Deutschland füllt unter Hochdruck seine Gasspeicher auf. Eine wichtige November-Deadline naht. Die Bundesnetzagentur hält an ihr weiter fest.
Deutschland füllt unter Hochdruck seine Gasspeicher auf. Eine wichtige November-Deadline naht. Die Bundesnetzagentur hält an ihr weiter fest.
„Die Gasversorgung ist stabil“: Seit vielen Monaten gibt die Bundesnetzagentur Entwarnung hinsichtlich der deutschen Gasvorräte. Die Gefahr einer angespannten Gasversorgung sei gering. Allerdings haben zu hohe Kosten im Sommer und die Krise am Persischen Golf dafür gesorgt, dass die deutschen Speicher historisch schwach befüllt sind.
Auf der Homepage der Bundesnetzagentur ist seit Ende August ein Vermerk zu finden: „Die Bundesnetzagentur beobachtet die Lage fortlaufend und bewertet sie mit einem besonderen Fokus auf die Füllstandsvorgabe von 30 Prozent zum 1. Februar 2027.“
Die Gasspeicher-Füllstandsvorgaben im Überblick:
Nun stellt sich die Frage, ob der Fokus der Bundesnetzagentur derzeit nicht eher auf der Novembervorgabe liegen sollte. Die Gasspeicher sind zu etwas mehr als 56 Prozent gefüllt und erst vor ein paar Tagen hat sich der Gaskonzern Securing Energy for Europe (Sefe) aus eigenen Stücken eingeschaltet, um größere Mengen Gas zu kaufen. Die Bundesregierung hätte außerdem die Möglichkeit „Trading Hub Europe“ (THE) anzuweisen, die Lager noch weiter zu füllen.
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Allerdings kam von Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, Mitte September gegenüber „phoenix“ die Ansage, die Novembervorgabe sei nicht haltbar. Die 80 Prozent seien „schon technisch fast nicht mehr zu schaffen und auch nicht realistisch“, sagte er unter Berufung auf Expertenmeinungen. Die Speicher würden allerdings bereits jetzt mehr Gas enthalten, als Deutschland im gesamten vergangenen Winter entzogen hat. Soll heißen: Angenommen, der Verbrauch steigt nicht unvorhergesehen deutlich an, kommt Deutschland mit der Gasmenge hin.
Auf FOCUS-online-Anfrage, ob die Bundesnetzagentur die Novembervorgabe mittlerweile anders bewertet, schlägt die Behörde gänzlich andere Töne an als ihr Chef: „Es gelten (...) nach wie vor die Zielvorgaben zum 1. November (Regelfall 80 Prozent) und zum 1. Februar (Regelfall 30 Prozent).“ Die Vorgaben gelten in den Mitgliedstaaten und sind im Juli 2025 leicht angepasst worden. „Sie sind noch bis Ende März 2027 anwendbar“, heißt es von der Bundesnetzagentur. Wieso sie schon jetzt auf den 30. Februar verweist, obwohl das Novemberziel längst nicht erreicht ist, teilte sie nicht mit.
Jedoch steht auch fest, dass die Füllstandsvorgaben nicht mehr zeitgemäß sind. Deutschland hat die Art und Weise, wie und woher es Gas bezieht, grundlegend geändert. Die Beschaffung ist wesentlich diversifizierter. Es kommt kein Pipeline-Gas mehr aus Russland, dafür bezieht die Bundesrepublik viel Gas aus Norwegen und aus den USA.
Darüber hinaus sorgen die Füllstandsvorgaben dafür, dass das Gas im Sommer viel teurer ist als noch vor einigen Jahren. Die Händler beziehen den Faktor, dass Deutschland und die EU irgendwann vor Winter unbedingt zukaufen müssen, in ihre Geschäftsentscheidungen ein. Normalerweise war es andersherum: Gas kostete im Winter mehr als im Sommer, weil die Gasnachfrage in der kalten Jahreszeit durch den enormen Bedarf angeheizt wird.
Händler haben diese Differenz ausgenutzt, um Gewinn zu machen – so war es jedenfalls vor den Füllstandsvorgaben der Fall.
Wenn die Logik also sagt, dass Füllstandsvorgaben teureres Gas und damit leere Speicher bedeuten, dann müsste Gas umgekehrt wieder billiger werden, wenn die Füllstandsvorgaben aufgeweicht werden.
Dahinter liegt aber das entscheidende Problem, dass der gesamte Gasmarkt in Aufruhr ist. Die Straße von Hormus ist nach wie vor gesperrt. Katar, das normalerweise ein Fünftel des globalen LNG-Bedarfs deckt, kann nicht wie gewohnt liefern. Je nach Wetterlage kann der Bedarf stärker steigen als erwartet – zu viele Nenner sind noch unklar. „Ein geringerer Füllstand im November könnte zwar den unmittelbaren Beschaffungsdruck reduzieren, daraus lässt sich aber keine konkrete Entwicklung der Verbraucherpreise ableiten“, sagt das Vergleichsportal Verivox zu FOCUS online.
Verbraucher müssen in diesen Wochen aufpassen, denn die hohen Großhandels-Gaspreise schlagen sich verstärkt auf die Kundenverträge nieder. Wer geschickt wechselt, kann Hunderte Euro im Jahr sparen. Dabei sollten Sie sowohl auf den Preis achten als auch auf etwaige Kundenboni und wie diese ausgezahlt werden.
Handlungsempfehlung, um die Kosten des eigenen Gasvertrags zu ermitteln:
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