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Wie gelingt Statuserhalt in der Generationenfolge? Strategien und Lebenswirklichkeiten von Mittelschichtsfamilien

Дата публикации: 22-09-2026 08:00:00

Abstiegsängste und die Sorge, den eigenen Status für künftige Generationen zu verlieren, prägen gegenwärtige Krisendiagnosen. Daher ist es wichtig, positive Wege aufzuzeigen, wie es Mittelschichtsfamilien gelingt, ihre Position über mehrere Generationen zu stabilisieren. Eine neue SOFI-Studie identifiziert vier verschiedene Strategien, die alle über reine Bildungsinvestitionen hinausgehen: Die leitenden Mentalitäten, Handlungsweisen und Lebenswege unterscheiden sich. Dies eröffnet denjenigen neue Perspektiven, die nicht den Weg der leistungs-karriereorientierten Strategie beschreiten wollen oder können.

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Abstiegsängste und die Sorge, den eigenen Status für künftige Generationen zu verlieren, prägen gegenwärtige Krisendiagnosen. Daher ist es wichtig, positive Wege aufzuzeigen, wie es Mittelschichtsfamilien gelingt, ihre Position über mehrere Generationen zu stabilisieren. Eine neue SOFI-Studie identifiziert vier verschiedene Strategien, die alle über reine Bildungsinvestitionen hinausgehen: Die leitenden Mentalitäten, Handlungsweisen und Lebenswege unterscheiden sich. Dies eröffnet denjenigen neue Perspektiven, die nicht den Weg der leistungs-karriereorientierten Strategie beschreiten wollen oder können.

Dr. Andrea Hense, Autorin und Forscherin am SOFI, konstatiert: „Unsere Studie zeigt deutlich, dass die von uns befragten neunzehn Mittelschichtsfamilien aus den Bereichen Bildung, Medizin, Recht, Handwerk und Ingenieurwesen ihren Status durch vier sehr verschiedene Strategien über drei Generationen erhalten konnten. Dabei entspricht nur die leistungs-karriereorientierte Strategie gängigen Annahmen zur Statusreproduktion. Zentrale Merkmale sind hier ein ausgeprägtes Leistungsstreben sowie Praktiken des Forderns und Förderns in Bezug auf Bildungsinvestitionen und die beruflichen Karrieren der Familienmitglieder. Berufswege werden langfristig geplant und Karrieren früh vorangetrieben. Besonders herausfordernd wird erlebt, das Ideal von Doppelkarrierepaaren und aktiver Elternschaft zu erfüllen. Meine Mitautor:innen Berthold Vogel, Miriam Schad, Nicole Burzan und ich zeigen in unserer Untersuchung zum einen, dass diese Strategie nur eine von mehreren durchaus erfolgreichen Strategien ist. Zum anderen veranschaulichen wir, dass der Statuserhalt ein individuell vollzogenes Gemeinschaftsprojekt ist, bei dem die Vorgehensweisen der Familienmitglieder über die Generationen hinweg bemerkenswert ähnlich sind.“

Bei der pragmatisch-erfahrungsbasierten Strategie findet sich eine Begrenzung der beruflichen und schulischen Entwicklungsperspektiven auf einem mittleren Niveau. „Berufswege werden schrittweise geplant und auf Basis von konkreten Erfahrungen beständig angepasst, um auf neue Erfordernisse reagieren zu können. Familien leisten Hilfestellung bei der Sammlung praktischer Erfahrungen. Diese Strategie wird durch die Akademisierung einzelner Berufsfelder herausgefordert“, hebt SOFI-Direktor und Co-Autor Prof. Dr. Berthold Vogel hervor.

