlaf- und Aufstehrhythmus. IMAGO Rolf Kremming Im Sommer Sonne früher nutzen - auch ohne Sommerzeit

Wenn die Sonne im Sommer schon um vier oder fünf Uhr aufgeht, ist der Körper ohnehin früher "bereit". Vorster findet: Das ist erstmal kein Problem, "es ist nicht verboten, schon mal im Sommer früher anzufangen zu arbeiten oder Haustätigkeiten zu machen oder zu kochen oder so."

Die Uhr muss dafür nicht extra vorgestellt werden. Am liebsten würde er die Sommerzeit ganz abschaffen und bei der Normalzeit bleiben.

Wer früher Sonne will, kann einfach früher aufstehen: Sommerzeit ist überflüssig - das zusätzliche Morgenlicht lässt sich auch ohne Uhrumstellung nutzen, etwa beim Spaziergang mit dem Hund.

Wer früher Sonne will, kann einfach früher aufstehen: Sommerzeit ist überflüssig - das zusätzliche Morgenlicht lässt sich auch ohne Uhrumstellung nutzen, etwa beim Spaziergang mit dem Hund. IMAGO Rolf Kremming Debatte um Zeitumstellung: Kürzere Sommerzeit als Kompromiss?

Andere Forschende sagen aber: Sie verstehen, dass viele Menschen ihren Tag nicht nach vorn verschieben wollen, sondern im Hellen Aufstehen möchten und außerdem nach der Arbeit möglichst viele Sonnenstunden haben wollen.

Der spanische Physiker José María Martín-Olalla hat einen Lösungsvorschlag. Und weil Arbeitszeiten in der Praxis kaum verändert werden, setzt er mit seinem Vorschlag bei der Uhr an - aber anders als bisher, er sagt: "Wir machen Hälfte-Hälfte. Anfang April bis Anfang Oktober!" Sein Vorschlag: Sommerzeit später beginnen, Anfang April statt Ende März, und die Sommerzeit früher beenden, Anfang Oktober statt Ende Oktober.

In seiner Analyse zeigt er: Wenn wir erst Anfang April auf Sommerzeit gehen, stehen typische Frühaufsteher seltener im stockdunklen Frühling auf. Stellen wir die Uhren schon Anfang Oktober auf Winterzeit zurück, liegen auch im Herbst typische Aufstehzeiten seltener vor Sonnenaufgang, besonders für Leute, die früh losmüssen. Gleichzeitig bleiben die beliebten langen Feierabende im Sommer erhalten.

Auch Vorster sagt: Das würde helfen, wenn Europa unbedingt an einer Zeitumstellung festhalten will und Menschen eine Stunde mehr Sonne nach Feierabend wichtig ist.

Rückkehr zur Normalzeit: In der Nacht zum 25. Oktober werden in Deutschland die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt - die Sommerzeit endet, es gilt wieder die "Winterzeit", also die eigentliche mitteleuropäische Normalzeit.

Rückkehr zur Normalzeit: In der Nacht zum 25. Oktober werden in Deutschland die Uhren von drei auf zwei Uhr zurückgestellt - die Sommerzeit endet, es gilt wieder die "Winterzeit", also die eigentliche mitteleuropäische Normalzeit. IMAGO Bihlmayerfotografie "Halbe Stunde in der Mitte" - charmant, aber chaotisch

Ob das die ganze Diskussion nicht noch mehr durcheinanderbringt? In Baden-Baden nehmen die Menschen Olallas Vorschlag mit Humor auf. Einer hat sogar einen eigenen Vorschlag, warum nicht einfach nur eine halbe Stunde umstellen und das dann so lassen, sagt er schmunzelnd: "Wenn es nach mir ginge, könnte man das teilen, eine halbe Stunde die eine zurück und die andere vor, und dass man sich da dann in der Mitte trifft."

Sehr diplomatisch - aber im internationalen Bahn- und Flugverkehr wahrscheinlich der Albtraum: zu viele Fahrpläne, zu viele Zeitzonen, zu viele Uhren.

Entscheidend ist das Licht am Morgen

Fest steht: Für einen gesunden Schlafrhythmus orientiert sich unser Körper am Licht. Im Sommer ist es ohnehin früh da, warum nicht einfach mal früher aufstehen? Und jetzt, Ende Oktober, hilft uns die Winterzeit, dass wir morgens wieder eher Licht abbekommen. Sie ist im Grunde eben unsere Normalzeit, denn das Wichtigste ist: möglichst viel Licht am Morgen statt im Dunkeln.

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