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Im Schatten der KI-Giganten wächst riesige Schuldenkrise heran

Дата публикации: 07-10-2026 16:41:00

Während wenige KI-Giganten die Börsen treiben, wächst abseits des Rampenlichts ein Schuldenproblem. Riskante Kredite von Technologiekonzernen im Milliardenvolumen stehen auf der Kippe.

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Während wenige KI-Giganten die Börsen treiben, wächst abseits des Rampenlichts ein Schuldenproblem. Riskante Kredite von Technologiekonzernen im Milliardenvolumen stehen auf der Kippe.

Künstliche Intelligenz ist das große Wachstumsversprechen der kommenden Jahre. Milliarden fließen in Rechenzentren, Chips und neue KI-Modelle. Einige der größten Technologiekonzerne der Welt investieren Summen, die noch vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wären.

Doch unterhalb dieser schmalen Spitze des Tech-Sektors zeigt sich inzwischen ein völlig anderes Bild.

Unternehmenskredite steigen drastisch an

Bei zahlreichen weniger bekannten Software- und Technologieunternehmen türmen sich die Finanzierungsprobleme immer höher auf. Der Markt für Unternehmenskredite sendet Warnsignale, wie sie zuletzt zu Beginn der Corona-Pandemie zu beobachten waren.

Nach Berechnungen von JPMorgan ist das Volumen riskanter Kredite, sogenannter Distressed Leveraged Loans, die nur noch zu höchstens 80 Cent je US-Dollar gehandelt werden, innerhalb eines Jahres um fast 90 Prozent auf 139,8 Milliarden US-Dollar gestiegen. Lediglich rund 4 Milliarden US-Dollar fehlen damit zum Hoch aus dem Mai 2020.

Noch drastischer sieht es am äußersten Ende des Marktes aus. Kredite, die weniger als 60 Cent je Dollar wert sind, summieren sich inzwischen auf 65 Milliarden US-Dollar. Vor einem Jahr waren es lediglich 40 Milliarden US-Dollar.

Kleinere Tech-Unternehmen sitzen in der Schuldenfalle

Besonders auffällig ist, wo sich der Stress konzentriert. Rund 39 Prozent der gefährdeten Kredite entfallen auf Technologieunternehmen. Mit 54,4 Milliarden US-Dollar stellt der Sektor damit mit Abstand den größten Problemblock. Zu diesen stark belasteten Unternehmen zählen unter anderem CDK Global, QLIK Technologies oder Quest Software, die mittlerweile allesamt Finanzinvestoren wie Brookfield, Thoma Bravo und Clearlake gehören.

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Insgesamt werden inzwischen die Kredite von rund 141 Emittenten unter der Marke von 80 Cent gehandelt, 35 mehr als vor einem Jahr.

Damit zeigt sich eine zunehmende Zweiteilung des Technologiesektors. Auf der einen Seite stehen finanzstarke Konzerne, die Milliarden in KI-Infrastruktur investieren können. S&P Global erwartet für 2026 und 2027 zusammen inzwischen mehr als 1,5 Billionen US-Dollar an Investitionen in KI-Infrastruktur; die Bilanzen der größten Plattformkonzerne gelten dabei weiterhin als vergleichsweise robust.

Auf der anderen Seite stehen Hunderte kleinere und mittelgroße Softwareanbieter, häufig hoch verschuldet und teilweise im Besitz von Private-Equity-Gesellschaften. Für sie kann KI genau das Gegenteil bedeuten: Statt neue Milliardengeschäfte zu eröffnen, bedroht die Technologie bestehende Produkte und Geschäftsmodelle.

Finanzierungskosten steigen immer weiter

Ein Teil des Problems entstand bereits Jahre vor ChatGPT. Während des Softwarebooms 2021 und 2022 kauften Finanzinvestoren zahlreiche Unternehmen zu hohen Bewertungen. Allein 2021 wurden mehr als 450 Softwarefirmen für insgesamt 101 Milliarden US-Dollar übernommen. Ein erheblicher Teil dieser Transaktionen wurde mit Fremdkapital finanziert. Die Rechnung funktionierte, solange Geld billig war, Softwareumsätze kräftig wuchsen und Unternehmensbewertungen weiter stiegen.

Heute haben sich gleich mehrere Voraussetzungen verändert. Die Finanzierungskosten sind deutlich höher. Das Wachstum vieler Softwareunternehmen hat sich abgeschwächt. Gleichzeitig stellt generative KI etablierte Geschäftsmodelle infrage. Sie kann bei den betroffenen Konzernen niedrigere Umsätze, sinkende Margen, fallende Unternehmensbewertungen und schließlich Schwierigkeiten bei der Refinanzierung auslösen.

KI-Boom könnte zu großer Kreditkrise führen

Die Schuldenuhr beginnt zu ticken. Noch haben viele Unternehmen Zeit, aber nicht unbegrenzt. Allein 2028 und 2029 werden nach Daten von S&P Global rund 386 Milliarden US-Dollar an Software-Schulden fällig. In diesem Jahr wurden bereits rund 130 Milliarden US-Dollar an Krediten, die mit Softwareübernahmen zusammenhängen, unter 90 Cent je Dollar gehandelt. Die Refinanzierung dieser Schulden muss häufig lange vor dem tatsächlichen Fälligkeitstermin beginnen. Damit wird bereits 2027 zum wichtigen Testjahr.

JPMorgan rechnet damit, dass sich die Zahlungsausfälle bei Krediten hochverschuldeter Unternehmen im kommenden Jahr auf 4,50 Prozent verdoppeln werden. Bei Hochzinsanleihen rechnet die Bank ebenfalls mit einem deutlichen Anstieg. Der KI-Boom ist damit längst nicht für den gesamten Technologiesektor eine Erfolgsgeschichte.

Ein kleiner Kreis finanzstarker Konzerne kann zweistellige Milliardenbeträge investieren, neue Rechenzentren bauen und vom enormen Bedarf an Rechenleistung profitieren. Gleichzeitig geraten zahlreiche weniger sichtbare Unternehmen unter Druck, deren Geschäftsmodelle durch dieselbe Technologie angreifbarer werden.

Noch ist daraus keine breite Kreditkrise entstanden, doch der Zeitdruck nimmt zu. Steigende Zinsen treffen auf hohe Verschuldung, KI-Risiken und eine näher rückende Refinanzierungswelle. Während die Börse vor allem auf die wenigen großen Gewinner der KI-Revolution schaut, entscheidet sich dahinter versteckt, wer in der nächsten Finanzierungsrunde überhaupt noch einen Kredit erhält.

Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

Von wallstreetONLINE Redaktion

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