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EU und China wollen „nicht tragbares“ Handelsdefizit abbauen – Verbraucherfolgen sind noch nicht absehbar

Дата публикации: 21-10-2026 05:16:00

Viele europäische Branchen wanken unter chinesischen Billigprodukten. Jetzt könnte der Umbruch folgen. Der EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat neue Ergebnisse aus China.

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Viele europäische Branchen wanken unter chinesischen Billigprodukten. Jetzt könnte der Umbruch folgen. Der EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič hat neue Ergebnisse aus China.

Die EU will das „nicht tragbare“ Handelsdefizit mit China abbauen. Das jedenfalls war das erklärte Ziel von EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič, als er Anfang Oktober ins „Reich der Mitte“ reiste. Verhandlungen mit dem chinesischen Handelsminister haben drei Punkte ergeben, die am Ende viele Verbraucher betreffen können.

Das Wichtigste in Kürze:

  • China ist einer von Deutschlands wichtigsten Handelspartnern: 2025 war der Handel mehr als 250 Milliarden Euro wert.
  • Ein extremes Handelsungleichgewicht und chinesische Dumpingpreise haben viele Märkte in der EU unter Druck gesetzt, darunter Textilindustrie und die Solarbranche.
  • Ein Treffen in Peking sollte das Problem lösen und die Spannungen im Handel zwischen den beiden Wirtschaftsräumen senken.
  • Unter anderem könnte China bald deutlich weniger Plug-in-Hybride verkaufen.
China will Hybrid-Exporte drosseln

Eine erste Maßnahme ist die Drosselung chinesischer Exporte von Hybridautos nach Europa. Wie Šefčovič nach Verhandlungen mit Wentao erklärte, könnten die Lieferungen für die Europäische Union drastisch zurückgehen. Nach Plan soll die Importmenge auf 350.000 Fahrzeuge jährlich begrenzt sein. Das Kontingent soll danach jedes Jahr um sechs Prozent steigen.

„Konkret sieht die EU-Maßnahme vor, dass die Zollbehörden der Mitgliedstaaten die Zollabfertigung von Fahrzeugen chinesischen Ursprungs einstellen, sobald das Kontingent ausgeschöpft ist“, heißt es aus dem Büro des Handelskommissars. „Es ist zu erwarten, dass die Maßnahme durch vorläufige Schutzmaßnahmen bis Anfang Dezember wirksam umgesetzt wird.“

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Dem EU-Handelskommissar zufolge war dies das erste Mal, dass China die Mäßigung von Exporten akzeptiert hatte, ohne vorher eine Phase von Handelsspannungen zu durchlaufen. Die Zahl der Hybrid- und Plug-in-Hybridautos soll sich über die kommenden vier Jahre um „einige Millionen Fahrzeuge“ reduzieren.

Autoindustrie sieht „positives Signal“

Im Vorfeld hatten Ökonomen auch die Idee von Zöllen gegen chinesische Plug-in-Hybride ins Spiel gebracht. Die hätten den Verkauf innerhalb Europas leicht verteuern und die Nachfrage senken können. Hildegard Müller vom Verband der deutschen Automobilindustrie (VDA) bewertet die Ankündigungen des EU-Handelskommissars als „positives Signal“. Weil aber die Details zu Rahmenbedingungen und konkreten Auswirkungen auf die Autoindustrie fehlen, will der VDA noch keine Bewertung vornehmen.

„Entscheidend wird sein, ob die erzielten Ergebnisse zu fairen Wettbewerbsbedingungen beitragen, Planungssicherheit schaffen und den offenen sowie regelbasierten Handel stärken.“ – Hildegard Müller

Gleichzeitig verhandeln Brüssel und Peking über eine mögliche Abschaffung von Sonderzöllen auf rein elektrische Autos. Stattdessen könnten Mindestpreise gelten.

Die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) geht davon aus, dass eine Begrenzung der Hybrid-Importe den Wettbewerbsdruck auf EU-Hersteller verringern kann. „Es ist grundsätzlich positiv, dass ein Ergebnis am Verhandlungstisch erzielt wurde“, erklärt Vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Aber: „Final bewerten können wir das erst, wenn die genauen Maßnahmen bekannt sind.“

Öffnung der chinesischen Märkte

Punkt zwei der drei Maßnahmen: Šefčovič zufolge können Euro-Unternehmen leichteren Zugang zu chinesischen Märkten erhalten.

„Das Abkommen umfasst zudem Verpflichtungen Chinas zur Zollliberalisierung, von denen Exporteure aus der EU profitieren werden.“ – Olof Gill, Stellvertretender Chefsprecher der Europäischen Kommission

Vorrangig geht es um diese Produkte:

  • Autoteile
  • Schuhwerk
  • Eiscreme
  • Olivenöl

Die Zollvergünstigungen kommen vorrangig den EU-Exporten zugute. Das Länderbündnis ist der wichtigste Exporteur dieser Waren nach China. Gill zufolge sollen die Zolltarifpositionen und die Zollsenkungen am 1. Januar 2027 in Kraft treten und vier Jahre lang gelten.

