Der Schriftsteller Wladimir Kaminer und andere Prominente empfehlen die Wahl der Linke-Spitzenkandidatin.
Die Politikerin Elif Eralp hört dem Schriftsteller Wladimir Kaminer zu.
Foto: dpa/Jens Kalaene
Stilecht grün sind die Sessel und fast alle Stühle in diesem Raum hinter der Kantine der Tageszeitung »Taz« in der Berliner Friedrichstraße. Grün getönt ist auch eine der großen Fensterscheiben, sodass beim Blick nach draußen alles in ein grünes Licht getaucht ist. Mittendrin sitzt am Donnerstag die rote Elif Eralp, Spitzenkandidatin der Linken für die Abgeordnetenhauswahl am 20. September.
Sie ist der, wie Michael Sontheimer sagt, »nicht so überraschende Überraschungsgast« bei der Präsentation einer Wahlempfehlung, die 21 Erstunterzeichner aus Kultur und Wissenschaft für Elif Eralp abgeben. Der Journalist Sontheimer, der die »Taz« 1979 im Dunstkreis der damaligen Alternativen Liste Westberlins mitgründete, war auf die Idee einer solchen Initiative gekommen. Er hatte sich erinnert, dass sein Vater einst zusammen mit dem Schriftsteller Günter Grass so etwas für den SPD-Politiker Willy Brandt getan hatte.
Man sollte denken, »Taz«-Journalisten halten zu Werner Graf, dem Spitzenkandidaten der Grünen. Doch Sontheimer erzählt: »Ich habe mir sagen lassen, dass in der »Taz«-Belegschaft die ganz große Mehrheit für Elif Eralp ist.« Es überrascht den 71-Jährigen nicht. In seinem Milieu werde schon länger gefragt: »Wählst du noch die Grünen oder wählst du schon Die Linke?«
Die Künstlerin und ehemalige Hausbesetzerin Käthe Kruse gehört zu den Erstunterzeichnern und sagt: »Ich bin Grünen-Wählerin, aber jetzt gehe ich mit Elif.« Die 67-jährige Kruse versichert, sie mache dies nicht, um die Grünen zu schwächen, sondern damit »die Scheiß-AfD abkackt«. Sie erinnert an ihren Großvater, der als Sozialdemokrat von den Nazis verhaftet worden sei. Die Linke sei wählbar geworden, seit Sahra Wagenknecht da ausgetreten sei. Hätte Wagenknecht »noch einen Fußnagel drin«, sähe das anders aus, bekennt Kruse.
Man müsse den Kapitalismus in die Schranken weisen, und er habe große Zweifel, ob die SPD dies könne, erklärt der Schriftsteller Wladimir Kaminer. Der gebürtige Russe mit jüdischen Wurzeln hat »Russendisko« und 38 weitere Bücher mit einer Gesamtauflage von rund 6,5 Millionen Exemplaren verfasst. Er wird von Sontheimer als der »nach Wladimir Putin, Tolstoi und Dostojewski bekannteste Russe in Berlin« vorgestellt.
»Die meisten Politiker, mit denen ich gesprochen habe, die schielen so.«
Wladimir Kaminer Schriftsteller
Für Kaminer gibt es drei gute Gründe, für Elif Eralp zu stimmen: Erstens der Rechtsruck, der die Atmosphäre vergifte. »Dagegen wäre ein rotes Berlin ein sehr gutes Zeichen.« Zweitens die unmögliche Situation auf dem Wohnungsmarkt der Hauptstadt. »Man muss kein Kommunist sein, um das schrecklich zu finden.« Drittens sei die Kandidatin authentisch. »Elif ist eine sympathische Zeitgenossin. Die meisten Politiker, mit denen ich gesprochen habe, die schielen so.«
Michael Sontheimer hat noch andere prominente Unterstützer gewonnen, darunter die Schauspieler Corinna Harfouch und Milan Peschel, Kabarettist Arnulf Rating und Liedermacherin Bettina Wegner. Mit an Bord sind auch die Autorin Gretchen Dutschke und die Lateinamerikanistin Juliana Ströbele-Gregor – die Witwen des sozialistischen Studentenführers Rudi Dutschke und des Grünen-Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele.
Der Radiomoderator Jürgen Kuttner beteiligt sich ebenfalls. Er hatte mit den Grünen nie etwas am Hut, aber Christian Ströbele habe er dennoch gewählt, weil der links und anständig gewesen sei, betont Kuttner. Michael Sontheimer berichtet, die Hälfte der Persönlichkeiten aus dem linksliberalen Milieu, die er angesprochen habe, hätten ihm gesagt, dass sie zwar für Elif Eralp seien, sich aber nicht öffentlich dazu bekennen wollen. Besonders diejenigen hätten das oft nicht gewollt, deren Kulturinstitutionen besonders auf staatliche Fördermittel angewiesen sind.
