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Inflation: Durch den Iran-Krieg droht ein Preisschock – wie die Politik dagegen kämpft

Дата публикации: 18-03-2026 15:21:00

Vom Eingriff in den Emissionshandel über die Freigabe von Ölreserven bis zur Pipelinereparatur – mit allen Mitteln versucht die Politik, den durch den Irankrieg drohenden Inflationsschock abzumildern. Der Überblick über die Maßnahmen.

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Düstere Wolken über Saudi-Arabien: Der Krieg am Golf könnte hierzulande die Inflation antreiben
Düstere Wolken über Saudi-Arabien: Der Krieg am Golf könnte hierzulande die Inflation antreiben

Düstere Wolken über Saudi-Arabien: Der Krieg am Golf könnte hierzulande die Inflation antreiben

Foto: REUTERS

Beinahe drei Wochen nach Beginn des Irankrieges wächst die Sorge vor einem Inflationsschock. Das Jahr 2022 ist vielen noch in lebhafter Erinnerung: Seinerzeit ließ der russische Angriff auf die Ukraine die Inflation in Deutschland im Jahresschnitt auf fast 7 Prozent nach oben schießen. Hauptgrund war der sprunghafte Anstieg der Öl- und Gaspreise.

Den gibt es jetzt auch wieder: Durch die Straße von Hormus kommt aus der Golfregion in ruhigen Zeiten etwa 20 Prozent des Erdölangebots und ein etwa ebenso großer Anteil des verflüssigten Erdgases (LNG) für den Weltmarkt. Die Meerenge ist momentan jedoch kriegsbedingt kaum befahrbar. Die Folge: Die Ölpreise sind seit Kriegsbeginn bereits um rund 30 Prozent gestiegen, mit den Gaspreisen in Europa ging es sogar um 60 Prozent nach oben.

Zudem gehören Länder wie Katar, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Iran zu den wichtigsten Düngerproduzenten der Welt. Weil auch deren Ausfuhren die Meerenge von Hormus nicht passieren können, sind die Düngerpreise ebenfalls stark gestiegen.

Kein Wunder also, dass bereits zahlreiche Wege diskutiert werden, wie die Politik und andere Akteure auf den drohenden Preisschock reagieren sollten. Der Überblick:

EZB-Geldpolitik – rauf mit den Zinsen

Beim Thema Inflation richten sich die Augen in der Regel zuerst auf die Notenbanken, deren vornehmliche Aufgabe die Wahrung der Preisstabilität ist. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) etwa orientiert sich daran, die Inflationsrate im Euroraum im Bereich von 2 Prozent zu halten.

Dabei stehen EZB-Präsidentin Christine Lagarde (70) und ihr Ratskollegium unter besonderer Beobachtung: Beim Inflationsanstieg 2022 reagierten die Währungshüter nach allgemeinem Urteil zu spät.

Auch gegenwärtig wird über mögliche Zinserhöhungen von Seiten der EZB bereits heiß diskutiert. „Der Angriff auf den Iran und der damit einhergehende Anstieg der Energiepreise zwingen die EZB, wie auch andere Zentralbanken, zu einer schwierigen Abwägung“, sagte etwa Dirk Schumacher, Chefvolkswirt der staatlichen Förderbank KfW. „Unumgänglich“ sei eine Straffung der Geldpolitik allerdings erst, „wenn über Zweitrundeneffekte eine sich selbstverstärkende Dynamik ins Rollen kommt“. Dies hänge entscheidend von der Stärke und Dauer des Energiepreisschocks ab.

Für den Moment jedoch sei die Dauer des Anstiegs noch „zu gering und die Datenlage zu uneindeutig, um die EZB schon jetzt zu einer geldpolitischen Reaktion zu zwingen“, so Schumacher.

Die Währungshüter treffen sich an diesem Donnerstag, um über den Leitzins zu entscheiden. Die meisten Experten sehen es allerdings wie Ökonom Schumacher – noch dürfte kein Zinsschritt anstehen.

