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„Prinz Friedrich von Homburg“ in Düsseldorf: Die auf der Stelle treten

Дата публикации: 20-09-2026 14:55:22




Am Ende wird der „Prinz Friedrich von Homburg“ zwar begnadigt, der Kurfürst krönt ihn mit Siegerkranz und Herrscherkette – doch sein Sohn will dennoch sterben und überreicht seinem Double die Insignien.



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„Prinz Friedrich von Homburg“ in Düsseldorf Die auf der Stelle treten

DÜSSELDORF · Am Ende wird der „Prinz Friedrich von Homburg“ zwar begnadigt, der Kurfürst krönt ihn mit Siegerkranz und Herrscherkette – doch sein Sohn will dennoch sterben und überreicht seinem Double die Insignien.

20.09.2026 , 16:55 Uhr

André Kaczmarczyk, Patrick Güldenberg und Patrycia Ziolkowska (v.l.) glänzen im Kleist-Drama „Prinz Friedrich von Homburg“.

Foto: Thomas Rabsch

Er sinkt mit freiem Oberkörper rückwärts den Soldaten in die Arme. Mit dem überraschenden Bild einer Grablegung findet das gleichnamige Drama von Heinrich von Kleist sein Ende. Nach knapp vier Stunden in der Düsseldorfer Inszenierung von Ulrich Rasche.

Er reduziert die Leidensgeschichte des ungehorsamen, aber siegreichen Prinzen konsequent auf wesentliche Stationen und führt auf ewig kreisender Drehscheibe die Figuren wie in einer Tanztheater-Performance. Rasche erntet zwar nach der Eröffnungspremiere im vollbesetzten Schauspielhaus vereinzelte Buhrufe, doch insgesamt war der Jubel groß.

In erster Linie für eine Reihe von hervorragenden Darstellern, die Düsseldorfs neuer Intendant Andreas Karlaganis aus dem Wiener Burgtheater an den Rhein lockte. Sie und Prinz-Darsteller André Kaczmarczyk tragen zum hoffnungsvollen Start in eine neue Ära bei. Als Bühnenbildner und Regisseur ist Rasche in deutschsprachigen Top-Adressen angesagt. Er legte kürzlich bei den Salzburger Festspielen einen vierstündigen „Faust“ hin und nach Düsseldorf geht‘s zum Berliner Ensemble.

Es wird laut und dauert lang, hieß es. Laut wird’s nicht, eher meditativ entspannend. Durch lyrische Cello-Sounds und einen wohlig gedämpften Beat, der wie auf einer Galeere in monotonem Rhythmus in Endlosschleife wiederholt wird. Zurücklehnen erlaubt. Aber die Langsamkeit, mit der Prinz, Fürst (Patrycia Ziolkowksa), Cousine Nathalie (Lucia Kotikova) und Offiziere wie Kottwitz (Christoph Luser) sich wie in einer Karfreitags-Prozession hinschleppen und Konsonanten malmen, geht an die Schmerzgrenze. Und darüber hinaus.

Der Raum ist düster. Erhellt von einer Installation schwebender, leuchtender Neonröhren. Sie kreisen ewig, passen zum musikalischen und tänzerischen Minimalismus, ermüden aber auf Dauer. Denn alle sind auch in schwarzer Kluft, machen permanent die gleichen Schritte vorwärts, treten scheinbar auf kreisender Bühne auf der Stelle. Gemeint ist wohl: Befehle, Gehorsam sind unvermeidbar im Krieg. So werfen sich die Offiziere im Finale gleich in die nächste Schlacht.

Hintergrund: die siegreiche Schlacht von Fehrbellin 1675 gegen die Schweden. Nur von Ferne dröhnt es. Es geht hier nicht um Historie, sondern um den Prinzen, der anfangs um sein Leben winselt. Der Kurfürst verurteilt ihn zum Tode, weil er nicht dessen Order abgewartet hatte. Nach den Gnadengesuchen seines Regiments aber zieht der Prinz den Tod vor, weil der Fürst den Nachweis eines Fehlers forderte. So mutiert das Stück, verstärkt durch kommentierende Sakral-Chöre, immer mehr zu einem Requiem: Meist dunkle Bilder mit schemenhaften Gestalten und streng getakteter Choreografie ziehen in einen Sog, stimmen nachdenklich. Man leidet an Langsamkeit, aber es lohnt sich.

Auch wegen der Mimen: Schmerzen, Pein und Angst vermittelt der Prinz vom ersten Satz an. André Kaczmarczyk (seit 2016 Ensemble-Star) macht aus ihm ein verstörtes, zitterndes, gekrümmtes Wesen, das nicht nur mit seinem mutigen Befehl zum Angriff überrascht, sondern auch später durch den Wechsel vom siegreichen Soldaten, der um Gnade fleht, zum gebrochenen Menschen, der an Krieg und Befehl zweifelt und nur noch sterben will.

Stark auch Patryzia Ziolkowska als Kurfürst, der souverän auf der Klaviatur kalter Macht spielt. Sie repräsentiert nicht den Vater, sondern die Staatsräson, die im Krieg durch eigenmächtiges Handeln gefährdet ist. Neben Yannik Stöbener (Feldmarschall und Toter Prinz) überzeugt besonders Christoph Luser in seinem schneidenden, befehlenden Gnaden-Gesuch an den Kurfürsten. Vor 26 Jahren wurde Luser in Düsseldorf als Jungstar mit Lob und Preisen überhäuft. Heute ist er ein (auch im Fernsehen) gefeierter Charakterdarsteller der Wiener Burg.

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