Mit ihrer vierten Ausgabe schafft die «OFF Bühne Schweiz» an der Frankfurter Buchmesse erneut eine internationale Plattform für Schweizer Literaturen. Das von Annina Niederberger und Nuria Sublet kuratierte Programm versammelt Stimmen, die sich mit drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzen: von den Grenzen der Empathie über neue Entwürfe von Männlichkeit bis hin zu den gesellschaftlichen Strukturen […]
Der Beitrag Frankfurter Buchmesse 2026: OFF Bühne Schweiz erschien zuerst auf Pro Helvetia.
© Sabine Affolter & Patrick SavolainenPubliziert am:
14. September 2026
Mit ihrer vierten Ausgabe schafft die «OFF Bühne Schweiz» an der Frankfurter Buchmesse erneut eine internationale Plattform für Schweizer Literaturen. Das von Annina Niederberger und Nuria Sublet kuratierte Programm versammelt Stimmen, die sich mit drängenden Fragen unserer Zeit auseinandersetzen: von den Grenzen der Empathie über neue Entwürfe von Männlichkeit bis hin zu den gesellschaftlichen Strukturen sexualisierter Gewalt. Weiter feiert die «OFF Bühne Schweiz» die Schweizer Literaturszene mit zahlreichen Kurzlesungen, Fachgesprächen und Workshops.
An drei Podiumsgesprächen rücken aktuelle Debatten in den Fokus: Lukas Bärfuss («Königin der Nacht», Rowohlt) und Carolin Emcke («Was zählt ein Mensch», S. Fischer) sprechen über die «Grenzen der Empathie». Wem schenken wir sie und wem nicht? Und warum zählen manche Menschenleben mehr als andere? Mit «Wann ist ein Mann ein Mann? Männlichkeit(en) heute» fragen Heinz Helle («Prisma Bros», Suhrkamp) und Sophia Fritz («Der Mann, das Opfer», Hanser Berlin) nach den Ursachen der aktuellen Männlichkeitskrise. Laura Leupi («Das Alphabet der sexualisierten Gewalt», Matthes & Seitz) und Christina Clemm («Ein ungehaltenes Plädoyer», Hanser Berlin) blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema «Sexualisierte Gewalt». Sie sind sich einig: Es braucht einen Fokus auf die strukturelle Dimension – denn nicht härtere Strafen verhindern Gewalt, sondern das konsequente Hinterfragen patriarchaler wie rassistischer Muster.
«Als Kuratorinnen der ‹OFF Bühne Schweiz› hat uns die Frage begleitet, wie sehr gesellschaftliche Machtverhältnisse bestimmen, wem wir zuhören, wem wir vertrauen und wem wir Empathie entgegenbringen. In verschiedenen Programmpunkten wollen wir darüber sprechen, wem Würde und Verletzlichkeit zugestanden wird und wie wir als Gesellschaft über Opfer sprechen. Wir wollen die Plattform der Frankfurter Buchmesse dazu nutzen, gemeinsam mit dem Publikum und den Literaturschaffenden darüber nachzudenken, wie wir diese Machtstrukturen aufbrechen und Verantwortung für uns selbst und unser Gegenüber übernehmen können», sagen die Kuratorinnen Annina Niederberger und Nuria Sublet.
«Die ‹OFF Bühne› macht die Vielfalt der Schweizer Literaturszene auf der grössten internationalen Buchmesse sichtbar. In den vergangenen Jahren hat sie sich zu einem wichtigen Treffpunkt für Autorinnen, Übersetzer, Illustratorinnen, Verlage und weitere Akteurinnen aus der Branche entwickelt: zu einer lebendigen Plattform für Austausch, Diskurs und Vernetzung», sagt Adrian Flückiger, Fachspezialist Literatur von Pro Helvetia.
Gespräche über Inklusion im Literaturbetrieb, über die Sichtbarmachung und Vermittlung von literarischer Übersetzung und über Transparenz im Umgang mit KI stehen im Mittelpunkt weiterer Podiumsveranstaltungen. Zu den Gästen zählen unter anderem die Inklusionsexpertin Marah Rikli, Verlegerin Annette Beger vom Kommode Verlag, Catherine Schlumberger, Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage, Jörn Cambreleng, Direktor von ATLAS, Verleger Peter Haag von Kein & Aber sowie der Professor für KI Sebastian Stober. Ausserdem findet ein Literatur-Apéro mit Beiträgen aus dem Gastland Tschechien und der Schweiz statt.
Ergänzt wird das Programm durch Workshops zum Thema Muttersprache, Comic-Erzählformen und dem kreativen Zusammenspiel von Wort und Bild, sowie Netzwerkveranstaltungen und zahlreichen Kurzlesungen. Zu den weiteren Auftretenden zählen Fabiano Alborghetti, Simon Beuret, Camille Fröhlich, Annina Haab, Yael Inokai, Sonja Sophie Kreis, Sarah Elena Müller, Pierrine Poget, Thierry Raboud, Martina Walther, Liliia Zhernov sowie weitere Literaturschaffende, Übersetzende sowie Illustrierende aus der Schweiz und dem Ausland.
Das Programm 2026Das ganze Programm und die Namen aller Eingeladenen finden sich hier:
09:30-10:00
10:30-11:15
11:30-12:15
13:00-13:30
14:00-14:45
15:30-16:00
16:30-17:00
ab 16:30-19:00
09:30-10:00
12:45-13:30
14:00-14:30
15:00-15:45
16:30-18:00
09:30-10:00
10:30-11:00
11:30-12:00
13:15-14:00
14:30-15:00
15:30-16:00
16:30-18:30
09:30-10:00
10:30-11:00
11:15-12:00
12:30-13:15
14:00-14:45
15:15-15:45
16:30-17:15
09:30-10:00
10:30-11:00
11:15-12:00
12:30-13:00
13:30-14:00
Nach einer Idee von John Giorno
30 aufgenommene Gedichte
Collection MAMCO, Genf
Nehmen Sie den Hörer ab und drücken Sie eine beliebige Taste, um ein Gedicht zu hören. Legen Sie auf und wiederholen Sie den Vorgang für ein weiteres.
Flurina Badel (RO), Yari Bernasconi (IT), Katja Brunner (DE), Kim de l’Horizon (DE), Dorothee Elmiger (DE), Michael Fehr (DE), Heike Fiedler (DE/FR), Thomas Flahaut (FR), Baptiste Gaillard (FR), Rebecca Gisler (FR), Asa Hendry (RO), Thomas Hirschhorn (DE), Annette Hug (DE), Carmen Jaquier (FR), Kayije Kagame (FR), KT Gorique (FR), Simone Lappert (DE), Max Lobe (FR), Julien Maret (FR), Marko Miladinović & Laura Giuliberti (IT), Fatima Moumouni (DE), Bruno Pellegrino (FR), Pierrine Poget (FR), Ugo Rondinone (DE), Davide-Christelle Sanvee (FR), Elisa Shua Dusapin (FR), Marina Skalova (FR), Michelle Steinbeck (DE), Henri-Michel Yéré (FR), Ivna Žic (DE)
Kuratiert von Elisabeth Jobin, MAMCO Genf.
Dial-A-Poem, MAMCOAnnina Niederberger (*1989) hat Germanistik, Gesellschaftswissenschaften und Soziologie in Basel und Berlin studiert. Sie hat als Kuratorin und Produktionsleiterin für verschiedene Literaturinstitutionen gearbeitet und moderiert Lesungen und Workshops. Gemeinsam mit Nuria Sublet kuratiert sie die «OFF Bühne Schweiz». Ab 2027 übernimmt sie die Co-Programmleitung des Literaturhaus Basel und des Internationalen Literaturfestivals Basel.
