Irans Ölminister tritt zurück, während die Exporte einbrechen. Teheran kämpft zugleich mit Benzinmangel, Inflation und einer Währungskrise.
Irans Ölgeschäft bricht weg, im eigenen Land fehlt Benzin – und mitten in der Krise übernimmt der bereits sanktionierte Chef der staatlichen iranischen Ölgesellschaft.
Irans Ölminister Mohsen Paknejad ist zurückgetreten – mitten in einer Phase, in der die wichtigste Einnahmequelle des Landes fast versiegt. Präsident Masoud Pezeshkian nahm den Rücktritt am Sonntag an und setzte NIOC-Chef Hamid Bovard als amtierenden Minister ein.
US-Finanzminister Scott Bessent erklärte am 3. Oktober, derzeit befänden sich keine iranischen Ölladungen mehr auf See und Teheran werde in dieser Woche keine Öleinnahmen erzielen. Diese Darstellung ist allerdings nicht widerspruchsfrei: Paknejad sagte noch kurz vor seinem Rücktritt, Einnahmen aus bereits verkauftem Öl flössen weiterhin in den Iran. Bereits im August hatte der iranische Zentralbankchef erklärt, die Exporte seien praktisch auf Null gefallen.
Neuer Ölminister ist nun Hamid Bovard, seit 2024 Chef der staatlichen National Iranian Oil Company. Er steht selbst auf einer US-Sanktionsliste und übernimmt ein Ressort, dessen wichtigste Aufgabe inzwischen nicht mehr nur die Förderung ist, sondern vor allem der Absatz iranischen Rohöls unter Blockadebedingungen.
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Gleichzeitig verschärft sich die Lage im Inland. Wie The National berichtet, fehlen dem Iran täglich rund 10 Millionen Liter Benzin. Die Regierung verdoppelte deshalb im September den Preis für Kraftstoff oberhalb der subventionierten Monatsquote. Zuvor hatten Engpässe und Warteschlangen an Tankstellen den Druck bereits erhöht.
Am Weltmarkt zeigt sich inzwischen ein paradoxes Bild: Irans Exporte fallen praktisch aus, trotzdem sank Brent am Dienstag auf rund 99,50 US-Dollar je Barrel, WTI auf etwa 88,40 US-Dollar. Der Grund ist, dass andere Produzenten am Golf ihre Lieferungen deutlich hochgefahren haben. Die Ölströme aus der Region ohne Iran erreichten im September wieder mehr als 81 Prozent des Vorkriegsniveaus; Ende September lagen sie an einzelnen Tagen sogar darüber. Zusätzlich wollen die G7-Staaten 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren Notreserven freigeben. Das dämpft die unmittelbaren Versorgungssorgen, obwohl Angriffe auf Tanker und höhere Versicherungs- und Transportkosten rund um Hormus bestehen bleiben.
Der Druck auf Teheran reicht damit weit über den Ölsektor hinaus. Der Rial fiel zuletzt auf ein Rekordtief, während die Inflation nach Reuters-Angaben auf mehr als 70 Prozent gestiegen ist. Paknejads Rücktritt löst keines dieser Probleme. Sein Nachfolger muss nun Produktion und Inlandsversorgung stabilisieren und zugleich einen Weg finden, iranisches Rohöl trotz Blockade wieder zu verkaufen.
Von Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
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