Zigaretten könnten 2027 einen Euro teurer werden. Die Koalition plant höhere Tabaksteuern. Experten warnen vor einem wachsenden Schwarzmarkt.
Rauchen wird zum Luxus: Die Koalition plant drastische Steuererhöhungen. Eine Schachtel könnte bald mehr als neun Euro kosten. Doch ob der Staat davon profitiert, ist umstritten.
Eine Packung Zigaretten für neun Euro? Was heute noch teuer erscheint, könnte schon in wenigen Monaten normal sein. Wer täglich eine Schachtel raucht, müsste dann rund 380 Euro mehr im Jahr ausgeben als bisher. Und dabei soll es nicht bleiben: Bis 2030 könnte der Preis einer gewöhnlichen Zigarettenpackung auf fast zwölf Euro steigen. Rauchen würde damit innerhalb von vier Jahren um beinahe 50 Prozent teurer.
Die Zahlen zeigen, wie tief der Staat künftig in die Taschen der Raucher greifen will. Der durchschnittliche Preis einer Packung mit 20 Zigaretten liegt 2026 bei rund 8,05 Euro. Nach den Berechnungen für die verschärften Koalitionspläne könnten es 2027 bereits 9,10 Euro sein – ein Plus von 1,05 Euro. Bis 2030 werden 11,78 Euro erwartet. Besonders teure Markenzigaretten könnten dann sogar bis zu 14 Euro kosten.
Die tatsächlichen Ladenpreise legen allerdings die Hersteller fest. Die genannten Beträge sind Prognosen, keine gesetzlich vorgeschriebenen Verkaufspreise. Für jemanden, der täglich eine Packung kauft, würden die erwarteten Preissteigerungen bis 2030 rechnerisch zusätzliche Kosten von rund 1360 Euro jährlich bedeuten.
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Auch Dampfer müssen sich auf höhere Ausgaben einstellen. Die Steuer auf E-Zigaretten-Liquids soll von derzeit 32 Cent je Milliliter auf 38 Cent im kommenden Jahr steigen. Bis 2030 sind 44 Cent vorgesehen. Allein durch die höhere Steuer einschließlich Umsatzsteuer würde ein Fläschchen mit zehn Millilitern dann rund 1,43 Euro mehr kosten. Der Branchenverband Bündnis für Tabakfreien Genuss rechnet deshalb mit Endpreisen von knapp 15 Euro für Produkte, die heute etwa zwölf Euro kosten.
Hinter der Reform steckt nicht allein Gesundheitspolitik. Der Bund braucht Geld. Nach Angaben des Bundestages erwartet die Koalition durch die verschärften Steuersätze bereits 2027 rund 1,5 Milliarden Euro zusätzliche Einnahmen. Im Jahr 2030 sollen es knapp 4,5 Milliarden Euro sein. Damit sollen auch Lücken im Bundeshaushalt geschlossen werden.
Doch die Rechnung könnte komplizierter werden. Eine vom Tabakbranchenverband BVTE und dem Hersteller Philip Morris beauftragte Untersuchung kommt zu deutlich niedrigeren Einnahmeerwartungen. Statt der für 2027 bis 2030 angesetzten 11,5 Milliarden Euro könnten nach diesem Modell lediglich 5,5 Milliarden Euro zusätzlich zusammenkommen.
Der Grund: Steigende Preise könnten Verbraucher dazu bewegen, Zigaretten im Ausland oder auf dem Schwarzmarkt zu kaufen. Die Untersuchung ist allerdings von Unternehmen mit unmittelbaren wirtschaftlichen Interessen finanziert worden. Ihre Ergebnisse sind deshalb als Szenarien zu verstehen, nicht als sichere Prognosen.
Gesundheitsforscher beurteilen die Reform deutlich positiver. Katrin Schaller vom Deutschen Krebsforschungszentrum betonte bei einer Anhörung des Bundestages, dass spürbare Preiserhöhungen zu den wirksamsten Mitteln gegen den Tabakkonsum gehören.
Vor allem Jugendliche könnten dadurch vom Einstieg abgehalten werden. Auch der Gesundheitsökonom Tobias Effertz von der Universität Hamburg verweist auf die enormen Folgekosten des Rauchens für das Gesundheitssystem.
Die Bundesregierung verfolgt damit zwei Ziele, die nicht zwangsläufig zusammenpassen: Sie möchte mehr Steuern einnehmen und gleichzeitig den Tabakkonsum senken. Je mehr Menschen allerdings mit dem Rauchen aufhören, desto geringer fallen langfristig die Einnahmen aus.
Für Millionen Raucher ist die Konsequenz schon jetzt absehbar: Die Zigarette wird teurer. Ob die Reform zugleich die Staatskasse füllt und die Gesundheit verbessert, hängt davon ab, wie die Verbraucher auf die Preiserhöhungen reagieren.
Mit dpa.
12 Euro für Zigaretten? Leser: „Schwarzmarkt wird boomen“
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