Nuria Sublet (*1997) ist zweisprachig deutsch-französisch in Biel aufgewachsen und hat in Lausanne und Basel Germanistik, Hispanistik und Soziologie studiert. Seit 2024 arbeitet sie bei den Solothurner Literaturtagen in den Bereichen Programm und Kommunikation. Sie kuratiert gemeinsam mit Annina Niederberger die «OFF Bühne Schweiz», moderiert Lesungen und spricht fliessend Englisch und Spanisch.
Zu den Partnerinnen und PartnernZu den diesjährigen Partnerinnen und Partnern der «OFF Bühne Schweiz» gehören die Verbände Associazione Librai ed Editori della Svizzera italiana (ALESI), LIVRE SUISSE, Schweizer Buchhandels- und Verlags-Verband (SBVV), A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz, der European Writers‘ Council (EWC), der European Council of Literary Translators’ Associations (CEATL), die Mährische Landesbibliothek Brno, die Frankfurter Buchmesse, France Livre sowie der Schweizer Buchpreis.
Die Initiative ergänzt Pro Helvetias Fördermassnahmen für Literaturen aus der Schweiz an der Frankfurter Buchmesse, zu welchen auch die Unterstützung des Schweizer Gemeinschaftsstands und das Mentoringprogramm «Frankfurter Seilschaften» gehören.
Zu den Teilnehmerinnen der Frankfurter Seilschaften 2026In Kooperation mit dem A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz lädt Pro Helvetia sechs Schweizer FINTA-Literaturschaffende an die Messe ein: Aglaia Brändli, Elodie Olson-Coons, Greta Papageorgiu, Janica Irina Madjar, Liliia Zhernov, Louisa Raspé. Ziel des Nachwuchsprojektes «Frankfurter Seilschaften» ist es, den Messebetrieb kennenzulernen, sich im internationalen Kontext zu vernetzen, mit weiteren Akteurinnen und Akteuren des Literaturbetriebs in Kontakt zu kommen und Seilschaften zu bilden. Das Mentorat übernimmt die Schweizer Autorin Tabea Steiner.
Täglich 09:30-10:00
Die tägliche Yoga-mit-Buch-Session unter der Leitung von Karina Goldberg bietet den perfekten Start, um spielerisch Energien zu tanken. Die Buchmesse-Tage sind lang und intensiv. Wie kann man sich körperlich und geistig am besten wappnen? Wir trainieren die Füsse für die langen Wege, stärken den Rücken für erfolgreiche Verhandlungen, öffnen das Herz für die zahlreichen Begegnungen und Geschichten. Immer zur Hand ein treuer Begleiter für die morgendlichen Aufwärmübungen: das aktuelle Lieblingsbuch.
Karina Goldberg ©Karina GoldbergKarina Goldberg (*1981 in Buenos Aires) lebt mit ihrer Familie in Hildesheim. Sie hat zwölf Jahre bei der Frankfurter Buchmesse das Literatur- und Kulturprogramm der Gastländer betreut. Seit 2018 ist sie als Yogalehrerin tätig.
Mittwoch 7.10. 10:30-11:15
Was ist Muttersprache? Und haben wir nur eine? Gemeinsam fragen wir in diesem Workshop, ob es so etwas wie die eigene Sprache überhaupt gibt – und was passiert, wenn wir zwischen den Sprachen wechseln. Ein kurzes Plädoyer und kleine Übungen laden dazu ein, über die Hierarchisierung von Sprachen nachzudenken, darüber, ob man eine Sprache tatsächlich «beherrschen» kann und was das alles mit der Vorstellung von Zugehörigkeit und Ausgrenzung, von Authentizität, Original und Übersetzung zu tun hat.
In Kooperation mit dem Georges-Arthur-Goldschmidt-Programm.
Ela zum Winkel ©Adriane GrządzielEla zum Winkel, mehrsprachig aufgewachsen in Frankfurt am Main, studierte Darstellende Kunst und Translationswissenschaft in Paris und Wien. Sie übersetzt vorwiegend aus dem Französischen und ist in wechselnden Konstellationen am Theater sowie als Moderatorin und Dolmetscherin von Literaturveranstaltungen tätig.
Podiumsgespräch auf Englisch.
Mittwoch 7.10. 11:30-12:15
Das literarische Übersetzen gerät durch KI zunehmend unter Druck. Mehr denn je braucht es deshalb einen Austausch über die Sichtbarmachung und Vermittlung von literarischer Übersetzung. Wie veranstalten wir Übersetzungen, damit ein breites Publikum angesprochen wird? Welche innovativen Formate braucht es dafür? Und wie kann der unverzichtbaren Arbeit der Übersetzenden mehr Sichtbarkeit verliehen werden? Über diese Fragen diskutieren Catherine Schlumberger, Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage, Jörn Cambreleng, Direktor von ATLAS (Association pour la promotion de la traduction littéraire) und Seid Serdarević, Cheflektor des kroatischen Fraktura Verlags, im Gespräch mit Sula Textor.
In Kooperation mit dem Georges-Arthur-Goldschmidt-Programm.
Jörn Cambrelang ©Romain BoutillierJörn Cambreleng ist Übersetzer und Direktor von ATLAS (Association pour la promotion de la traduction littéraire) in Arles, ausserdem leitet er das Residenzprogramm CITL (Collège International des Traducteurs Littéraires). Als Übersetzer überträgt er vor allem deutsche Theatertexte ins Französische.
Catherine Schlumberger ©Geri KrischkerCatherine Schlumberger ist Kulturmanagerin und Germanistin. Seit 2024 ist sie Geschäftsführerin der Solothurner Literaturtage. Davor hat sie viele Jahre im Verlagswesen gearbeitet, zuletzt beim Diogenes Verlag, wo sie verantwortlich war für die literarischen Veranstaltungen.
Seid Serdarević ©Olaf SiebertSeid Serdarević ist Cheflektor des kroatischen Verlags Fraktura, den er 2002 zusammen mit seiner Frau gründete. Ausserdem ist er Initiator und Programmdirektor des Festival svjetske književnosti. Davor arbeitete er als Redakteur für zahlreiche Kulturzeitschriften und Zeitungen.
Sula Textor ©Dominik SeyfarthSula Textor ist Literaturübersetzerin und hat Englische Philologie, Europäische Kunstgeschichte und Vergleichende Literatur- und Kunstwissenschaft in Heidelberg, Paris, Potsdam und Berlin studiert. Sie übersetzt Prosa, Essays, Lyrik, Theatertexte sowie Sachbücher aus dem Englischen und Französischen.
Mittwoch 7.10. 13:00-13:30
«BUTTER ME UP! LULL MICH EIN!» ist ein flirrender und musikalischer Text über eine verzehrende Liebe, die nicht gelebt werden kann. Die namenlose Erzählerin verliebt sich auf einer Zugfahrt in die Frau gegenüber. Ihre Leidenschaft wächst rasch zu einer Obsession. Zwischen den täglichen Anforderungen, die Flucht und Mutterschaft an die Protagonistin stellen, verschwimmen die Grenzen zwischen Erinnerung und Fantasie immer mehr. In einem dichten Gewebe aus Prosa und Lyrik, aus Beschwörung und Gebet zeichnet Liliia Zhernov nach, wie sich das Ich der Erzählerin Stück für Stück auflöst.
