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Präsident Dieter Leonhard: Das sind die größten Herausforderungen der HTW in Saarbrücken

Дата публикации: 18-10-2026 05:00:00




Stabile Studierendenzahlen, stabile Finanzierung: Dennoch herrscht an der Saarbrücker HTW nicht nur „eitel Sonnenschein“. Ein Problem: Sie soll Nachwuchskräfte rekrutieren. Eine Aufgabe, die nicht unbedingt leichter wird, räumt HTW-Präsident Dieter Leonhard ein.



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Präsident Dieter Leonhard Das sind die größten Herausforderungen der HTW in Saarbrücken

Saarbrücken · Stabile Studierendenzahlen, stabile Finanzierung: Dennoch herrscht an der Saarbrücker HTW nicht nur „eitel Sonnenschein“. Ein Problem: Sie soll Nachwuchskräfte rekrutieren. Eine Aufgabe, die nicht unbedingt leichter wird, räumt HTW-Präsident Dieter Leonhard ein.

18.10.2026 , 07:00 Uhr

Blick über den mitten in Alt-Saarbrücken liegenden HTW-Campus (links, hintereinander gestaffelt) mit seinen zum Teil als marode geltenden Gebäuden. Ein Erweiterungsbau für die Ingenieurwissenschaften soll bald Abhilfe schaffen.  Foto: Iris Maurer

Blick über den mitten in Alt-Saarbrücken liegenden HTW-Campus (links, hintereinander gestaffelt) mit seinen zum Teil als marode geltenden Gebäuden. Ein Erweiterungsbau für die Ingenieurwissenschaften soll bald Abhilfe schaffen. Foto: Iris Maurer

Foto: Iris Maria Maurer

Die Bagger sind ein gutes Zeichen. Wie lange hat die Saarbrücker Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) darauf gewartet! Nun aber bereiten sie die Baufeldräumung in Alt-Saarbrücken vor, damit es Anfang 2027 – mehr als drei Jahre, nachdem der Preisträgerentwurf des Architektenwettbewerbs präsentiert wurde – endlich losgehen kann mit dem großen Erweiterungsbau für die HTW-Ingenieurwissenschaften. Stand heute soll er idealerweise Ende 2029 bezogen werden. Gleich daneben soll es im derzeit entkernten Ex-Stadtwerke-Verwaltungsbau studentisches Wohnen geben.

Wenige 100 Meter von der Baustelle entfernt, erinnert Präsident Dieter Leonhard in seinem im 10. Stock des HTW-Hochhauses gelegenen Büro daran, dass damit ein wichtiges Etappenziel seiner Hochschule für Technik und Wirtschaft erreicht würde. Sie platzt seit Jahren aus allen Nähten. Die Gebäude 1 bis 5, in denen maßgeblich die Ingenieurwissenschaften untergebracht sind, gelten als marode und damit als Abrisskandidaten. Bis weit, weit in die 2030er Jahre hinein dürfte die HTW baulich ein Problemfall bleiben. Fünf Gebäude, das ist annähernd der halbe Bestand in Alt-Saarbrücken.

Erfolgreiches Abhaken eines Hauptziels des Präsidenten

Leonhard (67) geht in 15 Monaten zum Ende seiner zweiten Amtszeit in Ruhestand. Mit dem bis 2029 reichenden Hochschulentwicklungsplan (HEP) und den mit dem Weizsäcker-Ministerium abgeschlossenen „Ziel- und Leistungsvereinbarungen“ (ZuL) ist vieles für die erste Zeit danach festgezurrt. Vor allem ist zementiert, wofür Leonhard lange kämpfte: das Promotionsrecht für die HTW. Im Rückblick betrachtet, sei es „ein langer Trail-Marathon“ gewesen. Auch wenn die HTW als Hochschule der Angewandten Wissenschaften (HAW) formalrechtlich erst Anfang 2027 loslegen kann, sind bereits rund 40 bis 50 Promotionen angelaufen. Ihre Förderung ist aus eigenen Bordmitteln zu stemmen.

Mit Blick auf die Situationen in anderen Bundesländern (etwa in Hessen oder Berlin), wo die Hochschulen zuletzt große Streichorgien erfuhren, sei die Lage im Saarland deutlich besser, so Leonhard: Die HTW-Grundfinanzierung geht zwar nicht hoch, bleibt aber stabil. Zuletzt lag sie bei rund 36 Millionen Euro. Hinzu kommen fast sieben Millionen aus der Bund-Länder-Initiative „Zukunftsvertrag Studium und Lehre“ plus eingeworbene Drittmittel in Höhe von gut zehn Millionen Euro – für HAWs ein guter Wert. Mittelfristig droht an einer anderen Finanzfront Ungemach: Tarifsteigerungen und Inflationsausgleiche werden vom Land nicht mehr übernommen. Eine Weile dürften sie aus beträchtlichen HTW-Rücklagen zu kompensieren sein. Aber dann? Laut Hochschulentwicklungsplan besteht immerhin eine Finanzierungslücke von jährlich rund vier Millionen Euro.

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Foto: AFP/SAEED KHAN

Wie entwickeln sich die Studierendenzahlen?

Weil die Mittelzuweisungen über die „ZuL“ zum Teil an die Entwicklung der Studierendenzahlen (Erstsemester und Absolventen) gekoppelt sind, ist generell die Zahl der Immatrikulierten die wichtigste Kennzahl. Mit knapp über 6000 Studierenden meldet die HTW hier Entwarnung: kein Einbruch. Das ist in Zeiten wachsender Konkurrenz – die im Fall der HTW auch die boomenden Privathochschulen einschließt – durchaus ein Erfolg. Mit einem Betreuungsschlüssel von 1:50 (rund 120 Professoren für rund 6000 Studierende in den vier Fakultäten) liegt die HTW über dem deutschen HAW-Bundesschnitt (zuletzt 1:56).

