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Gasspeicher nur halb voll: Deutschland muss jetzt nachlegen

Дата публикации: 16-09-2026 14:40:00

Die Gasspeicher sind nicht voll genug. Um sie zu füllen, hat die Bundesregierung eine besondere Reißleine. Angeblich zieht sie diese nun.

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Die Gasspeicher sind nicht voll genug. Um sie zu füllen, hat die Bundesregierung eine besondere Reißleine. Angeblich zieht sie diese nun.

Medienberichten zufolge hat der Bund den staatlichen Gasimporteur Securing Energy for Europe GmbH (Sefe) angewiesen, mehr Gas einzukaufen. Das soll dazu führen, dass die Gasspeicher-Füllstandsvorgaben zu Anfang November erreicht werden. Eigentlich hatte die Regierung lange Zeit Signale gesendet, nicht auf diese Weise in den Markt eingreifen zu wollen – aber angeblich zwingt der Irankrieg sie zu diesem Schritt.

Das müssen Sie dazu wissen:

  • Deutschlands Gasspeicher sind nur zu etwas mehr als 50 Prozent gefüllt.
  • Bei unvorhergesehenen Engpässen oder einem zu kalten Winter kann das Gas ausgehen, wenn die Speicher nicht bis zum Winter deutlich stärker befüllt werden.
  • Die Bundesregierung hat mehrere Hebel, um für eine stärkere Befüllung zu sorgen.
  • Jetzt übernimmt der Gaskonzern Sefe einen Teil der Befüllung.
Sefe hat keine Anweisung erhalten, aber es kommt neues Gas

Bis zum 1. November müssen die deutschen Gasspeicher zu 70 Prozent gefüllt sein (die meisten Speicher zu 80 Prozent, einige zu 45 Prozent). Im Laufe der vergangenen Monate wurde zunehmend offensichtlich, dass dieses Ziel nicht erreicht werden würde. Von der Bundesnetzagentur hieß es, dass die Gasspeicher eigentlich nicht mehr dieselbe Rolle spielen wie früher. Die Importwege haben sich seit 2022 deutlich verändert und es sei möglich, Gas flexibel vom Weltmarkt zu beschaffen.

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Die „Welt“ will aus Regierungskreisen erfahren haben, dass die Bundesregierung Sefe angewiesen hat, die Speicher zu füllen. Das wäre eine glatte Kehrtwende gegenüber der vorigen Positionierung von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche. Das „Handelsblatt“ berichtete ebenfalls.

Sefe widerspricht dieser Darstellung allerdings. Zu FOCUS online sagt der Gaskonzern, er handele „ausschließlich“ basierend auf eigenen wirtschaftlichen Erwägungen. „Sefe (…) hat zur Befüllung der gebuchten Speicherkapazitäten eine eigenständige kommerzielle Geschäftsentscheidung getroffen“, erklärt Sefe. „Sefe hat keine Gesellschafterweisung des BMWE (Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Anm. d. Red.) zur Gasspeicherbefüllung erhalten“.

Die Befüllung sei aber „vorteilhaft“ und sichere die Versorgung der Kunden. „Profitabilität und Versorgungssicherheit schließen sich nicht aus.“ Immerhin: Es kommt Gas in die Speicher. Die Bundesnetzagentur „begrüßt ausdrücklich“, dass Sefe die Speicher stärker befüllen will, weist aber einmal mehr darauf hin, dass auf dem Weltmarkt genug Gas für den Import vorhanden sei.

Normale Marktmechanismen beim Gas ausgeschaltet

Hinter dem Ganzen steht ein Problem, vor dem Ökonomen schon im Frühjahr gewarnt haben: Die Füllstandsvorgaben sorgen seit einigen Jahren dafür, dass Gas im Sommer unverhältnismäßig teuer ist. Üblicherweise konnten die Händler im Sommer, wenn die Nachfrage und damit die Preise niedrig waren, in großem Stil einkaufen und ihre Lager füllen. Im Winter, wenn das Gas teurer war, mussten sie darum nicht mehr einkaufen und konnten von den Vorräten zehren.

„Händler machen Geld mit dem Einspeichern von Gas, indem sie die Differenz zwischen Sommer- und Wintergaspreisen ausnutzen.“ – Natasha Fielding, Gasmarktexpertin bei Argus Media

Weil die Verkäufer durch die Füllstandsvorgaben aber wussten, dass bis zum 1. November (speziell im Fall Deutschland) eine große Menge an Gas gekauft werden musste, konnten sie diese Vorgaben in ihre Unternehmensentscheidungen einbeziehen und Gas zum Beispiel teurer verkaufen. Niedrige Füllstände sind in milden Wintern nicht unbedingt ein Problem, aber sollte der unüblich kalt oder die Gasversorgung aus dem Ausland gestört werden, kann das Gas frühzeitig zur Neige gehen.

Dieses Problem wird sich nicht von allein lösen, selbst wenn das Gas im Winter 2026/2027 ausreicht. Die Kontraktpreise für im Sommer 2027 zu liefernde Gasmengen sind zuletzt gestiegen. „Am 15. September lag der Aufschlag für den Sommer 2027 gegenüber dem Winter 2027/28 am deutschen Handelsplatz THE bei fast vier Euro pro MWh“, sagt die Gasexpertin Natasha Fielding. Dafür ist die Krise am Persischen Golf mitverantwortlich.