Liliia Zhernov ©Anton BelinskiyLiliia Zhernov, geboren in Kiew, lebt seit 2022 in Zürich. Sie studierte Jura und Humanwissenschaften und war vor ihrer Flucht aus der Ukraine Creative Director der Kunst- und Schmuckmarke ZHERNOV. Neben ihrer literarischen Arbeit ist Zhernov auch im Theater tätig. «BUTTER ME UP! LULL MICH EIN!» ist ihr Prosadebüt.
Mittwoch 7.10. 14:00-14:45
Wie sieht eine barrierefreie Literaturveranstaltung aus, sowohl für das Publikum als auch für die Schreibenden? Wie können Lesungen auf organisatorischer und inhaltlicher Ebene zugänglicher gestaltet werden? Die Forderung nach einem inklusiveren Literaturbetrieb ist nicht neu, und trotzdem zeigt gerade ein Grossanlass wie die Frankfurter Buchmesse, wie viele Hürden nach wie vor bestehen. Die Veranstaltungs- und Inklusionsexpertin Marah Rikli und die Verlegerin Annette Beger sprechen darüber, welches Bewusstsein und welche Werkzeuge bereits vorhanden sind, um gleichberechtigte Arbeitsbedingungen und kulturelle Teilhabe umzusetzen und was für wirklich inklusives Literaturveranstalten noch fehlt.
In Kooperation mit dem Verband A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz.
Marah Rikli ©Lea MoserMarah Rikli ist Autorin, Buchhändlerin und Beraterin mit den Schwerpunkten Inklusion, Diversität und Gleichstellung. Sie begleitet Organisationen bei der Entwicklung inklusiver Strukturen, veröffentlicht Texte in verschiedensten Medien und ist Initiantin und Leiterin des feministischen Kunstfestivals KIN und künstlerische Leiterin des Festivals InkluVision.
Annette Beger ©Ole NiemannAnnette Beger ist Verlegerin und Programmleiterin des Kommode Verlags. Sie studierte Schauspiel in Berlin, Gesang in Essen und hat den Master Kulturmanagement an der ZHAW absolviert. 2010 gründete sie den Kommode Verlag. Sie ist Vorstandsmitglied von SWIPS Swiss Independent Publishers.
Lea Gockel ©Birgit HupfeldLea Gockel hat in München und Canterbury Kulturwissenschaften mit dem Schwerpunkt Behinderten- und Taubenkultur studiert und an verschiedenen Theatern im Bereich Regie und Produktion gearbeitet. They entwickelt als weisse, queere, behinderte und chronisch kranke Person am Künstler*innenhaus Mousonturm in Frankfurt die Position Koordination für Barrierefreiheit und inklusive Kulturpraxis.
Mittwoch 7.10. 15:30-16:00
Im Theatertext «Prisma Bros» widmet sich Heinz Helle nichts Geringerem als der allgegenwärtigen Männlichkeitskrise. Als mehrstimmiger Monolog angelegt, eröffnet der Text Szenen einer Selbstreflexion über männliche Sozialisation. Was hat es mit dieser krisenhaften männlichen Identität auf sich? Wie ist eine Zukunft als Mann – mit dem Wissen um die kollektive gewaltvolle Geschichte des eigenen Geschlechts – überhaupt möglich? Mit präziser Sprache und scharfem Blick analysiert Heinz Helle die Vergangenheit, den Ist-Zustand und die potentielle Zukunft der Identität Mann.
Heinz Helle ©Tobias BohmHeinz Helle (*1978 in München) studierte Philosophie in München und New York und Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. In seinem letzten Roman «Wellen» (2022) verhandelt der Schriftsteller ebenfalls Fragen zu Männlichkeit und Vaterschaft. Die Erstaufführung von «Prisma Bros» ist für die Spielsaison 26/27 am Staatstheater Kassel geplant.
Mittwoch 7.10. 16:30-17:00
Rede auf Russisch, Ukrainisch, Englisch und Deutsch mit englischer Übersetzung.
Zum Auftakt des Netzwerk-Anlasses, organisiert von A*dS, EWC, CEATL und Pro Helvetia, hält die ukrainische Autorin Liliia Zhernov eine kurze Rede zum Thema Meinungsfreiheit und Sprache. Sie fragt danach, wie frei eine Dichterin in der Wahl der Sprache für ihren literarischen Ausdruck ist, und wem gegenüber sie für diese Entscheidung Verantwortung trägt. Dafür begibt sie sich mit vier Dichtern aus vier verschiedenen Sprachtraditionen – Joseph Brodsky, Wassyl Stus, Seamus Heaney und Paul Celan – in einen imaginären Austausch und verhandelt anhand deren Werke und Biografien die Frage der Meinungsfreiheit als eine Frage des poetischen Ausdrucks.
Liliia Zhernov ©Anton BelinskiyLiliia Zhernov, geboren in Kiew, lebt seit 2022 in Zürich. Sie studierte Jura und Humanwissenschaften und war vor ihrer Flucht aus der Ukraine Creative Director der Kunst- und Schmuckmarke ZHERNOV. Neben ihrer literarischen Arbeit ist sie auch im Theater tätig. 2026 ist ihr Prosadebüt «BUTTER ME UP! LULL MICH EIN!» erschienen.
Mittwoch 7.10. ab 16:30-19:00
Der Verband A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz, der European Writers' Council (EWC) und die European Council of Literary Translators’ Associations (CEATL) in Zusammenarbeit mit der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia laden herzlich zu einem Netzwerk-Apéro mit Prosecco und Snacks ein. Das Treffen beginnt mit einer kurzen Rede von Liliia Zhernov, die über den Zusammenhang von Meinungsfreiheit und sprachlichem Ausdruck in der Literatur spricht.
Eingeladen sind alle Literaturschaffenden, Übersetzenden sowie Personen aus der Buchbranche.
16.30 Uhr: Rede von Liliia Zhernov
anschliessend: Netzwerk-Apéro mit Musik, Grussworte von Cornelia Mechler (A*dS), Sebastià Portell (EWC) und Francesca Novajra (CEATL)
Eine Anmeldung ist nicht notwendig. Wir freuen uns auf Ihr Kommen und einen anregenden Austausch.
Täglich 09:30-10:00
Die tägliche Yoga-mit-Buch-Session unter der Leitung von Karina Goldberg bietet den perfekten Start, um spielerisch Energien zu tanken. Die Buchmesse-Tage sind lang und intensiv. Wie kann man sich körperlich und geistig am besten wappnen? Wir trainieren die Füsse für die langen Wege, stärken den Rücken für erfolgreiche Verhandlungen, öffnen das Herz für die zahlreichen Begegnungen und Geschichten. Immer zur Hand ein treuer Begleiter für die morgendlichen Aufwärmübungen: das aktuelle Lieblingsbuch.
Karina Goldberg ©Karina GoldbergKarina Goldberg (*1981 in Buenos Aires) lebt mit ihrer Familie in Hildesheim. Sie hat zwölf Jahre bei der Frankfurter Buchmesse das Literatur- und Kulturprogramm der Gastländer betreut. Seit 2018 ist sie als Yogalehrerin tätig.
