Ein schlechteres Rating brächte höhere Zinskosten für Zürich mit sich. Das ist vor allem ein Problem, weil die Schulden stark steigen.
Ein schlechteres Rating brächte höhere Zinskosten für Zürich mit sich. Das ist vor allem ein Problem, weil die Schulden stark steigen.
12.10.2026, 11.25 Uhr
3 Leseminuten

Karin Hofer / NZZ
Die zunehmend angespannte Finanzlage der Stadt Zürich könnte sich auf ihre Bonität auswirken: Die Rating-Agentur S&P Global hat ihren Ausblick für Zürich von «stabil» auf «negativ» gesenkt. Dies geht aus dem jüngsten Bericht von S&P hervor, der am späten Freitagabend publiziert worden ist.
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Das bedeutet, dass die Stadt Zürich ihr AAA-Rating verlieren könnte und künftig noch als AA+-Schuldner klassiert wäre. Das ist zwar immer noch sehr gut, aber nicht mehr Spitzenklasse. Eine Herabstufung könnte zur Folge haben, dass die Stadt Zürich für neue Schulden oder für die Ablösung fälliger Anleihen höhere Zinsen bezahlen muss. Ausserdem könnte sich der Kreis der Geldgeber verkleinern, weil institutionelle Anleger, die nur in AAA-Anleihen investieren, wegfallen würden.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Rückstufung ist für die Analytiker von S&P durchaus real: Das Risiko liegt bei eins zu drei in den nächsten zwei Jahren.
Zürich könnte auf das Niveau von Genf fallenS&P hatte die Stadt vor drei Jahren, im Oktober 2023, von AA+ auf AAA hochgestuft. Damit nahm Zürich unter den kommunalen Schuldnern einen Spitzenplatz ein. Mit einem AA+ hingegen wäre Zürich gleich bewertet wie zum Beispiel die Stadt Winterthur, der Kanton Genf und mehrere Kantonalbanken. Der Kanton Zürich und seine Kantonalbank halten jeweils das seltene AAA-Rating.
S&P begründet ihr Warnsignal damit, dass die Stadt Zürich ihre Ausgaben nicht in den Griff bekommen könnte. Die Stadt rechnet im Budget für 2027 mit einem Minus von rund 400 Millionen Franken. Gleichzeitig steigt die Schuldenlast rasant: Von unter 5 Milliarden Franken 2022 auf 14 Milliarden Franken bis 2030. Ins Gewicht fallen dabei namentlich Immobilienkäufe und der Ausbau der Fernwärme.
Für die Stadt Zürich käme eine Herabstufung auf AA+ zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Eine Kombination aus wachsender Schuldenlast, schlechterer Bonität und allgemein steigendem Zinsumfeld würde die Ausgaben für Schuldzinsen in die Höhe treiben.
Der städtische Finanzverantwortliche, Daniel Leupi von den Grünen, hatte bereits bei der Vorstellung des neuen Budgets Ende September vor einer Herabstufung der Bonität gewarnt. Diese gelte es zu vermeiden. Leupi kündigte damals auch Gegenmassnahmen an, unter anderem bei einem politisch sehr heiklen Thema, bei den Immobilienkäufen. Dort soll das Budget von 600 Millionen Franken auf 150 Millionen Franken gekappt werden. Verschiedene andere Projekte werden zumindest verschoben.
In einer Medienmitteilung kündigte Leupi am Montag an, die städtischen Investitionen bei jährlich 1,5 Milliarden Franken festzusetzen. So sei sichergestellt, dass die Verschuldung nicht zu stark steige.
Die grosse Frage ist, ob das Stadtparlament den Kurs der Stadtregierung mitträgt. Diese Sorge ist auch in das S&P-Rating eingeflossen. Es bestehe das Risiko, dass es grössere Unstimmigkeiten über die Ausgabenprioritäten geben könnte, mit der Folge, dass die Schuldenlast stark anstiege, heisst es im jüngsten Bericht.
Linke Initiativen als KostentreiberS&P erwähnt ausserdem zwei Initiativen der SP, die letztes Jahr angenommen wurden und die finanziell besonders ins Gewicht fallen: Erstens das Ja zur Vergünstigung des VBZ-Abos von 800 auf 365 Franken – das kostet die Stadt rund 195 Millionen Franken pro Jahr. Zweitens die städtische Verbilligung von Krankenkassenprämien. Rund 90 000 Städterinnen und Städter sollen bis zu 1200 Franken pro Jahr erhalten. Das kostet jedes Jahr 60 Millionen Franken. Immerhin: Bei schlechter Finanzlage sollen die Zuschüsse nach dem Willen des Stadtrats in beiden Fällen reduziert werden können.
S&P betont, dass es auch Faktoren gebe, die für eine positive Entwicklung sprächen. Die Liquiditätsbasis sei stark, und die Steuereinnahmen würden steigen. Zürich sei eine der dynamischsten und prosperierendsten Agglomerationen weltweit. Die Wettbewerbsfähigkeit und die Lebensqualität seien sehr hoch. Weiter geht S&P davon aus, dass die Stadt wie in der Vergangenheit besser als budgetiert abschliessen werde.
Ein erster Richtungsentscheid über die künftige Entwicklung der Stadtfinanzen steht ab dem 9. Dezember an. Dann beginnt das Parlament mit den Beratungen über das Budget 2027.