Die Diagnose war für viele ein Schock: Der Papst leidet unter einem Lungen-Adenokarzinom. Nach der Entfernung des Knotens wird jetzt geprüft, ob der Krebs gestreut hat.
14.10.2026 · 16:06 Uhr
Der Papst spricht auf dem Petersplatz das Angelus-Gebet.
Foto: Andrew Medichini/AP/dpa/Andrew MedichiniRom · Die Diagnose war für viele ein Schock: Der Papst leidet unter einem Lungen-Adenokarzinom. Nach der Entfernung des Knotens wird jetzt geprüft, ob der Krebs gestreut hat.
Papst Leo XIV. ist an Lungenkrebs erkrankt. Der 71-Jährige wurde am Dienstag 90 Minuten lang im römischen Gemelli-Klinikum operiert. Dabei entfernten die Ärzte ein Lungen-Adenokarzinom, das ist die häufigste Art von Lungenkrebs.
Wie geht es jetzt weiter?
Die behandelnden Ärzte Luigi Carbone und Stefano Margaritora gaben am Mittwochnachmittag bekannt, dass die postoperativen Untersuchungen am Morgen planmäßig durchgeführt wurden. Der Papst habe bereits Atemphysiotherapie absolviert und sich eigenständig im Zimmer fortbewegt. Zudem habe er wieder eine reguläre Nahrungsaufnahme begonnen. Der Genesungsprozess verlaufe wie vorgesehen.
Im Zentrum steht nun die Frage, ob der Krebs gestreut hat. Leo XIV. hatte am Ende des Angelus-Gebetes am Sonntag von einem „lokal begrenzten Knoten“ in seiner Lunge gesprochen, der in einer „sehr frühen Phase“ entdeckt worden sei und „gut abgegrenzt“ ist. Das deutet auf ein frühes Tumorstadium hin, die Prognose wäre dann gut.
Wie läuft die Behandlung des Papstes in der Gemelli-Klinik? Für einige Tests vor der Operation hat Leo XIV. einen fiktiven Namen bekommen, wie La Repubblica berichtet. Eventuelle Leaks sollen so verhindert werden. Der aktuelle Befund wird aus Sicherheitsgründen auch nicht in den Krankenhaus-Computer eingetragen, sondern handschriftlich aufgeschrieben und direkt an das behandelnde Ärzteteam in der Gemelli-Klinik übergeben. Während der OP befand sich auch der Chef der Vatikan-Gendarmerie Gianluca Gauzzi Broccoletti im Saal.
Wo liegt der Papst im Krankenhaus? Die Klinik wird scherzhaft „dritter Vatikan“ genannt, neben dem Stadtstaat in Rom und der Sommerresidenz Castel Gandolfo. Derzeit kontrollieren Gendarmerie und Schweizer Garde das Gebäude. Der Papst ist im zehnten Stock untergebracht.
Wie kommt der offene Umgang des Papstes mit seiner Krankheit in der Kurie an? Im Vatikan wird Leos Offenheit mit Verwunderung und Zustimmung aufgenommen. Kurz vor seiner Einlieferung sprach Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin noch mit dem Papst. „Wir haben mit großer Gelassenheit gesprochen, der Heilige Vater ist in dieser Hinsicht wirklich ein großes Vorbild“, sagte die Nummer Zwei im Vatikan.
Wie ist die familiäre Vorbelastung von Leo? Die Mutter des Papstes, Mildred Agnes Prevost, starb 1990 an Krebs. Auch der Vater des Papstes, Louis Marius Prevost, kam 1997 in Folge einer Krebserkrankung ums Leben. Nun wurde bekannt, dass auch Prevosts in Florida lebender älterer Bruder Louis seit neun Jahren Krebs hat. Der 74-Jährige befindet sich derzeit zur Behandlung in einem Krankenhaus in Tampa.
Kommt ein Rücktritt in Frage? Derzeit nicht. Für den Fall der Fälle hat Leo XIV. aber kurz vor der Krebs-OP entsprechende Vorbereitungen getroffen. Er ernannte den philippinischen Kardinal Luis Antonio Tagle zum neuen Dekan des Kardinalskollegiums. Im Fall der Sedisvakanz, also nach dem Tod eines Papstes, leitet der Kardinaldekan das Konklave, das einen neuen Papst wählt. Auch seinen Generalvikar für den Vatikanstaat hat Leo erst kürzlich ernannt, es handelt sich um den italienischen Erzbischof Vittorio Francesco Viola.
Wie lange wird Papst Leo ausfallen? Der Vatikan hat angekündigt, dass der Papst eine Woche im Gemelli-Klinikum zur Genesung bleiben wird. Alle Termine und Audienzen sind bis Dienstag, 20. Oktober abgesagt. Derzeit halten seine beiden Privatsekretäre den Kontakt zur Kurie.
Wie eingeschränkt wird der Papst sein? Das ist die große Frage. Läuft alles normal, könnte der Papst zehn Tage nach der OP wieder fit sein. Vom 6. bis 17. November plant Leo XIV. eine Apostolische Reise nach Uruguay, Argentinien und Peru mit etlichen Flügen und etwa 40 Reden. Diese Reise verlangt dem 71-Jährigen physisch viel ab. In Peru will Leo XIV. die Anden-Stadt Cusco besuchen, sie liegt auf 3400 Metern Höhe. Für einen Lungenpatienten stellt das ein erhebliches Risiko dar.
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