Donnerstag 8.10. 12:45-13:30
Jeder dritte junge Mann hat ein problematisches Männerbild, das zeigt eine aktuelle Studie aus der Schweiz: Männlichkeit wird mit Dominanz und Härte verknüpft, die Identität Mann wird als bedroht erlebt. Doch was macht diese männliche Identität eigentlich aus? Sophia Fritz beschreibt in «Der Mann, das Opfer» eine tiefgreifende Abwesenheit – Männer fehlen in Beziehungen, einander und sich selbst. Auch Heinz Helle reflektiert in «Prisma Bros» die männliche Sozialisation: Wie ist eine Zukunft als Mann, mit dem Wissen um die kollektive gewaltvolle Geschichte des eigenen Geschlechts, überhaupt möglich? Gemeinsam sprechen sie über die aktuelle Männlichkeitskrise und über Wege zu neuen Identifikationsbildern.
Heinz Helle ©Tobias BohmHeinz Helle (*1978 in München) studierte Philosophie und absolvierte den Studiengang Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Seither lebt und arbeitet er in Zürich. In seinem Theatertext «Prisma Bros» (2026) wie auch in seinem letzten Roman «Wellen» (2022) verhandelt er Fragen zu Männlichkeit und Vaterschaft.
Sophia Fritz ©Paula WinklerSophia Fritz (*1997 in Tübingen) hat Drehbuch und Dramaturgie an der Filmhochschule in München studiert. Ihr Debütroman «Steine schmeissen» erschien 2021, 2024 folgte der Sachbuch-Bestseller «Toxische Weiblichkeit». Unter ehrlichleben.de bietet Sophia Fritz Erforschungsräume für somatisches Erleben gesellschaftlich relevanter Themen an.
Geneva Moser ©Holger MenzelGeneva Moser (*1988) ist Geschlechterforscherin und Philosophin und hat literarisches Schreiben am Literaturinstitut in Biel studiert. Sie ist freie Publizistin, arbeitet an einem Biografie-Projekt über die feministische Pazifistin Clara Ragaz und ist in der Hochschulseelsorge tätig.
Donnerstag 8.10 14:00-14:30
Yael Inokai verbindet in «Die Auster» einen klassischen Krimi-Plot mit Fragen nach sozialer Ungleichheit. Der reiche Geschäftsführer eines Luxuskaufhauses wird von seiner Reinigungskraft Eleonora Bloch tot aufgefunden. Statt sofort die Polizei zu rufen, tut sie das, was sie seit vielen Jahren tut: Sie putzt die Spuren weg. Die Ermittlungen führen in den Mikrokosmos des Kaufhauses hinein, wo sich mit aller Deutlichkeit zeigt, wie eng Glanz mit Elend und Reichtum mit Armut verwoben sind. Und mittendrin steht Eleonora, die mehr zu wissen scheint, als sie preisgibt. Eine unterhaltsame und präzise Analyse gesellschaftlicher Macht- und Besitzverhältnisse.
Yael Inokai ©Ladina BischofYael Inokai (*1989 in Basel) lebt in Berlin. Für ihre Romane «Mahlstrom» (2017) und «Ein simpler Eingriff» (2022) wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Anna Seghers-Preis und dem Clemens-Brentano-Preis. Ihre Bücher wurden in sieben Sprachen übersetzt.
Donnerstag 8.10. 15:00-15:45
Seit August 2026 gelten in der EU neue Transparenzregeln für KI. Und nun? Ohne Transparenz keine ethische und faire KI – so das Fazit vieler Urheberorganisationen. Warum ist Transparenz so wichtig? Was wird schon gemacht? Welche Reaktion folgt auf fehlende Transparenz, z.B. wenn Fake-Bücher nicht deklariert werden? Wie sehen andere Branchen das Thema? Darüber diskutiert Nicole Pfister Fetz, Generalsekretärin des European Writers’ Council, mit Anna-Sophia Lumpe, Sprecherin, Sebastian Stober, Professor für KI, und Peter Haag, Verleger Kein & Aber.
In Kooperation mit dem European Writers’ Council (EWC).
Anna-Sophia Lumpe ©Benedikt HahnAnna-Sophia Lumpe ist ausgebildete Schauspielerin und arbeitet seit vielen Jahren als Sprecherin auf Deutsch und Englisch, u.a. für Film, Werbung und Games. Sie ist 1. Vorsitzende des Verbands Deutscher Sprecher:innen e.V und spricht regelmässig öffentlich zu Generativer Künstlicher Intelligenz und deren Folgen für Kultur und Gesellschaft.
Sebastian Stober ©Jana DünhauptSebastian Stober ist Professor für Künstliche Intelligenz an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Er arbeitet an der Schnittstelle von KI, maschinellem Lernen und kognitiver Neurowissenschaft. In seiner aktuellen Forschung untersucht er generative Modelle für Musik und Sprache.
Peter Haag ©Dominique MeienbergPeter Haag (*1960 in Luzern) ist Verleger und Gründer von Kein & Aber. Nach Ausbildungen zum Buchhändler und Bibliothekar arbeitete er bei der Neuen Zürcher Zeitung und beim Haffmans Verlag. Er lebt mit seiner Familie in Zürich.
Nicole Pfister Fetz ©Büro für Kultur, ZugNicole Pfister Fetz (*1968) ist Kunsthistorikerin, kulturpolitische Beraterin und Generalsekretärin des European Writers’ Council (EWC). Zuvor war sie Geschäftsführerin des Berufsverbands A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz und Präsidentin von Suisseculture Sociale. Sie ist zudem Gastdozentin für Kulturlobbying an der Universität Basel.
Donnerstag 8.10. 16:30-18:00
Das Auge liest mit: Im Literaturmagazin «Gossip» trifft Text auf Bild. Das feministische Magazin vereint Beiträge von TINFA-Personen und schafft Raum für kollektives Geschichtenerzählen und neue Bündnisse. Die aktuelle Ausgabe widmet sich dem Thema Glamour und versammelt Beiträge von Johanna Bommer, Hayat Erdoğan, Laura Leupi, Maya Olah, Estelle Plüss, X Noëme, Anuri Tharayil und Caroline Ventura. Auf der «OFF Bühne» sprechen die beiden Herausgeberinnen Alina Scharnhorst und Ava Slappnig darüber, was sie zu «Gossip» inspiriert hat und worin die schönen und die herausfordernden Seiten des Magazin-Publizierens liegen. Danach gibt es Glitzerdrinks, Musik und Lesungen von Laura Leupi und Estelle Plüss.
Laura Leupi ©Ladina BischofLaura Leupi (*1996 in Zürich) studierte Germanistik, Kulturanalyse und Theater- und Tanzwissenschaft in Zürich, Bern und Giessen und arbeitet in verschiedenen Kollektiven im Bereich Theater und Literatur. Für das literarische Debüt «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt» wurde Laura Leupi u.a. mit dem 3sat-Preis beim Bachmannpreis 2023 und mit einem der Schweizer Literaturpreise 2025 ausgezeichnet.
Estelle Plüss ©Loan SchläppiEstelle Plüss (*2002 in Bern) studierte Literarisches Schreiben in Biel und ist in verschiedenen Genres unterwegs. Als Alwa Alibi hat sie mehrere Alben veröffentlicht, zuletzt ist ihre EP «Dreamgirl» erschienen (2026). In der Spielzeit 26/27 ist sie im Rahmen des «Stück Labor» Hausautorin am Theater Basel.
Alina Scharnhorst ©Edition GossipAlina Scharnhorst (*1995 in Bern) hat in Zürich, Kyoto und Tallinn Grafik Design studiert und ist freischaffende Gestalterin im Kunst- und Kulturbereich. Sie beschäftigt sich mit experimentellen, feministischen Publikationspraktiken und ist seit 2024 Mitherausgeberin des Literaturmagazins «Gossip».