Erleichterung bei Seltenerd-Importen

Und drittens gab der Handelskommissar auf X an, dass China die Ausfuhr für seltene Erden erleichtern wolle. Im Detail will Peking den „Dialog über Exportkontrollen“ stärken und das Genehmigungsverfahren für Exporte an Endnutzer in der EU weiter erleichtern.

Für seltene Erden gelten seit mehreren Jahren verschiedene Restriktionen, die es westlichen Ländern schwerer machen, die wichtigen Minerale aus China zu kaufen. Ein glattes Verbot gibt es dabei für Deutschland nicht, es ist nur wesentlich schwerer für Unternehmen, die hohen Hürden zu nehmen, die China aufgestellt hat.

Mit den Einigungen zwischen Brüssel und Peking soll mehr Vorhersehbarkeit geschaffen und negative Auswirkungen auf die industriellen Lieferketten „weitestgehend“ vermieden werden.

Seltene Erden kommen zwar nur in kleinen Mengen in Produkten wie Magneten und Halbleitern vor, aber dafür sind sie dort kaum ersetzbar. Hersteller hatten bereits die Produktion kürzen oder gar einstellen müssen, weil diese Ressourcen zuletzt kaum mehr bezahlbar waren. Für Verbraucher sind die Preissteigerungen fast nicht bemerkbar, aber höhere Kosten bei seltenen Erden machen zwangsläufig eine ganze Reihe von moderner Technologie teurer. Smartphones, Elektroautos oder Solarmodule sind nur einige Beispiele dafür.

Fazit

Wichtig dabei: Die drei Maßnahmen sind noch nicht in Stein gemeißelt. Brüssel arbeitet derzeit an der Umsetzung, zeigt sich aber optimistisch.

China-Deutschland-Handel mehr als 252 Milliarden Euro wert

Trotz aller Probleme ist China einer der wichtigsten Handelspartner für Deutschland. Vorläufige Zahlen des Statistischen Bundesamts (Destatis) zeigen, dass der Handel zwischen Deutschland und der Volksrepublik China im Jahr 2025 bei 252,4 Milliarden Euro lag. Damit konnte China als Handelspartner auch die USA abhängen – hier betrug das Handelsvolumen etwa 241,4 Milliarden Euro.

Schwierig dabei ist, dass China seine Wirtschaft höchst schädigend gegen die der EU einsetzt. Durch massive Subventionen produziert das „Reich der Mitte“ eine Vielzahl von Waren wesentlich billiger als es in Europa möglich ist. Die so hergestellten Waren kommen dann zu Dumpingpreisen auf den europäischen Markt und verdrängen heimische Hersteller.

Abhängigkeit von Peking wächst

In verschiedensten Branchen sorgt das schon für Insolvenzen und verlorene Marktanteile: Textilindustrie, Solaranlagen und seltene Erden sind nur einige Beispiele. Das wirtschaftliche Verhältnis zu Peking gilt in Brüssel als nicht haltbar: Im Jahr 2025 könnte das Handelsdefizit der EU geschätzte eine Milliarde Euro pro Tag betragen.

Obwohl die Probleme lange bekannt sind, steigt Deutschlands Abhängigkeit von Schlüsselgütern und Rohstoffen aus China sogar noch. Einer Analyse der Friedrich-Naumann-Stiftung zufolge hat der Anteil chinesischer Importe in mehreren Bereichen seit 2023 zugenommen – obwohl die damalige Bundesregierung diese Bereiche schon damals als kritisch eingestuft hatte. Unter anderem betrifft das Batterien, Antibiotika und eben Solarmodule.

Eine taktische Handels-Bazooka

Wenige Tage vor Šefčovičs Abreise haben Frankreich und Deutschland darum ein Positionspapier veröffentlicht, in dem neue Befugnisse für die EU-Kommission umrissen sind. Diese solle Mittel erhalten, um die Marktverzerrungen zu bekämpfen.

Ein Sprecher vom IW Köln gab gegenüber FOCUS online an, dass das von Berlin und Paris vorgestellte Instrument eher als Gegendrohung dienen soll. Wenn China die EU zum Beispiel mit Exportrestriktionen bei seltenen Erden davon abhalten will, moderate Mittel wie Ausgleichszölle einzusetzen, hätte die Länderunion etwas in der Hand.

„Es ist also ein taktischer Move. Zudem stellt sich die Frage, ob die anderen Mitgliedstaaten diesen Kurs unterstützen“, heißt es vom IW.

Jetzt, wo China quasi Zugeständnisse angekündigt hat, wird diese spezielle Waffe wohl eher im Waffenschrank bleiben. Im Januar wollen sich Šefčovič und Wentao noch einmal treffen.

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