Auf Föhr singt der Verfasser Loblieder für Gottes Schöpfung. Zugleich denkt er an Erdbeben, Brände und ertrunkene Flüchtlinge. Im Widerspruch wächst Hoffnung.
29.08.2026 · 05:00 Uhr
Zwei Menschen stehen in der Mittagssonne am Hafen von Wyk auf Föhr und blicken auf die Halligen in der Nordsee
Foto: dpa/Carsten RehderKolumne | Düsseldorf · Auf Föhr singt der Verfasser Loblieder für Gottes Schöpfung. Zugleich denkt er an Erdbeben, Brände und ertrunkene Flüchtlinge. Im Widerspruch wächst Hoffnung.
Sommer, Sonne und Familienglück auf der Insel Föhr – auch in diesem Jahr habe ich das wieder mit Leib und Seele genossen. Und habe in der Inselkirche eingestimmt in die Lob- und Danklieder für Gottes Schöpfung und für Gottes Wirken. „Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret, … der sichtbar dein Leben gesegnet, der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.“ „Geh aus, mein Herz, und suche Freud in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben …“.
Ich habe sie mitgesungen und auch mitgefühlt, dieses Lob auf Gottes Regieren, diesen Dank für Gottes wunderbare Schöpfung. Meinen persönlichen Dank für Erfahrungen von Gottes Liebe und für so viele unverdiente Gaben. Ich habe mitgesungen, obwohl mein Herz auch erfüllt war von bedrückenden Bildern des Erdbebens in Venezuela, der brennenden Wälder in Frankreich, der ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer. Und obwohl mich auch im Ferienglück Nachrichten von gestorbenen und trauernden Weggefährten bewegten.
Alltagstaugliche Glaubensäußerungen müssen sich einer solchen Widersprüchlichkeit von Gedanken, Gefühlen und Wünschen in Blick auf Gott stellen. Sonst verkommen sie zu belanglosem Wortgeklingel. Menschliche Erfahrungen und Bilder von Gott sind wohl immer abhängig davon, womit uns das Leben gerade beglückt und beschwert. So wird es kaum Kirchenlieder geben, die Glaubende zu allen Zeiten ohne ein inneres „ja, aber“ singen werden. Aber manchmal ist es gerade dieser innere Widerspruch, der unserem Gesang eine besondere Kraft gibt. Weil er in uns die trotzige Hoffnung wachsen lässt, dass Gottes Regiment und seine himmlischen „Ströme der Liebe“ auf der Erde für uns und für alle „trotz alledem“ konkret erfahrbar werden. Eine Hoffnung, die der Theologe Helmut Gollwitzer so bezeugt hat: „Die Tage, von denen wir sagen, sie gefallen uns nicht, werden nicht die letzten Tage sein. Wir schauen durch sie hindurch. Vorwärts auf ein Licht, zu dem wir schon jetzt gehören und das uns nicht loslassen wird.“
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