Ava Slappnig ©Edition GossipAva Slappnig (*1995 in Bern) hat Kulturpublizistik, Germanistik und Gender Studies in Bern, Basel und Zürich studiert. Sie arbeitet an der Hochschule der Künste Bern und schreibt als freie Kulturjournalistin für unterschiedliche Magazine und Zeitungen. Seit 2024 ist sie Mitherausgeberin des Literaturmagazins «Gossip».
Täglich 09:30-10:00
Die tägliche Yoga-mit-Buch-Session unter der Leitung von Karina Goldberg bietet den perfekten Start, um spielerisch Energien zu tanken. Die Buchmesse-Tage sind lang und intensiv. Wie kann man sich körperlich und geistig am besten wappnen? Wir trainieren die Füsse für die langen Wege, stärken den Rücken für erfolgreiche Verhandlungen, öffnen das Herz für die zahlreichen Begegnungen und Geschichten. Immer zur Hand ein treuer Begleiter für die morgendlichen Aufwärmübungen: das aktuelle Lieblingsbuch.
Karina Goldberg ©Karina GoldbergKarina Goldberg (*1981 in Buenos Aires) lebt mit ihrer Familie in Hildesheim. Sie hat zwölf Jahre bei der Frankfurter Buchmesse das Literatur- und Kulturprogramm der Gastländer betreut. Seit 2018 ist sie als Yogalehrerin tätig.
Freitag 9.10 10:30-11:00
Lesung und Gespräch auf Deutsch und Französisch.
Nach einer Gewalterfahrung kehrt eine Frau an den magischen Ort ihrer Kindheit zurück: ein Haus an der Küste. Zwischen Erinnerungen, Mutterschaft und neuer Liebe findet sie Schritt für Schritt zu sich selbst. Inspiriert von der Kunst Édouard Vuillards und Heidi Buchers wagt sie, Verletzlichkeit in Stärke zu verwandeln. Pierrine Poget hat mit «Unvollendet, lebend» einen sinnlich-poetischen Text über Weiblichkeit, Liebe und den Mut zum Neubeginn geschrieben, den Annina Haab feinfühlig ins Deutsche übersetzt hat.
Pierrine Poget ©Irina PopaPierrine Poget (*1982 in Genf) schreibt Lyrik und Prosa. Sie hat drei Gedichtbände publiziert und wurde für «Fondations» (2016) mit dem C.F.-Ramuz-Lyrikpreis ausgezeichnet. «Unvollendet, lebend» ist im Original 2024 unter dem Titel «Inachevée, vivante» erschienen.
Annina Haab ©Annina HaabAnnina Haab (*1991 in Wädenswil) hat literarisches Schreiben in Biel, Bern und Leipzig studiert und arbeitet als Autorin und Übersetzerin. Neben dem Roman «Unvollendet, lebend» von Pierrine Poget übersetzte sie zuletzt Theatertexte von Marina Skalova und Guillaume Poix. Sie lebt in Basel.
Freitag 9.10 11:30-12:00
Wochenlang wartet Anna in Ilulissat auf ihren Bruder, den sie seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat. Nach dem Tod ihrer Eltern möchte sie ihm ein Bild übergeben, das er als Kind liebte. Umgeben von den Schneemassen und Eisbergen Grönlands, tauen nach und nach Erinnerungsschichten auf, und Anna beginnt, die Familiengeschichte aufzuschreiben: Eine Geschichte, die geprägt ist von Krieg und Fremdheit. Und doch entdeckt Anna in all dem Schmerz auch die heilende Kraft von Nähe und Schönheit. «Das grosse Eis» ist ein bewegendes, sprachmächtiges und sorgfältig komponiertes Romandebüt.
Sonja Sophie Kreis ©Matthias SchmutzSonja Sophie Kreis (*1963 am Bodensee) arbeitet als bildende Künstlerin und lehrt Kunst und Kunstgeschichte. Sie hat verschiedene Erzählungen und Kurzgeschichten veröffentlicht, u.a. den Prosaband «Kein Schnee in Venedig» (2019). «Das grosse Eis» ist ihr erster Roman.
Freitag 9.10 13:15-14:00
Mit den «Frankfurter Seilschaften» lernen sechs FINTA-Nachwuchsautorinnen* aus der Schweiz den Messebetrieb kennen und knüpfen Kontakte in der Literaturbranche. Damit die Literaturbranche das literarische Schaffen dieser Autorinnen* ihrerseits kennenlernen kann, geben die Schreibenden Einblick in ihre Texte. Die «Frankfurter Seilschaften» sind eine Kooperation zwischen dem Verband A*dS Autorinnen und Autoren der Schweiz und der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia.
Aglaia Brändli ©Max EhrengruberAglaia Brändli lebt in Zürich und überarbeitet ihr Romanmanuskript. Dabei rotiert sie um zwanghafte Beziehungen, Sauerstoff und die Idee des perfekten Verbrechens. Sie studierte Fotografie, Politologie und Komparatistik in Zürich und schloss 2022 ihren Master in Contemporary Arts Practice in Bern ab.
Elodie Olson-Coons ©Pablo FernandezElodie Olson-Coons ist Schriftstellerin und Buchhändlerin. Sie interessiert sich für wilde Gewässer, Bestandsaufnahmen und kollektives Schaffen, setzt sich für interkulturelle Solidarität ein und arbeitet auf Französisch und Englisch. «Les rivières n'existent pas» erscheint im September 2026 im Verlag L'Œil d'or. Derzeit konzentriert sich ihre Arbeit auf die Grenzflüsse des Balkans.
Greta Papageorgiu ©Christoph RahmGreta Papageorgiu (*1998) studierte Islamwissenschaft und Politik, reiste in den Iran und nach Ägypten – und landete schliesslich in einer Bar, in der sie noch heute arbeitet. Die ersten Erfahrungen mit dem literarischen Schreiben sammelte sie als Songwriterin des Dark Wave-Duos «Ich Singe Du Tanzt». Ihr Debütroman «Usserstri» (Arisverlag) ist angesiedelt in jenem Zürcher Nachtleben, das seit Jahren ihr Leben prägt.
Janica Irina Madjar ©Viviane StuckiJanica Irina Madjar (*1997) wuchs in Wengen auf und lebt in Bern. Nach einem Bachelor in Fine Arts mit Schwerpunkt Malerei in Bern und Basel, schloss sie einen Master in Kulturpublizistik in Zürich ab. Janica Irina Madjar nahm an der Masterclass im Literaturhaus Zürich teil und publizierte Texte in verschiedenen Literaturmagazinen. Ihr erster Roman, «Den Berg auf der Zunge» (Limmat Verlag), erscheint im September 2026.
Liliia Zhernov ©Anton BelinskiyLiliia Zhernov wurde in der Ukraine geboren und lebt seit 2022 in Zürich. Ihr Debütroman «BUTTER ME UP! LULL MICH EIN!» (zeitkind Verlag) erscheint im September 2026 auf Russisch und Deutsch, übersetzt von Daniel Henseler. Sie wird von «Weiter Schreiben Schweiz» gefördert; ihre Tandempartnerin ist Ilma Rakusa.
Louisa Raspé ©Balz TraubLouisa Raspé ist Autorin und Dramaturgin. Sie schreibt an den Rändern von Trauer, Körpern, Erinnerungen und innerhalb der Peripherie des Blicks. Anhand von Ausschnitten, Details und Miniaturen erscheint zum Teil das, was immer schon da war, aber nicht zu sehen war.