Darüber hinaus gibt es die selbstverwirklichend-entwicklungsorientierte Strategie. Diese orientiert sich an einem Streben nach Selbstermächtigung und Selbstverwirklichung. Sie drückt sich durch Eigenverantwortung und Selbstständigkeit, informelle Lernmöglichkeiten und die Erprobung eigener Interessen aus. Nachfolgende Generationen haben den Auftrag, ihren eigenen Weg zu finden und einen Beruf zu wählen, der zu ihren Neigungen und Fähigkeiten passt. Risiken des Statuserhalts bestehen in einer Überforderung durch Selbstverwirklichungsansprüche.

Die kooperativ-wirtschaftende Strategie unterscheidet sich von den vorherigen vor allem dadurch, dass die Familienmitglieder in einem Familienbetrieb zusammenarbeiten und ihre gegenseitige Kooperation für den gemeinsamen und individuellen Statuserhalt grundlegend ist. Zentrales Merkmal ist, dass mehrere Familienmitglieder einander ergänzende Positionen in einem Familienbetrieb übernehmen. Charakteristisch ist, dass sie von Pflichtbewusstsein, Verantwortungsübernahme und einem entgrenzten Arbeitsethos geprägt sind. Die gegenseitige Abstimmung der familialen und betrieblichen Arbeitsteilung, die Klärung der Nachfolge sowie die Weitergabe von Betriebsmitteln als Erbe müssen für den Statuserhalt gelingen. Gefahren entstehen durch interne Konflikte sowie Veränderungen des Geschäftsmodells.

Resümierend hält Andrea Hense fest: „Insgesamt zeigen die Ergebnisse zum einen, dass Statuserhalt in der Mittelschicht deutlicher als bislang im Kontext von Familie verstanden werden muss. Zum anderen sind neben der Weitergabe von zentralen Ressourcen vor allem die Prägung von bestimmten Mentalitäten und Sichtweisen sowie die Förderung unterschiedlicher Praktiken zum Statuserhalt zentral, um auf verschiedenen Wegen über mehrere Generationen in der Mittelschicht zu verbleiben.“

Das jüngst erschienene Buch basiert auf dem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Projekt „Statuserhalt in der „sozialen Mitte“: Intergenerationale Stabilisierung in Berufsfeldern der Mittelschicht“ in Kooperation mit Prof. Dr. Nicole Burzan (TU Dortmund) und Dr. Miriam Schad (Institut für sozial-ökologische Forschung).

Veröffentlichung: Schad, Miriam; Hense, Andrea; Nicole Burzan; Vogel, Berthold (2026): Wie Statuserhalt in der Generationenfolge gelingt. Lebenswirklichkeiten von Mittelschichtsfamilien. Weinheim: Beltz Juventa, 211 S., Print und eBook (kostenloser Download).

Link zum Verlag: https://beltz.de/fachmedien/soziologie/wie-statuserhalt-in-der-generationenfolge...

Weitere Informationen und Kontakt:

Soziologisches Forschungsinstitut
Göttingen (SOFI) e.V.
an der Georg-August-Universität
Friedländer Weg 31
37085 Göttingen

Wissenschaftliche Ansprechpartner:innen

Dr. Andrea Hense
Telefon: +49 176 78571582, +49 551 52205-18
E-Mail: andrea.hense@sofi.uni-goettingen.de

Prof. Dr. Berthold Vogel
Telefon: +49 551 52205-0
E-Mail: berthold.vogel@sofi.uni-goettingen.de

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Dr. Jennifer Villarama
Telefon: +49 551 52205-19
E-Mail: jennifer.villarama@sofi.uni-goettingen.de

Schad, Miriam; Hense, Andrea; Nicole Burzan; Vogel, Berthold (2026): Wie Statuserhalt in der Generationenfolge gelingt. Lebenswirklichkeiten von Mittelschichtsfamilien. Weinheim: Beltz Juventa

Merkmale dieser Pressemitteilung:
Journalisten, Wirtschaftsvertreter, Wissenschaftler, jedermann
Gesellschaft, Wirtschaft
überregional
Forschungsergebnisse, Wissenschaftliche Publikationen
Deutsch

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