Spritpreise – Berlin bringt Gesetz auf den Weg

Steigen die Ölpreise, so ist die Zapfsäule der Ort, an dem Verbraucherinnen und Verbraucher das als Erstes merken. So war es auch diesmal: Seit Kriegsbeginn haben sich Benzin und Diesel deutlich verteuert. Die Reaktion der Politik darauf folgt im Autoland Deutschland regelmäßig so sicher wie der Griff zum Anschnallgurt nach dem Einsteigen: Eine Vielzahl möglicher Reaktionen wurden in den vergangenen Tagen bereits diskutiert, mit denen Autofahrerinnen und Autofahrer entlastet werden könnten, vom Tankrabatt bis zur Übergewinnsteuer.

Inzwischen hat die Bundesregierung ein Gesetzespaket auf den Weg gebracht. Wichtigster Inhalt: Tankstellen sollen nur noch ‌einmal täglich um 12.00 Uhr die Preise erhöhen dürfen (laut einem Entwurf, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag). Bei Verstößen droht ein Bußgeld von bis zu 100.000 Euro. Zudem erhält das Bundeskartellamt die Möglichkeit, Preisaufschläge im ​Großhandel schnell zu überprüfen ‌und zu stoppen.

„Bislang musste das Kartellamt den Nachweis liefern, dass mit den Preisen etwas nicht stimmt“, erklärte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (52; CDU). „Das verändern wir jetzt, indem die Unternehmen den Nachweis bringen ⁠müssen, dass sie ⁠rechtmäßig gehandelt haben.“

Laut Reiche soll die Neuregelung zu mehr Transparenz und schärferen Regeln für Tankstellen sowie einer Stärkung ‌des Kartellamts führen. Sie soll spätestens Ende März oder Anfang April in Kraft treten.

Freigabe von Ölreserven

Als weitere Maßnahme kündigte Ministerin Reiche die rasche Umsetzung der in der vorigen Woche beschlossenen teilweisen Freigabe der nationalen Ölreserven an.

Noch nie zuvor wurde bei einer gemeinsamen Aktion der IEA-Länder so viel Öl aus den Reserven angezapft. Mit dem Schritt sollen die durch den Krieg angespannten Märkte stabilisiert werden. Experten haben allerdings Zweifel, dass der einmalige Griff zu den Beständen den Anstieg der Ölpreise dauerhaft bremsen kann.

Mögliche Schaffung einer Gasreserve

Der Winter ist gerade vorbei, daher erscheint die Lage bei der Gasversorgung vergleichsweise entspannt. Ministerin Reiche etwa sieht derzeit keinen Handlungsbedarf bei der Befüllung der Gasspeicher für den nächsten Winter. Die Speicher seien aktuell zu 22 Prozent gefüllt, was für ‌den Moment ausreiche, sagte sie. Die Versorgung werde zudem durch Pipelinegas und verflüssigtes Erdgas (LNG) sichergestellt, das weiterhin verlässlich geliefert werde.

Mit Blick auf den kommenden Winter gebe es bereits Vorbuchungen für 64 Prozent der Speicherkapazitäten, so Reiche. Das gebe „ein gutes Gefühl“. Ob weitere Maßnahmen nötig seien, hänge von der Dauer ​des Konflikts im Nahen Osten und der Preisentwicklung ab, so die Ministerin.

Diskutiert wird allerdings die Schaffung einer vom Markt abgetrennten Gasreserve. Diese soll als Notfallinstrument ‌dienen, falls es zu externen Schocks komme.

Emissionshandel – Erleichterungen für die Industrie

Um die Unternehmen auf der Kostenseite zu entlasten, wird über Änderungen beim CO₂-Emissionshandel diskutiert. Bereits Ende November vergangenen Jahres hatte die EU-Kommission Änderungen am Emissionshandel vorgeschlagen. Die Idee: Steigt der CO₂-Preis zu stark, sollen etwa zusätzliche Zertifikate auf den Markt kommen, um ihn wieder zu senken. Auch eine generelle Überprüfung des Emissionshandels ist vorgesehen, Ergebnisse sollen bis Juli vorliegen.

Die EU deckelt die Menge an Kohlendioxid (CO₂), die bestimmte Sektoren insgesamt ausstoßen dürfen. Darunter fallen etwa Strom- und Wärmeproduzenten, Industrieunternehmen, die Schifffahrt und innereuropäische Flüge. Die Unternehmen müssen dann CO₂-Zertifikate kaufen, die auch Verschmutzungsrechte genannt werden, und können diese untereinander handeln.