Freitag 9.10 14:30-15:00
Für «Meine Welt ist ein Gedicht» schickte die Autorin Heike Nieder einen Fragebogen um die ganze Welt. Aus ganz unterschiedlichen Ecken und Enden des Planeten erhielt sie Auskünfte zu Träumen, Ängsten und Hoffnungen von Kindern zwischen 5 und 10 Jahren. Inspiriert von diesen Antworten schrieb Heike Nieder Gedichte, die von Martina Walther illustriert wurden. Daraus ist ein farbiges, humorvolles und sensibles Bilderbuch entstanden, das von grossen Unterschieden und ebenso grossen Ähnlichkeiten erzählt: Was verbindet uns auf dieser weiten Welt miteinander?
Martina Walther ©Kezia ZurbrüggMartina Walther (*1983 in Oberdiessbach) studierte Illustration Fiction an der Hochschule Luzern und ist als Bilderbuchautorin und Illustratorin tätig. Ihr Buch «Albertas Wunschladen» (2023) wurde mehrfach ausgezeichnet. Im Herbst 2026 wird ihr die Ausstellung «ABC der Wünsche» im Literaturhaus Freiburg gewidmet.
Heike Nieder ©Blend 11Heike Nieder ist Journalistin, Geschichtenerzählerin und Lyrikerin. Zuletzt arbeitete sie als Chefredakteurin der Kinder- und Jugendliteratur-Fachzeitschrift «Eselsohr». Sie lebt und arbeitet in München.
Freitag 9.10 15:30-16:00
In «Königin der Nacht» blickt Lukas Bärfuss auf seine Kindheit an der Seite einer Mutter zurück, die ihm weder Nähe noch Schutz geben konnte. Vernachlässigung und Einsamkeit prägen sein Aufwachsen, bis er mit 15 Jahren auf der Strasse landet. Ausgehend von seiner eigenen Geschichte macht Lukas Bärfuss deutlich, dass fehlende Fürsorge kein Einzelschicksal, sondern Ausdruck gesellschaftlicher Strukturen sind. Ein aufrüttelndes Buch, das sich der Frage widmet, wo in einem Leben die persönliche Verantwortung aufhört und die einer ganzen Gesellschaft beginnt.
Lukas Bärfuss ©Lea MeienbergLukas Bärfuss (*1971 in Thun) ist Dramatiker und Romancier, Essayist und Dramaturg. Seine Stücke werden weltweit gespielt, seine Romane sind in zwanzig Sprachen übersetzt. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis und den Schweizer Buchpreis.
Freitag 9.10. 16:30-18:30
Veranstaltung auf Englisch, Tschechisch und Deutsch.
Mit einem vielstimmigen und vielsprachigen Literatur-Apéro klingt der Messefreitag auf der «OFF Bühne» aus: Es gibt literarische Snacks aus dem Gastland Tschechien und aus der Schweiz, dazu werden Drinks und Musik serviert. Anna Beata Háblová, Kristina Hamplová, Sarah Elena Müller und Thierry Raboud lesen aus ihren aktuellen Büchern, deren Figuren alle mit grösseren und kleineren Lebensveränderungen konfrontiert sind. Es sind vier temporeiche, sprachmächtige Texte, literarisch ganz verschieden und doch ähnlich in der Dringlichkeit ihrer Themen: soziale Ungleichheit, Klimawandel und die (Ohn)Macht des Erzählens.
In Kooperation mit der Mährischen Landesbibliothek in Brno anlässlich des Gastlandauftrittes Tschechiens auf der Frankfurter Buchmesse 2026.
Anna Beata Háblová ©Jan SlavíkAnna Beata Háblová (*1983 in Prag) ist Schriftstellerin, Architektin und bildende Künstlerin. Sie hat Gedichtbände und ein Buch über die Geschichte des Einkaufszentrums veröffentlicht. Ihre Gemälde wurden bereits in mehreren Ländern ausgestellt. «Die Schicht» (Geparden Verlag 2026, Ü: Julia Miesenböck) ist ihr zweiter Roman.
Kristina Hamplová ©Martin ŠpeldaKristina Hamplová (*1997) stammt aus einer Kleinstadt in der Nähe von Prag und arbeitet als Lehrerin. Sie schreibt für verschiedene Medien Texte über Musik und moderiert den popkulturellen Podcast Hitparáda Eso. «Lover/Fighter» (zeitkind Verlag 2026, Ü: Kathrin Janka) ist ihr literarisches Debüt.
Sarah Elena Müller ©David FürstSarah Elena Müller (*1990 in Affoltern am Albis) bewegt sich in ihrer Arbeit interdisziplinär zwischen Literatur, Musik oder Performance und sucht nach multimedialen Schaffensformen. Ihr Debütroman «Bild ohne Mädchen» wurde 2023 für den Schweizer Buchpreis nominiert. «Unwucht» (Limmat Verlag 2026) ist ihr zweiter Roman.
Thierry Raboud ©MutoThierry Raboud (*1987 in Martigny) studierte Literatur, Philosophie und Musikwissenschaften in Lausanne und Fribourg. Er ist Dichter, Musiker und Literaturkritiker. Thierry Raboud hat zwei Gedichtbände veröffentlicht und ist Preisträger mehrerer Stipendien und Auszeichnungen. «Un monde en liquidation» (La Baconnière 2026) ist sein erster Roman.
Täglich 09:30-10:00
Die tägliche Yoga-mit-Buch-Session unter der Leitung von Karina Goldberg bietet den perfekten Start, um spielerisch Energien zu tanken. Die Buchmesse-Tage sind lang und intensiv. Wie kann man sich körperlich und geistig am besten wappnen? Wir trainieren die Füsse für die langen Wege, stärken den Rücken für erfolgreiche Verhandlungen, öffnen das Herz für die zahlreichen Begegnungen und Geschichten. Immer zur Hand ein treuer Begleiter für die morgendlichen Aufwärmübungen: das aktuelle Lieblingsbuch.
Karina Goldberg ©Karina GoldbergKarina Goldberg (*1981 in Buenos Aires) lebt mit ihrer Familie in Hildesheim. Sie hat zwölf Jahre bei der Frankfurter Buchmesse das Literatur- und Kulturprogramm der Gastländer betreut. Seit 2018 ist sie als Yogalehrerin tätig.
Samstag 10.10 10:30-11:00
Schwarz-weiss, mit energetischem Strich und viel Humor zeichnet Simon Beuret in «Flèche» die Geschichte des gleichnamigen (Anti-)Helden. Flèche, ein stadtbekannter Hauswart, Bastelkünstler und Alleskönner, wohnt mit seiner uralten Mütti in einer schweizerischen Kleinstadt an der deutsch-französischen Sprachgrenze. Das Stadtbild wird immer stärker von Gentrifizierung und Erneuerung bedroht, so dass Simon Beurets anarchistischer Protagonist zu immer militanteren gebastelten Gegenmitteln greift. Flèche erzählt die Geschichte von Tradition und Wandel, von alt und neu, und stellt die Frage: Welche Veränderung lässt sich überhaupt noch aufhalten?
Simon Beuret ©Patrick FreiSimon Beuret (*1991 in Porrentruy) studierte Illustration an der Hochschule Luzern und arbeitet seither als Cartoonist, Illustrator und Lithograf. Seine erste Graphic Novel «Eye Contact» erschien 2023, «Flèche» ist seine zweite.
