Trotz großem Einsatz und Halbzeitführung verlor Schlusslicht Normannia Gmünd auch das Ostalb-Derby mit 1:3 (1:0). Der TSV Essingen arbeitet sich weiter ins Tabellenmittelfeld.
Stand: 18.10.2026, 15:00 Uhr

Trotz großem Einsatz und Halbzeitführung verlor Schlusslicht Normannia Gmünd auch das Ostalb-Derby mit 1:3 (1:0). Der TSV Essingen arbeitet sich weiter ins Tabellenmittelfeld.
Schwäbisch Gmünd. Herbstkälte und strömender Regen konnten die Derbylust nicht trüben: 450 Zuschauer sorgten gut besetzten WWG Sportpark für den passenden Rahmen eines kampfbetonten Ostalbduells. Auf dem Platz hielt der 1. FC Normannia Gmünd dem favorisierten TSV Essingen lange mit großem Einsatz stand. Am Ende setzten sich die Gäste dennoch mit 3:1 (0:1) durch. Zwei strittige Entscheidungen sorgten für Diskussionen, die Wechsel zur Pause brachten Essingen auf Kurs.
Essingen fehlen die IdeenObwohl sich beide Mannschaften tief im Abstiegskampf befinden, hätte die Ausgangslage vor dem Derby kaum gegensätzlicher sein können. Während die Normannia nach einem historisch schlechten Saisonstart mit zehn Niederlagen aus elf Spielen dringend Punkte brauchte, hatte sich der TSV zuletzt etwas freischwimmen können. So sah man im Derby die Chance auf den dritten Sieg in vier Spielen. Dementsprechend früh übernahmen die Gäste die Kontrolle und kam schnell zur ersten Chance. Nach einer Halbfeldflanke von Auracher verrutschte Braigs Kopfball (7.). In der Folge fand Essingen gegen die kompakte Defensive des FCN aber kaum Lücken. Zahlreiche Flanken blieben ohne Ertrag. Gefährlich wurde es, wenn die Gastgeber aufrückten: Nach einem Gmünder Freistoß schickte Gökalp Kilic Gruber auf die Reise. Avigliano holte den Stürmer jedoch noch ein und klärte mit einer starken Grätsche in höchster Not (19.).
Normannia belohnt sichDa dem TSV jedoch weitestgehend die Ideen fehlten, traute sich die Normannia immer mehr zu. Über Dominkovic und Dautaj gelangte der Ball zu Staiger, dessen Schuss aus spitzem Winkel Weisheit keine Schwierigkeiten bereitete (29.). Körner setzte Dominkovic wenig später mit einem feinen Außenristpass in Szene, Auracher stoppte ihn am Strafraum nur mit einem Foul (32.). Gmünd hatte sich verdientermaßen in die Partie gearbeitet, als eine umstrittene Entscheidung die Führung einleitete: Eine missglückte Ecke von Staiger segelte in der 37. Minute an Freund und Feind vorbei. Am Fünfmeterraum gingen allerdings Rössler und Szabo in einer undurchsichtigen Aktion ohne Aussicht auf den Ball zu Boden. Schiedsrichterin Kerstin Holzmayer zeigte auf den Punkt. „Unser Spieler zieht vielleicht ein bisschen mehr“, beurteilte TSV-Trainer Simon Köpf die Szene. „Aber aus meiner Sicht war das kein Elfmeter.“ Wilhelm nutzte die Gelegenheit und verlud Weisheit zum 1:0 (38.).
Kurz darauf hätte Milojkovic nach einer Hereingabe von Dominkovic und Zuspiel durch Huras erhöhen können, verfehlte das Tor per Direktabnahme aber deutlich (39.). Auf der Gegenseite hatte Gruber in einer hektischen Schlussphase vor der Pause noch die Chance auf den Ausgleich. Doch anstatt selbst den Abschluss zu suchen, entschied er sich für den Querpass, ohne dass ein Mitspieler einschussbereit gewesen wäre (40.).
