Die Schweriner Ministerpräsidentin weiß: Wer die Begriffe besetzt, besetzt die Macht. Also besetzt sie den Begriff „Reform“ – aber ganz anders als die Koalition in Berlin. Das kann noch zum Machtkampf führen.
Wer ist schon so hart und durchsetzungsfähig? Wer kann sich so unverblümt und zugleich volksnah mitteilen? Friedrich Merz, der unglückliche Kanzler, wünschte sich, er könnte es, und mit ihm wünscht es sich die ganze Union. In ihrem, in seinem Sinne. Aber er kann es nicht.
Nein, keiner und keine ist gegenwärtig so stark wie Manuela Schwesig, die sozialdemokratische Ministerpräsidentin. Das gilt regional, in ihrem Land Mecklenburg-Vorpommern, überregional, bis tief hinein in das politische Berlin, und zumal in ihrer Partei, der SPD.
Parteichef und Vizekanzler Lars Klingbeil mag als junger Mann in Gerhard Schröders Büro gearbeitet haben – es ist Manuela Schwesig, die Schröder-Qualitäten hat, und zwar durchaus welche von den besseren. Will sagen: Sie kann reden und streiten.
Nun hat sie allerdings eine andere, ganz eigene Agenda. Schwesig will den Begriff „Reform“ für sich besetzen. Denn noch immer gilt die alte Erkenntnis: Wer die Begriffe besetzt, besetzt die Macht.
Schwesig signalisiert damit allenthalben: Ich weiß, wie Reform geht, ihr anderen nicht, wer auch immer, Merz, Klingbeil, Bärbel Bas.
Stephan-Andreas Casdorff
Deshalb sagt sie beispielsweise zum Ergebnis der Beratungen über die Pflege, das sei „leider keine Reform“. Was eine wäre, bestimmt Schwesig dann gleich mit: „Wir brauchen eine echte Reform, die Familien entlastet und nicht weiter belastet.“ Wie? Mit einem Pflegedeckel und einem Finanzausgleich zwischen privater und gesetzlicher Versicherung – den Kernforderungen ihrer Partei also.
Und der Kanzler? Der hat „nichts aus den Wahlen gelernt und setzt auf ein Weiter-so“. Schwesig signalisiert damit allenthalben: Ich weiß, wie Reform geht, ihr anderen nicht, wer auch immer, Merz, Klingbeil, Bärbel Bas.
Sie meidet keinen Streit, darin macht sie den Schröder. Bei Rente, Pflege, Gesundheit sind ihre Einwände gegen das koalitionär Vereinbarte – wohlgemerkt: mit den beiden Unionsparteien und dem Kanzler – unüberhörbar.
Nur fehlt hier halt etwas, das andere, das Schröder auch hatte. Schwesig streitet eben gerade nicht wie weiland der SPD-Kanzler für grundlegende Reformen und damit verbunden für einen Kurswechsel zu einer Politik auf der Grundlage des gesamtwirtschaftlichen Lagebildes.
Kann sie sich, kann sie das durchsetzen? Gegen die Berliner Koalition? Manuela Schwesigs Taktik kann sogar eine Strategie sein. Eine, die zwangsläufig zum Machtkampf führen muss, in der SPD und weit darüber hinaus. Hart genug dafür ist sie.
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Wahl in Mecklenburg-Vorpommern: Drei Gründe für Schwesigs Chance | 0 | 5 | 15-06-2026 |
| 2 | Nach AfD-Wahlsieg: Rot-Rot-Grün steuert in MV auf Koalitionsverhandlungen zu | 0 | 18.73 | 09-10-2026 |
| 3 | Neuer Landtag in Sachsen-Anhalt: Die vermeidbare Qual der Sitzplatzwahl | 0 | 9.28 | 06-10-2026 |
| 4 | Ein Hauch von Schröder-Lafontaine: Wo zeigen sich Parallelen – und wo enden sie? | 0 | 13.53 | 12-10-2026 |
| 5 | Geburtstagsparty mit Putin: Die SPD muss Schröder endlich rausschmeißen | 0 | 12.34 | 11-10-2026 |
| 6 | Koalition: Kanzleramtschefin ruft Koalition zu Tempo bei Reformen auf | 0 | 9.26 | 22-09-2026 |
| 7 | Aus dem Amt gemobbt?: Diese Erzählung zum Bas-Rücktritt wäre zu einfach | 0 | 9.37 | 12-10-2026 |
| 8 | Die AfD darf nicht das Maß aller Dinge sein: Richtig gehandelt ist halb gewonnen | 0 | 9.86 | 18-10-2026 |
| 9 | Schuldfragen und persönliche Vorwürfe: Die Koalition sollte mehr streiten – aber richtig! | 0 | 7.9 | 15-10-2026 |