Krieg am Persischen Golf verschärft Gas-Problem

Der Irankrieg wird mehr und mehr zu einem dauerhaften Problem. Weil durch die Blockade der Straße von Hormus erhebliche Mengen an Öl- und Gasexporten fehlen, preisen die Märkte verstärkt längere Lieferengpässe ein – die wichtigen Rohstoffe werden im Großhandel immer teurer.

Die seit Frühjahr mit einigen kurzen Erholungsphasen anhaltende Blockade verschärft das Problem, das Deutschlands Gasspeicher wegen der Füllstandsvorgaben schon hatten.

Was die Gasmaßnahme für Verbraucher bedeutet

Für Verbraucher ist es grundsätzlich eine gute Nachricht, wenn die Gasspeicher voller sind. Es bedeutet, dass die Energieversorgung zuverlässig läuft. Im EU-Ausland sind ähnliche Maßnahmen zu beobachten. Italien und die Niederlande beispielsweise hatten ihre Gasspeicher frühzeitig befüllt. Laut dem „European Gas Hub“ waren die italienischen Speicher schon Ende Juli zu 75 Prozent voll. Die Regierung hatte Anreize für diese Einkäufe eingesetzt und subventioniert bestimmte Gasimporte.

Hinter solchen Einkäufen steht die Spekulation, dass Händler noch vergleichsweise günstig einkaufen – zumindest, wenn man davon ausgeht, dass die Preise bis in den Winter hinein steigen. Sefe geht jetzt denselben Weg und versucht, die aktuellen Preise mitzunehmen, weil die Zukäufe im Oktober womöglich noch teurer sein können.

Für Verbraucher ändert das kurzfristig nichts. Es dauert traditionell eine Weile, bis sich höhere Einkaufspreise bei Gas und anderen Energieprodukten im Großhandel auf die Verbraucherverträge auswirken. Die Kosten in der Beschaffung machen aber einen erheblichen Teil des Gaspreises aus. Sobald es an der Zeit ist, dass die Energiekonzerne das teurer eingekaufte Gas ausliefern, werden die Preise für viele Kunden steigen. „Haushalte mit flexiblen Gasverträgen werden mit die Ersten sein, die diese Auswirkungen spüren“, warnt Fielding.

Verbraucher befinden sich wegen des Irankriegs in einer ähnlichen Situation wie die Gaskäufer. Solange die Preise für Neuverträge noch niedriger waren, konnten sie sich diese niedrigen Kosten per Preisgarantie für die kommende Heizperiode sichern. Wer keinen Vertrag mit Preisgarantie hat, riskiert mittelfristig höhere Kosten.

Neben Gas betrifft das auch Stromverträge. Weil sich der Strompreis immer am teuersten Kraftwerk orientiert und das meistens ein Gaskraftwerk ist, macht teures Gas in der Regel den Strom teuer.

Die Reißleine im Gas-Notfall

Neben einer Sefe-Weisung hat die Bundesregierung auch die Möglichkeit „The Trading Hub Europe“ (THE) mit dem Zukauf von Gas zu beauftragen. Das war 2022 schon passiert – damals hatte THE einen größeren Teil der Gasspeicherkapazität gefüllt, weil es so ausgesehen hätte, als würden die Händler das nicht tun.

Die Stufen der deutschen Gasspeicher-Befüllung im Überblick:

  • Stufe 1: Die Marktteilnehmer befüllen die Gasspeicher. Außerdem können Ausschreibungen im Frühjahr dabei helfen, die Speicher zu füllen.
  • Stufe 2: Zusätzliche SSBO-Sonderausschreibungen sollen weiteres Gas in die Speicher bringen. Diese können stattfinden, wenn frühzeitig feststeht, dass die Füllstandsvorgaben zu einem bestimmten Datum nicht einzuhalten sind.
  • Stufe 3: THE kauft physisches Gas und speichert es ein.

Ob die Aktivierung des THE noch notwendig wird, wenn Sefe jetzt schon Gas einkauft, wird sich zeigen. Dabei besteht ein Risiko, das sich auch am 16. September zumindest kurzzeitig gezeigt hatte: An den Märkten stiegen die Gaspreise rasant. Erst, als die Sefe-Klarstellung durch die Medien ging, dass die Regierung gar nicht eingegriffen habe, beruhigte sich die Lage wieder. Fielding sagt dazu:

„Wenn die Bundesregierung abwägt, ob sie zur Unterstützung der Speicherbefüllung eingreifen soll, muss sie berücksichtigen, dass allein die Ankündigung eines Markteingriffs die Spotmarktpreise für Gas in die Höhe treiben wird. Ein Anstieg der Gaspreise im Sommer im Verhältnis zu den Winterpreisen wirkt kontraproduktiv, da er den Anreiz für die gewerbliche Befüllung der Speicher verringert.“

Genau wie im letzten Jahr kommt es nun darauf an, wie viel Gas Deutsche verbrauchen. Unabhängig vom Speicherfüllstand sollten sie ihr Öl und Gas entsprechend verantwortungsbewusst einsetzen – von der Heizung bis zum Gasherd.

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