Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: zwei Nachnamen fürs Baby.
Kolumne | Paris/Saarbrücken · Regelmäßig blicken wir auf französische Eigenheiten und sinnieren darüber, wie man in Frankreich am elegantesten überlebt. Heute: zwei Nachnamen fürs Baby.
15.09.2026 , 09:00 Uhr
Zwei Familiennamen für ein Baby? In Deutschland gilt die neue Regel erst seit 2025, in Frankreich ist das längst möglich. Das hat zum Teil mit alten Familientraditionen zu tun.
Foto: picture alliance / moodboard/dpa Picture-Alliance / Nick WhiteWenn Claire-Anne und Harry-Arnold Eltern werden, bekommt das Kind wahrscheinlich auch zwei Vornamen. Aber geht ein Doppelname auch als Familienname? Was in Frankreich schon länger amtlich ist, wurde in Deutschland erst im Mai des vergangenen Jahres möglich, nachdem das Namensrecht reformiert wurde. Eltern in Deutschland müssen selbst keinen Doppelnamen tragen, um ihrem Kind einen zu geben – aus den Elternnamen, mit oder ohne Bindestrich, unabhängig vom Familienstand. Aber: keine Namenskette – also maximal zwei Nachnamen. In Frankreich dominiert zwar der Name des Vaters, aber zwei Nachnamen für den Nachwuchs werden populärer – und haben zum Teil mit alten Familientraditionen und den Nachbarn zu tun.
Bei den Nachbarn können Kinder seit 2005 echte Doppelnamen erhalten. Eine Option, die langsam populär wird – vor allem im Süden Frankreichs und auch in Paris. Im nahen Frankreich, also im Département Moselle und im Elsass, tragen nur etwa 13 Prozent der Neugeborenen zwei Familiennamen.
2014 bekamen knapp zehn Prozent der französischen Babys einen Doppelnamen als Familiennamen. Dabei entschieden sich unverheiratete Eltern dreimal so oft dafür, wie Frankreichs Nationales Institut für demografische Studien (Ined) in einer Studie bilanzierte. Im vergangenen Jahr bekamen schon 15 Prozent der Neugeborenen die Namen beider Eltern. Werden zwei Frauen Eltern, geben sie meist beide Familiennamen weiter – 60 Prozent ihrer Kinder bekommen einen Doppelnamen. Das meldete jüngst die französische Statistikbehörde Insee.
Ob Dupont, Durand oder Dupieux – die Weitergabe der Namen beider Elternteile ist seltener, wenn der Vater älter als die Mutter ist – und wenn der Vater arbeitet, aber die Mutter nicht. Wahr ist also auch: Die Mehrheit, nämlich knapp 80 Prozent der Neugeborenen bekam 2025 den Familiennamen des Vaters. 2014 waren es drei Prozentpunkte mehr. Die Fälle, in denen nur die Mutter ihren Namen weitergibt, liegen zwischen 2014 und 2025 stabil zwischen sechs und sieben Prozent.
In Deutschland gibt es keine vollständige amtliche Bundesstatistik darüber, wie viele Neugeborene den Nachnamen des Vaters erhalten. Aber Daten des Statistischen Bundesamtes und verschiedene Erhebungen legen nahe, dass das schätzungsweise auf 80 Prozent aller neugeborenen Kinder zutrifft.
Interessant ist in der französischen Statistik noch, dass es sich um eine eher südliche Vorliebe handelt. Die Entscheidung für einen Doppelnamen fällt häufiger bei Kindern, bei denen mindestens ein Elternteil in einem spanisch- oder portugiesischsprachigen Land geboren wurde – fast jedes zweite Baby (59 und 52 Prozent). In Spanien und Portugal werden die ersten Nachnamen von Vater und Mutter ja sowieso in die Geburtsurkunde eingetragen. Häufiger ist ein Doppelname in Frankreich daher auch, wenn die Mutter an der spanischen Grenze wohnt oder im Süden Korsikas. Das betrifft in den Départements Pyrénées-Atlantiques, Pyrénées-Orientales und Landes sowie in Südkorsika zwischen 23 und 27 Prozent der Neugeborenen.
Freundlicherweise liefern die Statistikerinnen und Statistiker noch eine Erklärung mit. So lasse sich der besonders hohe Doppelnamen-Anteil in den Pyrénées-Atlantiques mit einer früher vor allem in Béarn verbreiteten Praxis deuten: In der historischen Provinz am Fuß der Pyrenäen wurde auch der Name der Mutter oder der Name des mütterlichen Gutes weitergegeben.
Aber was, wenn man sich nicht einigen kann, welcher Nachname zuerst stehen soll? Frankreich hat für diese Fälle ein pragmatisches Gesetz: Bei Uneinigkeit erhält das Kind die Namen eben in alphabetischer Reihenfolge. (sas)
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