KI-Agent übernimmt künftig dm-Einkauf: Er findet Produkte, füllt den Warenkorb und kann sogar selbst bestellen.
dm will das Einkaufen in seiner App grundlegend verändern: Ab Beginn des kommenden Jahres soll ein KI-gestützter Einkaufsagent Kunden dabei helfen, Produkte zu finden, Einkaufslisten zu erstellen und Warenkörbe zusammenzustellen. Der Drogeriekonzern reagiert damit auf den wachsenden Einfluss künstlicher Intelligenz im Handel – und will seine Kundschaft möglichst in der eigenen App halten.
Was der KI-Einkaufshelfer können soll
Der neue Service trägt laut Lebensmittel Zeitung den Namen „dm-mitgedacht – dein Einkaufshelfer“. Zum Start steht zunächst eine intelligente Einkaufsliste im Mittelpunkt. Sie soll Kunden helfen, passende Produkte zu entdecken und ihren Einkauf strukturiert zu planen.
KI-Agent soll dm-Kunden künftig das Einkaufen erleichtern.
Bild: Mit KI erstellt
Im Laufe der Zeit will dm die Funktionen deutlich ausbauen. Geplant ist, dass Nutzer dem KI-Agenten auch Aufgaben übertragen können: etwa den Warenkorb nach bestimmten Vorgaben füllen, ihn verändern oder ihn an persönliche Kriterien anpassen. Auch eine automatisierte Kaufabwicklung ist vorgesehen – allerdings nur, wenn Kunden dies ausdrücklich wünschen.
Hinter dem Vorstoß steht die Sorge, dass externe KI-Assistenten künftig zunehmend den Zugang zu Händlern übernehmen und den Kontakt zur Kundschaft vermitteln. Mit einem eigenen Agenten will dm diesen Prozess in der eigenen Einkaufswelt steuern.
„Das Einkaufsverhalten steht in den kommenden Jahren vor großen Veränderungen. Und das wird grundlegende Konsequenzen für unser Geschäft haben“, erklärte dm-Geschäftsführer Sebastian Bayer gegenüber Lebensmittel Zeitung. Händler und Markenhersteller müssten gemeinsam daran arbeiten, ihr Angebot auch in einer von KI geprägten Einkaufswelt sichtbar und relevant zu halten.
Bequemer Service für dm-KundenMarcel Rieser, der unter anderem für das Onlinegeschäft des Drogerieriesens verantwortlich ist, sieht darin auch eine Chance: „Ich glaube nicht, dass sich die Mehrheit niedrigpreisige Einzelartikel wie Zahnpasta und Seife über mehrere Händler hinweg zusammenkaufen lassen möchte.“ Gerade bei alltäglichen Bedarfsartikeln könne dm daher davon profitieren, wenn Kunden den kompletten Einkauf bequem in einer App abwickeln.
Konkurrenz durch Tech-Konzerne wächstMit der Ankündigung reagiert dm auch auf die Aktivitäten großer Technologieplattformen. Deren KI-Assistenten sollen zunehmend alltägliche Aufgaben übernehmen, vom Terminmanagement bis zum Einkauf. Besonders Aufsehen hatte zuletzt Metas Assistent Muse erregt, der bislang nur in den USA und Kanada verfügbar ist und ausdrücklich auch Einkäufe für seine Nutzer erledigen soll.
Nicht alle Händler öffnen sich dieser Entwicklung: Amazon hat dem Bot den Zugang bereits verwehrt. dm hingegen setzt auf eine eigene Lösung, um nicht von externen Plattformen abhängig zu werden.
Lieferanten müssen ihre Daten auf Vordermann bringenFür die Hersteller im dm-Sortiment bedeutet der KI-Einkaufsagent neue Anforderungen. Wenn Algorithmen Produkte auswählen, vergleichen und empfehlen, werden saubere und aktuelle Stammdaten zum entscheidenden Faktor. Fehlende Angaben, veraltete Bilder oder unvollständige Produktinformationen könnten dazu führen, dass Artikel vom Agenten gar nicht erst berücksichtigt werden.
„Wer heute schon Probleme mit der Pflege seiner Stammdaten hat, droht durch Agentic Commerce in den Hintergrund zu geraten“, warnte Rieser. Die Datenqualität werde damit zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor – und zwar nicht nur für die Sichtbarkeit in der dm-App, sondern möglicherweise auch für die Präsenz auf künftigen KI-Einkaufsplattformen.
Start im neuen Jahr geplantDen offiziellen Startschuss für „dm-mitgedacht – dein Einkaufshelfer“ will dm zu Beginn des neuen Jahres geben. Zunächst startet die intelligente Einkaufsliste; weitere Funktionen wie Warenkorb-Steuerung und automatisierte Bestellungen sollen schrittweise folgen.
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