Samstag 10.10 11:15-12:00
Was wäre, wenn eine Geschichte entsteht, ohne dass man weiss, wohin sie führt? Wenn jede Zeichnung, jede Figur, jede Wendung eine Einladung an die nächste Person wäre, das Abenteuer fortzusetzen? Der Comic Jam ist eine spielerische und gemeinschaftliche Art, Comics zu gestalten. Dieser Workshop zelebriert die Freude am gemeinsamen Schaffen, alle sind willkommen. Zeichenkenntnisse sind nicht nötig: Ein paar Striche reichen aus, um eine Emotion, eine Handlung oder eine Idee zu erzählen. Simon Beuret hat sich für seine Graphic Novel «Flèche» von dieser Art des Schaffens inspirieren lassen.
Simon Beuret ©Patrick FreiSimon Beuret (*1991 in Porrentruy) studierte Illustration an der Hochschule Luzern und arbeitet seither als Cartoonist, Illustrator und Lithograf. Seine erste Graphic Novel «Eye Contact» erschien 2023, «Flèche» ist seine zweite.
Samstag 10.10 12:30-13:15
Sexualisierte Gewalt ist allgegenwärtig und findet doch kaum Gehör in der Öffentlichkeit. Tut sie es doch, wird sie oft für politische Agenden missbraucht, und Rufe nach härteren Strafen sowie gesellschaftlicher Abschottung werden laut. Christina Clemm und Laura Leupi blicken aus unterschiedlichen Perspektiven auf das Thema: aus juristischer beziehungsweise literarischer Sicht. Sie sind sich einig: Diese Debatten übersehen die strukturelle Dimension – denn nicht härtere Strafen verhindern Gewalt, sondern das konsequente Hinterfragen patriarchaler wie rassistischer Muster. Gemeinsam sprechen sie darüber, warum der Kampf gegen sexualisierte Gewalt uns alle etwas angeht und wieso dieser nur mit einem klaren Bekenntnis zu Empathie gelingen kann.
Laura Leupi ©Ladina BischofLaura Leupi (*1996 in Zürich) studierte Germanistik, Kulturanalyse und Theater- und Tanzwissenschaft in Zürich, Bern und Giessen und arbeitet in verschiedenen Kollektiven im Bereich Theater und Literatur. Für das literarische Debüt «Das Alphabet der sexualisierten Gewalt» wurde Laura Leupi u.a. mit dem 3sat-Preis beim Bachmannpreis 2023 und mit einem der Schweizer Literaturpreise 2025 ausgezeichnet.
Christina Clemm ©Christian WernerChristina Clemm (*1967) ist Fachanwältin für Familien- und Strafrecht und vertritt seit bald 30 Jahren Menschen, die von geschlechtsspezifischer, sexualisierter, rassistischer, lgbtiq-feindlicher und rechtsextrem motivierter Gewalt betroffen sind. Zuletzt von ihr erschienen sind «Gegen Frauenhass» (2023) und «Ein ungehaltenes Plädoyer» (2026).
Geneva Moser ©Holger MenzelGeneva Moser (*1988) ist Geschlechterforscherin und Philosophin und hat literarisches Schreiben am Literaturinstitut in Biel studiert. Sie ist freie Publizistin, arbeitet an einem Biografie-Projekt über die feministische Pazifistin Clara Ragaz und ist in der Hochschulseelsorge tätig.
Samstag 10.10 14:00-14:45
Empathie gilt als Grundpfeiler des Zusammenlebens. Doch wem schenken wir sie – und wem nicht? Und warum zählen manche Menschenleben mehr als andere? Lukas Bärfuss und Carolin Emcke gehen gemeinsam der Frage nach, wie Empathie entsteht und wo sie an Grenzen stösst. Sie diskutieren, wie gesellschaftliche Machtverhältnisse unseren Blick auf andere formen. Was prägt unser Mitgefühl? Und welche Leben nehmen wir als schützenswert wahr? Ein Gespräch über Menschlichkeit, Verantwortung und die politischen Dimensionen der Empathie.
Lukas Bärfuss ©Lea MeienbergLukas Bärfuss (*1971 in Thun) ist Dramatiker und Romancier, Essayist und Dramaturg. In seinen Texten beschäftigt er sich immer wieder mit menschlichen Abgründen und den darunterliegenden gesellschaftlichen Strukturen. Seine Stücke werden weltweit gespielt, seine Romane sind in zwanzig Sprachen übersetzt. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis und den Schweizer Buchpreis.
Carolin Emcke ©Andreas LabesCarolin Emcke (*1967 in Mülheim an der Ruhr) studierte Philosophie in London, Frankfurt a. M. und an der Harvard University. Sie arbeitete mehrere Jahre als Auslandsreporterin mit Fokus auf Krisenregionen. In ihren Texten befasst sie sich mit den Themen Gewalt und Trauma, Demokratiefeindlichkeit und Rassismus, Sexualität und Begehren. Ihre Bücher wurden vielfach übersetzt und ausgezeichnet, u.a. mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels und dem Carl-von-Ossietzky-Preis für Zeitgeschichte und Politik.
Geneva Moser ©Holger MenzelGeneva Moser (*1988) ist Geschlechterforscherin und Philosophin und hat literarisches Schreiben am Literaturinstitut in Biel studiert. Sie ist freie Publizistin, arbeitet an einem Biografie-Projekt über die feministische Pazifistin Clara Ragaz und ist in der Hochschulseelsorge tätig.
Samstag 10.10 15:15-15:45
Wer tritt in die Fussstapfen von Dorothee Elmiger, Kim de l’Horizon oder Sibylle Berg? Der Schweizer Buchpreis wird am 15. November zum 19. Mal vergeben. Auf der «OFF Bühne» geben die Nominierten in Kurzlesungen Einblick in ihre Bücher, dazu lässt die Illustratorin Camille Fröhlich live passende Bildwelten entstehen.
Lukas Bärfuss ©Lea MeienbergLukas Bärfuss (*1971 in Thun) ist Dramatiker und Romancier, Essayist und Dramaturg. Seine Stücke werden weltweit gespielt, seine Romane sind in zwanzig Sprachen übersetzt. Für sein Werk erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem den Georg-Büchner-Preis und den Schweizer Buchpreis.
Hayat Erdoğan © Nils LucasHayat Erdoğan (*1981) ist Dramaturgin, Dozentin und Autorin. Von 2019 bis 2025 war sie Co-Direktorin am Theater Neumarkt Zürich, wo sie künstlerische Konzepte, Stücke und Festivals in multidisziplinären und internationalen Teams entwickelte. Sie lehrt an der Zürcher Hochschule der Künste. Die Autorin lebt in Zürich. «Hauptsache kein Zeitgeist» ist ihr Debütroman.
Sonja Sophie Kreis ©Matthias SchmutzSonja Sophie Kreis (*1963 am Bodensee) arbeitet als bildende Künstlerin und lehrt Kunst und Kunstgeschichte. Sie hat verschiedene Erzählungen und Kurzgeschichten veröffentlicht, u.a. den Prosaband «Kein Schnee in Venedig» (2019). «Das grosse Eis» ist ihr erster Roman.
Sarah Elena Müller ©David FürstSarah Elena Müller (*1990 in Affoltern am Albis) bewegt sich in ihrer Arbeit interdisziplinär zwischen Literatur, Musik oder Performance und sucht nach multimedialen Schaffensformen. Ihr Debütroman «Bild ohne Mädchen» wurde 2023 für den Schweizer Buchpreis nominiert. «Unwucht» ist ihr zweiter Roman.
