Fords bisherige Elektrostrategie ist gescheitert, Vorgaben der Trump-Regierung und ausbleibende Nachfrage führten zuletzt zu Milliardenverlusten im Elektrogeschäft. Jetzt schreibt der Konzern einen der größten Beträge der Geschichte ab – und richtet sich neu aus.
Fords bisherige Elektrostrategie ist gescheitert, Vorgaben der Trump-Regierung und ausbleibende Nachfrage führten zuletzt zu Milliardenverlusten im Elektrogeschäft. Jetzt schreibt der Konzern einen der größten Beträge der Geschichte ab – und richtet sich neu aus.
16.12.2025, 11.35 Uhr
Bald nur noch als Hybrid-Version: Ford will seinen Truck F-150 Lightning nicht mehr als Elektrofahrzeug herstellen
Foto: Brendan McDermid / REUTERSFord vollzieht eine Kehrtwende bei seiner Elektroauto-Strategie, schreibt 19,5 Milliarden Dollar ab und stellt gleich mehrere Strom-Modelle ein. Das kündigte der US-Autobauer am Montag an. Anleger reagierten auf den radikalen Strategieschwenk gelassen: Die Aktie des Konzerns notierte zuletzt leicht im Plus.
Die Abschreibungen in Höhe von knapp 20 Milliarden US-Dollar gehören zu den größten Wertberichtigungen, die je ein Unternehmen vorgenommen hat, und gelten als klares Signal, dass sich die Elektroauto-Pläne der US-Autoindustrie kurzfristig nicht umsetzen lassen.
„Anstatt Milliarden in die Zukunft zu stecken, obwohl wir wissen, dass diese großen Elektrofahrzeuge niemals Geld verdienen werden, ändern wir unseren Kurs“, sagte Ford-CEO Jim Farley (63) in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“ (WSJ). „Wir wissen inzwischen genug über den US-Markt, um mit deutlich größerer Sicherheit in dieser zweiten Phase der emissionsärmeren Antriebstechnologien zu agieren“, so Farley.
Seit 2023 hat Ford knapp 13 Milliarden Dollar Verlust mit seinem Elektro-Auto-Geschäft gemacht. Nun werde man sein Angebot an Benzinern wieder ausbauen und sich stärker auf Hybridfahrzeuge sowie sogenannte Extended-Range-Elektrofahrzeuge konzentrieren, hieß es von dem Unternehmen. Das Kapital, das ursprünglich für Elektrofahrzeuge vorgesehen war, werde man in profitablere Modelle umlenken.
Fokus auf Hybrid-VersionKonkret wird Ford die Produktion des Pick-up-Trucks F-150 Lightning als reines Elektrofahrzeug einstellen. Stattdessen werde man sich auf die Herstellung einer Hybrid-Version mit Range Extender konzentrieren, einem benzinbetriebenen Generator, der die Batterie auflädt, hieß es am Montag. Zudem werden ein geplanter elektrischer Truck der nächsten Generation mit dem Codenamen T3 sowie elektrische Nutzfahrzeuge gestrichen.
Der F-150 Lightning war 2022 auf den Markt gekommen, doch nach anfänglichen 200.000 Bestellungen gingen die Verkaufszahlen zurück. Ford stellt mit der Ankündigung praktisch seine gesamte angekündigte zweite Generation von E-Autos ein und verlagert den Schwerpunkt auf erschwinglichere elektrische Modelle, die ab 2027 auf den Markt kommen sollen. Farley sagte dem „WSJ“, die hohen Batteriekosten bei den F-150-Trucks hätten sich als unüberwindbares Hindernis erwiesen. In Kombination mit dem nachlassenden Elektroauto-Boom nach der Pandemie und den besonderen Erwartungen von Truck-Kunden sei Fords ursprüngliche Strategie letztlich gescheitert.
Farley betonte, Ford sei mit einer Mischung verschiedener Antriebstechnologien besser aufgestellt als mit einer einseitigen Strategie. „Das ist eine bessere Lösung für die Kunden“, sagte er, denn „keiner von uns weiß wirklich, wie die Zukunft aussehen wird – aber Ford weiß genug, um zu wissen, dass diese Mischung die richtige ist.“ Bis 2030 wolle man die Hälfte des Umsatzes mit Hybrid-, Elektro- und Extended-Range-Modelle machen, hieß es vom Konzern. Derzeit liegt der Anteil bei knapp 17 Prozent.
6 Milliarden Dollar für gescheiterte Batterie-FabrikDie Abschreibung von 19,5 Milliarden Dollar wird hauptsächlich im vierten Quartal verbucht und erstreckt sich bis ins Jahr 2027. Etwa 8,5 Milliarden Dollar entfallen auf die gestrichenen E-Auto-Modelle, rund sechs Milliarden auf die Auflösung eines Batterie-Gemeinschaftsunternehmens mit SK On aus Südkorea und fünf Milliarden auf weitere projektbezogene Ausgaben.
Der Batteriekomplex von Ford und SK On sollte der Elektro-Strategie von Ford einen Schub verpassen, konnte die Erwartungen jedoch nie erfüllen: Ein Werk wurde nie in Betrieb genommen, das andere lief nur eingeschränkt für den Elektro-F-150. Nun will Ford den Standort statt für E-Auto-Batterien für stationäre Energiespeicher, etwa für Rechenzentren, nutzen. Auch andere Autobauer und Batteriehersteller richten ihre Batterieprojekte zunehmend auf diesen Markt aus.
Während es kurzfristig zu Entlassungen im Batteriewerk kommen wird, will Ford langfristig Tausende Mitarbeiter für die Produktion von Benzin- und Hybridmodellen einstellen. Gleichzeitig hob der Konzern seine Prognose für den bereinigten Gewinn vor Zinsen und Steuern für 2025 auf etwa sieben Milliarden Dollar an.
Die Neuausrichtung von Ford spiegelt die Reaktion der Branche auf eine nachlassende Nachfrage in den USA und die Politik der Regierung von Präsident Donald Trump (79) wider. Die Regierung von Trump-Vorgänger Joe Biden (83) hatte versucht, die Autoindustrie zu einem schnellen Umstieg auf Elektrofahrzeuge zu bewegen, stieß dabei jedoch auf Widerstand vieler Republikaner. In diesem Jahr hob die Trump-Regierung einige der strengsten Vorschriften zur Luftreinhaltung und zum Kraftstoffverbrauch wieder auf. Am 30. September ließ die Regierung außerdem eine seit mehr als 15 Jahren bestehende Steuergutschrift für Verbraucher von 7500 Dollar auslaufen.
Wegen hoher Anschaffungskosten, Sorge um eine zu geringe Reichweite und der unzureichend ausgebauten Ladeinfrastruktur haben viele Käufer Elektroautos bislang gemieden. Die Verkäufe von E-Autos in den USA fielen im November um etwa 40 Prozent.
Diese Mischung aus zurückhaltender Nachfrage und gelockerten Vorgaben ermöglichte US-Herstellern zwar, ihre E-Strategien freier anzupassen, zwang sie jedoch gleichzeitig zu erheblichen Abschreibungen auf ihre Investitionen in Elektromobilität. So verabschiedete sich zuletzt auch General Motors von seinem Ziel, ab 2035 nur noch Elektrofahrzeuge zu bauen, und nahm im dritten Quartal Abschreibungen von 1,6 Milliarden Dollar auf Elektro-Vermögenswerte vor.
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