So bekommen der CO₂-Ausstoß einen Preis, was einen Anreiz schaffen soll, weniger zu emittieren. Der Preis der Zertifikate steigt, wenn mehr CO₂ ausgestoßen wird. Damit die Emissionen sinken, wird zudem jedes Jahr die Zahl der verfügbaren Zertifikate reduziert – was ebenfalls den CO₂-Preis steigert.

Der CO₂-Preis ist das wichtigste Mittel der EU, um ihre Klimaziele zu erreichen.

Die Zuspitzung am Golf und der starke Anstieg der Energiepreise bringen die Kommission nun jedoch unter Druck. Kritik am Emissionshandel kommt aus der Industrie und von einigen EU-Staaten. Ohnehin schwächelt die europäische Wirtschaft, unter anderem wegen der Konkurrenz aus China und der Zollpolitik der USA. Kein Wunder also, dass energieintensive Branchen wie die Chemie Alarm schlagen. Sie geben dem CO₂-Preis eine Mitschuld an ihrer Misere. Die Unternehmen fordern unter anderem eine Deckelung der CO₂-Preise im Jahr 2026.

Das Thema dürfte auch beim Gipfel der Staats- und Regierungschefs am morgigen Donnerstag auf der Agenda stehen. Im Vorfeld des Gipfels hat EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (67) bereits Vorschläge gemacht. In einem Brief an die EU-Staats- und Regierungschefs regt sie beispielsweise an, die Reserve für Emissionszertifikate im EU-Klimahandel anzupassen, um die Preise „kurzfristig im Zaum zu halten“.

Auch der geplante Abbau der Zertifikatemenge könnte verlangsamt werden. Ein Vorschlag zur Überarbeitung des Emissionshandels werde einen „realistischeren Dekarbonisierungspfad für die Zeit nach 2030 festlegen“, schrieb von der Leyen in dem Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorlag. Zudem sollen Industriebetriebe finanziell stärker unterstützt werden.

Strompreisbildung – Debatte über Änderungen

Auch über die Preisbildung im Stromgroßhandel wird vor dem Hintergrund des Irankrieges diskutiert, wieder unter Mitwirkung der EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen.

Ihre Ideen zur Strompreisbildung hat von der Leyen ebenfalls in ihrem Brief an die Staats- und Regierungschefs festgehalten. Darin schreibt sie, dass das gegenwärtig angewandte Preisbildungssystem („Merit-Order-Prinzip“, siehe Kasten unten) Schwächen aufweise, und zwar insbesondere bei hohen Gaspreisen.

Hilfsbereit: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will die Industrie wegen hoher Energiepreise entlasten

Hilfsbereit: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will die Industrie wegen hoher Energiepreise entlasten

Foto: Pascal Bastien / AP

Wie etwa das „Handelsblatt“  berichtet, verweist von der Leyen darauf, dass eine Subventionierung oder eine Begrenzung der Preise für die Stromerzeugung aus Gas sowie Gewinnabschöpfungen Instrumente seien, auf die einige Mitgliedstaaten während der Energiekrise im Jahr 2022 zurückgegriffen hätten. „Die Kommission wird von Fall zu Fall die Auswirkungen solcher nationalen Notfallmechanismen bewerten, die darauf abzielen, die Auswirkungen hoher Gaspreise auf den Strommarkt zu begrenzen“, schrieb sie weiter.

An Europas Strombörsen werden die Preise nach dem sogenannten Merit-Order-Prinzip gebildet. Dabei kommen Kraftwerke in der Reihenfolge ihrer Erzeugungskosten zum Einsatz, zuerst die günstigen, dann die teureren.

Das heißt: Erst, wenn die kostengünstigen erneuerbaren Energien die Nachfrage nicht mehr decken können, werden nach und nach teurere Anlagen zugeschaltet – bis irgendwann auch die Gaskraftwerke mit den besonders hohen Brennstoffkosten an der Reihe sind.

Entscheidend: Der Preis richtet sich letztlich nach dem letzten noch benötigten Kraftwerk, das zugeschaltet wurde. So treiben teure Kraftwerke bei hoher Nachfrage den Strompreis in die Höhe – wovon dann allerdings auch günstige Anbieter neuer Energien profitieren.

