In Berlin war bei vielen nach der Wahl der Jubel groß. Mit der Linken habe eine antifaschistische Partei die Wahl gewonnen, hieß es. Dieser besonderen Verantwortung muss sie jetzt gerecht werden.
Aus der Geschichte lernen – sagen das nicht immer alle? In Berlin ist dieser Tage bei nicht wenigen gefeiert worden, dass eine antifaschistische Partei die jüngste Wahl gewonnen habe: die Linkspartei.
Wenn das doch so ist, resultiert daraus für die Partei eine besondere Verantwortung. Die Linke als Bannerträger des Kampfes gegen den Antisemitismus – das wäre was. Etwas Großes. Die Chance ist da.
Warum sie? Einmal gewiss, um die potenziellen Partner in einer Koalition, Grüne und SPD, dauerhaft zu überzeugen, dass sie Grundfesten der Republik achtet und verteidigt.
Und dann, weil gerade die Linke Rechtsaußen demaskieren könnte. Wo überall sie gewinnen, wird Judenhass nur kaschiert. Doch sind die Extremen, die Rechtsextremisten, geistige Kinder der Vernichter. Das Augenmerk aller darauf zu richten, davon nicht durch eigene Missverständlichkeiten abzulenken, würde weithin – über die anderen Parteien hinaus – honoriert.
Wie gut, dass das Staatsziel „Kampf gegen den Antisemitismus“ in die Berliner Verfassung hineingeschrieben werden soll. Von einer rot-grün-roten Koalition! Die Zeit dafür ist längst gekommen.
Stephan-Andreas Casdorff, Editor-at-Large
Die Sondierungsrunden für eine künftige Regierung der Hauptstadt sind da gleichsam zur Mahnung geworden. Die Mahnung lautet: Soll niemand Antifaschismus für sich reklamieren, der oder die nicht alle Formen des Antisemitismus ablehnt. Und zwar nachprüfbar. Nachhaltig sowieso.
Denn Antifaschismus richtet sich gegen menschenfeindliche Ideologien, hier aber nicht nur gegen Rassismus und Autoritarismus. Antisemitismus ist ein unbestreitbarer Bestandteil.
Das gilt zumal in der Stadt Berlin mit ihrer historischen Bürde. Was von rechtsaußen nicht zu erwarten ist, könnte durch herausgehobene Behandlung aufseiten der Linken zum herausragenden Merkmal der Unterscheidung werden. Je schärfer konturiert, desto besser.
Wer könnte besser als die Linke zwischen Palästinensern und Juden vermitteln, jedenfalls hier in Deutschland? Und, wie versprochen, nachdrücklich für das Existenzrecht Israels eintreten; das würde alle widerlegen, die ihr vorwerfen, mit antiisraelischen Ressentiments zu spielen. Quasi ein Lackmustest.
Wie gut, dass das Staatsziel „Kampf gegen den Antisemitismus“ in die Berliner Verfassung hineingeschrieben werden soll. Von einer rot-grün-roten Koalition! Die Zeit dafür ist längst gekommen. Das wäre wirklich richtungsweisend. Es würde Geschichte geschrieben. Und wäre Grundstein einer Koalition, die sich noch ganz andere Ziele setzt. Hoffen wird man ja dürfen.
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