Als er noch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk tätig gewesen sei, habe es ihm nicht zugestanden, zur Wahl einer Partei aufzurufen. Anfragen, bei PDS-Wahlkampfveranstaltungen aufzutreten, habe er damals abgelehnt, gesteht Jürgen Kuttner. Das sei ein durchaus ehrenwerter Grund, sich wegen einer solchen Rolle nicht zu positionieren. Andere hätten aber einfach Angst, eine Wahlempfehlung abzugeben, weil man bei einem Bekenntnis zur Linken sofort zu hören bekomme: »DDR, Mauertote, blablabla.« Sich deswegen zu drücken, hält Kuttner für feige. Ihm selbst fällt es nun nicht schwer, für Die Linke zu werben. »Meine Tochter sucht eine Wohnung«, sagt er.
Das Zusammenstreichen des Kulturetats durch CDU und SPD und die Untätigkeit, was die Wohnungskrise angehe, seien eine Zumutung, steht im Wahlaufruf, dem sich gern noch weitere Persönlichkeiten anschließen können und sollen. »Wohnen darf keine Ware sein wie jede andere. Wohnen ist ein existenzielles Recht. Nur Die Linke will entschlossen gegen den Mietenwahnsinn vorgehen und der verfehlten Wohnungspolitik ein Ende bereiten.«
Nicht alles, was die Berliner Linke in ihrem Wahlprogramm verspreche, sei von heute auf morgen umzusetzen. Aber man müsse einen Anfang machen, sagt Elif Eralp. Sie bedankt sich bei Sontheimer, Kruse, Kaminer und Kuttner für die Unterstützung. Sontheimer schwärmt von der charmanten und kompetenten Art der 45-Jährigen. Die Vorwürfe, die Berliner Linke seien ein radikaler Haufen von Antisemiten, habe er geprüft und nicht bestätigt gefunden, sagt Sontheimer. Es könne vorkommen, dass der Palästinenser Ahmed Abed, den Die Linke zum Bezirksbürgermeister von Neukölln machen möchte, mal einen Spruch loslasse. Aber sonst sei alles okay, schätzt Sontheimer ein. Was die Ambitionen von Elif Eralp betrifft, Regierende Bürgermeisterin der gesamten Stadt zu werden, erklärt der erfahrene Journalist: »Ich bin ziemlich optimistisch, wenn Die Linke sich nicht noch selbst ein Bein stellt.«
In der jüngsten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa für die »Bild«-Zeitung lagen die Sozialisten mit 19 Prozent nur einen Prozentpunkt hinter der führenden CDU zurück (AfD: 17 Prozent, Grüne: 16, SPD: 15, BSW: 3).
| # | Наименование новости | Тональность | Информативность | Дата публикации |
|---|---|---|---|---|
| 1 | Elif Eralp über eine Kindheit in der Betonsiedlung, Antisemitismus und türkische Komplimente | 0 | 9.84 | 18-08-2026 |
| 2 | Berlin-Wahl | »Demokratische Mitbestimmung findet im Alltag statt« | 0 | 11.16 | 20-08-2026 |
| 3 | Enteignungsstreit vor Berlin-Wahl: Linke erhöht den Druck auf SPD und Grüne | 0 | 20 | 11-08-2026 |
| 4 | Der Berlin-Trend und das grüne Dilemma: Zwischen Linksbündnis und Rotem Rathaus | 0 | 5 | 05-07-2026 |
| 5 | Neues Bündnis „Berlin ist Kultur“: Welche Wahl hat die Kultur? | 0 | 5 | 11-06-2026 |
| 6 | Wahl in Berlin: Ein Igel für Berlin | 0 | 5 | 19-07-2026 |
| 7 | Врио главы Курганской области назвал основного кандидата в Совфед | 0 | 0 | 10-09-2019 |
| 8 | Umfrage in Berlin: Dieser Kandidat hätte bei Direktwahl die Nase vorn | 0 | 11.72 | 10-08-2026 |
| 9 | Памфилова посоветовала Собчак стать наблюдателем на выборах | 0 | 0 | 26-08-2021 |
| 10 | Роднина рассказала, на кого надо ориентироваться Валиевой и Трусовой | 0 | 6.31 | 05-08-2026 |