Widerspruch erhielt die EU-Kommissionspräsidentin daraufhin vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Beide Verbände warnen davor, die Preisbildung im Stromgroßhandel politisch zu beeinflussen. In dem Brief, aus dem das „Handelsblatt“ zitiert, schreiben BDI-Präsident Peter Leibinger (58) und BDEW-Präsident Stefan Dohler (60), das Prinzip, demzufolge in vielen Fällen Gaskraftwerke das Preisniveau im Strommarkt setzen, müsse erhalten bleiben.

Öl aus Russland durch gelockerte Sanktionen

Nicht nur in Europa bereiten die Preissteigerungen wegen des Irankrieges Sorgen, sondern weltweit, also auch in den USA. Es verwundert daher nicht, dass sich auch US-Präsident Donald Trump (79), der mit dem gemeinsamen Angriff mit Israel auf Iran die Eskalation überhaupt erst ausgelöst hat, um Beruhigung bei den Öl- und Gaspreisen bemüht ist.

Als wenige Tage nach Kriegsausbruch der Ölpreis dramatisch in die Höhe schoss, versuchte Trump bereits zu intervenieren. Auf Social Media verbreitete er, der Krieg werde nicht mehr lange dauern. Dadurch ließen sich die Rohstoff- und Finanzmärkte allerdings nicht lange besänftigen, was vermutlich auch daran lag, dass nicht nur Trumps Gegner Iran, sondern auch sein Verbündeter Israel der Prognose des US-Präsidenten rasch widersprachen.

So griff Trump zu einem anderen Mittel: Er kündigte an, die Sanktionen gegen Russland zu lockern, um Öl aus dem Putin-Reich auf die Weltmärkte zu lenken.

Inzwischen haben die USA die Ankündigung in die Tat umgesetzt: 30 Tage lang soll es erlaubt sein, russisches Öl zu erwerben. Voraussetzung ist allerdings, dass sich das Öl bereits auf Schiffen auf See befindet. Es sei ein Schritt zur Stabilisierung der globalen Energiemärkte, die durch den Irankrieg erschüttert wurden, so US-Finanzminister Scott Bessent (63).

Öl aus Russland durch eine Reparatur

Um Öl aus Russland geht es auch in einem Streit zwischen der Ukraine, Ungarn und der EU. Ungarn hatte der Ukraine vorgeworfen, die Reparatur der beschädigten Druschba-Öl-Pipeline zu behindern. Durch die Leitung gelangen Öl-Lieferungen aus Russland nach Ungarn und in die Slowakei. Ungarn hatte in dieser Woche angekündigt, einen 90 Milliarden Euro schweren Kredit der EU für die Ukraine und neue Sanktionen gegen Russland zu blockieren, solange diese Lieferungen unterbrochen seien.

Auch EU-Ratspräsident António Costa (64) und Kommissionspräsidentin von der Leyen schalteten sich in den Disput ein. Sie verwiesen darauf, dass die Pipeline wichtig sei für die Stabilität der Märkte.

Inzwischen gibt es Entspannung: Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) stehen die Reparaturarbeiten kurz vor dem Abschluss.

Reaktivierung der Gaspreisbremse

Eine besonders drastische Warnung vor steigenden Kosten und Preisen aufgrund des Irankriegs kam schon kurz nach Kriegsausbruch von der Lebensmittelindustrie. Um den Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, müsse konsequent gehandelt werden, sagte Anfang März Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Lebensmittelverbandes sowie der Bundesvereinigung der Ernährungsindustrie (BVE).

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Seine Kernforderung: Eine Reaktivierung der Gaspreisbremse, die bereits 2023, nach Beginn des Ukrainekrieges eingesetzt wurde. Damals wurde für Haushalte und kleine Unternehmen der Gaspreis für ein Basiskontingent von 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs auf 12 Cent pro kWh gesenkt – das sollte jetzt laut BVE erneut geschehen.

Zudem wünscht sich die Lebensmittelbranche Entlastungen bei den Strom- und Transportkosten sowie bei Steuern. Sollte das nicht geschehen, so befürchtet Lobbyist Minhoff Dramatisches: Er sieht einen „Kostentsunami“ auf Deutschland zurollen.

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