Camille Fröhlich ©Aunty studioCamille Fröhlich (*1994 in Bern) lebt und arbeitet als freie Illustratorin in Bern und ist als Kunstvermittlerin tätig. Sie studierte Illustration Fiction an der Hochschule Luzern und schloss 2022 ab. «Wahl Familie» ist ihre erste Publikation.
Samstag 10.10. 16:30-17:00
Performative Lesung auf Französisch mit deutscher Übersetzung.
Ausgangspunkt von «Un monde en liquidation» ist ein Kindheitsfoto von Thierry Raboud: Es zeigt ihn mit seinen Geschwistern in der Eishöhle des Rhonegletschers – flankiert von künstlichen Eisbären, einer einst beliebten Touristenattraktion. Raboud verbindet in seinem Text wissenschaftliche Erkenntnisse über das Gletscherschmelzen mit Mythen, historischen Erzählungen, Reiseeindrücken und autobiografischen Erinnerungen. So entwirft er die Vorstellung einer «postglazialen» Welt, welche er in einer performativen Lesung mit schmelzenden Requisiten und Sound auf die «OFF Bühne» bringt.
Thierry Raboud ©MutoThierry Raboud (*1987 in Martigny) studierte Literatur, Philosophie und Musikwissenschaften in Lausanne und Freiburg. Er ist Dichter, Musiker und Literaturkritiker. Thierry Raboud hat zwei Gedichtbände veröffentlicht und ist Preisträger mehrerer Stipendien und Auszeichnungen. «Un monde en liquidation» (2026) ist sein erster Roman.
Täglich 09:30-10:00
Die tägliche Yoga-mit-Buch-Session unter der Leitung von Karina Goldberg bietet den perfekten Start, um spielerisch Energien zu tanken. Die Buchmesse-Tage sind lang und intensiv. Wie kann man sich körperlich und geistig am besten wappnen? Wir trainieren die Füsse für die langen Wege, stärken den Rücken für erfolgreiche Verhandlungen, öffnen das Herz für die zahlreichen Begegnungen und Geschichten. Immer zur Hand ein treuer Begleiter für die morgendlichen Aufwärmübungen: das aktuelle Lieblingsbuch.
Karina Goldberg ©Karina GoldbergKarina Goldberg (*1981 in Buenos Aires) lebt mit ihrer Familie in Hildesheim. Sie hat zwölf Jahre bei der Frankfurter Buchmesse das Literatur- und Kulturprogramm der Gastländer betreut. Seit 2018 ist sie als Yogalehrerin tätig.
Sonntag 11.10 10:30-11:00
Humorvoll, warm und mit genauer Beobachtungsgabe zeichnet Camille Fröhlich in «Wahl Familie» Alltagsbilder von Elternschaft und Nicht-Elternschaft, von Herkunfts- und Wunschfamilie, von Care-Arbeit und Körperlichkeit. Entstanden ist ein Panorama familiärer, romantischer und freundschaftlicher Beziehungen, in dem von kinderlos über kinderfrei bis zu kinderreich alle familiären Entwürfe Platz haben. Liebevoll fängt Camille Fröhlich sowohl die Herausforderungen als auch die Momente des Glücks ein, die die verschiedenen Beziehungsgeflechte mit sich bringen und lädt uns dazu ein, Familie in ihren vielseitigsten Ausprägungen neu zu denken.
Camille Fröhlich ©Aunty studioCamille Fröhlich (*1994 in Bern) lebt und arbeitet als freie Illustratorin in Bern und ist als Kunstvermittlerin tätig. Sie studierte Illustration Fiction an der Hochschule Luzern und schloss 2022 ab. «Wahl Familie» ist ihre erste Publikation.
Sonntag 11.10 11:15-12:00
Im Workshop, der an die Lesung aus «Wahl Familie» anschliesst, tauchen die Teilnehmenden kreativ in das Glossar des Buches ein. Begriffe von «Zeit» bis «Abbruch» dienen dabei als Ausgangspunkt für eigene Sichtweisen auf Familie, Körper und Beziehungen. In lockeren Skizzenübungen und im gegenseitigen Austausch erkunden wir das Wechselspiel von Wort und Bild: Wie verändert sich ein Begriff durch Zeichnung? Und wie beeinflusst ein Wort ein Bild? Gearbeitet wird mit Farbstift, Filzstift und weiteren trockenen Zeichenmaterialien.
Camille Fröhlich ©Aunty studioCamille Fröhlich (*1994 in Bern) lebt und arbeitet als freie Illustratorin in Bern und ist als Kunstvermittlerin tätig. Sie studierte Illustration Fiction an der Hochschule Luzern und schloss 2022 ab. «Wahl Familie» ist ihre erste Publikation.
Sonntag 11.10 12:30-13:00
Kurzlesung auf Italienisch mit deutscher Übersetzung.
Was bleibt von einem Menschenleben? Und wie erzählt man dieses Leben, wenn es das des eigenen Vaters ist? In seinem neuen Versroman verbindet Fabiano Alborghetti persönliche Erinnerungen mit Gesellschaftsgeschichte. Aus den Bruchstücken einer Biografie, die von Armut, Gewalt und verpassten Chancen geprägt ist, entsteht das eindringliche Porträt eines Mannes und einer Generation, die den Wandel der Zeit eher ertragen als mitgestaltet hat.
Fabiano Alborghetti ©Michela di SalvinoFabiano Alborghetti (*1970 in Mailand) lebt im Tessin. Der Dichter, Schriftsteller und Literaturkritiker publiziert in Zeitschriften, arbeitet für Radioprogramme und realisiert Literaturprojekte in Gefängnissen, Schulen und Spitälern. Sein Werk verbindet poetische Sprache mit gesellschaftlichem Engagement.
Henrieke Markert ©Fotostudio KreuzbergHenrieke Markert (*1985 in Dresden) ist Literaturübersetzerin, Gutachterin, Übertitlerin und Dolmetscherin für Deutsch, Italienisch und Englisch. Sie wurde vielfach durch den Deutschen Übersetzerfonds mit Stipendien ausgezeichnet, ist Mitglied im VdÜ und seit 2024 Mitkuratorin des Zentrum Wort der Frankfurter Buchmesse.
Sonntag 11.10 13:30-14:00
«Unwucht» beginnt mit dem Ende: Alice und Rio haben sich getrennt. Sieben Jahre später sitzen sie einander gegenüber und diskutieren über Alices literarische Verarbeitung der gescheiterten Liebesbeziehung. Im Rückblick erzählt der Text von Alices Alltag, gezeichnet von der Sorge um Rio. Zwischen Substanzabhängigkeit, unbeantworteten Anrufen und langfädigen Schichten im Gastrobetrieb entfaltet sich ein Bild einer Ich-Erzählerin, die mit sich selbst und der komplizierten Realität ihrer Beziehung ringt. Mit Humor, Zynismus und Tempo erzählt Sarah Elena Müller eine Liebesgeschichte, um deren unvermeidbares Ende die Lesenden bereits wissen.
Sarah Elena Müller ©David FürstSarah Elena Müller (*1990 in Affoltern am Albis) bewegt sich in ihrer Arbeit interdisziplinär zwischen Literatur, Musik oder Performance und sucht nach multimedialen Schaffensformen. Ihr Debütroman «Bild ohne Mädchen» wurde 2023 für den Schweizer Buchpreis nominiert. «Unwucht» ist ihr zweiter Roman.
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