Mehr als 30.000 Besucher werden am Wochenende auf dem Areal Böhler zur Cannafair erwartet. Rund 300 Aussteller aus verschiedenen Ländern, darunter die USA und die Niederlande, präsentieren auf der Messe alles rund um Anbau und Konsum von Cannabis.
Rund 300 Aussteller informieren auf der Cannafair über Anbau und Konsum von Cannabis.
Foto: Bretz, Andreas (abr)Düsseldorf · Mehr als 30.000 Besucher werden am Wochenende auf dem Areal Böhler zur Cannafair erwartet. Rund 300 Aussteller aus verschiedenen Ländern, darunter die USA und die Niederlande, präsentieren auf der Messe alles rund um Anbau und Konsum von Cannabis.
Punkt 11 Uhr öffnen sich am Freitagvormittag die Türen zur Cannafair. Schon eine gute Stunde zuvor haben sich lange Schlangen am Eingang gebildet. Die Hanfmesse wird am Wochenende mehr als 30.000 Besucher auf das Areal Böhler ziehen. Sie gilt nach eigenen Angaben als eine der führenden Messen Europas.
Timo, Leon und Joel bleiben gelassen. Die drei sind nicht zum ersten Mal da und wissen ganz genau, was sie wollen: „Wir sind dabei, einen Social Club zu gründen, wollen selber anbauen und informieren uns heute über das Profi-Equipment, das uns noch fehlt“, fasst Leon den Plan zusammen. Die bürokratische Hürde hätten sie „zum größten Teil“ bereits genommen, sagen sie.
Mit dem Vorhaben sind die Jungs aus dem Ruhrgebiet nicht die einzigen in der langen Schlange. Andere haben eher den privaten Konsum im Blick. Alle eint, dass es nach der Cannabis-Teillegalisierung im April 2024 leichter geworden ist, sich mit der Community zu vernetzen.
Parallel haben sich der Anbau und Verkauf zum veritablen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Und das nicht etwa für die diversen Social Clubs und Vereine, die sich in den vergangenen rund zwei Jahren gegründet haben (sie dürfen keinen Profit machen), sondern bezogen auf den Verkauf von medizinischem Cannabis und allem, was an Zubehör für den professionellen Anbau gebraucht wird.
Entsprechend hat sich auch die Ausrichtung der Cannabismesse verändert. Das Material Hanf als Grundstoff für Mode und Accessoires oder Inhaltsstoff für Kosmetika ist eindeutig in den Hintergrund getreten. Modefirmen oder Kosmetikhersteller sind zu anderen Messen abgewandert. Dafür konzentriert sich das Ausstellerangebot der Cannafair vor allem auf Samen, Anbau und Konsumzubehör.
An unzähligen Ständen fachsimpeln die Messebesucher über den richtigen Dünger, die optimalen Belüftungen oder den Einsatz von Lichtquellen. Für Einsteiger in die durchaus komplizierte Materie gibt es Starter-Kits mit einer kleinen Samenauswahl, dem passenden Substrat und einer Box, um daraus zarte Pflänzchen zu ziehen, die – wenn man dann alles nach Anleitung richtig gemacht hat – irgendwann Blüten tragen sollen, die geerntet werden können.
Schwer bepackt schieben sich Manu und ihr Freund Lars durch die Gänge. Die beiden schleppen sich mit Dünger und speziellen länglichen Pflanzkästen ab. Hätten sie das alles nicht auch ganz normal im Baumarkt kaufen können? „Nee“ – wehrt Manu ab. „Die haben hier ganz besondere Dünger, die speziell für den Hanfanbau geeignet sind“. Der Verkäufer habe alles genau erklärt und ihnen auch Infomaterial mitgegeben.
Ein Aussteller aus den Niederlanden hat sich auf die aromatisierte Variante von Hanfblüten spezialisiert. „Von unseren Amsterdamer Kunden wissen wir, welche Geschmacksrichtungen favorisiert werden“, erklärt der Händler und verrät: „Es sind vor allem die älteren Kiffer, die das mögen. Gut gehen fruchtige Noten wie Erdbeere, Zitrone oder Cola. Aber auch Käse liegt hoch im Kurs.“ Zum Beweis öffnet er verschiedene Tütchen, die tatsächlich intensiv fruchtig oder leicht muffig nach Käse riechen.
Die Teillegalisierung ist vor allem für Menschen eine positive Entwicklung, die Cannabis aus medizinischen Gründen brauchen. Beispielsweise weil sie chronische Schmerzpatienten sind. Deshalb finden sich neben Branchenverbänden wie dem BvCW (Branchenverband Cannabiswirtschaft) oder dem Bund gegen Alkohol und Drogen im Straßenverkehr vor allem Stände rund um das Thema medizinisches Cannabis in der Halle. Voraussetzungen für den legalen Erwerb sind kassenärztliche oder private Rezepte. Letztere sind besonders gefragt, seit es in diesem Jahr vonseiten der Krankenkassen keine Unterstützung mehr gibt. Diese Lücke füllt nun die Telemedizin. Die Rezepte müssen dann in Apotheken eingelöst werden. Eine, die sich schon seit 2017 auf die Beratung und Betreuung von Patienten mit medizinischem Bedarf spezialisiert hat, ist die Rats-Apotheke in Gerresheim, die auf der Messe interessierte Besucher über den Einsatz und die Möglichkeiten zum Beispiel in der Schmerztherapie oder Geriatrie informiert.
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