Leonhard bestreitet nicht, dass es künftig vielerlei Anstrengungen bedarf, um die Studierendenzahlen stabil zu halten. Insbesondere die chronisch niedrigen Bewerberzahlen in den MINT-Studiengängen bereiten der HTW (wie fast alle anderen Hochschulen) Sorgen. Die lokalen NCs (also die HTW-internen Zulassungsbeschränkungen) sind dort aufgehoben. Sprich: Im MINT-Bereich wird jeder aufgenommen, der sich einschreibt.

Mit Blick auf das erkämpfte Promotionsrecht für die HTW meint Präsident Dieter Leonhard, dass es "ein langer Trail-Marathon" gewesen ist.

Mit Blick auf das erkämpfte Promotionsrecht für die HTW meint Präsident Dieter Leonhard, dass es "ein langer Trail-Marathon" gewesen ist.

Foto: Schreiner/Christoph Schreiner

Wenn alle aufgenommen werden, sinkt das Niveau

Das zieht jedoch andere Probleme nach sich: Weil Vorkenntnisse schwinden beziehungsweise fehlen, muss man immer mehr „Qualifizierungsangebote“ anbieten. Brückenkurse, die mehr Räume und Personal erfordern, sind allerdings nicht die einzige Konsequenz: Erfahrungsgemäß wirkt sich eine Öffnung der Studiengänge auch negativ auf die Abbrecherquote aus. Was wiederum Folgeeffekte für die Mittelzuweisung hat. Die Abbrecherquote liegt heute schon Leonhard zufolge über 25 Prozent.

Das Gefälle zwischen gut und schlecht nachgefragten Studiengängen hat noch eine andere Facette, die innerhalb der Hochschule Kontroversen quasi vorprogrammiert: Falls in den Ingenieurwissenschaften als dem größten Sorgenkind unter den vier Fakultäten keine Trendwende gelingen sollte, dürften Personalkapazitäten im Zuge von Neuberufungen in stärker ausgelastete Studiengänge verlagert werden. Eine komplexe Gemengelage.

Wie man Erwartungen von Land und Firmen erfüllen will

Im Hochschulentwicklungsplan heißt es vielsagend, die HTW müsse „unter schwierig vorhersagbaren, teilweise volatilen Randbedingungen (Beispiel Automotive, Halbleiter, Wasserstoff) langfristig wirkende Entscheidungen zur Anpassung des Lehr- und Forschungsangebots und zur Sicherung von Fachkräften treffen“. Land wie Unternehmen erwarten, dass die HTW ihren Beitrag leistet zur möglichst passgenauen Rekrutierung von Nachwuchs im Zeichen der anstehenden Transformation.

So hat man vier englischsprachige Studiengänge in den Wirtschafts- und Ingenieurwissenschaften (WiWi und IngWi) eingerichtet und plant zum Wintersemester 2027/28 einen Pflege-Studiengang. In der Pipeline ist ferner ein generalistischer Studiengang in den IngWi, damit Unschlüssige sich erst nach einem soliden Grundstudium spezialisieren müssen. Zugute kommt der Hochschule und dem Land, „dass ein hoher Anteil unserer Absolventen in der Region bleibt“. Inwieweit das auch für die rund 1200 internationalen Studierenden gilt, wird neben der Arbeitsmarktentwicklung von bürokratischen Erleichterungen und der hierzulande gelebten Willkommenskultur abhängen.

Ausbau der Kooperation mit frankophonen Ländern

Wichtig sein wird dies auch im Hinblick auf die Weiterentwicklung des der Saarbrücker HAW angeschlossenen Deutsch-Französischen Hochschulinstituts. Mit dem (DFHI) besitzt man ein bundesweites Alleinstellungsmerkmal (zwölf deutsch-französische Studiengänge). HTW-Präsident Leonhard drängt darauf, über Frankreich hinaus Kooperationen mit weiteren frankophonen Ländern aufzubauen. Im Zuge derer könnten mittelfristig mehr afrikanische Studierende hierherkommen.

Nachdem die HTW ihre Systemakkreditierung kürzlich im zweiten Anlauf erfolgreich abschloss und zudem seit Oktober auch eine neue, den KI-Einsatz an der HTW regelnde Rahmenprüfungsordnung greift, sieht das Feld des Präsidenten fürs Erste weitgehend bestellt aus. Was die studentische Nutzung von KI-Modellen angeht, sieht die neue Rahmenverordnung insbesondere (mündliche) Nachprüfungen für den Fall vor, dass Leistungen mutmaßlich weitgehend von einer KI erbracht wurden.

Ein Problem: Das Korsett der Regelstudienzeit

Generell sieht Leonhard die HTW für die Herausforderung KI gewappnet. Er warnt aber vor zu viel Reglementierung. Wenn man so will, ist der Präsident da selbst gebranntes Kind. Leonhard weiß: Die Uni und HTW von Wissenschaftsminister Weizsäcker aufgenötigte R+2-Regelung, im Zuge derer eine Überschreitung der Regelstudienzeit um mehr als zwei Semester unerwünscht ist und Regelkonformität insoweit finanziell belohnt wird, hat mit der studentischen Wirklichkeit (häufige Nebenjobs plus andere, teils psychische Belastungen) wenig zu tun. (jos)

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