Deutschlands Handelsdefizit mit China könnte 100 Milliarden Euro überschreiten. Besonders drei Schlüsselbranchen geraten massiv unter Druck.
Deutschland verliert im Handel mit China immer mehr Boden. Besonders dramatisch ist die Entwicklung in drei Schlüsselindustrien. Eine neue Studie zeigt, wie tief die Krise inzwischen reicht.
Der deutsche Handel mit China steuert auf einen historischen Negativrekord zu. Erstmals könnte das Handelsbilanzdefizit in diesem Jahr die Marke von 100 Milliarden Euro überschreiten. Das geht aus einer Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Gegenüber 2019 hätte sich das Defizit damit mehr als versiebenfacht.
Die Zahlen zeigen allerdings mehr als nur ein Ungleichgewicht zwischen Ein- und Ausfuhren. China wird in jenen Branchen zum immer stärkeren Konkurrenten, die über Jahrzehnte den wirtschaftlichen Erfolg Deutschlands getragen haben: Automobile, Elektrotechnik und Maschinenbau.
Im ersten Halbjahr 2026 führte Deutschland aus China Waren im Wert von fast zweieinhalbmal so viel ein, wie es dorthin verkaufte. 2019 lagen die Einfuhren lediglich rund 15 Prozent über den Ausfuhren.
Sollte sich die Entwicklung der ersten sechs Monate 2026 fortsetzen, dürfte das Handelsdefizit von 14,1 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf rund 105 Milliarden Euro steigen. Schon 2025 hatte es mit etwa 90 Milliarden Euro einen Rekord erreicht.
Besonders auffällig ist die gegenläufige Entwicklung: Laut IW dürften die deutschen Warenexporte nach China gegenüber 2019 um etwa ein Viertel zurückgehen. Die Importe aus China steigen dagegen voraussichtlich um 62 Prozent.
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Der einst lukrative Handel mit China wird damit für immer mehr deutsche Unternehmen zum Problem.
Wie tiefgreifend der Wandel ist, zeigt der Blick auf die einzelnen Industriezweige.
Die Berechnungen beruhen auf einer Fortschreibung des ersten Halbjahres. Wie das IW erläutert, werden Veränderungen der gehandelten Mengen nicht gesondert untersucht. Auch Preisentwicklungen können die Ergebnisse beeinflussen.
Besonders bemerkenswert: Die hohen deutschen Energiekosten erklären den wachsenden Rückstand gegenüber China nach Einschätzung des IW nur zu einem kleinen Teil.
Energieintensive Industrien wie Chemie, Papier, Glas und Metall tragen zusammen lediglich rund vier Milliarden Euro zur Verschlechterung der Handelsbilanz seit 2019 bei. Der überwiegende Teil entfällt dagegen auf Branchen, deren Wettbewerbsfähigkeit weniger stark von Energiepreisen abhängt.
Als wesentliche Ursachen nennt das IW Chinas technologischen Fortschritt, umfangreiche staatliche Subventionen und Währungsverzerrungen. Die Untersuchung liefert damit Argumente gegen die Vorstellung, günstigere Energie allein könne die Wettbewerbsprobleme der deutschen Industrie lösen.
IW-Außenhandelsexperte Jürgen Matthes fordert deshalb neben Reformen in Deutschland zusätzliche europäische Gegenmaßnahmen. Die EU solle ein Instrument für breit angelegte Ausgleichszölle entwickeln, um chinesische Wettbewerbsvorteile durch staatliche Eingriffe auszugleichen.
Ob solche Maßnahmen die deutsche Industrie tatsächlich stärken, bleibt allerdings offen. Höhere Zölle könnten zugleich importierte Vorprodukte verteuern und Gegenmaßnahmen Chinas auslösen.
Die Zahlen verdeutlichen vor allem eines: Deutschland kämpft im Handel mit China längst nicht mehr nur gegen einen billigen Produktionsstandort, sondern gegen einen technologisch immer leistungsfähigeren Industriekonkurrenten.
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