Köpf reagiert frühZur Pause reagierte Köpf doppelt auf eine aus TSV-Sicht enttäuschende erste Hälfte und brachte den noch nicht ganz genesenen Kapitän Jannik Wiedmann für Coban und Tyler Spitzlberger für einen unglücklichen Szabo, um das Offensivspiel zu beleben. Gmünd startete aber besser in den zweiten Durchgang: Körners scharfe Hereingabe rauschte durch den Fünfmeterraum, Dominkovic setzte seinen Versuch knapp über das Tor (49.). Erst nach einer Unaufmerksamkeit von Avigliano bot sich dem TSV die Gelegenheit, über einen Eckstoß vor Ellermanns Tor zu kommen. Diesen flankte Gökalp Kilic scharf vor das Tor, wo Braig am höchsten stieg und aus kurzer Distanz einköpfte (61.). Gmünds Interimstrainer Stephan Fichter haderte mit dem vermeidbaren Standard: „Jeder kennt die Qualität von Essingen bei Standardsituationen. Wir wollten diese zwingend vermeiden.“ Zum Leidwesen der Normannen führte die nächste Freistoßgelegenheit zum nächsten TSV-Treffer: Für den an der Schulter verletzten Auracher kam Lennart Ruther in die Partie, der von der Ersatzbank zum Sechzehner durchstartete und die Hereingabe von Schelhorn am langen Pfosten zum 2:1 verwertete (72.). Dabei setzte sich der Joker mit reichlich Körpereinsatz durch. Die Normannia-Bank protestierte, Holzmayer erkannte den Treffer an. „Für mich foult Ruther unseren Mann klar“, befand Fichter. Köpf berief sich seinerseits auf die Aussage seines Schützlings: „Er meinte, dass er nur seinen Körper eingesetzt habe und die Hände nicht am Gegner hatte. Dann glaube ich, dass es auch kein Foul war.“
Nun stand Essingen stabiler, die Gmünder Vorstöße wurden seltener. Die große Chance zum Ausgleich gab es dennoch: Milojkovic verschaffte sich bei einem schnellen Gegenstoß freie Schussbahn, zielte aber knapp rechts vorbei. In der Mitte hätte allerdings der eingewechselte Mignano völlig unbedrängt das 2:2 erzielen können (79.). Vier Minuten später fiel dann die Entscheidung. Braig ließ einen langen Ball am Mittelkreis direkt auf Spitzlberger klatschen. Der Pass des von Köpf als „Gamechanger“ geadelten Außenverteidigers erreichte Gruber, der Schmidt im Sprintduell hinter sich ließ und aus spitzem Winkel ins lange Eck vollendete.
So feierte der TSV drei wichtige Punkte gegen den Abstieg und empfängt nun mit breiter Brust den Tabellenzweiten aus Backnang. Für die Normannia steht das Kellerduell beim Vorletzten aus Neckarsulm an. Dorthin beträgt der Rückstand nunmehr sechs Punkte.
Normannia Gmünd – TSV Essingen 1:3 (1:0)FCN: Ellermann (2,5) (C) – Avigliano (3) (84. Lettieri), Körner (2,5), Rössler (2,5), Schmidt (4), Staiger (3) – Dominkovic (2,5) (76. Mignano), Wilhelm (3) – Dautaj (3,5) (68. Rapp), Huras (4), Milojkovic (4,5)
TSV: Weisheit (2,5) – Etemi (3) Auracher (3) (70. Ruther), Koci (3), Szabo (5) (46. Spitzlberger (1,5)) – Coban (4) (46. Wiedmann (2)), E. Kilic (3,5) (87. Gebel), G. Kilic (2,5), Schelhorn (2,5) – Braig (2) (C), Gruber (2) (89. Oettinger)
Tore: 1:0 Wilhelm (38. FE); 1:1 Braig (61.), 1:2 Ruther (72.), 1:3 Gruber (83.)
Gelbe Karten: Milojlkovic (27.) – Auracher (32.), Wiedmann (77.)
Schiedsrichterin: Kerstin Holzmayer
Zuschauer: 450
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